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Morgenmagazin vom Mittwoch, 25. Juli 2018

25.07.2018 | 07:07 Uhr |

Thermische Drosselung: Apple bringt macOS High Sierra Supplemental Update als Fix +++ iPhone von Handelskrieg gefährdet +++ Chrome 68 warnt vor HTTP-Webseiten +++ Spezifikationen zu neuen Intel-Core-CPUs aufgetaucht +++ Russische Hacker sollen US-Stromnetz im Visier haben

25. Juli: Eine Frage der Kommunikation

Wir wünschen allseits Guten Morgen! In der Theorie macht Technologie die Welt besser. Vielmehr verhilft sie zu einer besseren Welt, es hängt immer davon ab, wie man die Technik einsetzt.

Autonomes Fahren etwa verspricht, Unfälle zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Computer haben nunmal keine Schrecksekunde und können in Lichtgeschwindigkeit miteinander kommunizieren. Wenn also zwei autonome Fahrzeuge auf Kollisionskurs sind, können deren Bordcomputer unmissverständlich miteinander verhandeln, wer wohin ausweicht. Menschen kann das nicht gelingen, wenn die Kommunikation schwierig ist. Und das ist nicht nur im Straßenverkehr der Fall, wo Autos keine Körpersprache haben und man die Mimik und Gestik der Fahrer nur schlecht erkennt.

So kann es zu fatalen Fehlentscheidungen kommen, die aus einer Beinahkollision So wichen am 25. Juli 1956 die in einer Nebelbank südlich von Nantucket aufeinander zulaufenden Schiffe Stockholm und Andrea Doria auf Befehl ihrer menschlichen Kapitäne und Steuerleute beide nach Süden aus, der fatale Fehler endete für 46 Passagiere tödlich. Weit mehr Opfer erforderte der Flugzeugcrash über Überlingen im Juli 2002, als die Kommunikation von Flugsicherung, Piloten und den beteiligten Computern zur Katastrophe führte.

Ein moralisches Dilemma wird sich ergeben, müssen Computer aufgrund der von Menschen erstellten Regeln blitzschnell entscheiden, wen sie in einer ausweglosen Situation opfern. Die fünf Rentner in ihrem nicht autonomen Fahrzeug, die dem autonomen die Vorfahrt genommen haben? Den oder die Insassen des autonomen Fahrzeugs, widersprechend der Grundregeln bezüglich des Eigenschutzes? Oder das Kind am Straßenrand, bei einem Ausweichmanöver, das den fünf Rentnern, dem autonomen Fahrzeug samt seiner Passagiere die Unversehrtheit gewährleistet?

Wir stehen hier vor einem Problem, Computer werden diese Entscheidungen nur nach Rahmen der Regeln, Gesetze und Algorithmen treffen, die ihre menschlichen Schöpfer ihnen gaben. Diese Entwickler werden nach ihrer eigenen Moral handeln und dabei  womöglich ihre eigenen Lebensumstände berücksichtigen. Der ein oder andere hat Kinder, der andere steht kurz vor der Rente und hat Spaß am Selbstfahren, der nächste teilt Menschen in Schubladen wie Hautfarben oder Geschlecht ein und nimmt dann eine Wertung vor.

Vielleicht ist aber schon die Frage falsch gestellt: Kind oder Rentner, schwarz oder weiß. Vielleicht ist nicht der hypothetische oder konkrete Einzelfall entscheidend, sondern eher das Gesamtbild: Wie sehr tragen autonome Fahrzeuge insgesamt  dazu bei, Unfallzahlen zu senken und Verletzungen zu verringern?

Eines ist gewiss: Hätten seinerzeit über Überlingen nur die Computer gehandelt, wäre dort niemand zu Schaden gekommen. Und hätten die Schiffe Andrea Doria und Stockholm die Technik von heute an Bord gehabt, würden zumindest einige der Opfer noch heute leben und ihren Enkeln und Urenkeln von dem Beinahezusammenstoß im Nebel vor New York erzählen. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Bugfix: Apple hat sich des Problems der thermischen Drosselung in den neuen Macbook Pro angenommen und ein Bugfix veröffentlicht, das die Leistung bei anspruchsvollen Aufgaben nicht mehr reduzieren soll. Man habe bei ausführlichen Tests festgestellt, dass ein digitaler Schlüssel in der Firmware fehle, was unter thermischer Last zum Leistungsverlust führen kann. Das macOS High Sierra 10.13.6 Supplemental Update sei jedem Anwender empfohlen, Apple entschuldigt sich für die Probleme und sagt zu, dass das Macbook Pro 15 Zoll etwa 70 Prozent schneller rechne als sein Vorgänger und sich die Leistungsfähigkeit des 13-Zoll-Modells verdoppelt habe. Das Supplemental Update bringe zudem auch Patches für mehr Stabilität und Zuverlässigkeit. Der Fix wirkt, haben nun erste Tester festgestellt, Cnet hat bereits Ergebnisse veröffentlicht , die nach der Installation des Update den Abfall in der Leistung nicht mehr zeigen. Auch unsere Kollegen der Macworld haben erste Resultate. Demnach sei das Macbook Pro 2018 vor dem Update um etwa 11 Prozent schneller gewesen als der Vorgänger, nach dem Update waren es 20 Prozent.

