2387953

Morgenmagazin vom Mittwoch, 7. November 2018

07.11.2018 | 07:07 Uhr |

iPhone wird immer teurer: Apple bricht jede Regel +++ Linux auf T2-Macs booten +++ Apple Pencil lädt nicht mit Qi +++ Smart Home bietet neue Möglichkeiten für Stalker +++ Forscher knacken SSD-Verschlüsselung +++ Supercomputer mit einer Million Kernen gestartet +++

7. November: 100 Jahre Freistaat

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Anderthalb Wochen zuvor hatte das Rumoren weit ab der königlichen Landeshauptstadt begonnen, als sich Matrosen weigerten, in einem längst verlorenen Krieg nochmals in eine völlig überflüssige Schlacht gegen England zu ziehen, in ein Himmelfahrtskommando in der Nordsee. Die Meuterei von Wilhelmshaven, die alsbald auf Kiel übergriff, weil die Meuterer dort hin verlegt worden waren, hatte am 9. November in Berlin Folgen: Reichskanzler Max von Baden gab die Abdankung seines Cousins und Kaisers Wilhelm II. bekannt, der sich ins Exil in die Niederlande begab, der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief die Republik aus,  annähernd zeitgleich der Kommunist Karl Liebknecht die Räterepublik - nach dem Vorbild der Sowjetunion, wo der Aufstand die Monarchie ein Jahr zuvor hinweg gefegt hatte.

In Bayern, dem man heute politische Lethargie vorwirft - selbst nach einer vernichtenden Wahlniederlage der Regierungspartei kann die dort praktisch weitermachen wie zuvor – war die Revolution schneller. Das Unternehmen scheiterte aber, wie man nur scheitern kann, an inneren Widersprüchen und an Feinden der Demokratie, die ihrerseits das Land nach nur 21 Jahren des relativen Friedens in eine noch viel schlimmere Katastrophe stürzten.

Dabei hatte es unblutig und verheißungsvoll angefangen, an jenem 7. November 1918 auf der Theresienwiese in München. Unruhen hatten auch das Königreich von Napoleons Gnaden im Süden des Landes ergriffen, die Wittelsbacher Monarchie war nach einem guten Jahrtausend durchgehender Herrschaft nicht mehr zu halten. Während jedoch die Sozialdemokraten bei der Massenkundgebung gegen Monarchie und Krieg zögerten, ergriff der Schriftsteller Kurt Eisner von der USPD die historische Gelegenheit, setzte sich zusammen mit Ludwig Gandorfer an die Spitze eines Demonstrationszuges, den sich Soldaten aus den Kasernen anschlossen und der ohne jedweden Widerstand Residenz und Landtag besetzen konnte. Kurt Eisner rief noch in der Nacht den „Freistaat Bayern“ aus - die süddeutsche Variante der Republik - und wurde zum ersten Ministerpräsidenten des Freistaats.

Eisners Regierung hielt sich nicht lange, bei den ersten freien Wahlen im Januar 1919 kam die USPD auf gerade einmal 2,5 Prozent . Auf dem Weg zum Landtag, vor dem er am 21. Februar 1919 seinen Rücktritt  erklären wollte, wurde Eisner vom Monarchisten und Nationalisten Graf von Arco auf Valley erschossen.

Im April 1019 übernahmen Mitstreiter Eisners wie Ernst Toller, Erich Mühsam oder Gustav Landauer – allsamt Intellektuelle und Schriftsteller mit wenig politischer Erfahrung aber großen Utopien – die Macht in einer kurzlebigen Räterepublik, die von Freikorps und Regierungstruppen der nach Würzburg emigrierten Landesregierung gewaltsam beendet wurde.

Bayern wurde wieder autoritär, das zur Jahrhundertwende leuchtende München wenig später zur finsteren „Hauptstadt der Bewegung“. Nur zwei Errungenschaften der bayerischen Novemberrevolution sind erhalten geblieben, respektive wieder hergestellt: Die Monarchie ist abgeschafft und Bayern ein Freistaat. Die Wittelsbacher haben im Übrigen niemals offiziell abgedankt, nach 100 Jahren ist ein Comeback von Franz von Bayern auf dem Thron aber höchst unwahrscheinlich. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Kaufempfehlung : Der neue Mac Mini erreicht immer mehr Testlabors, auch unsere Kollegen der Macworld haben das Einsteigergerät für 800 US-Dollar respektive 900 Euro erhalten. Das Fazit gleicht denen anderer Tester: Der neue Einsteiger-Mac mit Quadcore-Prozessor nimmt es in der Leistung mit einem Quadcore-iMac für 1500 US-Dollar durchaus auf, zusammen mit einem tauglichen Monitor, Tastatur und Maus kommt man auch noch ein Stück günstiger weg. Wer bereits einen älteren Mac Mini betreibt und sich fragt, ob ein Upgrade sinnvoll ist, für den gibt es eine einfache Kaufempfehlung: Ja, der neue Mac Mini ist sein Geld wert. Wir werden in Kürze unser Testgerät erhalten und unsere Erkenntnisse mit unseren Lesern teilen.

