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Morgenmagazin vom Mittwoch, 9. Januar 2019

09.01.2019 | 07:06 Uhr |

Interview: Tim Cook tritt Pessimismus über Apple-Aktie entgegen +++ Vergleich mit Qualcomm scheint in weiter Ferne +++ Neue Gesundheitsservices im Jahr 2019 +++ PS4: Über 90 Millionen verkaufte Konsolen +++ VR-Brillen: Vive Pro Eye und Vive Cosmos vorgestellt +++ CES 2019: LG zeigt aufrollbaren OLED-Fernseher

9. Januar: Keine Panik im dreizehnten Jahr

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Apple, über lange Jahre das wertvollste Unternehmen der Welt, steht derzeit nur auf Platz vier im Ranking der Marktkapitalisierung. Vorne liegt wieder Amazon, das Microsoft überholte, dazwischen rangiert Google respektive die Konzernmutter Alphabet auf dem dritten Platz. Platz vier. Apple. Das wäre in etwa so, als ob der FC Bayern München sechs Punkte hinter dem BVB nur Zweiter in der Bundesliga wäre - eine grauenhafte Vorstellung.

Während aber die Fußballfans aus dem Süden große Hoffnung haben, die Rückrunde möge wieder wie gewohnt laufen und sich zumindest sicher sind, dass in der kommenden Saison die Verhältnisse wieder gerade gerückt sind, stehen Kunden und Fans von Apple vor einer großen Frage: Wo soll das hinführen?

Den Totalabsturz, der Apple an sich seit nun fast 43 Jahren immer wieder prognostiziert wird, braucht niemand zu fürchten. Die Lage ist ja ein wenig paradox: Apple steht davor, sein zweitbestes Quartal der Geschichte zu prognostizieren, das aber deutlich geringere Umsätze als erwartet zeigt - schon regiert die Panik.

Es ist nach wie vor ein schiefer Vergleich, aber den Bayern geht es genau so: Sie hatten für die erste Halbserie schon so um die sechs bis neun Punkte mehr erwartet, eine solide Leistung, von der andere Schwergewichte wie Real Madrid derzeit träumen würden, reicht aber nicht. Und wenn die Börse von Apple stetes Wachstum erwartet und damit auf hohe Gewinne auch in Zukunft spekuliert, reicht es eben nicht, wenn der iPhone-Hersteller auf hohem Niveau stagniert.

Dabei war das längst zu erwarten. Das iPhone, das Steve Jobs heute vor zwölf Jahren um 9.41 Uhr Ortszeit auf der Bühne im Moscone Center zu San Francsico aus der Hosentasche zog, kann nicht mehr bedeutend wachsen. Der Markt ist aufgeteilt, die Technik weithin ausgereizt. Apple verkauft um die 200 Millionen Geräte pro Jahr, an weniger werdenden Neukunden und an sehr treue Bestandskunden, das wird auch noch eine ganze Weile so weiter gehen. Wo man aber auf endliche Ressourcen aufbaut muss man früher oder später mit einem Ende des Wachstums rechnen. Weltweit hat praktisch jeder, der sich ein iPhone leisten kann, schon eines, die wenigen, die man noch verlocken kann, wachsen nicht so schnell nach, wie sich das die Anleger wünschen.

Mit den Gewinnen von heute finanziert man das Wachstum von morgen, oder war es umgekehrt? Es ist ja nicht so, dass Apple nicht das Ende des iPhone-Booms nicht hat kommen sehen, schon seit ein paar Jahren passt sich Apple an diese Realität an. Diversifizierung des Angebots und zuletzt eine signifikante Preissteigerung haben bis Ende 2018 dafür gesorgt, dass Anleger zufrieden sind und an das Geschäft von morgen glauben. Währenddessen arbeitet Cupertino an den nächsten großen Dingen, den Produkten und Services, die von null auf 200 Millionen Kunden in einer Dekade wachsen könnten.

