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Morgenmagazin vom Montag, 16. April 2018

16.04.2018 | 06:54 Uhr |

Kuo: HomePod ist zu teuer +++ Fadell: Apple muss etwas gegen Digitalsucht unternehmen +++ Apple verliert Prozess in Norwegen +++ Aus für Quicktime Player 7: Warum der Abschied schmerzt +++ Gerücht: Xiaomi will GoPro kaufen +++ Amazon übernimmt Smart-Home-Gadget-Hersteller Ring +++ Unbegrenzte Reichweite: Schweden testet Elektro-Autos auf Stromschienen +++ NASA startet Satelliten zur Entdeckung neuer Planeten

16. April: Ausreden und Jubilare

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Am Freitag, dem 13. musste das Morgenmagazin leider ausfallen. Wir könnten uns die Begründung jetzt recht einfach machen und sagen, es habe da einen Vulkanausbruch gegeben, ein Erdbeben, eine Flutwelle und der Anzug kam nicht rechtzeitig aus der Reinigung. Oder wir sagen einfach: Paraskavedekatriaphobie, krankhafte Angst vor Freitag, den 13., da kann man nichts machen. Aber da Sie sicher die Blues Brothers kennen und wissen, dass wir von der Macwelt weder abergläubisch noch ängstlich sind, hilft das nicht weiter. Der Grund war ein administrativer: Der Morgenredakteur in unaufschiebbaren anderen Projekten beschäftigt, so dass er zu jener Zeit an anderen orten sein musste. Angst haben wir ja generell am Freitag, dem 13. nur vor dem Montag, dem 16. Und der ist gekommen.

Wird aber alles halb so wild, wir gehen ja alle gerne unserer Berufung nach, wenn es sein muss, bis zum letzten Atemzug. Nun gibt es glücklicher Weise nur wenige Berufe, bei denen per Jobbeschreibung der letzte Arbeitstag gleichzeitig auch der letzte Tag des Lebens ist. König oder Papst, recht viel mehr fällt einem da nicht ein. Wobei Könige heutzutage gerne einmal abdanken, vor allem dann, wenn sie ihren Beruf eher repräsentativ als exekutiv ausüben. Nur die eine, die in wenigen Tagen 92 Jahre alt wird, versteht ihren Beruf als einen, den man bis zum letzten Atemzug ausführen muss: Queen Elizabeth II, kurz QE2. Ein anderer, fast gleich alter, auf Lebenszeit berufener, hat vor etwas mehr als fünf Jahren gekündigt: Joseph Ratzinger, seit dem Konklave von 2005 als Bendeikt XVI bekannt. Wir fragen uns immer noch, bei wem er kündigen konnte und von seinen weit mehr als 200 Vorgängern ist ein derartiger Vorfall nur ein einziges Mal bekannt. Papst ist Ratzinger immer noch, nur nicht mehr exekutiv, sondern emeritiert. Nach einem alten Witz ist heute auch noch sein Namenstag, nein, nicht Joseph, sondern Benedikt - und das auch noch am 16.!

Haken an der Sache: Seinen Papstnamen hat Ratzinger nicht von dem heute geehrten Benoît Joseph Labre, sondern vom Ordensgründer Benedikt von Nursia, und der hat im katholischen Kalender seinen Ehrentag am 21. März. Die XVI steht da auch nur, weil sie auf die XV folgt, jener Benedikt versuchte sich im Ersten Weltkrieg vergeblich an einer Friedensmission.

Für eine solche und dann nicht vergebliche würde auch heute dringend jemand gebraucht, ob ein Papst allein dafür aber genug ist, daran darf man seine Zweifel hegen. Packen wir also die neue Woche wie immer engagiert an! Peter Müller

Lesetipps für den Montag:

Unabhängig: Apple will nicht, dass iPhones und andere Produkte des Herstellers leicht zu reparieren sind. Aus Cupertinos Sicht könne nur so die Qualität gewährleistet werden, wenn nur Apple Stores oder zertifizierte Betriebe etwa den Austausch von Displays und anderen  Teilen übernehmen, Kunden und unabhängige Servicebetriebe sehen hingegen die Gefahr eines Monopols, dass Reparaturen unnötig verteuere. Wie Motherboard berichtet, hat Apple nun vergeblich versucht, einen norwegischen Reparateur an seiner Arbeit zu hindern. Anlass war die Beschlagnahme von Screens für iPhone 6 und 6s durch den norwegischen Zoll, die aus Asien an die Werkstatt von Henrik Huseby unterwegs waren. Apple verklagte dessen Firma wegen Verletzung seiner Urheberrechte und bot ihr einen Vergleich an, in der sich Huseby verpflichten sollte, keine Reparaturen mehr durchzuführen. Das mit dem Fall befasste norwegische Gericht entschied jedoch, dass der Import von Komponenten für den Austausch nicht illegal sei, solange kein Warenzeichen auf ihnen prange, das war bei den beschlagnahmten Displays der Fall, die mit dem Apple-Logo versehen waren. Sonst dürfe Huseby nach norwegischem Recht sehr wohl Austauschteile beziehen und diese einsetzen.

