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Morgenmagazin vom Montag, 14. Januar 2019

14.01.2019 | 06:53 Uhr |

Qualcomm: Subvention für Apple in Höhe von 1 Mrd. Dollar +++ iPhone: Preisverfall in China +++ Health Records: Frühe Nutzer hoch zufrieden +++ Continental zeigt Hunde-ähnlichen Post-Roboter +++ Canon plant spiegellose Vollformatkamera für 8K-Videos +++ Nvidia-CEO zieht heftig über AMD und Radeon VII her

14. Januar: Mehr als nur eine Auszeit

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Die Macworld Expo 2009 hatte Apple recht lustlos abgerissen, schon als Phil Schiller in Vertretung von Steve Jobs die Messe eröffnete, war klar, dies würde das letzte Mal sein: We don't believe in trade shows. Apple hält seither nur eigenen Veranstaltungen ab, im Juni die WWDC, im März, September und/oder Oktober Special Events.

Rückblickend kann man erahnen, warum Phil Schiller bei der Präsentation so uninspiriert war und die neu vorgestellten Produkte (iLife und iWork 09, Macbook Pro 17 Zoll) recht unspektakulär: Im Hintergrund kämpfte der Gründer und Chefvisionär des Unternehmens Apple um sein Überleben.

Schon im Oktober 2008 hatten sich Beobachter in aller Welt gefragt, warum Jobs denn so dünn sei, ob es etwa mit dem 2004 operativ behandelten Krebs zu tun haben könne? Es hatte, nur gab Apple seinerzeit als einziges Bulletin die Blutdruckwerte des CEO heraus (120 zu 80, alles im normalen Bereich) und ließ keine weiteren Fragen zum Gesundheitszustand des Chefs zu.

So war auch die am 14. Januar 2009 herausgegebene offizielle Ankündigung der bis Juni 2009 veranschlagten Auszeit voll von, nun ja, manche nennen es "alternative Fakten", andere "verzerrte Realität", wieder andere "Lügen". Bleiben wir mal wohlwollend bei "nicht die ganze Wahrheit", denn die Worte "Stoffwechselstörung, daher Gewichtsverlust" und "in den Griff zu bekommen", waren nicht ganz verkehrt: Steve Jobs benötigte eine Spenderleber, die ihm ein in Nevada verunglückter Motorradfahrer überlassen sollte.

Die Spekulation ist müßig, ob Jobs sich nicht gleich nach der Diagnose von 2003 hätte operieren lassen sollen, anstatt Zeit mit alternativen Methoden wie eine frugane Diät zu vergeuden. Die Ärzte gaben ihn seinerzeit bei sofortiger Operation eine 50-prozentige Überlebenschance für fünf Jahre. Letzten Endes waren es acht Jahre und allenfalls in einem alternativen Universum, zu dem wir keinen Zutritt bekommen, lebt ein rechtzeitig operierter Apple-CEO noch heute.

Die erste Operation von Ende Juli 2004 hatte schon erste Metastasen auf der Leber gezeigt, wie Walter Isaacson in seiner Jobs-Biographie berichtet. Ein Wunder, dass das originale Organ noch so lange hielt und Steve Jobs gut vier Jahre bei bester Gesundheit schien, bei der Transplantation von 2009 stellten Ärzte aber dann schon Tochtergeschwülste auf dem Bauchfell fest - und so richtig gesund wurde Jobs auch mit neuer Leber nicht mehr.

Doch wie er in seinen letzten Jahren erkannte: Sein größtes Produkt bei Apple war Apple selbst, das Unternehmen kommt auch ohne ihn klar. Anders zwar, aber höchst erfolgreich und gesund. Die derzeitige Krise ist nichts weiter als ein Schnupfen: Krisen gibt es nur auf der Intensivstation. Welche Firma wüsste das besser als Apple, das in seiner Geschichte recht oft am Tropf hing, während das letzte Stündlein scheinbar geschlagen hatte? Apple wird zwar 2019 einige Dinge ändern, muss aber gewiss nicht auf Kur. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Vorsichtsmaßnahme : Fusion Drives sind ein Kompromiss aus schneller, robuster SSD und günstigem Storage auf Festplatte. Während 1-TB-SSDs immer noch recht teuer sind, verbaut Apple im nominell gleich viele Daten fassenden Fusion Drive im iMac eine 32 GB fassende SSD, auf die das System und oft benutzte Daten gespeichert sind, der Rest kommt auf eine günstige HDD. Die beiden Komponenten sind separat auf der Hauptplatine angeordnet, macOS fasst sie zu einer logischen Einheit zusammen. Das macht das Wiederherstellen von Daten aber kompliziert, wenn SSD oder HDD ausfallen. Mehr als andere Storagelösungen zwingen Fusion Drives also zu regelmäßigen Backups, erklärt Glenn Fleishman in seiner Kolumne Mac 911 auf Macworld.