Was das nächste große Ding ist, ahnt man bei Apple allenfalls. Auf autonome Fahrzeuge, Augmented Reality und Gesundheitsgeräte und -services zu setzen, ist sicher kein Fehler, aber nicht kurzfristig den Erfolg versprechend, vielleicht nicht einmal mittelfristig. Bleibt die Option, seine Dienstleistungen weiträumig zu öffnen. Und genau das scheint Apple zu planen. Auf den ersten Blick war es überraschend, dass man bald auch auf Samsung-Smart-TVs seine iTunes-Inhalte wird sehen können, es passt aber in das Bild, von dem im Spätherbst schon erste Skizzen zu sehen waren, als Apple Music sich den Alexa-Geräten von Amazon und potentiell Dritten öffnete. Die Service-Sparte ist in den letzten Jahren massiv gewachsen, vor allem, weil auch die eigenen Kundenbasis in den Jahren zuvor sich stets vergrößert hatte. Wenn aber nur noch unwesentliche Zahlen hinzukommen, warum denn nicht die Käufer von Konkurrenzprodukten ködern? Wer sich von Apple Music oder bald Apple TV überzeugen lässt, der trägt zu Apples Wohlergehen auch ohne einen Hardwarekauf bei. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

Nicht allein : Apple nennt für seine Umsatzprobleme vor allem das China-Geschäft. Über einen Absatzrückgang hat aber nicht nur Apple zu klagen, wie laut Reuters die staatliche Marktforschung CAICT ermittelt hat, gingen im gesamten Markt die Verkäufe deutlich zurück. Im Jahr 2018 verkauften sich demnach in China lediglich 390 Millionen Geräte, 15,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Dezember sei der Rückgang mit 17 Prozent besonders stark gewesen. Das Marktforschungsunternehmen Canalys rechnet ebenso mit einem Rückgang, setzt ihn mit 12 Prozent aber etwas dezenter an. Auch im Jahr 2019 werde es kein Wachstum, sondern einen Rückgang geben, um weitere drei Prozent. Schon 2017 entwickelte sich der Markt rückläufig, minus vier Prozent. Vor allem würden Smartphonebesitzer länger bei ihren Geräten bleiben und nicht so rasch zu neuen Modellen greifen, da sich die technische Entwicklung merklich verlangsamt hätte.

Gegenrede: Apple-CEO Tim Cook hat in einem Interview mit CNBC den aktuellen Kursverfall der Apple-Aktie kommentiert. Pessimisten der Wall Street hätten immer und immer wieder Apple schlecht geredet, er habe das in den vergangenen Jahrzehnten immer und immer wieder hören müssen. Das sei deren gutes Recht, in Amerika dürfe jeder seine Meinung sagen. Doch sei ihm die Anmerkung erlaubt, dass die Kombination aus Apples Innovationskultur und einer sehr loyalen Kundschaft womöglich nicht genug geschätzt werde. Der Absturz des Aktienkurses nach der Umsatzwarnung käme für ihn nicht überraschend, da er wisse, dass die Börse kurzfristig sehr emotional reagiere. Bei Apple denke man aber langfristig und das Unternehmen sei in dieser Hinsicht stark wie nie. So würden etwa weltweit 1,3 Milliarden Menschen Apple-Geräte nutzen, diese installierte Basis sei im vergangenen Jahr noch um 100 Millionen Personen gewachsen. Auch hinsichtlich der Verhandlungen zwischen den USA und China über den Handelskonflikt zeigte sich Cook optimistisch.

Konflikt: Im Streit mit Qualcomm zeigt sich Cook nicht kompromissbereit. Gegenüber CNBC stellte der Apple-CEO die Kerne des Konflikts heraus. Qualcomm verfolge die Politik "Keine Lizenzen - keine Chips" - das betrachte Apple als illegal. Ebenso müsse Qualcomm seine Patente zu fairen und vernünftigen Bedingungen lizenzieren, das geschehe aber auch nicht. Zudem bezichtigte Cook den Hersteller von Mobilfunkchips, mit erfundenen Geschichten über Apple Marketing in eigener Sache zu betreiben: "Sie bezahlen jemanden, um Fake News zu schreiben und zu verbreiten." Die Streitthemen sollten aber unter den Firmen bleiben, den Konflikt öffentlich auszutragen gehöre sich nicht. So bestreitet Cook Berichte, man würde in Verhandlungen über eine außergerichtliche Einigung stehen. Derartige Gespräche habe es aber seit dem dritten Quartal nicht mehr gegeben - Qualcomm verbreite hier Falschaussagen. Qualcomm streitet dies ab und bezeichnet Cooks Aussagen als Versuch, der Reputation des Unternehmens zu schaden.