Genehmigt: Das neue Macbook Pro hat ein Problem mit Hitzeentwicklung, Geräte mit Sechskern-i9-CPU regeln bei Renderaufgaben die Geschwindigkeit herunter, in Adobe Premiere und wie 9to5Mac darlegt, auch in Final Cut Pro X. Die Entscheidung, den Rechner zu schützen, wenn er zu warm ist, überlässt Intel aber in der Form völlig seinen Kunden wie Apple, Dell und HP. Diese dürfen eigene Prozesse zur Thermoregulierung einsetzen, Intel stört sich nicht daran, dass zwei Systeme mit dem gleichen Chip so zu völlig unterschiedlichen Leistungswerten kommen können. Apple steht also vor der Wahl, entweder wieder dickere Laptops zu bauen, die Wärme besser abführen oder eben in bestimmten Fällen nicht die versprochene Leistung zu liefern. Joel Hruska von ExtremeTech wirft Apple vor, über derartige Probleme Bescheid gewusst zu haben, man wisse in Cupertino genau, welche High-End-Software bei diesen zum Einsatz kommt und welche Anforderungen sie an die Hardware stellt.

Eskalation: Apple hatte noch gehofft, dem von US-Präsident Trump angezettelten Handelskrieg zu entgehen, doch ein neuer Bericht des Wall Street Journal legt dar, dass diese Hoffnung fehl am Platz sein könnte. Denn Trump wolle auf praktisch alles aus Chona importieren Waren Strafzölle erheben, also auch auf in Kalifornien gestaltete und in China produzierte iPhones. Apple werde gewissermaßen doppelt bestraft, denn als Reaktion werde die chinesische Regierung Zölle und Steuern auf amerikanische Marken wie eben Apple erheben. Diese zusätzlichen Kosten wird Apple aller Voraussicht nach an die Kunden weitergeben, iPhones könnten somit deutlich teurer werden. Vor allem in China, Apples zweitwichtigsten Absatzmarkt.

Mailand oder Madrid : Apple kümmert sich um Stadtentwicklung und will nicht nur Produkte und Services verkaufen, so liest sich die Pressemitteilung des Mac-Herstellers über die Eröffnung seines neuen Retail Stores in Mailand, Apple Piazza Liberty. Der Store bringe erstmals das neue Konzept nach Italien und ist unter ein neue gestaltete Piazza gebaut, mit einem Eingang in Form eines Glas-Cubus - kennt man aus New York. Apple wolle mit dem Store den Platz "wiederbeleben". Piazza Liberty ist rund um die Uhr geöffnet, das ganze Jahr über lädt der neue Store zu diversen Veranstaltungen ein: Today at Apple.

Weitere Nachrichten:

Chrome 68 warnt vor HTTP-Webseiten

Der Browser Chrome wird ab der Version 68, die in den nächsten Stunden erscheinen wird, vor dem Besuch von HTTP-Seiten warnen. Dies hatte Google bereits in einem Blog-Eintrag im Februar 2018 angekündigt. Die entsprechenden Websites werden nun ab Chrome 68 als "nicht sicher" eingestuft und ein entsprechender Hinweis wird in der Adresszeile neben der URL eingeblendet.

Google hatte bereits vor einiger Zeit die Website-Betreiber zum Wechsel zu HTTPS aufgefordert. Wer der Aufforderung nicht folgt, muss nun mit Besuchereinbußen rechnen, denn der "Nicht sicher"-Hinweis wird sicherlich viele Surfer verschrecken. Laut Angaben von Google verläuft aber der Wechsel zu HTTPS-Seiten erfreulich gut. So wird bereits über 68 Prozent des Chrome-Traffics unter Android und Windows gesichert übertragen. Unter Chrome OS und macOS trifft dies auf bereits über 78 Prozent des Chrome-Traffics zu. Und 81 der 100 größten Websites im Web seien schon zu HTTPS gewechselt.

