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Morgenmagazin vom Mittwoch, 20. Dezember 2017

20.12.2017 | 06:49 Uhr |

Markenklage um das App-Store-Icon gegen Apple in China +++ Kuo: AirPods 2 kommen in der zweiten Hälfte von 2018 +++ Amazon Prim Video auf Apple TV begehrt +++ Kaspersky geht gegen Software-Verbot bei US-Behörden vor +++ USA machen Nordkorea für Wannacry verantwortlich +++ Oumuamua erweist sich als normaler Asteroid

20. Dezember: Kurz vor Sendeschluss

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Nun ist es aber langsam mal gut, drei Arbeitstage noch, inklusive dieses soeben angebrochenen. Schulferien sind zwar noch nirgends, doch werden Straßen, Busse und Bahnen allmählich leerer - zumindest diejenigen im Nahverkehr. Fernstraßen, große Bahnhöfe und Flughäfen hingegen werden allmählich immer öfter frequentiert. Das Weihnachtsfest fällt heuer nicht besonders Arbeitnehmer freundlich auf, aber das ändert sich ja von Jahr zu Jahr. Immerhin scheinen sich noch genug Arbeitnehmer so viel Urlaub aufgehoben zu haben, dass sie nicht nur in den Ferien frei haben.

Im Jahr 1996 etwa fiel der Heilige Abend auf einen Dienstag, der 20. Dezember somit auf einen Freitag. Für die meisten war das dann auch der letzte Arbeitstag vor den Ferien, den man ja locker ausklingen lassen konnte, wenn alles erledigt war. Was soll da noch groß passieren?

An jenem Freitag vor 21 Jahren passierte aber noch jede Menge und das sogar noch zur hiesigen Abendstunde. Denn Apple gab im fernen und gerade erwachenden Kalifornien eine Sensation bekannt: Der verlorene Sohn  Steve Jobs werde mitsamt seiner Zweitgründung NeXT nach Cupertino zurück kehren. Der Kaufpreis: 430 Millionen US-Dollar. Das ist auch ohne Inflationszuschlag für 21 Jahre Apples zweitgrößte Akquise nach der von Beats im Jahr 2013, sogar Shazam hat mit 400 Millionen vor ein paar Wochen weniger gekostet.

Das Geld war aber bestens investiert, denn ohne das Eingeständnis, mit seinem Latein am Ende zu sein und den elf Jahre zuvor vergraulten Gründer wieder in das Unternehmen zu holen, wäre Apple heute Geschichte. NeXT aber auch nicht mehr existent, denn es bewahrheitete sich Steve Jobs Prognose aus dem Gründungsjahr 1986: "Wir sind entweder der letzte Computerhersteller, der es schafft oder der erste, der es nicht schafft." Wobei sich das "nicht Schaffen" vor allem auf die Hardware bezog, die NeXT-Workstations waren zwar elegant und höchst leistungsfähig, aber eben viel zu teuer und ohne einen Markt, der die Firma dauerhaft hätte ernähren können.

Das eigentliche Asset der Firma lag aber in der Software und dem Team, das sie entwickelte. Aus dem Betriebssystem NeXTStep respektive Open Step wurde die Grundlage der kompletten Softwarebasis für das Apple von heute: Mac-OS X. macOS, iOS, tvOS und watchOS sind im Wesentlichen Ausgliederungen aus dem zentralen Betriebssystem, das wiederum auf einem Unix-Kern aufsetzt: Free BSD.

Apple hatte seinerzeit die Wahl zwischen NeXT und einem anderen Unternehmen eines Ex-Mitarbeiters, Jean-Louis Gassées Be Inc. Apples damaligem CEO GIl Amelio muss es damals vorgekommen sein wie die Wahl zwischen Skylla und Charibdis, ihm war klar, dass entweder Jobs oder eben Gassée ihm den Posten an der Unternehmensspitze würden streitig machen. Dass die Wahl auf NeXT fiel und nicht auf Be hatte wohl auch damit zu tun, dass Gassée zu hohe Forderung stellte, was den Kaufpreis und seinen Posten im Unternehmen betraf.

