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Morgenmagazin vom Montag, 11. Juni 2018

11.06.2018 | 06:52 Uhr |

SZ über Apples Streit mit der EU: Steuern als Spende +++ Back in Black? Der Mac App Store wird ein Erfolg +++ Wie iPhone X: Google Pixel 3 XL bekommt „Notch“ +++ Amazon Fire TV Cube: Neue TV-Streaming-Box mit Echo +++ Amazon-Hack: So viel haben Sie bisher bei Amazon ausgegeben

11. Juni: (K)Ein Sommer des Missvergnügens

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Die Zeitung mit den großen Buchstaben, die letzte Woche bundesweit mehr Haushalte mit einer Gratispausgabe belästigt als beglückt haben dürfte, legte am Samstag mit einem feinen Witz nach. Da stand auf den Werbeplakaten der stillen Verkäufer doch in Riesenlettern, dass ein "Wetter-Guru" die Vorsage getroffen habe in "21 Tagen" sei "der Sommer vorbei."

Was haben wir gelacht, bis wir kurz inne hielten und vermuteten, dass die Redakteure des Blattes keinen Witz im Sinne hatten, sondern ihre Leser tatsächlich für so minderbemittelt halten, dass diese den Unfug glauben würden. Da ja bad news gute Nachrichten hinsichtlich der verkauften Auflage und Verweildauer auf Websites sind – Facebook arbeitet ja genau so – würden sich deutlich weniger Zeitungen verkaufen, wenn dort stünde: Wettervorhersagen sind über sieben Tage hinaus nicht zu machen und die Präzision lässt schon am dritten Tag deutlich nach.

Und was heißt denn "Sommer vorbei?" Wir haben weder die Zeitung gekauft noch den Artikel gelesen, vermuten aber, dass der selbst ernannte Prophet einen regnerischen Juli und August kommen sieht. Dabei könnte er sogar Recht behalten, denn viele Wettermodelle sagen als Folge des Klimawandels in Mitteleuropa genau das vorher: Ein kurzer, milder Winter, abgelöst von einem warmen Frühjahr, das in einen regnerischen Sommer übergeht, während der Herbst dann eher wieder trocken und sonnig wird. Das Szenario beschreibt aber eher eine Mittlung über viele Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte, ob es denn nun dieses Jahr vom 1. Juli bis 31. August durchgehend regnet und der Sommer eher kühl wird, kann heute keiner wissen. Nur eines ist Gewiss: Da in der Atmosphäre mehr Energie als in früheren Jahrhunderten steckt, wird es eher stürmisch die nächsten Jahre.

Einen Jubelsturm besonderer Art durfte Apple am 11. Juni 2007 bei der Eröffnung der WWDC über sich ergehen lassen. Steve Jobs erklärte auf der Bühne des Moscone Centers in San Francisco nicht nur, ab wann es das im Januar zuvor vorgestellte iPhone denn nun endlich zu kaufen gebe – 30. Juni lautete die Antwort – sondern auch, wie denn die zur WWDC nach San Francisco gekommene Entwickler ihre Ideen für das Smartphone umsetzen könnten.

Diese Antwort lautete sinngemäß: "Verwendet Java und XML, der Browser Safari wird Eure Web-Apps dann auf dem Telefon abspielen." Der Jubel war schier grenzenlos, enthusiastische Entwickler lagen sich in den Armen, vor lauter Standing Ovations verlängerte sich die Keynote um eine gute Stunde.

Sie haben es bestimmt gewusst: Dieser Jubelsturm fiel ebenso aus, wie es angeblich mit dem Sommer ab Juli der Fall sein soll. Ganz im Gegenteil zog große Ernüchterung, ja gar Enttäuschung auf. Apple begründete vor elf Jahren diesen Schritt damit, nur so die optimale Qualität gewährleisten und die Erfahrung des iPhones unvergleichlich machen zu können.

