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Morgenmagazin vom Montag, 12. März 2018

12.03.2018 | 07:03 Uhr |

Siri-Gründer: Apple hat sich verzettelt +++ Armband AliveCor erkennt hohen Kaliumspiegel anhand von EKG +++ Apple Store 5th Avenue: Kubus kehrt zurück +++ Telefónica denkt über Verkauf von O2 nach +++ Roboter löst Zauberwürfel in 0,38 Sekunden - Rekord +++ Kryptowährungen: Bitcoin und Co. stürzen massiv ab

12. März: Goin' back to Hannover …

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Es ist an sich die Jahreszeit, in der in mit IT beschäftigten Unternehmen viele Schreibtische leer bleiben.  Wo ist der Kollege Meier diese Woche? Oder die Kollegin Müller? In Hannover, auf dem Weg dorthin, noch nicht zurück – alles klar. Nun wollen wir der Stadt am Maschsee nicht zu nahe treten, aber es gibt gewiss schönere Reiseziele im zu Ende gehenden Winter. Die einstige Reisetätigkeiten Mitte März und ihr Ausbleiben in diesem Jahr haben einen Grund: CeBIT.

Heute vor 32 Jahren begann auf dem Messegelände in Hannover die erste eigenständige Ausgabe der Fach- und Publikumsmesse für Informationstechnologie. Zuvor war diese ein immer stärker wachsender Teil der Hannover Messe, jener Industrieleitmesse, für die in der niedersächsischen Hauptstadt überhaupt erst die Ausstellungsflächen gewachsen waren. Das „Centrum der Büro- und Informationstechnik“ war aber allmählich aus den Nähten geplatzt, weshalb die CeBIT einfach um einen guten Monat vorverlegt wurde und die rund 20 Hallen für sich alleine beanspruchen konnte.

Zu den Boomzeiten der Messe, als sie vor allem am Wochenende weit mehr Endverbraucher als Geschäftskunden anzog, die mit ihren Plastik- und Stofftüten so penetrant auf die Jagd nach Werbematerial und Geschenke gingen, dass sie von Fachbesuchern und Ausstellern gerne auch abschätzig „Beutelratten“ genannt wurden, schien es bald so, als ob Hannover zu klein würde. Die CeBIT war selbst zur Leitmesse geworden und zum Opfer ihres eigenen Erfolges.

Irgendwann fiel die Entscheidung, Themen für den Endverbraucher in das Format CeBIT Home in den Herbst zu verlegen, nach zwei Ausgaben 1996 und 1998 war Schluss. Die CeBIT wuchs weiter.  Dann musste alles, was mit Gaming zu tun hat, die Stadt verlassen  und sich auf andere Formate wie der Gamescom verlegen. Die CeBIT wuchs weiter.

Doch im Jahr 2009 plötzlich der Bruch: Nur noch 400.000 Besucher fanden den Weg nach Hannover, darunter der damalige Gouverneur von Kalifornien Arnold Schwarzenegger. Die Messeleitung strich wieder den erst wenige Jahre davor eingeführten sechsten Messetag.

Die CeBIT schien in den Jahren danach nicht mehr zu wissen, was sie eigentlich sein wollte. Consumermesse? Fachmesse? Etwas dazwischen? Und was ist eigentlich IT? Mit dem Thema ließen sich ja nicht nur 20 Messehallen füllen.

Hinzu kommt natürlich auch, dass sich Fachbesucher und Beutelratten nicht mehr auf Messen informieren und austauschen müssen, es gibt so viele andere Wege, um in Kontakt zu geraten. Apple hat bereits um die Jahrtausendwende das Motto gelebt „We don’t believe in tradeshows“ und dem Auftritt im Rahmen des Apple Power Park in Halle 13 keinen weiteren mehr folgen lassen.

So begab sich die Macwelt auch schon lange vor den anderen nicht mehr im März nach Hannover oder allenfalls sporadisch. Die CeBIT 2017 war dann auch die letzte im Vorfrühling, mit 3000 Ausstellern und 200.000 Besuchern. Heuer versucht die Deutsche Messe AG etwas Neues: Die CeBIT bekommt im Juni einen neuen Anstrich, einen „Eventcharakter“. Mal sehen, ob das funktioniert. Wir würden im Juni ja lieber zur WWDC.

Lesetipps für den Montag

Zukunftsinvestitionen : Das Feld der künstlichen Intelligenz wird immer wichtiger, so ist es keine Wunder, dass immer mehr Firmen aus diesem Bereich von größeren Unternehmen geschluckt werden, vor allem von Google und Apple. Wie Venturebeat vorrechnet, hatte es im Jahr 2013 lediglich 22 Übernahmen von KI-Startups gegeben, 115 seien es bereits im Jahr 2017 gewesen. Google hat insgesamt 14 kleinere Unternehmen gekauft, darunter Banter, Halli Labs und Kaggle, Apple folgt mit 13 Akquisen dicht auf. Die bekannteste und wichtigste dürfte Siri gewesen, sein, was 2010 zu Apple kam. Zuletzt hatte Cupertino sich Pop Up Archive einverleibt.

