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Morgenmagazin vom Mittwoch, 8. März 2017

08.03.2017 | 07:05 Uhr |

Immer mehr iPhones und Macs in Unternehmen +++ Lightroom 2.7 mit besserem HDR +++ Hohe Erwartungen an das iPhone 8 und AAPL +++ Wikileaks: Hacker-Tools der CIA frei verfügbar, auch iOS gefährdet +++ Studie: Jeder Nutzer kann zum Troll werden +++ Amazon rückt Daten von Sprachassistentin Alexa in US-Verfahren heraus +++ Switch stellt Nintendo-Verkaufsrekord auf +++

8. März: Kalte Zeiten

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Den kalten Krieg wünscht sich keiner mehr zurück, aber aus heutiger Sicht scheint er zwar gefährlich und unberechenbar gewesen zu sein, aber wenigstens überschaubar. Hier Gut, da Böse. Beide an dem Konflikt beteiligten Blöcke waren sich wenigstens in dieser Einschätzung einig, die Rollen waren aber eben genau anders herum besetzt. Heute ist die Welt längst nicht mehr bipolar und der derzeitige Hauptmieter des Weißen Hauses weiß auch nicht so recht, was denn nun die Russen sind: Freund oder Feind? Weltmacht oder Regionalmacht? Gut oder Böse? Und wer sind eigentlich "die Russen"? Die Welt ist zu komplex für eine Abhandlung auf 140 Zeichen.

Das war sie aber auch schon zu Zeiten des kalten Krieges, der nicht nur einmal kurz davor stand, zu einem heißen zu eskalieren. Es war am 8. März 1950, als die Sowjetunion erklärte, eine Kernspaltungswaffe, vulgo Atombombe, entwickelt zu haben. Mit tätiger Mithilfe von Spionen, die im Manhattan-Projekt tätig waren und der Ansicht, dass es eine solch verheerende Waffe nicht nur an einem der Pole der Nachkriegsordnung geben dürfe. Zufall oder nicht, es war auch ein 8. März, an dem der damalige US-Präsident Ronald Reagan, der Twitter gewiss so geliebt hätte wie sein später Nachfolger, die Sowjetunion pauschal als "Reich des Bösen" titulierte. Die USA litten damals unter einer schweren Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit, das Ablenken auf einen äußeren Feind mag bei der Umsetzung der neoliberalen Wirtschaftspolitik namens "Reaganomics" geholfen haben. Es war aber gerade in der Zeit, in der ein mutiger sowjetischer Offizier die finale Eskalation verhinderte. Wie im 1982 veröffentlichten Film "Wargames" hatte er Meldung von US-amerikanischen Raketenabschüssen erhalten, auf die gemäß der brutalen Logik sofort ein atomarer Gegenschlag hätte erfolgen müssen. Glücklicherweise erkannte der Offizier rechtzeitig die Falschmeldung der Systeme als solche und ließ den Knopf ungedrückt - wir würden uns heute sonst, falls überhaupt, mit in Steine geritzten Zeichen verständigen.