Da aber anscheinend Apple selbst Apps auf das Telefon brachte und auch Google solche gewährte, die auch außerhalb von Safari liefen, musste es doch einen Weg geben, den der Konzern einfach nur verstellt? Da ließe sich doch etwas finden!

Und kaum war das iPhone wenige Wochen später auf den Markt gekommen erschienen auch schon die ersten Jailbreaks. Und damit die Möglichkeit, Software auf das Telefon zu schmuggeln, mit allem Risiko. Denn schon nach dem ersten Sicherheitsupdate für das iPhone (über iTunes ausgeliefert) war das derart behandelte Telefon erst einmal unbrauchbar.

Die Entwickler gaben aber keine Ruhe und nach monatelangem Katz-und-Maus-Spiel gab Apple schließlich nach. Im März 2008 schließlich verkündete Apple auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz, Entwicklern ein SDK zur Verfügung zu stellen und deren native Apps über einen App Store genannten neuen Bereich des iTunes Store zu vertreiben. Gratis-Apps und kostenpflichtige, auf festgelegten Preisstufen. 70 Prozent der Einnahmen für die Entwickler, der Rest geht an Apple. Erst mit iPhone-OS 2.0 würde das möglich sein, Apple lieferte es mit dem iPhone 3G im Juli desselben Jahres aus – wir haben letzten Freitag schon an dieser Stelle darüber geschrieben. Noch einen Sommer des Missvergnügen sollten Entwickler dann nicht mehr erleben müssen. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Jenseits von Kompromissen: Im "Buch Zwei" nimmt sich die Süddeutsche Zeitung in ihrer Wochenendausgabe immer viel Platz, um ein Thema gründlich auszuleuchten. Unter dem Titel "Die Versuchung" war das dieses Mal Apples ewiger Steuerstreit mit der EU-Kommission über in Irland zu errichtende Steuern. Zwar hat Apple mit der Überweisung der 13 Milliarden Euro auf ein Treuhandkonto begonnen, vor Gericht wird der Fall Ende 2018 oder eher 2019 verhandelt – Ausgang offen. Interessant nachzulesen ist die Historie des Streits aber durchaus und auch die Einschätzung, dass die beiden Parteien vor allem wegen persönlicher Empfinden nicht mehr an Kompromissen interessiert zu sein scheinen. Die Angelegenheit ist auch komplex: Wo genau soll Apple für das iPhone Steuern zahlen, respektive die Gewinne entsprechend lokalisieren? in Kalifornien konzipiert, in China gefertigt und von Irland aus in Europa vertrieben? Kernpunkt: Die EU-Kommission sieht Apples Niederlassung in Cork als in Irland steuerpflichtig und den Satz von teilweise 0,005 Prozent als wettbewerbswidrig und damit als illegale staatliche Beihilfe an. Apple wiederum sieht die Wertschöpfung allein in den USA - und ist nach einer massiven Steuererleichterung bereit, das im Ausland erwirtschaftete Kapital nach hause zu holen und seine Steuern zu zahlen. Apple stelle das und die Investitionen in den USA als Wohltat hin, kritisieren die Autoren des Stücks, unterschlage aber, dass es ja schon vorher hätte das Geld heimholen können und dem Fiskus dann 40 Milliarden US-Dollar mehr beschieden gewesen wären. Apple betrachte Steuer also eher als Spende, die man nach Gutdünken gewährt, wenn der Satz stimmt. Der komplette Artikel aus dem Buch Zwei ist derzeit nur in der kostenpflichtigen digitalen Ausgabe der Zeitung zu lesen, ein Tagespass kostet 1,99 Euro.