Geheimnisverrat: Apple will Stillschweigen über seine künftigen Produkte bewahren, ein jedes Leak sieht das Unternehmen als Problem. Wie nun ironischer Weise aus einem geleakten Dokument hervorgeht, warnt Apple seine Mitarbeiter vor dem Verrat von Firmengeheimnissen und droht Leakern schwere Konsequenzen an, egal, ob sei aus den eigenen Reihen stammen, oder bei Zulieferern und anderen Partnern arbeiten. Zuletzt habe man 29 Leaker identifizieren können, zwölf davon seien verhaftet worden. Wie Apple droht, kläre man derartige Fälle immer schneller auf und finde den Urheber der Lücke.

Forderung: Tony Fadell, einst Chefentwickler des iPod und auch am Entstehen des iPhone entscheidend beteiligt, fordert Apple in einer auf Wired erschienenen Kolumne auf, etwas gegen digitale Sucht zu unternehmen. Das sei nicht nur ein Facebook-Problem oder eines für Minderjährige, sondern gehe uns alle an. Anders als bei der Ernährung könne man aber nicht genau sagen, was zuviel und ungesund ist und wo gewissermaßen das digitale Übergewicht und seine negativen Folgen beginnen. Doch sei es ein leichtes, digitale Aktivitäten zu messen und zu protokollieren, auch Kindersicherungen mit Zeiteinschränkungen seien an sich nicht schwer umzusetzen und die Technik dafür vorhanden. Apple schade sich selbst damit nicht, denn dem Unternehmen ist daran gelegen, möglichst viele Geräte zu verkaufen und nicht deren Nutzungszeit zu maximieren. Im Gegenteil würde Cupertino noch mehr iPhones verkaufen, wenn diese den Ruf bekämen, sicher gegen Süchte zu sein. Apple sollte derartige Schritte auf jeden Fall unternehmen, der Rest der Industrie würde folgen.

Zu teuer: Der meist recht treffsichere KGI-Analyst Ming-Chi Kuo erwartet, dass Apple im Jahr 2018 nur 2 - 2,5 Millionen HomePods verkaufen werde. Andere Kollegen der Branche rechnen mit bis zu zehn Millionen Stück, Kuos Prognose erscheint also recht pessimistisch.Der Grund für die Zurückhaltung der Kunden sei der hohe Preis, die Konkurrenz biete vergleichbare Geräte deutlich günstiger an. Das sei aber auch Apple aufgefallen, das nun über eine Low-Cost-Variante des HomePod nachdenke.

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Aus für Quicktime Player 7: Warum der Abschied schmerzt

Apple will in den kommenden Systemen komplett auf 64-Bit umsteigen, Nutzer von High Sierra sehen deshalb seit dem 12.4. bei manchen Apps eine Warnung, der Entwickler müssen die App aktualisieren. Zu diesen unter 10.14 nicht mehr unterstützten 32-Bit-Apps gehört leider auch Quicktime 7 Pro. Vor allem einige Blogger und Podcaster scheinen die kostenpflichtige Version des Players noch zu nutzen, wie viele kritische Beiträge auf Twitter zeigen.

Der bekannte Macworld-Journalist Jason Snell stieß mit seinem Tweet „RIP good Quick Time Player“ allerdings auch auf viel Unverständnis. Das ist kein Wunder, ist doch gerade bei vielen Windows-Anwendern die Player-Version als "Problemkind" bekannt. Aber selbst vielen Mac-Anwendern ist offensichtlich gar nicht mehr bekannt, dass es neben dem Quicktime-X-Vorgänger Quicktime Player 7 eine kostenpflichtige Profi-Version gibt.