Der Aufstieg des von einem großen Wohlstandsgefälles geplagten und nach fast drei Jahren Krieg darniederliegenden russischen Zarenreiches zur nachmaligen Weltmacht hat gewissermaßen ebenfalls an einem 8. März begonnen, zumindest nach gregorianischem Kalender. In Russland zeigte das Kalenderblatt an jenem 8. März vor 100 Jahren aber noch den 23. Februar an, als in Petrograd, das vorher Sankt Petersburg und später Leningrad hieß, eine Hungerrevolte ausbrach, die den Zaren schließlich von seinem Thron vertrieb. Die im Oktober respektive November gegen die provisorische Regierung putschenden Bolschewiki sollten die Familie des Regenten später ermorden und eine ebenso autoritäre Herrschaft errichten - es ist das Charakteristikum vieler Revolutionen, dass an deren Ende alles anders ist, aber dann doch das Gleiche. Heute träumen in Russland schon wieder einige von der Errichtung eines neuen Imperiums in den Grenzen des Zarenreiches und/oder der Sowjetunion, was besonders den nächsten Nachbarn in Europa schwer zu denken gibt. Mit einfachen Zuordnungen in Gut und Böse, wie sie in einen Tweet passen, ist es aber längst nicht getan. So sad. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Frühjahrsputz: Die Wetteraussichten - weiter stürmisch und regnerisch. Bis der Frühling sein blaues Band wieder durch die Lüfte wird schweben lassen, müssen wir uns noch ein wenig gedulden. Wenn es für den Frühjahrsputz auf Balkon und Terasse, im Garten und Vorgarten noch ein wenig zu früh erscheint, kann man sich ja schon mal um den Rechner kümmern und den von im Winter angefallenen Ballast säubern. Unsere Kollegen der Macworld haben ein paar konkrete Tipps dafür: Räumen Sie Ihren Schreibtisch auf, löschen Sie längst nicht mehr benötigte Disk-Images, entfernen Sie große Mail-Anhänge, halten Sie die Caches sauber und misten Sie Ihre Programme aus. Meist benötigen Sie nicht einmal Tools dafür.

Bildergeschichte: Sie haben doch sicher schon einmal die "Terms and Conditions" vollständig gelesen, die iTunes beim ersten Programmstart oder nach jedem Update im Startscreen zeigt? Nein? Wir auch nicht... Das könnte sich aber mit dem Projekt "Terms & Conditions" des Publishers Drawn & Quarterly ändern: Denn auf rund 100 Seiten übersetzen ebenso viele Zeichner den drögen Juristenstoff in eine Graphic Novel um. Das vergnügliche Werk kostet zwar 15 US-Dollar, lässt sich aber weit besser lesen und verstehen als das Original in Textform.

Umfrage: Macs sind leicht zu warten, aber nicht so gut in gemischte Netzwerke zu integrieren, hat eine Umfrage des Softwareherstellers Jamf ergeben, der auf die Verwaltung von Macs in Firmennetzen spezialisiert ist. Befragt wurden 300 professionelle IT-Administratoren, die zu 62 Prozent der Meinung waren, der Mac sei einfacher oder zumindest gleich einfach zu verwalten und mit frischer Software zu versorgen als andere Plattformen. Sogar 93 Prozent gaben an, dass es mit iOS-Geräten einfacher oder gleich einfach wäre, sie an eine Vielzahl von Nutzern auszugeben und aus der Ferne zu warten. Jedoch gaben nur 36 Prozent an, der Mac wäre leichter in vorhandene Infrastrukturen zu integrieren. In 99 Prozent der Unternehmen der Befragten kommen bereits iOS-Geräte vor, in immerhin schon 90 Prozent Macs. Der hohe Durchsetzungsgrad liege daran, dass immer mehr Firmen ihren Mitarbeitern die Wahl ließen, welche Geräte sie verwenden wollen. So bieten 71 Prozent der Unternehmen die Wahl an, ob das Mobilgerät nun eines mit iOS, Android oder Windows sein soll, beim Deskop oder Laptop gewähren immerhin noch 44 Prozent die Alternative Mac oder PC.

DSLR in der Hosentasche: Mit der neuen Lightroom-Version 2.7, die in dieser Woche erschienen ist, bekommen die Kameras von  iPhone 6s (Plus), iPhone 7 (Plus), iPhone SE und dem iPad Pro mit 9,7 Zoll Fähigkeiten von digitalen Spiegelreflexkameras verpasst. Der Grund: Lightroom 2.7 bietet einen HDR-Modus an, der nicht nur wie auf dem iPhone üblich, zwei Belichtungen zu einem Bild zusammenbaut, sondern sogar deren drei: Einmal über. und einmal unterbelichtet sowie einen in der Mitte mit der richtigen Belichtung. Die Software baut aus den in Adobes DNG-Format aufgenommenen Fotos ein HDR-Bild zusammen. Nutzen kann man Lightroom 2.7 auch ohne Abo der Creative Cloud, dieses benötigt man aber, will man die Bilder über mehrere Geräte hinweg synchronisieren.