Gegen jede Regel: Sonst ist es mit neuer Technik ja so, dass sie anfangs als unbezahlbar teuer erscheint, mit zunehmender Marktdurchdringung und immer größerer Produktion werden die Geräte mit der zeit aber günstiger. Man denke da etwa an Flachbildschirm-TVs, mittlerweile bekommt man Ultra-HD-Fernseher beinahe nachgeschmissen und lange wird es auch nicht mehr dauern, bis das mit OLED-Apparaten geschieht. Mit dem iPhone bricht Apple aber die Regel, wie Quartz erinnert. Denn vor elf Jahren kostete das erste Modell unwahrscheinlich teure 500 US-Dollar, heute ist der Durchschnittspreis auf 800 US-Dollar gestiegen, die teuerste Variante kostet fast das Doppelte. Gewiss hat das iPhone XS Max mit 512 GB Speicher recht wenig mit mit nur 4 GB fassenden Ur-iPhone mit seinem schlecht auflösenden 3,5-Zoll-Bildschirm nicht mehr viel gemeinsam, Apple erklärt die gestiegenen Preise auch stets mit der deutlich verbesserten Funktionalität. Apple bricht die Regeln aber auch, um in einem gesättigten Markt im Umsatz weiter zu steigen, denn mehr als 200 Millionen Verkäufe pro Jahr scheinen nicht mehr drin zu sein, also muss der Preis anziehen.

Arbeitsmarkt : Foxconn dementiert einen Bericht des Wall Street Journals, nachdem der Auftragsfertiger für seine LCD-Fabrik in Wisconsin Mitarbeiter aus China mitbringen wolle. Dies geschehe, weil Foxconn im mittleren Westen keine ausreichend talentierten Mitarbeiter finde.Gegenüber Gizmodo stellt Foxconn jedoch klar, dass die Berichte nicht der Wahrheit entsprächen. Dabei lässt das Statement jedoch Hintertüren. Bei seiner Suche nach Mitarbeitern konzentriere man sich zuerst auf Wisconsin, heuere und lerne aber auch in anderen Bundesstaaten Personal an. Ursprüngliche Pläne, dass die Fabrik 13.000 Arbeitsplätze schaffe, wurden bereits reduziert, qualifizierte Arbeitsplätze für auswärtiges Personal würde gewiss für starke Kontroversen sorgen.

Kein Standard: Der neue Apple Pencil lädt drahtlos, an den iPad Pro aus dem Jahr 2018 kann man ihn an eine der beiden langen Kanten magnetisch anclippen - dann ist er auch gut verstaut. Legt man ihn aber über Nacht oder anderweitig auf eine Ladematte, die dem Qi-Standard gehorcht und die iPhones ab dem Jahrgang 2017 induktiv lädt, passiert – nichts. Wie Apple auf Nachfrage von ZDNet erklärt, arbeitet der Apple Pencil mit einem eigenen Ladestandard. Eine Erklärung dafür blieb jedoch aus.

Geht doch: Der T2-Chip, den Apple nun auch im Macbook Air verbaut, kann so einiges. Etwa auf die Phrase "Hey Siri!" reagieren oder für einen sicheren Systemstart von macOS und Windows 10 sorgen, wobei in der Secure Enclave des Chips auch noch die Daten für die Fingerabdruckerkennung verschlüsselt gespeichert sind. Nun ht es einige Berichtet gegeben, dass sich Linux nicht auf T2-Macs starten lässt. Das ist aber nicht korrekt, wie Johnny Evans auf Apple Must ausführt. Denn es ist zwar richtig, dass Linux keinen Secure Boot unterstützt, dieser lässt sich in macOS aber auch abschalten und Macbook Air, Macbook Pro und iMAc Pro sehr wohl mit Linux booten.

Weitere Nachrichten:

Smart Home bietet neue Möglichkeiten für Stalker

Smart-Home-Gadgets wie Lautsprecher, Heizungsthermostate oder Überwachungskameras sollen das moderne Leben erleichtern. In den falschen Händen können sie jedoch auch als Waffe gegen ihre Besitzer eingesetzt werden. So erging es der Kanadierin Ferial Nijem. Gegenüber dem kanadischen Fernsehen berichtet sie , wie ihr Ex-Freund Smart-Home-Geräte wochenlang eingesetzt hat, um seine Verflossene zu terrorisieren.