Steve Jobs hingegen ließ sich weit bescheidener an jenem Freitag vor 21 Jahren als externer Berater engagieren. Als solcher baute er jedoch sogleich den Aufsichtsrat um, im August 1997 war Gil Amelio bei Apple Geschichte. Die Erfolgsgeschichte des NeXT-Kernes in Apple hatte da noch gar nicht begonnen, die finale Version von Mac-OS X 10.0 kam erst im März 2001 auf den Markt. Aber auch eine andere Entwicklung hatte NeXT im Gepäck, die sofort durchstarten konnte: Die Entwicklungsumgebung für Internetanwendungen WebObjects. Darum ging es schlussendlich auch bei Apples Suche nach einem neuen Betriebssystem: Das klassische MacOS war auf das Internet nur mäßig vorbereitet und schließlich zum Flickwerk verkommen. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Soundzylinder: Amazon mag die Lautsprecherqualitäten seiner Echoes in der zweiten Generation verbessert haben, wirklich gut klingen sie nicht. Es gibt aber einen Markt für Smartspeaker mit ansprechendem Sound, sonst würde Apple sich nicht dem HomePod auf dieses Terrain wagen. Zu den potentiellen Konkurrenten gehört Ultimate Ears Megablast, den unsere Kolelgen von Techhive getestet haben. Der Klang ist anständig und ein wenig immersiv, wenn auch nicht wirklich in 360 Grad ausgestrahlt. Stereo lässt sich nicht immer als solches erkennen. Zudem bemängelt der Tester die fehlenden Mitten im Klangspektrum: Der Megablast mache zwar ordentlich Druck im Bass, auf Dauer könne er sich aber etwa auf Parties nicht durchsetzen. Auf der Plusseite steht natürlich seine Wasser- und Staubresistenz und eine recht lange Akkulaufzeit, zudem die große Farbauswahl: Der Megablast ist eine Speaker für draußen. Mit seinem Preis von 300 US-Dollar kostet der Alexa-fähige Lautsprecher zwar deutlich mehr als die Echoes, ist aber immer noch weit günstiger als es der HomePod sein wird.

Klage: Apple sieht sich in China einer Markenklage ausgesetzt. Der Bekleidungshersteller KON sieht in dem aktuellen Logo des App Store auf iOS und macOS sein Logo kopiert - und in der Tat, seitdem Apple in dem stilisierten "A" Schreibstift, Lineal und Pinsel durch drei einfache Balken ersetzt hat, sehen sich die Icons zu verwechseln ähnlich. Das Volksgericht in Peking hat die Klage von KON angenommen, das Schadensersatz und eine öffentliche Entschuldigung durch Apple fordert, womöglich soll der Verkauf von Geräten in Chna sogar verboten werden, die das KON-Logo missbräuchlich nutzen. So weit wird es nicht kommen, Apple dürfte im Falle einer wahrscheinlichen Niederlage vor Gericht einen Vergleich suchen. Die ist zuletzt mit einem Lederwarenhersteller geschehen, der in China das Recht an der Wortmarke "iPhone" hielt.

Rekord: Anscheinend haben viele nur darauf gewartet. Die Amazon Prime Video App für das Apple TV ist laut TechCrunch diejenige, die in der ersten Woche nach ihrer Veröffentlichung am häufigsten aus dem App Store für die Settopbox geladen wurde. Daten kommen von Sensor Tower und App Annie. Sensor Tower sieht die Amazon-App an der Spitze der Charts kostenloser Apps in allen Ländern, in denen Prime Video veröffentlicht wurde. App Annie indes stellt eine deutliche Zunahme von iOS-Dowloads der App fest, die mit denen für tvOS korreliert. In der Woche vom 3. bis 9. Dezember habe es mit 550.000 Downloads 45 Prozent mehr als sonst gegeben.

