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Morgenmagazin vom Mittwoch, 4. Juli 2018

04.07.2018 | 06:51 Uhr |

Dritte Entwickler-Beta für iOS 12 +++ Mac-Malware zielt auf Kryptowährungen +++ Berners-Lee vom Internet entsetzt +++ Apple baut Video-Team aus +++ Panne: Facebook entsperrt blockierte Nutzer +++ Google: App-Entwickler lesen Mails von Gmail-Nutzern +++ Spanner verletzt sich durch explodierende Schuh-Kamera

4. Juli: Kleine Masse, große Wirkung

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Manche halten ja die Kultur Europas für fortschrittlichste überhaupt und gewiss haben die Menschen auf diesem kleinen Fortsatz der großen eurasischen Landmasse Errungenschaften hervorgebracht, die wir nicht mehr aufgeben möchten. Kultur ist aber nicht in Stein gemeißelt - sie hinterlässt allenfalls steinerne Zeitzeugen - sondern ist einem steten Wandel unterworfen. Das hat auch sein gutes. Denn nach der Hochblüte der Antike versank unser Kontinent doch über lange Zeit in eine Dunkelheit des Geistes und der Kultur, die manche noch heute „das finstere Mittelalter“ nennen. Mediävisten mögen den Ausdruck gar nicht, für uns moderne Europäer hat es aber den Anschein, als seien vor gut tausend Jahren unsere Vorfahren noch auf Bäumen gesessen - stimmt so natürlich nicht.

In anderen Weltgegenden waren zu der Zeit Kultur und Wissenschaft deutlich fortgeschrittener. So waren es chinesische Astronomen, die am 4. Juli 1054 am Himmel einen neuen Stern aufgehen sahen. Dieser leuchtete auch am Tag, verblasste aber innerhalb kurzer Zeit wieder. Ein paar hundert Jahre später, als die Europäer aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit allmählich aufbrachen, war in den ersten Fernrohren im Sternbild Krebs ein seltsamer Nebel zu erkennen - auch heute heißt dieses Gebilde Krebsnebel. Und wie man seit gar nicht mal so langer Zeit weiß, handelt es sich um Überreste eines Sternes, der vor fast 1000 Jahren am Ende seiner Lebensphase explodierte und für einen Moment heller strahlte als 1000 Sonnen: Eine Supernova.

Womöglich nur ein Zufall, doch heute vor sechs Jahren hat Europa gezeigt, auf dem langen Weg aus der Unwissenheit heraus schon ein weites Stück gekommen zu sein - gemeinsam und nicht ein jeder für sich. Das CERN gab am 4. Juli 2012 bekannt, bei den Experimenten am LHC eindeutig Spuren eines bis dahin nur hypothetischen Teilchens gefunden zu haben: Das Higgs-Boson. 50 Jahre zuvor hatte es unter anderem der schottische Physiker Peter Higgs in der Theorie vorher gesagt, nun endlich lag der Beweis vor. Die Masse, respektive Ruheenergie des Higgs-Bosons, lässt sich aus den Daten der Kollisionen errechnen: 125 GeV, das sind etwa 2,25 * 10 -25 kg.

Der große Hadronen-Collider LHC könnte aber noch mehr Entdecken oder irgendwann einmal feststellen, dass in jenen Energiebereichen, die man auszumessen im Stande ist, leider keine Teilchen mehr herumschwirren. So sind Anhänger einer Theorie namens SUSY (Supersymmetrie) wahlweise enttäuscht, verzweifelt oder ernüchtert, dass in den Daten der Kollisionen bislang keinerlei Spuren der hypothetischen supersymmetrischen Partnerteilchen der bekannten Materie und Feldquanten gefunden wurden. Schade, denn mathematisch ist SUSY äußert befriedigend, anscheinend hat aber die Natur dafür nicht so viel übrig. Mathematisch weniger elegant sind die Superstringtheorien, die jedoch noch weit weniger überprüfbar sind als jene vom geheimnisvollen Feld, das aller Materie Masse verleiht. Um in die Energiebereiche vorstoßen zu können, in denen sich die Superstrings nachweisen ließen, bräuchte es Ringbeschleuniger, die einmal um die Galaxis reichten oder noch viel weiter. Eine derartige Anlage wäre selbst in friedlicheren und kooperativeren Zeiten nur sehr schwer vorstellbar. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Dritte Runde: Apple hat gestern die dritte Entwickler-Beta von iOS 12 veröffentlicht, eine neue Public Beta dürfte in den nächsten Tagen folgen. Gegenüber der zweiten Developer Beta, die identisch ist mit der ersten Public Beta, haben die Apple-Ingenieure einige bekannte Fehler behoben, wie permanente Abstürze populärer Apps, Probleme mit der Verbindung von CarPlay und einem kaputten Wetterwidget.