Die Pro-Version des Players wird nach dem Kauf über eine Seriennummer freigeschaltet und bietet Funktionen, die beim Nachfolger Quicktime Player X noch immer fehlen: Sehr bequem kann mit der Version 7 etwa einzelne Video- und Audiospuren extrahieren oder verlustfrei ergänzen, also ohne Neucodierung hinzufügen. Man kann außerdem Videos übereinanderkopieren, eine Auswahl abspielen und sehr einfach Videomaterial ergänzen oder herausschneiden. Unterstützt werden außerdem einige alte Videoformate, die heute nicht mehr gebräuchlich sind.

Leider scheint Apple aber nicht zu planen, diese Funktionen auch beim Quicktime Player zu ergänzen. Wie Snell berichtet, hatte er eine Liste der fehlenden Funktionen als Bugreport an Apple übermittelt und bereits eine Antwort bekommen - Apple plane hier keine Änderungen. Das war aber eigentlich abzusehen: Mit Einführung des Quicktime Player X hatte Apple ja auch den Wechsel zu Quicktime-Nachfolger AVFoundation vollzogen. Will man in Zukunft noch mit dem Player Pro arbeiten, wird man wohl auf die nächsten Systemupdates verzichten müssen – oder zu einer Virtualisierungssoftware greifen müssen.

Gerücht: Xiaomi will GoPro kaufen

Der chinesische Elektronik-Hersteller Xiaomi hat offenbar Interesse an GoPro. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg aus brancheninternen Kreisen erfahren haben will, werde Xiaomi GoPro in Kürze ein Kaufangebot unterbreiten. Im Zuge der Meldung machte die GoPro-Aktie einen Sprung von 8,8 Prozent – das größte Plus seit Mitte Februar. Ob die mögliche Übernahme auch tatsächlich zustande kommen wird, bleibt abzuwarten. Branchenexperten gehen davon aus, dass Xiaomi bis zu eine Milliarde US-Dollar für den Action-Cam-Hersteller zahlen könnte.

In einem Interview mit CNN hatte GoPro-CEO Nick Woodman Anfang des Jahres betont, dass sein Unternehmen nach einem potenziellen Käufer suche. Finanzielle Schwierigkeiten zwangen GoPro dazu, aus dem Drohnen-Geschäft auszusteigen. Wenig später heuerte GoPro die Investment-Bank JPMorgan Chase & Co. an, um das Unternehmen bei einem potenziellen Verkauf zu beraten . Während GoPro vor einigen Jahren noch auf 10 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde, liegt der Marktwert mittlerweile nur noch bei 761 Millionen US-Dollar. Ein möglicher Käufer könnte laut Analysten von der GoPro-Marke und den Kamera-Verkäufen profitieren.

Amazon übernimmt Smart-Home-Gadget-Hersteller Ring

Im Februar kündigte Amazon an , das Startup Ring übernehmen zu wollen. Wie der Online-Versandriese heute bekannt gibt, ist der Deal nun abgeschlossen. Amazon hat für den Smart-Home-Gadget-Hersteller mehr als eine Milliarde US-Dollar gezahlt.

Im Zuge der Übernahme senkt Ring ab heute dauerhaft den Preis für die erste Generation seiner Video Doorbell auf 99 Euro . Die Video-Türklingel verfügt über eine integrierte Kamera, auf die der Nutzer per Smartphone-App zugreifen kann. Betätigt ein Besucher die Klingel oder löst die Bewegungssensoren der Klingel aus, bekommt der Besitzer einen Alarm auf sein Smartphone. Über die Ring-App wird dann ein Live-Bild in 720p und Zweiwege-Audio mit Geräuschunterdrückung übertragen. Gerade im Angebot ist außerdem die zweite Generation der Ring Video Doorbell. Sie kostet statt 219 aktuell nur noch 199 Euro . Im Vergleich zum Erstling überträgt sie Live-Video in 1080p.

Erst im Dezember hatte Amazon das Startup Blink übernommen. Das Unternehmen vertreibt ebenfalls batteriebetriebene smarte Türklingeln und Sicherheitskameras. Mit der Akquisition von Ring und Blink will Amazon auf dem wachsenden Smart-Home-Markt Fuß fassen.

Unbegrenzte Reichweite: Schweden testet Elektro-Autos auf Stromschienen

Elektro-Autos verkaufen sich aus mehreren Gründen schleppend: Der hohe Preis ist eine Hürde, das begrenzte Modellangebot, das bestimmte Fahrzeugklassen fast völlig außen vor lässt – vor allem aber die geringe Reichweite. Jeder Autofahrer, der lange, oft wechselnde Strecken, fahren muss – vielleicht sogar noch abseits der Ballungsgebiete – hat ständig die Angst vor dem Liegenbleiben im Kopf.