Hohe Erwartungen: Die Apple-Aktie notiert an der Nasdaq bei knapp unter 140 US-Dollar, weitere Rekordhöhen sind jedoch in unmittelbarer Reichweite. Fast alle mit Apple befassten Analysten der großen Investmentbanken haben zuletzt ihre Kursziele angehoben, bis zu 180 US-Dollar reichen die Erwartungen. Grund dafür ist das iPhone 8, das Apple frühestens in einem halben Jahr ankündigen wird, das aber schon jetzt aufgrund zahlreicher erwarteter Neuerungen potentiellen Kunden und Anlegern die Köpfe verdreht. Doch dürfte sich, wenn auch nur die wesentlichen Spekulationen über OLED-Bildschirm, randloses Design und den Verzicht auf den Home-Button zutreffen, der Erfolg des Modells von 2018 kaum vermeiden lassen. Denn vor allem die installierte Basis ist sehr groß, im September werden hunderte Millionen von aktiven iPhones aber zwei Jahre und älter sein – der enorme Verkaufserfolg des iPhone 6 (Plus) wirkt hier nach. Die hohen Erwartungen führen aber auch zu einer hohen Fallhöhe – nicht auszudenken, wenn Apple mit dem Spitzenmodell iPhone 8 tatsächlich erst im November heraus kommen könnte. Ein nur dezent renoviertes iPhone 7s (Plus) dürfte deutlich weniger Abnehmer finden.

Weitere Nachrichten:

Wikileaks: Hacker-Tools der CIA frei verfügbar, auch iOS gefährdet

Der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA besitzt ein umfangreiches Arsenal an Hacker-Tools, die den Zugriff auf fremde Rechner und Smartphones erlauben. Wie Wikeleaks jetzt berichtet , habe die CIA mittlerweile die Kontrolle über diese Softwaresammlung verloren. So sollen auch ehemalige Mitarbeiter und Auftragnehmer der US-Behörden im Besitz dieser Sammlung an Software und Zero-Day-Exploits und Dokumentationen sein - diese, auch "Vault 7" genannt wurden jetzt zum Teil an Wikileaks weitergeleitet. Neben Windows und sogar Samsungs Smart TVs (mit denen man dessen Besitzer abhören kann) steht auch iOS im Fokus der CIA-Hacker. Laut Bericht gibt es sogar eine eigene Abteilung, die sich um das Hacken von iOS-Geräten kümmert, dazu sollen auch viele noch unbekannte Schwachstellen zum Einsatz kommen. Diese den Herstellern nicht bekannten Sicherheitslücken stammen aus eigener Forschung, GCHQ, NSA, FBI oder Zulieferern wie Baitshop. Die Autoren vermuten, das hohe Interesse an iOS folge aus der starken Verbreitung von iPhone in den Eliten der Gesellschaft. Aber auch Android ist ein Schwerpunkt, so gebe es durch die Kontrolle der Smartphones sogar die Möglichkeit die Verschlüsselung von WhatsApp, Signal, Telegram, Wiebo, Confide and Cloackman zu umgehen. Auf aktuelle Daten hatte Wikileaks aber anscheinend keinen Zugriff. Veröffentlicht wurden durch die Webseite nach unserem ersten Eindruck nur ältere Sicherheitslücken, etwa für iOS 9.

Studie: Jeder Nutzer kann zum Troll werden

Forscher der Universitäten von Stanford und Cornell haben sich mit dem Phänomen der Internettrolle beschäftigt. Diese unliebsamen Gesellen stören gern Unterhaltungen, werden ausfällig oder suchen einfach nur Streit. Die Trolle sind den Studienergebnissen zufolge keineswegs schon immer störend und aggressiv gewesen. Vielmehr könnte jeder Internetnutzer selbst zum Störenfried werden.