Zufrieden : Seit iOS 11.3 können Patienten auf dem iPhone Health Records nutzen und in dem Service all ihre Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen Quellen sammeln und behandelnden Ärzten Einblick gewähren. Die Universität von San Diego hat nun in einer Studie die Zufriedenheit von Patienten mit dem Feature untersucht. Von den 132 befragten Patienten hatten sich 78 Prozent als "sehr zufrieden" mit dem Feature gezeigt. 96 Prozent gaben an, ihr Mobilgerät einfach mit der Plattform verbinden zu können, 90 Prozent sagten, die Lösung hätte ihnen dabei geholfen, ihre Gesundheit besser zu verstehen. Wie die Autoren der Studie aber hinweisen sind derart hohe Zufriedenheitswerte aber unter frühen Nutzern neuer Services und Produkte üblich, Heatlh Records muss seine Nützlichkeit auf lange Sicht noch beweisen.

Preisverfall: In China gehen die Preise für iPhones um bis zu 22 Prozent zurück, berichtet ZDnet. In seinen eigenen Kanälen hält Apple zwar an den im Herbst etablierten Preisen fest, Händler locken aber mit bedeutenden Rabatten. So sind etwa iPhone 8 und 8 Plus bei JD.com, der zweitgrößten Online-Handelsplattform des Landes, für umgerechnet 592 und 710 US-Dollar zu haben, diese Preise seien von Apple autorisiert, heißt es. Im Rahmen seiner Promotion für den Jahreswechsel (am 5. Februar) bietet hingegen Suning das iPhone XR 128 GB für 860 US-Dollar an, rund 170 US-Dollar günstiger als Listenpreis. Die reduzierten Preise sind Reaktion auf schwache Verkäufe in China, über die Apple in der ersten Woche des Jahres geklagt hat. Doch auch anderswo fällt Apple das Geschäft schwer, Preissenkungen wären eine wesentliche Maßnahme gegen den Schwund.

Aussage : Im Kartellprozess gegen Qualcomm hat dessen CEO Steve Mollenkopf am Freitag in San Jose ausgesagt, sein Unternehmen hätte im Jahr 2011 eine Milliarde US-Dollar an Apple bezahlt, um der exklusive Lieferant von Funkmodemchips zu werden. Die Investition sei eine Kompensation der Kosten gewesen, die Apple vom Wechsel von Infineon zu Qualcomm entstanden waren erklärt Mollenkopf. Derartige Zahlungen seien in der Industrie nicht unüblich, die Höhe sei es aber gewesen. Qualcomm habe daher auf seinen Exklusivstatus bestanden, um die Anschubfinanzierung wieder rein zu bekommen und nicht, um Konkurrenten aus dem Markt zu drängen. Apple habe sich nämlich nicht auf die Abnahme einer konkreten Menge verpflichtet. In der Vereinbarung von 2011 sei auch festgeschrieben, dass Apple Rabatte auf die Chips erhalte, wenn es sie nur bei Qualcomm beziehe. Dem iPhone-Hersteller sei gewährt worden, auch die Prozessoren von anderen Herstellern zu nutzen, in diesem Fall wäre der Rabatt aber verwirkt. Zuvor hatte Apples Manager für die Lieferkette Tony Blevons ausgesagt, Apple würde für jede Komponente des iPhones immer mindestens zwei Zulieferer beauftragen, einige der mehr als 1000 Bauteile kämen sogar von bis zu sechs unterschiedlichen Firmen.

Weitere Nachrichten:

Continental zeigt Hunde-ähnlichen Post-Roboter

Der deutsche Automobil-Zulieferer Continental hat auf der CES 2019 einen Roboter vorgestellt , der mit seinen vier Beinen an einen Hund erinnert. Im Gegensatz zu ähnlichen Entwicklungen aus dem Militärbereich, die den Soldaten als Lastesel dienen, soll der in Zusammenarbeit mit ANYbotics entwickelte Roboter bei der Zustellung von Paketen helfen. Bei einer Präsentation sprang der Roboter-Hund von Continental aus dem Laderaum eines autonom fahrenden Transporters, um das Paket bis zur Haustür zu transportieren.