Ankündigung : Apple wird im neuen Jahr auf eine Ausweitung seiner Services setzen, kündigt Tim Cook im Interview mit CNBC an. Dabei gehe es aber nicht nur um den spekulierten TV-Dienst, konkret nennt Cook Services im Gesundheitsbereich. Werde man in ferner Zukunft auf Apple und seine Auswirkung auf die Menschheit zurückblicken, werde man das Wirken im Gesundheitssektor als den wichtigsten Einfluss sehen, verspricht der Apple-CEO vollmundig. Mit der EKG-Funktion der Apple Watch habe das Unternehmen bereits einen ersten Schritt zur "Demokratisierung" des Gesundheitswesens unternommen. Gesundheitsvorsorge sei nun nicht mehr länger eine Angelegenheit von Institutionen, sondern von Individuen. An den neuen Services, die 2019 kommen werden, habe man teilweise jahrelang gearbeitet.

Warum nicht gleich vier : Gerüchte, die im Januar von neuen iPhone-Features zwitschern, holt meist schon vor September die Katze, beziehungsweise die Realität ein. Bilder, die heute kursieren, können keine authentisch geleakten sein, sondern sind nur mehr oder minder phantasievolle Renderings. So hat Steve Hemmersdorfer mal wieder mit einer künstlerisch wertvollen (oder auch wertlosen, ganz, wie Sie wollen) Arbeit zugeschlagen und zeigt, wie ein iPhone XI mit drei rückwärtigen Kameras aussehen könnte. Erste Spekulationen über eine weitere Ausweitung des Kamerasystems hatte zuvor Bloomberg verbreitet. Schaden würde eine derartige Neuerung der iPhone-Fotografie nicht, aber vermutlich weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Apple, ob und wann man ein drei-Kamera-System einbauen wird. Es gibt einige plausible Features für den oder die Nachfolger von iPhone XS, XS Max und XR, aber noch lange keine Gewissheiten. Und schon gleich gar nicht treffende Abbildungen.

Weiter runter: Nikkei Asian Review berichtet um weitere Produktionsrückgänge des iPhone. Apple habe seine Bestellungen bei Zulieferern für das März-Quartal um zehn Prozent reduziert, heißt es.

Gehalt: Apple hat der Börsenaufsicht SEC gemeldet, was der Konzern seinemCEO im letzten Jahr bezahlt hat. Demnach erhielt Tom Cook ein Gehalt in Höhe von 15 Millionen US-Dollar. Das Basisgehalt betrug 3 Millionen US-Dollar, die Boni für erreichte Umsatz- und Gewinnziele summierten sich auf 12 Millionen US-Dollar. In den Zahlungen inkludiert sind Kosten von rund 300.000 US-Dollar für Cooks Privatjet. Hinzu kommen von Cook eingeläste Aktienoptionen, die ihm bereits 2011 zugesprochen worden waren. Im Jahr 2018 löste er Optionen im Wert von 121 Millionen Dollar ein, Cook kann auf weitere 1,5 Millionen Optionen zurückgreifen, die derzeit 189 Millionen US-Dollar wert sind.

Weitere Nachrichten:

PS4: Über 90 Millionen verkaufte Konsolen

Die Playstation 4 von Sony ist nun schon fünf Jahre auf dem Markt und für Sony ein echter Kassenschlager. Laut Sony Interactive Entertainment wurden bis Ende 2018 mehr als 91,6 Millionen PS4-Konsolen weltweit verkauft .

Allein die Vorweihnachtszeit 2018 sorgte für 5,6 Millionen zusätzliche Abverkäufe. Eine Unterscheidung in Standard- und Pro-Version macht Sony leider nicht. Die Zahlen wurden zudem anhand der Auslieferungen geschätzt, theoretisch könnten sie also etwas niedriger ausfallen.

Auch bei den Spielen erwies sich das Weihnachtsgeschäft 2018 als Erfolg: Weltweit wurden im Zeitraum vom 19. November bis zum 31. Dezember über 50,7 Millionen PS4-Spiele verkauft.