Update: Laut des Analysten Ming-Chi Kuo von KGI Securities plant Apple für die zweite Jahreshälfte ein Upgrade seiner drahtlosen Ohrhörer AirPods. Wie das im Detail aussehen können, sagt Kuo nicht, deutet lediglich an, dass die Elektronik der Geräte noch kompakter werden könnte. Spekulationen, die AirPods könnten auch einen Pulsmesser erhalten, wiederholt der Analyst nicht. Dafür hat er aber eine Erklärung, warum die AirPods derzeit bei Apple nur schwer zu bekommen sind. Den Flaschenhals in der Produktion machen laut Kuo die Rigid-Flex-Leiterplatten für die Batterie aus. Apple bekomme das aber im nächsten Kalenderjahr in den Griff und werde den Verkauf auf 26 Millionen Paar AirPods verdoppeln. Bereits angekündigt für 2018 hat Apple eine neue Akku-Schachtel, die sich auch auf dem erst vorangekündigten Ladegerät AirPower drahtlos aufladen lassen wird.

Weitere Nachrichten:

Kaspersky geht gegen Software-Verbot bei US-Behörden vor

Ab 1. Oktober 2018 ist der Einsatz von Kaspersky-Software auf US-Behördencomputern gesetzlich verboten . Die „Binding Operational Directive 17-01“ der US-Heimatschutzbehörde DHS wurde in der vergangenen Woche durch die Unterschrift des US-Präsidenten Donald Trump zu einem vollwertigen Bundesgesetz. Kaspersky Labs hat nun vor dem US-amerikanischen Bundesgericht Einspruch gegen das DHS-Verbot eingelegt .

Kaspersky will den verpflichtenden Verwaltungserlass des DHS anfechten. Laut dem Antiviren-Software-Entwickler sei die „Binding Operational Directive 17-01“ verfassungwidrig. Die Entscheidung stütze sich auf „subjektive, nicht fachliche öffentliche Quellen, wie unbestätigte und häufig auf anonymen Quellen beruhende Medienberichte und damit in Zusammenhang stehende Behauptungen und Gerüchte“, erklärt das Unternehmen in einer offiziellen Mitteilung.

Das DHS habe außerdem versäumt, Kaspersky Labs „ein angemessenes ordnungsgemäßes Verfahren zu ermöglichen, um die unbegründeten Behauptungen, die dem Erlass zugrunde liegen, zu widerlegen.“ Auch habe das DHS keine Beweise für ein Fehlverhalten des Unternehmens vorgelegt. Kaspersky Lab sei eigenen Angaben zufolge kooperationsbereit gewesen und habe dem US-Heimatschutzministerium seine Unterstützung und die Bereitstellung von Informationen angeboten. Im August habe das Ministerium den Erhalt bestätigt und eine Zusammenarbeit begrüßt. Dazu sei es laut Kaspersky jedoch nicht mehr gekommen. „Bei der nächsten Mitteilung des DHS an Kaspersky Lab am 13. September 2017 handelte es sich dann jedoch um die Benachrichtigung zur Veröffentlichung der ‚Binding Operational Directive 17-01‘,“ heißt es in der Kaspersky-Stellungnahme weiter.

Durch das Nutzungsverbot für Kaspersky-Produkte in US-Behörden sei „ sowohl dem Ansehen des Unternehmens in der IT-Sicherheitsbranche als auch dem Absatz der Kaspersky-Produkte in den USA ein übermäßiger Schaden zugefügt“ worden. „Durch die Maßnahmen werden die grundlegenden Prinzipien von Kaspersky Lab in Bezug auf den Schutz seiner Kunden und die Bekämpfung von Cyberbedrohungen, unabhängig von deren Ursprung oder Zweck, in unfairer Art und Weise in Zweifel gezogen,“ klagt das Unternehmen weiter. Mit dem Einspruch beim Bundesgericht will Kaspersky seine Rechte schützen und den durch das Verbot verursachten Schaden beheben.