Dass ihr Partner ein Kontrollfreak war, wusste die junge Frau bereits seit den Anfängen ihrer Beziehung. Ein Problem wurde dieser Charakterzug jedoch erst, als ihr Freund anfing, ihr nicht mehr zu vertrauen. Wenn er nicht zu Hause war, nutzte Nijems Freund zunehmend die im und um das Haus angebrachten Sicherheitskameras, um seine Frau zu überwachen. Während seiner Geschäftsreisen bestand er auf Facetime-Telefonate, mit denen er überprüfen konnte, ob sie allein zu Hause war.

Während einer besonders problematischen Phase, in der das Paar bereits getrennt lebte, begann Nijems Ex-Partner plötzlich, sie mit den unterschiedlichen Smart-Home-Gadgets im Haus zu terrorisieren. Mitten in der Nacht, schaltete er per Fernsteuerung die Stereoanlage auf volle Lautstärke ein und riss sie aus dem Schlaf. In den Abendstunden spielte er mit der smarten Beleuchtung oder schaltete den Fernseher ab. Da ihr Partner in den guten Zeiten ihrer Beziehung die Einrichtung der Smart-Home-Geräte übernommen hatte, konnte sie die Kontrolle darüber nicht mehr zurückerlangen und seinen eifersüchtigen Aktionen Einhalt gebieten.

Nijems Geschichte ist kein Einzelfall. Anfang des Jahres beschäftigte sich die New York Times in einem Artikel eingehend mit häuslicher Gewalt, Stalking und dem Einfluss von Smart-Home-Gadgets. Einige der Betroffenen wurden dabei unter anderem von Ex-Partnern aus dem Haus ausgesperrt oder mit smarten Thermostaten und unerträglichen Temperaturen in ihren Wohnungen terrorisiert.

Forscher knacken SSD-Verschlüsselung

Selbstverschlüsselnde SSDs sind eine praktische Sache: Alle Daten, die auf dem Laufwerk landen, sind ohne Passwort nicht einsehbar. Doch in den Verschlüsselungsmechanismen bestimmter SSD-Laufwerke von Samsung und Crucial haben Sicherheitsforscher der Radboud University in den Niederlanden nun Schwachstellen entdeckt , mit denen sich die Daten auch ohne Passwort oder einen Schlüssel einsehen lassen. Gefährdet seien demnach die SSD-Modelle 840 EVO und 850 EVO von Samsung sowie die Modelle MX100, MX200 und MX300 von Crucial. Die externen USB-SDDs T3 und T5 von Samsung seien ebenfalls angreifbar.

Angreifer benötigen jedoch physischen Zugriff auf die Laufwerke. Damit sind Rechenzentren, die eh Zugangskontrollen durchführen, weniger stark gefährdet als Privatanwender, die ihren Computer kurzzeitig aus den Augen verlieren. Durch die Manipulation der Firmware gelang es den Forschern, die SSD auch ohne den Data Encryption Key (DEK) zu entschlüsseln. Wer zusätzliche Software-Verschlüsselung wie Bitlocker nutzt, sei von der Problematik nicht betroffen. In der Standardeinstellung greift Bitlocker jedoch nicht, wenn auch eine Hardware-Verschlüsselung zum Einsatz kommt. Als Alternative bietet sich hier das kostenlose VeraCrypt an. Samsung hat bereits Updates für einige SSD-Modelle zur Verfügung gestellt, Crucial hat sich zu den Problemen noch nicht geäußert.

Supercomputer mit einer Million Kernen gestartet

Der Human Brain Supercomputer der University of Manchester’s School of Computer Science soll ähnlich arbeiten wie ein menschliches Gehirn. Dazu stehen der Maschine eine Million CPU-Kerne zur Verfügung, mit denen sich eine Billiarde Rechenoperationen pro Sekunde ausführen lassen. Die Arbeiten am Spiking Neural Network Architecture (SpiNNaker) getauften Supercomputer begannen schon vor 20 Jahren, die Konstruktion dauerte 10 Jahre. Für den Bau waren 15 Millionen Pfund nötig, am 2. November wurde der Riesenrechner schließlich zum ersten Mal aktiviert.

Der SpiNNaker-Supercomputer soll Modelle biologischer Neuronen in einer Zahl simulieren, wie sie bislang unmöglich erschienen. Im Gegensatz zu ähnlichen Computern kann SpiNNaker die gleichzeitige Kommunikation der Neuronen im menschlichen Gehirn simulieren. Damit unterscheide sich der Supercomputer grundsätzlich von anderen Rechnern. Um das Gehirn zu simulieren benötigen die Forscher jedoch mindestens eine Million CPU-Kerne, die als Neuronen fungieren. Langfristig soll der Rechner sogar eine Billion Neuronen in Echtzeit simulieren können. Als Vergleich: Eine Maus hat 100 Millionen Neuronen, das menschliche Gehirn hat bereits 1000 Mal mehr. Die Ergebnisse der Forschungen könnten beispielsweise Patienten mit der Parkinsonkrankheit helfen.

Macwelt Marktplatz

2387953