Renovierung: Apple baut auch seine Flaggshiff-Stores um und passt sie an das neue Design "Today at Apple" an. So wird etwa der Store im Londoner Covent Garden am dem 27. Juni für die Renovierung schließen, berichtet 9to5Mac. Der Store war bei seiner Eröffnung der 300ste weltweit und der damals größte. In einem historischen Gebäude gelegen, ist er auch nach wie vor einer der ungewöhnlichsten. Wie lange die Schließung dauert, ist nicht bekannt, allzu lange dürfte das aber nicht der Fall sein. Größere Stores wie der in London benötigen vor allem neue Meeting-Zonen und Videowände. Zurzeit baut Apple auch seinen Store in Palo Alto um, ebenso laufen in Peking Renovierungsarbeiten.

Mehr Ordnung: Mac-Anwender, die den Schreibtisch ihres Systems mit Daten aller Art zuschütten, werden sich über die neue Stacks-Funktion in macOS 10.14 Mojave freuen. Apple Insider zeigt einige Details der Funktionsweise: Stacks legen Dateien gleicher Art, etwa PDFs, Bilder und Videos in Stapeln ab. Zieht man weitere Dateien auf den Schreibtisch, landen diese in den entsprechenden Stacks. Um wieder  an die einzelnen Dateien zu gelangen, öffnet man den Stack mit einem Klick, alle darin sortierten Dokumente werden sichtbar und lassen sich wie gewohnt behandeln. Man kann auch alle Stacks gleichzeitig öffnen.

Vereinbarung: Apples Video-Programm macht Fortschritte. Wie Variety berichtet, hat der Mac-Hersteller, der mit einem Streamingdinest wohl ab kommenden Jahr Netflix Konkurrenz machen will, den Master-Vertrag der Writers Guild of America (WGA) unterschrieben, der Autorengewerkschaft. Apple sichere aber mehr als nur den grundlegenden Standard bei der Bezahlung von Autoren zu, auch für kostenlos an die Zuseher ausgegebene Inhalte.

Weitere Nachrichten:

Back in Black? Der Mac App Store wird ein Erfolg

Zum App Store haben viele Entwickler ein eher gespaltenes Verhältnis. Die vielen Kritikpunkte können wir hier gar nicht ausreichend darstellen, vor allem bei Themen wie Kundengewinnung und Support gibt es zahllose Beschwerden von Entwicklern. Einschränkungen wie die Sandbox sind dabei für die meisten Entwickler weniger das Problem, eher der fehlende Kontakt zu Kunden und flexiblere Angebote.

Einer der häufigsten Kritikpunkte war übrigens die fehlende Unterstützung von Demo-Versionen, die Apple ab September erlauben will. Wie bei vielen per Web veröffentlichten Apps seit Jahrzehnten üblich, kann eine Kunde nun während einer festen Demoperiode eine App ausprobieren und wirklich alle Funktionen testen. Bisher war dies nur bei per Abo finanzierten Apps möglich, nun kann man diese eigentlich selbstverständliche Option auch für Kauf-Apps bieten. Eher ein Krampf ist ja die Option, Funktionen nur per In-App-Kauf anzubieten, was auch bei Kunden oft zu empörten Rezensionen führt. Interessant finden wir aber auch eine zweite „verkaufsfördernde Maßnahme“ die zur Verfügung steht: Ein Entwickler kann den Beginn eines Abos vergünstigt anbieten - etwa die ersten drei Monate zum halben Preis.

Allerdings gibt es hier doch noch einige offenen Fragen. Zu Recht kritisiert etwa der Entwickler Daniel Jalkut, dass die kostenlosen Demoversionen zu einigen Problemen führen – etwa bei der Frage, ob die Apps nach Ablauf der Demo weiter nutzbar sein müssen und wie die Apps in den Kategorien aufgelistet werden.

Die neue Oberfläche des Stores hat Apple stark überarbeitet, er bietet weit mehr als einen schicken Dark Mode! Der erfolgreiche Schwesterstore für iOS war dabei offensichtlich das Vorbild. Das ist kein Wunder, ist doch der iOS Store der weit erfolgreichere der beiden Shops und sorgt für hohe Umsätze. Auch der neue Store wird von eine Redaktion gepflegt, erhält die bekannten neuen Rubriken wie App des Tages oder Spiel des Tages und liefert umfangreiche Artikel zu bestimmten Themen oder Apps zeigen.