Kaspersky Labs wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Verbindungen zur russischen Regierung nachgesagt. Nach Auffassung der US-Geheimdienste könnte Russland den Entwickler und dessen Software nutzen, um Ziele in den USA auszuspähen. Kaspersky-Labs-Gründer Eugene Kaspersky war nicht müde geworden, diese Vorwürfe immer wieder zu bestreiten.  

USA machen Nordkorea für Wannacry verantwortlich

In einem Leitartikel im Wall Street Journal machen die USA nun öffentlich Nordkorea für die Verbreitung der Ransomware Wannacry verantwortlich. Das erklärte Tom Bossart, Berater des US-Präsidenten Donald Trump aus der Heimatschutzbehörde, in der Zeitung. Wannacry hatte sich im Mai verbreitet und unter anderem PCs in Krankenhäusern, Unternehmen und anderen wichtigen Institutionen auf der ganzen Welt befallen. Bereits im Juni gab es Gerüchte, denen zufolge die US-Heimatschutzbehörde im Besitz von Beweisen sei, die auf Nordkorea hindeuteten.

Im Wall-Street-Journal-Artikel bestätigt Bossart, dass die NSA aufgrund von Beweisen, die von ausländischen Regierungen und unabhängigen Cybersecurity-Firmen gesammelt wurden, vom Wannacry-Ursprung in Nordkorea ausgehe. „Wir machen diese Anschuldigung nicht leichtfertig. Sie basiert auf Beweisen. Mit den Ergebnissen unserer Recherchen sind wir außerdem nicht allein. Andere Regierungen und Unternehmen stimmen uns zu. Großbritannien sieht den Ursprung der Angriffe in Nordkorea und Microsoft konnte die Attacken zu Verbündeten der nordkoreanischen Regierung zurückverfolgen,“ schreibt Bossart.

Welche konkreten Konsequenzen die USA aus den Beweisen ziehen werden, ist noch unklar. Denkbar sind weitere Sanktionen, wie sie bereits aufgrund des nordkoreanischen Nuklearprogramms verhängt wurden. Laut Bossart werde man weiterhin alle Ressourcen darauf verwenden, die Möglichkeiten für Cyberangriffe aus Pyongyang zu beschränken. Der Trump-Berater fordert weiterhin harte Strafen für Cyber-Kriminelle. Unternehmen müssten außerdem ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken, um sich gegen Angriffe zu schützen. Die USA würden sich nun verstärkt gegen Cyber-Attacken seitens ausländischer Regierungen rüsten.

Oumuamua erweist sich als normaler Asteroid

Obwohl er nur auf der Durchreise war, erregte der Asteroid Oumuamua bei Forschern weltweit großes Aufsehen . Neben seiner ungewöhnlichen Form weckte auch seine lange Reise das Interesse der Astronomen. Von der Erde aus sollte herausgefunden werden, ob Oumuamua möglicherweise Radiosignale von sich gibt und Botschaften fremder Lebewesen aussendet. Nach eingehender Untersuchung ergab sich jedoch, dass es sich um einen natürlichen Asteroiden handelt, der uns nur einen kurzen Besuch abgestattet hat.

Ein internationales Astronomenteam um Alan Fitzsimmons von der Queen's University Belfast beobachtete den Asteroiden bei seiner Durchquerung unseres Sonnensystems. Auch in den USA wurde das riesige Green-Bank-Radioteleskop auf Oumuamua gerichtet. Doch auch die US-Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass es sich um ein außerirdisches Raumschiff oder einen Botschafter fremder Zivilisationen handelt. Das 400 Meter lange Objekt umkreiste am 9. September unsere Sonne und wurde dabei auf bis zu 300 Grad Celsius erhitzt. Durch eine Schutzschicht aus Kohlenstoffverbindungen zerbrach der Asteroid durch die große Hitze jedoch nicht. Interstellare Himmelskörper, die durch mehrere Sonnensysteme reisen, sind relativ selten zu beobachten. Die große Aufregung um Oumuamua war wohl aber etwas übertrieben.

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