Besonders erfolgreich war dabei das neue Spider-Man-Abenteuer, welches zwischen September und Mitte November 2018 neun Millionen Einheiten verbuchen konnte. Diese Zahl verbindet jedoch die Box-Versionen und die Digitalverkäufe im Playstation Network.

Die Xbox One von Microsoft hat wohl erst die 40-Millionen-Marke geknackt. Die letzten offiziellen Zahlen stammen aus dem März 2018, zu diesem Zeitpunkt soll Microsoft 39,1 Millionen Einheiten der Xbox One abverkauft haben. Die Schlacht um die aktuelle Konsolengeneration hat Sony damit für sich entschieden. Doch auch Nintendos Hybrid-Konsole Switch macht Fortschritte, zwischen März 2017 und September 2018 wurden über 12 Millionen Geräte verkauft.

VR-Brillen: Vive Pro Eye und Vive Cosmos vorgestellt

Hersteller HTC hat auf der CES 2019 gleich zwei neue VR-Brillen vorgestellt. Bei der Vive Cosmos handelt es sich um eine Brille, die auf einen Computer für die Berechnung der dargestellten Inhalte angewiesen ist. In Zukunft soll man die Brille laut Hersteller aber auch mit einem Smartphone nutzen können. Genaue Angaben bleibt HTC jedoch schuldig. Interessant an der Vive Cosmos ist die Möglichkeit, den Vorderteil der Brille nach oben zu klappen, ohne dafür das Headset abnehmen zu müssen. So wird der kurze Blick in die reale Umgebung deutlich einfacher. Auf Twitter teilte der Hersteller mit, dass die Vive Cosmos schon bald erscheinen soll. Entwickler-Kits wolle man Anfang 2019 anbieten.

Bei der zweiten VR-Brille von HTC handelt es sich um eine Variante der Vive Pro mit integriertem Eye-Tracking. Die Vive Pro Eye getaufte Brille soll durch eine Technik namens Foveated Rendering schärfere Inhalte ermöglichen. Dazu wird erfasst, an welche Stelle der Nutzer gerade schaut. Diese Bereiche werden in einer höheren Auflösung gerendert. Auch die Bedienung könnte komfortabler werden, da sich Menüpunkte ohne Controller mit einer Augenbewegung aktivieren lassen. Einen Preis für die Vive Pro Eye nannte HTC noch nicht, sie soll im zweiten Quartal 2019 erscheinen. Das Standard-Modell der Vive Pro schlägt jedoch schon mit Anschaffungskosten in Höhe von knapp 800 US-Dollar zu Buche. Die Eye-Version dürfte noch teurer werden.

Die besten VR-Brillen

CES 2019: LG zeigt aufrollbaren OLED-Fernseher

Der „Rollable-TV“ trägt den Namen LG Signature OLED-TV R (Modell 65R9). Der Bildschirm, der sich, wie der Name schon sagt, einrollen lässt, kann auch nur auf eine gewisse Höhe ausgefahren werden. So kann man dann Funktionen verwenden, die nicht die komplette Bildschirmdiagonale brauchen, etwa um sich die Uhrzeit oder das Wetter anzeigen zu lassen.

Mit dem Gerät hat sich LG zum Ziel gesetzt, dass das TV-Gerät nicht mehr das komplette Wohnzimmer dominiert. Ist der Fernseher  nicht im Gebrauch, sieht man auch nichts von der Anzeige oder man nutzt eben nur einen gewissen Teil der Anzeige, um sich relevante Informationen anzeigen zu lassen. LG nennt die verschiedenen Szenarien Full View (komplett ausgefahren), Line View (teilweise sichtbar) und Zero View (komplett aufgerollt).

Als Auflösung bietet das TV-Gerät 3840 x 2160 Pixel mit einer Diagonale von 65 Zoll, als Prozessor kommt LGs Alpha 9 der zweiten Generation zum Einsatz. Unterstützt wird auch Amazon Alexa sowie Apple Airplay 2. Den nötigen Sound liefert ein 4.2-Setup mit 100 Watt und Dolby-Atmos-Unterstützung.

Für das neue Signature OLED-TV R nannte LG jedoch weder Preis noch ein Veröffentlichungsdatum


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