Fehlentwicklung: Apple liegt mit Siri in der Entwicklung künstlicher Intelligenz angeblich hinter den Konkurrenten von Amazon und Google zurück, vor allem, weil Cupertino großen Wert auf Datenschutz setzt und keine User-Profile anlegt. Dass Siri aber nicht zur unangefochtenen Nummer eins wurde, trotz des frühen Start im Oktober 2011 mit dem iPhone 4s, liegt nach Ansicht des Mitbegründers der von Apple übernommenen Firma Norman Winarsky an den Ansprüchen, die Apple an die digitale Assistentin stellt. Denn diese solle in vielen Bereichen den Anwender unterstützen, dabei sei die Technik ursprünglich nur ein einem engen Kontext entwickelt worden, nämlich als Assistent für Reisen und Entertainmentzwecke. Wie Winarsky gegenüber Quartz erklärt, sei ein typisches Szenario für Siri etwa ein abgesagter Flug. Schon beim Herausnehmen des Smartphones aus der Tasche würde Siri wissen, welche Alternativrouten bestünden oder welche Hotelzimmer in der Umgebung noch frei wären. Da Apple aber Siris Aufgabengebiet enorm erweitert habe, dauere es wesentlich länger, bis die Technik ausreife.

Diagnose: Die Algorithmen des medizinischen Apple-Watch-Armbandes AliveCor können nicht nur mit hoher Zuverlässigkeit Vorhofflimmern aus EKG-Daten erkennen, sondern auch hohe Kaliumwerte im Blut. Dies zeigt eine Studie in Zusammenarbeit mit der Mayo Clinic in Cleveland, in deren Rahmen die Software zwei Millionen EKGs aus den Jahren 1994 bis 2017 auswertete und eine Trefferquote zwischen 94 und 97 Prozent bei der Diagnose von Hyperkalämie erreichte. Diese ist Anzeichen für schwerere Krankheiten die zu Herzschädigungen führen können. Das AliveCor ist allerdings nicht billig, das Armband kostet einmalig 200 US-Dollar und der Datenservice 100 US-Dollar jährlich.

Anzeichen: Die Renovierung des legendären Apple Stores an der Fifth Avenue macht Fortschritte, nun auch an der Oberfläche. Seit kurzem steht ein Baugerüst an der Stelle, an der der Glaskubus den Eingang markierte und wieder zurückkehren wird. Apple hat die Fäche des unterirdischen Stores ungefähr verdoppelt, durch zahlreiche Bodenfenster an der Plaza soll mehr Licht in die Räume gelangen. Ende 2018 sollen die seit Anfang 2016 andauernden Renovierungsarbeiten abgeschlossen sein.

Weitere Nachrichten:

Telefónica denkt über Verkauf von O2 nach

Laut eines Berichts der Wirtschaftswoche denkt der spanische Telekommunikationskonzern Telefónica über einen Verkauf von O2 beziehungsweise Telefónica Deutschland und über einen Rückzug vom deutschen Telekommunikationsmarkt nach.

„Es gibt erste Überlegungen und Planspiele“, zitiert die Wirtschaftswoche namentlich nicht genannte Quellen aus Telekommunikations- und Finanzkreisen. Der O2-Verkauf soll sich demnach noch in einem frühen Stadium befinden. Mit der Suche nach einem Käufer für O2 soll noch keine Investmentbank beauftragt sein. Doch potenzielle Interessenten soll es durchaus geben, auch Finanzinvestoren seien als Käufer denkbar.

Wobei bei der Übernahme von O2 durch einen Konkurrenten – also zum Beispiel durch die Deutsche Telekom oder Vodafone – sicherlich die Aufsichts- und Kartellbehörden ein gewichtiges Wort mitreden würden. Zudem rechnen Marktkenner damit, dass der Käufer große Summen in O2 investieren müsste. Denn O2 hat in Deutschland nach wie vor ein schlechteres Mobilfunknetz als Deutsche Telekom und Vodafone; trotz der 2014 erfolgten Fusion mit dem Mobilfunknetz von E-Plus – Telefonica Deutschland verkaufte nach der Fusion Sendemasten, um die Kosten zu senken. Diese Investitionskosten kämen dann noch zu den geschätzten Übernahmekosten von rund 15 Milliarden Euro dazu. Telefónica selbst sagt allerdings gar nichts zu den Verkaufsgerüchten.