Ausgetrickst: Security Week warnt vor einer neuen Malware für den Mac, die Infektionsgefahr ist aber für die Allgemeinheit relativ gering. Denn der vom Sicherheitsexperten Patrick Wardle OSX.Dummy genannte Schadcode verbreitet sich einerseits derzeit nur über Chatgruppen bei Slack und Discord, die sich um Kryptowährungen drehen. Zum anderen müssen die Opfer das von den Übeltätern verbreiteten Code-Ausschnitt selbst in ihr Terminal kopieren und mit Admin-Rechten ausführen. In Folge dessen kommt erst die 34 MB große Malware auf den Rechner, die bisher noch von keinem gängigen Antivirentool identifiziert wird. Gatekeeper scheint sie auch nicht aufzuhalten, da die Schadsoftware direkt im Terminal ausgeführt werde. Um die Verbindung zu einem C&C-Server (Command & Conquer) aufbauen zu können, lässt sich das Script Root-Rechte geben, auch hier ist die Mithilfe des Users notwendig, der sein Admin-Passwort eingeben muss.

Miss Verständnis: Im britischen Unterhaus musste gestern der Verteidigungsminister des Vereinigten Königreichs Gavin Williamson
 die Erfahrung machen, dass nicht nur die Abgeordneten seiner Partei und die der Opposition genau auf seine Worte hörten. Denn während einer Rede zum Stand des Kampfes gegen den so genannten Islamischen Staat in Irak und Syrien (ISIS, oder IS) sprang seine Sprachassistentin auf dem iPhone an. Siri hatte ganz offensichtlich die mehrfache Erwähnung des Wortes "Syria" auf sich bezogen und dann auch gleich mal nach "Syria Syrian democratic forces" im Internet gesucht.

Personalie: Apple baut sein Videoteam immer weiter aus, berichtet Variety. Jüngste Verpflichtung für das Videoteam, das von London aus die Programmierung für Europa vornehmen soll, ist der bisherige Film-Direktor der BBC, Joe Oppenheimer. Dieser soll laut des Branchenblattes dem von Jay Hunt geleiteten europäischen Content-Team angehören. Diese kam als Programmchefin von Channel 4 zu Apple für ihre neue Aufgabe.

Kritik: Der Erfinder des WWW, Tim Berners-Lee, hat in einem Interview mit Vanity Fair sein Entsetzen darüber ausgedrückt, was denn aus dem Internet geworden sei. Anstatt die Menschheit voranzubringen, werde es immer missbräuchlicher eingesetzt, Berners-Lee nennt den Datenskandal von Cambridge Analytica und die russische Einmischung in den US-Wahlkampf 2016. Das Hauptproblem sei die zunehmende Zentralisierung des Netzes mit Quasi-Monopolisten wie Facebook und Google. Berners-Lee will das aber nicht so einfach hinnehmen und arbeitet an einer Plattform namens Solid, die das Internet wieder redezentralisieren und den Anwender die volle Kontrolle über ihre Daten geben soll. Noch arbeite man "unter dem Radar" an diesem neuen Ökosystem, doch bringe diese Arbeit die Begeisterung zurück, die man wegen der Fake News schon verloren glaubte.

Panne: Facebook entsperrt blockierte Nutzer

Mit der Blockieren-Funktion auf Facebook und im Facebook Messenger können Nutzer verhindern, dass ausgewählte Mitglieder ihre Beiträge sehen, ihnen eine Freundschaftsanfrage senden können oder mit ihnen über den Messenger Kontakt aufnehmen. Über diese Option lassen sich etwa unliebsame Ex-Partner, Stalker oder Trolle aussperren.

So zuverlässig wie von Facebook angepriesen, funktioniert die Blockieren-Funktion jedoch nicht. Wie das Unternehmen heute bekannt gab, wurden bei mehr als 800.000 Facebook-Nutzern durch einen Bug bereits blockierte Nutzer zwischen dem 29. Mai und dem 5. Juni 2018 wieder entsperrt. Sie konnten also wieder Beiträge der Person lesen, die sie eigentlich gesperrt hatte. Ebenso war es in diesem Zeitraum möglich, Nachrichten und Freundschaftsanfragen zu versenden.

Facebook hat den Fehler eigenen Aussagen zufolge inzwischen wieder behoben und entschuldigt sich bei allen Betroffenen . Das soziale Netzwerk versichert, dass durch das temporäre Verschwinden von der Blockierliste keine Freundschaften wieder hergestellt worden seien. Außerdem sei bei rund 83 Prozent der Betroffenen im Durchschnitt nur eine Person von der Blockierliste verschwunden. Facebook hat alle betroffenen Nutzer per Nachricht informiert und empfiehlt ihnen, ihre Blockierliste erneut zu überprüfen.