Neben den neuen Rubriken „Discover“, „Create“, „Work“ „Play“ und „Develop“ kann man aber weiterhin Kategorien aufrufen oder die integrierte Suche nutzen. Noch immer ist im iOS Store übrigens die Suchfunktion die häufigste Methode, wie Nutzer und App zueinander finden.

Diese redaktionellen Artikel und Listen sind nach unserer Meinung eine sinnvolle Neuerung, da nur an Download-Zahlen oder Nutzerwertungen orientierte Top-Listen große Nachteile haben. Diese Top-Listen führen ja oft dazu, dass Nutzer immer nur die gleichen obersten Zehn Apps sehen und kaufen, für neue Apps ist es dann kaum möglich, sichtbar zu werden. Im iOS-Store war Apple damit laut Marktforschern ja ziemlich erfolgreich , so ist laut App Annie die Sichtbarkeit der von Apple vorgestellten Apps sehr groß.

Einen großen Wert legt Apple aber auf Nutzerberichte und Wertungen, die im neuen Layout sehr prominent platziert werden. Ein Entwickler kann jetzt sogar aus seiner App ein Formularfenster öffnen, in die der Nutzer nur noch seine Wertung eingeben und Sterne verteilen kann. Tipp: In einem per WWDC-App verfügbaren Entwickler-Video gibt Apple einige Tipps für die sinnvolle Nutzung dieser Funktion.

Nicht ohne Ironie: Während Safari seit High Sierra Autoplay-Videos automatisch blockt, gehören jetzt automatisch startende Video zu den neuen Funktionen. Nicht nur für Entwickler von Spielen sind die neuen Videos aber sicher eine sinnvolle Neuerung – wenn auch ihre Produktion natürlich zusätzliche Arbeit macht.

Ein Grund für die mäßige Beliebtheit des Mac App Store ist aber das begrenzte Angebot an Software. Bisher sind die Softwaregiganten Adobe und Microsoft nur mit wenigen Apps vertreten, scheuen viele gut bekannte Softwarefirmen doch Apples hohe Provision. So überraschte es dann doch, dass Apple während der Keynote eine ganze Flut neuer Anbieter ankündigen konnte. Die wichtigste Ankündigung war wohl Microsoft Office 365 im App Store aber auch Lightroom CC ist eine echte Bereicherung für den Store. Barebones und Panic sollen ebenfalls zurück in den App Store kommen, beiden Anbieter hatten ihre beliebten Apps BBedit und Transmit vor einigen Jahren bewußt aus dem Store entfernt. Offensichtlich gab es da hinter den Kulissen einige Verhandlungen, von den Softwareentwicklern selbst gab es dazu leider bisher keinen Kommentar. Nicht ganz klar ist außerdem das Preismodell, so könnte Microsoft ja Office 365 einfach zum Listenpreis plus Apple-Provision anbieten - was viele Kunden enttäuschen würde.

Zu den neuen App-Store-Anbietern gehören neben Microsoft und Adobe übrigens Serif, Bloom, Feral, Corel, Snapchat, Blackmagicdesign, Aspyr, Intua und Houseparty. Wir sind gespannt, um welche Apps es sich da handeln wird und wie es mit den Gebühren aussehen wird.

Fazit: Apple Neuerungen sind ein Schritt in die richtige Richtung, wenn wir auch von Apple verfasste Softwaretests nicht ideal finden – verlässt da Apple doch seine neutrale Rolle als Anbieter.  Leider fehlen aber doch noch viele der von Entwicklern gewünschten Optionen. So ist es immer noch nicht möglich, bezahlte Upgrades anzubieten. Auch auf Photoshop werden wir ja anscheinend noch länger warten müssen. Ganz sicher wird aber der App Store mit 10.14 erfolgreicher und weit mehr Nutzer ansprechen – im Vergleich zur aktuellen Version ist das aber eigentlich keine ganz so große Leistung.