Dabei spielen die aktuellen Stimmung sowie der Kontext der Diskussion eine große Rolle. Unter den passenden Umständen könnten demnach ganz normale Menschen ein Verhalten an den Tag legen, das man normalerweise nur bei Trollen vermutet. Ein Grund für gemeine Antworten spielt beispielsweise der Wochentag: An Sonntag- und Montagabenden sind Menschen deutlich anfälliger, selbst zum Troll zu werden. 

Dummerweise steckt die Unfreundlichkeit eines Trolls auch andere an. Laut Studienautor Jure Leskovec könne schon ein schlecht ausgeschlafener Nutzer mit einer wütenden Bemerkung andere Menschen anstecken, die dann ebenfalls ausfällig werden. Grundsätzlich könne jeder zum Troll werden. Die Menschengruppe, die sich immer abstoßend im Netz äußert, gebe es nicht. Vielmehr sei meist die gerade durchlebte Situation für den Wutausbruch im Internet verantwortlich.

Aus diesem Grund könnte auch der von Unternehmen wie Twitter gewählte Grundsatz, konsequent gegen die schlimmsten Täter vorzugehen, zu kurzsichtig gewählt sein. Die Aussperrung einzelner Nutzer wird das Problem der Trolle nicht allein eliminieren. Google setzt stattdessen auf künstliche Intelligenz: Die Perspective API erlaubt es Entwicklern, auf Technologien zurückzugreifen, die Beleidigungen, Belästigungen oder ausfällige Bemerkungen erkennen und entsprechend für Moderatoren markieren.

Amazon rückt Daten von Sprachassistentin Alexa in US-Verfahren heraus

Daten von Amazons Sprachassistentin Alexa werden in einer Mordermittlung in den USA ausgewertet. Der Online-Händler gab seinen Widerstand gegen den entsprechenden Antrag der Ermittler auf, nachdem der Verdächtigte selbst der Herausgabe der Informationen zustimmte. In dem Fall war ein Bekannter des Mannes im Herbst 2015 nach einer durchzechten Nacht tot in dessen Whirlpool gefunden worden. Die Ermittler vermuten einen vertuschten Mord, der Angeklagte weist die Anschuldigungen zurück. Die Polizei erhofft sich von den Daten aus Amazons Lautsprecher Echo unter anderem Informationen darüber, ob jemand in der Nacht im Haus wach gewesen und die Assistentin Alexa aktiviert haben könnte. DerFall hatte für Aufsehen gesorgt, weil es die erste bekannt gewordene Anfrage dieser Art war.

Der Echo-Lautsprecher hat sieben Mikrofone, die darauf warten, dass das Schlüsselwort "Alexa" fällt, erst dann aktiviert sich das Gerät und schickt die Sprachbefehle zur Verarbeitung in die Cloud weiter.

Switch stellt Nintendo-Verkaufsrekord auf

Nintendo meldet heute einen Verkaufserfolg für seine neue Konsole Switch. Die Hardware hat in den ersten zwei Verkaufstagen in den USA mehr Einheiten abgesetzt, als alle anderen Nintendo-Konsolen zuvor. Das berichtet der New-York-Times-Reporter Nick Wingfield über den Micro-Blogging-Dienst Twitter .

Als Verkaufsschlager im Software-Bereich entpuppt sich Legend of Zelda: Breath of the Wild. Der Titel konnte mehr Einheiten verkaufen, als alle anderen Stand-Alone-Nintendo-Spiele vor ihm. Zelda schlägt damit sogar Super Mario für das N64.

Konkrete Verkaufszahlen gibt es auch bereits aus Großbritannien und Japan. Demnach wanderten in den ersten beiden Tagen nach dem Launch in Großbritannien rund 80.000 Konsolen über die Ladentheken. Zum Vergleich: Die Wii U erreichte in diesem Zeitraum nur rund 40.000 Systeme. In Japan wird die Wii U ebenfalls von der neuen Switch geschlagen. In der ersten Woche nach dem Verkaufsstart konnte Nintendo in seinem Heimatland 330.637 Einheiten absetzen .

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