"HTTPS ist einfacher und günstiger als jemals zuvor und es bietet sowohl Performance-Verbesserungen als auch mächtige neue Funktionen", heißt es in dem Blog-Eintrag vom Februar.

Spezifikationen zu neuen Intel-Core-CPUs aufgetaucht

Zur neuen Intel-Prozessor-Generation sind in einem chinesischen Forum die vermeintlichen Spezifikationen geleakt worden. Aufgetaucht sind die Informationen im berüchtigten Coolaler-Forum durch den User Soothepain, der schon in der Vergangenheit die Infos zur Ryzen-CPU mit sechs Kernen hatte durchsickern lassen. Das ist natürlich noch kein Garant dafür, dass die Spezifikationen zur neuen Intel-Generation stimmen, aber es lässt zumindest aufhorchen.

Intel Core i9-9900K

Laut den Informationen verfügt der Core i9-9900K wie bereits vermutet über acht Kerne sowie 16 Threads. Der L3-Cache kommt mit 16 MB und die TDP soll bei 95 Watt liegen. Das Maximum für die Coffee-Lake-Prozessoren im Sockel LGA 1151 wird somit nicht überschritten. Der Basistakt liegt laut den Spezifikationen bei 3,6 GHz, im Turbomodus (2 Kerne) liegt er bei 5 GHz und im All-Core-Turbo bei 4,7 GHz.

Intel Core i7-9700K

Der Core i7-9700K kommt ebenfalls mit acht Kernen, verzichtet jedoch komplett auf Hyper-Threading. So kommt er im Vergleich mit dem Vorgänger i7-8700K auf zwei echte Kerne mehr, insgesamt stehen jedoch vier Threads weniger zur Verfügung. Da echte physische Kerne jedoch gegenüber virtuellen HT-Threads einen gewissen Mehrwert bieten, wird hier der direkte Vergleich spannend werden. Anders als der i9-9900K kommt der i7-9700K eher wie der ältere i7-8700K mit 12 MB L3-Cache und 95 Watt TDP. Der Basistakt beträgt wiederum 3,6 GHz. Der Turbomodus im Single-Core beträgt 4,9 GHz, auf zwei Kernen 4,8 GHz und im All-Core-Turbo erreicht der Prozessor immerhin noch 4,6 GHz auf allen acht Kernen.

Intel Core i5-9600K

Zuletzt sind auch Informationen rund um den Core i5-9600K aufgetaucht. Dieser soll mit sechs Kernen auch ohne Hyper-Threading auskommen. Er bietet einen L3-Cache von nur 9 MB sowie einer TDP von wiederum 95 Watt. Der Basistakt soll 3,7 GHz betragen, im Turbo erreicht er im 2-Kern-Modus 4,8 GHz und im All-Core auf allen sechs Kernen 4,6 GHz.

Russische Hacker sollen US-Stromnetz im Visier haben

Die USA verdächtigen seit geraumer Zeit Russland, hinter gezielten Angriffen auf das US-Stromnetz zu stecken. Wie das Wall Street Journal nun berichtet , hat das US-Heimatschutzministerium nun neue, alarmierende Erkenntnisse zu den Vorkommnissen. Dabei sollen die Angreifer so raffiniert gewesen sein, dass sie theoretisch per Knopfdruck Stromausfälle verursachen hätten können. Zudem sei die Zahl an angegriffenen Unternehmen weit höher als zuvor angenommen, von mehreren Hundert ist die Rede.

Schon seit einigen Monaten beschuldigen die USA Hacker mit Verbindung zur russischen Regierung, die Verantwortlichen zu sein. Die Hacker-Gruppierung, die unter den Namen „Dragonfly“ oder „Energetic Bear“ bekannt ist, soll schon seit März 2016 oder sogar noch früher an den Angriffen beteiligt sein, Russland dementiert seit jeher.

Laut dem WSJ sollen die Hacker über Umwege Netzwerke von US-Stromunternehmen infiltriert haben. Da diese speziell gesichert und nicht mit dem öffentlichen Internet verbunden sind, sollen die Angreifer sich zuerst kleinere Drittfirmen mit weniger strengen Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen haben. Dies geschah über Phishing-Mails, über die Mitarbeiter dazu gebracht wurden, ihre Passwörter preiszugeben. Über diese Drittfirmen, die als verlässliche Partner der Stromanbieter galten, wurden dann weitere Informationen zu den Beschaffenheiten und Betriebsabläufen der Netzwerke ausgespäht.

Bislang gab es noch keine Störversuche oder gar herbeigeführte Stromausfälle. Die Experten gehen jedoch davon aus, dass solche Angriffe demnächst stattfinden könnten, da sich die Hacker – so die Experten – gerade erst positionieren.

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