Die einfachste Lösung für das Reichweitenproblem bestünde darin, das Elekro-Auto während der Fahrt durchgehend mit Strom zu versorgen. Über einen Stromabnehmer versorgen sich ja auch Straßenbahnen und E-Lokomotiven mit Strom. Beide Verkehrsmittel haben kein Reichweitenproblem.

In Schweden wird nun der Einsatz von Elektro-Autos auf Stromschienen getestet. Die E-Autos holen sich den benötigten Strom also während der Fahrt von einer im Straßenbelag eingelassenen Schiene, die Strom führt. Das Ganze erinnert etwas an eine alte Carrera-Rennbahn.

Die Teststraße heißt eRoadArlanda. Dabei handelt es sich derzeit um einen zirka zwei Kilometer langen Abschnitt auf der Straße 893 zwischen dem Arlanda Cargo Terminal und dem Rosersberg Logistics Area außerhalb von Stockholm. Die Teststrecke versorgt sowohl Nutzfahrzeuge als auch PKWs während der Fahrt mit Strom. Der aktuelle Testlauf erfolgt allerdings derzeit nur mit LKWs, die über einen ausfahrbaren Stromabnehmer an der Unterseite verfügen. Dieser Stromabnehmer ist seitlich bewegbar und findet selbstständig die stromführende Schiene in der Mitte der Fahrbahn.

Das System mit einer Leitschiene in der Mitte der Fahrbahn eignet sich den Verantwortlichen zufolge zur Nachrüstung für bestehende Fahrbahnen. Einzige Voraussetzung:  Die darüber versorgten E-Autos brauchen natürlich einen passenden Stromabnehmer.

Die Strom leitenden Teile Schiene befinden sich nicht an der Oberfläche, sondern sind tiefer im Boden angebracht, so dass keine Gefahr für Menschen oder Tiere durch einen Stromschlag besteht. Die Stromabnahme erfolgt also via Induktion. Zudem ist immer nur der Bereich direkt unter dem abnehmenden Fahrzeug und etwas davor und danach mit Strom versorgt, der restliche Schienenstrang ist ohne Stromversorgung. Selbst Regen oder Schnee und Eis sollen dem System nichts anhaben können und die Stromschiene für Mensch und Tier nicht gefährlich machen.

Neben der oben erwähnten Teststrecke mit der in der Fahrbahn versenkten Stromschiene gibt es auch noch eine weitere Teststrecke, bei der sich die E-LKWs ihren Strom genauso wie eine Straßenbahn über einen auf dem Fahrzeugdach angebrachten Stromabnehmer besorgen. Bei dieser Methode kooperiert Schweden mit Deutschland, das 2018 ebenfalls eine derartige oberirdisch mit Strom versorgte Teststrecke in Betrieb nehmen will.

NASA startet Satelliten zur Entdeckung neuer Planeten

In dieser Woche will die US-Raumfahrtbehörde NASA den Satelliten TESS in den Weltraum schicken. Das Raumfahrzeug soll nach unbekannten Planeten suchen, die in anderen Sonnensystemen kreisen. Der Zeitpunkt ist gut geplant, denn dem 2009 gestarteten Satelliten Kepler, der ebenfalls nach Exoplaneten suchen sollte, geht langsam der Treibstoff aus. Im Gegensatz zu Kepler soll TESS nicht nur so viele Planeten wie möglich finden, sondern gezielt Himmelskörper aufspüren, auf denen Leben möglich sein könnte.

TESS nutzt bei der Suche nach neuen Planeten eine ähnliche Technik wie zuvor Kepler: Beim Vorüberziehen hinterlassen die fernen Planeten einen schwarzen Fleck an ihrer Sonne. Aus den winzigen Formveränderungen, die der Planet bei seinem Vorüberziehen an der Sonne hinterlässt, können Forscher Aussagen zur Dichte des Himmelskörpers ableiten. Im Fokus der NASA stehen kleine Planeten, die um rote Zwerge kreisen. Diese könnten gute Voraussetzungen für die Entstehung von Leben bieten. TESS tritt seinen Weg in den Weltraum am 16. April an Bord einer Falcon-9-Rakete von SpaceX an. Schon im Juni sollen erste Daten zur Verfügung stehen. In diesem Zeitraum wird Kepler der Sprit ausgehen, dadurch wird der Satellit von Sonnenwinden stärker erfasst und kann keine Daten mehr zur Erde senden.

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