Auf seinem Weg zur Eingangstür kann der ANYMal getaufte Roboter Hindernissen ausweichen, um schließlich an der Tür zu klingeln. Öffnet der Empfänger die Tür, so hebt der Robo-Hund das Paket von seinem Rücken und führt einen kleinen Tanz auf. Continental verfolgt derzeit keine Pläne, um aus ANYMal ein echtes Produkt zu machen. Noch seien Roboter mit Beinen nicht verlässlich genug für diese Aufgabe. Auch Unternehmen wie Boston Dynamics oder Agility Robotics arbeiten an Robotern, die Pakete zustellen können. Doch auch diese beiden Firmen sind noch nicht an einem entsprechenden Lieferdienst interessiert. Noch verlassen sich viele Hersteller lieber auf Roboter mit Rädern, speziell für die Zustellung von Paketen und Pizzen. Daher wird es wohl noch eine Weile dauern, eh vierbeinige Roboter an der Haustür klingeln.

Canon plant spiegellose Vollformatkamera für 8K-Videos

Canon will seine neue EOS-R-Serie in Zukunft um eine spiegellose Vollformatkamera erweitern, die Videos in 8K aufnehmen kann. Das bestätigte Yoshiyuki Mizoguchi, Product Planning Executive bei Canon, in dieser Woche im Interview mit Imaging Resource . Eine 8K-Kamera sei demnach Teil der EOS-R-Roadmap. Wann der Kamera-Hersteller das neue Modell veröffentlichen wird, ist aktuell jedoch noch nicht bekannt.

Kunden müssen sich bis zum Release der 8K-Kamera möglicherweise noch ein wenig gedulden. Canon gilt bereits im 4K-Bereich als „Spätzünder“. Das Unternehmen führte zwar bereits 2008 mit dem Release der 5D Mark II Videos in Full-HD-Auflösung ein. 4K-Video-Support folgte jedoch erst im Jahr 2016 mit der 5D Mark IV und der 1D X Mark II. Im letzten Jahr veröffentlichte das Unternehmen schließlich mit der EOS M50 eine spiegellose 4K-Kamera. Zwar nimmt auch die EOS R Videos in 4K auf, für Filmer ist sie jedoch unter anderem durch den 1,8-fachen Crop-Faktor nur bedingt geeignet. Abseits ihrer Video-Qualitäten, ist die EOS R als spiegellose Vollformatkamera jedoch ein solides Mittelklasse-Modell. Laut Samsung sieht die Roadmap für die neue Produktfamilie für die Zukunft weitere Einsteiger- sowie Premium-Modelle vor.

Nvidia-CEO zieht heftig über AMD und Radeon VII her

Zur diesjährigen Elektronik-Fachmesse CES in Las Vegas stellte AMD seine neuen Radeon VII vor. 16 GB HBM2 Speicher und 1 TB Bandbreite soll die erste im 7-nm-Prozess hergestellte Grafikkarte zu bieten haben (Mehr Informationen zur Radeon-VII-Vorstellung finden Sie hier ).

Nvidias CEO Jensen Huang zog im Anschluss an die Präsentation heftig über AMD her: „Die Leistung ist lausig und es gibt nichts Neues“, sagte der CEO zur Produktankündigung von AMD gegenüber PC World. Die Vorstellung sei aus seiner Sicht eine richtige Enttäuschung, da sie keine neuen Features biete und auch keine AI-Funktionen liefere. Die neue Radeon-Karten könne „kaum mit der (Geforce RTX) 2080 mithalten“, erklärte Huang.

Die laute Kritik gegenüber AMD ist seitens Nvidia - besonders in dieser Schärfe - allerdings ungewöhnlich. Es gibt ja noch nicht einmal unabhängige Tests zur Nvidia-Konkurrenz. Huang sagte weiterhin, dass er eben manchmal gerne die Konkurrenz „auf die Schippe nehme“.

Diese Sprüche wollte AMD nicht ohne Gegenkommentare hinnehmen. Prompt antwortete die AMD Firmen-CEO Lisa Su auf die Anfeindungen seitens des Nvidia-CEOs: „Ich würde mal vermuten, dass er sie (die Radeon VII) noch nicht gesehen hat.“ Zu weiteren Äußerungen des Nvidia CEOs wollte sie aber keine weitere Stellung beziehen.

Neben der Radeon-Kritik übte der Nvidia-CEO nämlich noch weitere Kritik an AMD-Produkten, so zum Beispiel auch an FreeSync: „Die Wahrheit ist, dass die meisten FreeSync-Monitore nicht funktionieren. Sie funktionieren nicht einmal mit AMD-Grafikkarten“, behauptete Huang. Frech – bereits seit Jahren gibt es unzählige FreeSync-Monitore, die ohne große Probleme mit AMD-Grafikkarten arbeiten.

 


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