Wie iPhone X: Google Pixel 3 XL bekommt „Notch“

Es wurde schon länger in Gerüchten behauptet, recht glaubwürdige Fotos eine Prototyps scheinen es jetzt zu bestätigen: Die kommende dritte Version des Google Pixel XL erhält anscheinend ein 6,2-Zoll-Display mit einer so genannten Notch. Schon mit Android 9.0 P hatte Google für Android die Unterstützung einer Einkerbung für Frontkameras integriert, wird diese doch bereits in Smartphones wie Huawei und LG verwendet.

Allerdings soll nur das XL-Modell diese Einkerbung erhalten, das kleinere Modell mit vermutlich 5,3-Zoll-Display nicht. Auch beim für Oktober erwarteten Pixel 3 soll Google übrigens nur eine einzelne Kamera verbauen, die Konkurrenz setzt ja mittlerweile auf eine Kombination mehrerer Objektive. Anscheinend setzt Google ebenso auf eine Glasrückseite, eine weitere Parallele zum iPhone X.

Amazon Fire TV Cube: Neue TV-Streaming-Box mit Echo

Bei Amazon Fire TV Cube handelt es sich um einen dunklen Würfel mit Echo- und Fire-TV-Funktionen. Mit diesem Echo-Gerät streamen Sie also wie bei einem Fire TV oder Fire TV Stick Ihre Video- und TV-Inhalte auf Ihr Fernsehgerät und steuern außerdem gekoppelte Smart-Home-Geräte per Sprachbefehl an Alexa. Und nutzen auch sonst die bekannten Alexa-Skills und Sprachbefehl-Funktionen. Ein 2:1-Gerät sozusagen. Im Lieferumfang des Fire TV Cube ist aber auch eine Fernbedienung enthalten. Falls Sie nicht alles mit der Sprache steuern wollen. Außerdem liegt ein Ethernet-Adapter bei, falls es mit der WLAN-Verbindung Probleme geben sollte.

Der Fire TV Cube unterstützt 4K Ultra HD, HDR10 und Dolby Atmos Sound. Er sendet in vier Richtungen Infrarotsignale aus und kann so Infrarot-kompatible Geräte wie zum Beispiel Soundbars oder DVD-Player steuern. Der Cube ist also seinerseits auch eine zentrale Infrarot-Fernbedienung. Und natürlich schaltet er auch den angeschlossenen Fernseher auf den passenden Sprachbefehl hin ein und aus.

Damit er auch wirklich jeden Befehl versteht, verbaut Amazon acht Mikrofone. Wie gehabt fehlt aber eine Youtube-App. Youtube-Videos können Sie aber im Browser ansehen: So schauen Sie weiterhin Youtube auf Ihrem FireTV . Der Fire TV Cube kann allerdings anders als die sonstigen Echos keine Anrufe und Nachrichten durchstellen, wie The Verge berichtet.

Amazon verkauft den Fire TV Cube in den USA für 119,99 US-Dollar. Prime-Kunden erhalten den Fire TV Cube für 89,99 Dollar, wenn sie bis zum 8. Juni bestellen. Vorbestellungen sind für Kunden aus den USA ab sofort möglich, die Auslieferung soll in den USA am 21. Juni 2018 beginnen.

Zum möglichen Deutschlandstart und zu den Preisen für Kunden aus Deutschland gibt es von Amazon noch keine Aussage.