Google: App-Entwickler lesen Mails von Gmail-Nutzern

Google erlaubt es Entwicklern von Apps, die auf Gmail-Konten zugreifen, die Mails von Gmail-Nutzern zu lesen. Das hat Google gegenüber The Verge eingeräumt und damit einen Bericht des Wall Street Journal bestätigt. Die Entwickler der Third-Party-Apps für Gmail können laut dem Bericht Millionen von via Gmail verschickte Mails lesen. Und zwar nicht "nur" Empfängeradressen und Zeitstempel, sondern auch die Inhalte.

Google betont, dass es nur ausgewählten und überprüften Firmen Zugriff auf die Mails der Gmail-Nutzer geben würde. Und dass die betroffenen Nutzer dem vorher zustimmen müssten.

Die App-Entwickler bekommen den Zugriff also nur, falls die betroffenen Gmail-Nutzer dem vorher zugestimmt haben. Für Sie als Gmail-Nutzer heißt das: Achten Sie genau darauf, welche Rechte Sie Dritt-Anbieter-Apps für Gmail einräumen. Das Problem dabei: Aus diesen Berechtigungsanfragen geht nicht explizit hervor, dass Menschen – und nicht nur Algorithmen/Computer – Ihre Mails lesen.
Google würde bei der Überprüfung darauf achten, dass die von den Fremdfirmen angeforderten Daten auch tatsächlich zu dem Zweck der zu entwickelnden App passen. Google habe solche Anfragen durchaus auch schon abgelehnt.

Beispiele für solche Fremd-Anwendungen, die Zugriff auf Gmail erhalten, sind zum Beispiel Salesforce und Microsoft Office, aber auch viele andere Mail-Apps. Google gewährt aber auch Apps von Unternehmen wie Return Path und Edison Software den Zugriff. Diese Unternehmen werten Daten zum Zwecke des E-Mail-Marketings aus.

Google selbst analysiert die Inhalte von Gmail laut eigener Aussage nicht mehr automatisch, um dazu passende Werbung ausliefern zu können. Google-Mitarbeiter wiederum würden Gmail-Mails nur in konkreten Fällen lesen, wenn der Gmail-Nutzer darum bittet und dem zustimmt, um ein Problem zu lösen. Oder wenn es um Sicherheits-Fragen, um Missbrauch oder um das Beseitigen eines Bugs gehe.

Spanner verletzt sich durch explodierende Schuh-Kamera

Über explodierende Akkus in Smartphones und andere mobile Geräte haben wir schon öfter berichtet. In diesem Fall sorgt das Problem allerdings eher für Schadenfreude: Ein Spanner in den USA wollte mit einer Schuhkamera Frauen unter den Rock fotografieren. Bevor er loslegen konnte, explodierte allerdings die Schuhkamera. In seiner Not wandte sich der Mann an die Polizei.

Das geht jedenfalls aus dem Polizeibericht der US-Stadt Madison im Bundesstaat Wisconsin hervor. Demnach habe sich bei der Polizei ein 32jähriger Mann stellen wollen. Den Beamten gegenüber gab der Mann zu, eine Schuhkamera erworben zu haben. Mit dieser wollte er sogenannte "Upskirt"-Videos erstellen. Also Frauen unter den Rock filmen. "Bevor er ein Video erstellen konnte, explodierte die Batterie der Kamera und fügte ihm Verletzungen am Fuß zu", heißt es in dem Bericht weiter.

Nachdem er noch kein Video erstellt und damit noch keine Straftat vollendet hatte, mussten die Polizisten den Mann wieder laufen lassen. "Der Mann wurde über seine Handlungen belehrt und wieder entlassen, da kein illegales Video aufgenommen worden war. Die Ermittlungen gehen weiter", heißt es in dem Bericht abschließend.

In Wisconsin ist seit dem Jahr 2015 das heimliche Filmen oder Fotografieren unter der Kleidung von Personen per Gesetz verboten. Bei einer Zuwiderhandlung droht eine Gefängnisstrafe von bis zu dreieinhalb Jahren und eine Geldstrafe von bis zu 10.000 US-Dollar. Unklar ist, warum sich der Mann überhaupt bei der Polizei stellen wollte. Eventuell plagte ihn ja sein schlechtes Gewissen. Weh getan dürfte das ganze ohnehin haben...

Bei den speziellen Schuh-Kameras für Spanner befindet sich die Kameralinse, Elektronik und Batterie unter der Schuhoberfläche.

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