Der spanische Mutterkonzern Telefónica hält 69,2 Prozent an Telefónica Deutschland. Acht Prozent hält das niederländische Unternehmen KPN - das 2014 E-Plus an Telefónica verkauft hatte - und 22,2 Prozent sind in Streubesitz.

Das Mobilfunknetz von O2 bildet oft die technische Basis von Mobilfunktarifen von Discountern. Tchibo Mobil oder Aldi Talk sind hierfür prominente Beispiele. Lidl dagegen setzt auf das Mobilfunknetz von Vodafone.



Roboter löst Zauberwürfel in 0,38 Sekunden - Rekord

Zwei Bastler haben mit ihrem Roboter einen neuen Weltrekord beim Lösen eines Zauberwürfels aufgestellt. Der vom Software-Entwickler Jared Di Carlo und dem MIT-Studenten Ben Katz gebaute Roboter, kann einen Zauberwürfel in 0,38 Sekunden lösen, wie auch in dem folgenden Video gezeigt wird:

In diesem Blog-Eintrag stellt Ben Katz die Maschine vor. Demnach besteht sie auch sechs ServoDisc U-9 Motoren und zwei Playstation-Kameras. Das Hauptproblem sei gewesen, den Zauberwürfel beim Bewegen durch die Motoren nicht zu stark zu belasten, weil er sonst auseinander bricht. Oder mit anderen Worten: Der Roboter könnte den Würfel auch schneller lösen, wenn der Würfel dabei nicht immer in seine Einzelteile zerfallen würde. Eine solche "Cubesplosion" wurde im folgenden Video dokumentiert:

Für die Lösung des Würfels setzen die beiden Bastler einen selbst entwickelten Algorithmus zur Farberkennung ein. Diese erfolgt über die beiden Playstation-3-Kameras, die bei Amazon Prime für unter 7 US-Dollar eingekauft wurden und unter Linux mit 187 Bildern pro Sekunde betrieben werden können. Die Erkennung aller Farben eines Zauberwürfels dauere 45 Millisekunden, wobei die meiste Zeit für das Warten auf den Webcam-Treiber verschwendet werde. Wie der Algorithmus genau funktioniert, erläutert Di Carlo auch in diesem Blog-Eintrag. Die Software selbst ist hier auf GitHub erhältlich.

Der bisherige Roboter-Rekordhalter beim Lösen eines Zauberwürfels stammt von Infineon Technologies. Der Sub1 Reloaded kann einen Rubik´s Würfel in 0,63 Sekunden lösen, wie in diesem Video zu sehen ist.

Der aktuelle menschliche Rekordhalter ist SeungBeom Cho, der einen Würfel in 4,59 Sekunden löste.

Das in anderen Ländern auch Rubik´s Cube oder Rubik´s Würfel genannte Spiel wurde vom ungarischen Architekten und Bauingenieur Ernő Rubik im Jahr 1974 erfunden. Der Zauberwürfel kam zunächst nur in Ungarn auf den Markt. Nachdem Rubik ihn sich erfolgreich patentieren ließ, folgte 1977 die Veröffentlichung in anderen Ländern. Ab dem 2. Juni 1980 eroberte das Spiel auch Deutschland.

Kryptowährungen: Bitcoin und Co. stürzen massiv ab

Nach dem Höhenflug seit Beginn des Jahres hatten in der letzten Woche fast alle großen Kryptowährungen mit massiven Kurseinbrüchen zu kämpfen . Stand der Bitcoin am Montag noch bei über 11.500 US-Dollar, war die digitale Währung am heutigen Freitag zeitweise nur noch 8.800 US-Dollar wert. Allein in den letzten 24 Stunden büßte die Kryptowährung fast zehn Prozent an Wert ein. Seit Wochenbeginn waren es sogar 25 Prozent. Das gleiche Bild bietet sich auch bei anderen Kryptowährungen wie Bitcoin Cash und Ethereum. Mit den höchsten Einbußen von mehr als 20 Prozent haben seit gestern Blocknet und Sirin Labs Token zu kämpfen.

Grund für die Talfahrt ist der wachsende Druck durch die Börsenaufsicht in den USA und in Japan. Die japanische Finanzaufsicht hatte am gestrigen Donnerstag zwei Kryptobörsen aufgefordert, ihren Betrieb für einen Monat einzustellen. Coincheck muss seine Bemühungen gegen Geldwäsche verstärken und vier weitere Kryptobörsen wurden mit verschärften Auflagen für die Sicherheit ihrer Computersysteme bedacht. Auch in den USA will die Börsenaufsicht SEC Handelsplätze für Kryptowährungen künftig stärker ins Visier nehmen. Zudem musste die Plattform Binance aufgrund eines angeblichen Hackerangriffs vorübergehend den Handel einstellen.

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