Amazon-Hack: So viel haben Sie bisher bei Amazon ausgegeben

Neulich stellte ich mir die Frage: Wie viel Geld habe ich eigentlich bisher bei Amazon ausgegeben? Gute Frage, die sich aber nicht so leicht beantworten lässt. Amazon sammelt gerne Informationen von seinen Nutzern, beim umgekehrten Weg zeigt sich Amazon aber was den Informationsfluss angeht oft geizig. Die gewünschte Info verschweigt mir Amazon jedenfalls - wahrscheinlich aus gutem Grund: Weil mir die nächste Bestellung dann nicht mehr so leicht fällt. Aber: Mit einem Trick es ist doch ganz einfach möglich, die Information aus Amazon herauskitzeln. Wir zeigen Ihnen, wie es funktioniert.

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie sich bei Amazon.de einloggen und über "Mein Konto" den Eintrag "Meine Bestellungen" aufrufen (oder einfach hier klicken), sehen Sie standardmäßig Ihre Bestellungen der letzten sechs Monate. Über ein Drop-Down-Menü können Sie ein Jahr auswählen, in dem Sie bei Amazon etwas bestellt haben. Amazon bietet allerdings keinerlei Möglichkeit, die Informationen zu exportieren. Auf der US-Seite von Amazon können die Nutzer immerhin die Daten in eine CSV-Datei exportieren und dann dort weiterverarbeiten. Theoretisch könnte man auch ein Skript schreiben, dass die Daten eines Bestelljahres ausliest, verarbeitet und dann automatisch zum nächsten Bestelljahr wechselt. Projekte diese Art finden sich vielfach im Internet, geschrieben in den unterschiedlichsten Programmiersprachen (Ruby, Javascript), aber allesamt mühsam zu bedienen.

Wer den Browser Chrome nutzt, hat seit kurzem eine einfachere und vor allem eine bequemere Lösung: Die Chrome-Erweiterung Amazon Order History Reporter. Die Erweiterung sammelt alle Ihre Bestellungen bei Amazon und präsentiert sie auf eine übersichtliche Art und Weise. Außerdem ist die Erweiterung in der Lage, den Wert aller Bestellungen zu ermitteln. Unterm Strich beantwortet die Erweiterung also die zu Beginn gestellt Frage: Wie viel Geld habe ich eigentlich bisher bei Amazon ausgegeben?

Installieren Sie die Erweiterung und loggen Sie sich auf Amazon mit ihren Kontodaten ein. Anschließend rufen Sie die "Meine Bestellungen"-Seite manuell oder über diesen Link auf. 

Ab jetzt wird die Chrome-Erweiterung aktiv und blendet überhalb der Amazon-Seite Buttons mit Jahreszahlen ein. Alles Jahre, in denen Sie Bestellungen getätigt haben. Wenn Sie auf den Button "All years" klicken, dann beginnt die Erweiterung mit ihrer Arbeit. Es werden alle Bestellungen eingelesen und ausgewertet. Nach einer Zeit wechselt die Darstellung zu einer Tabellenansicht, die alle Ihre Bestellungen übersichtlich anzeigt. Sie können sehen, was Sie innerhalb eines Jahres oder in der gesamten Zeit bestellt haben, ob es ein Geschenk war und wie viele Steuern Sie bezahlt haben. Ganz unten findet sich die Antwort, wie viel alle Bestellungen innerhalb des ausgewählten Zeitraums (Jahreszahl oder alle Jahre) wert waren (die Zahl neben all= in der Spalte "total"). Nach einem Klick auf "All years" sehen Sie also in der besagten Zelle den Wert aller Ihrer Bestellungen. Die aktuelle Tabelle können Sie über die Erweiterung als CSV-Datei exportieren und dann in Excel (oder einer anderen Tabellenkalkulation) weiterverarbeiten. Klicken Sie dazu einfach auf den Button "download csv" oben links.

Und die Antwort auf meine Eingangsfrage weiß ich damit auch... In 17 Jahren hat Amazon von mir 15.786,94 Euro via 218 Bestellungen erhalten. Macht einen Schnitt von 72,41 Euro pro Bestellung. Wie viel haben Sie bisher bei Amazon ausgegeben?

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