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Morgenmagazin vom Montag, 19. März 2018

19.03.2018 | 07:11 Uhr |

Bloomberg: Apple entwickelt eigene Mikro-LED-Screens +++ Google: Android so sicher wie iOS +++ Wie US-Demokraten Untersuchung der 16er-Wahl planen +++ Facebook Lite kommt nach Deutschland +++ Leak verrät Nutzerzahlen von Amazon Prime Video +++ GTA macht erwachsene Spieler nicht aggressiver +++ Apple-Event am 27. März fokussiert auf Bildung

19. März: Teures Gerät

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Nein, eine „Russenpeitsche“ war das nicht, die unsere Frühlingserwartung am Wochenende merklich abgekühlt hat. Der eisige Ostwind hat zwar noch mal gezeigt, dass der Winter auf der Nordhalbkugel noch nicht völlig vorbei ist, es ist aber nicht so, als hätte der Staat Russland eine Strafexpedition in Form kalter Luft in den Westen geschickt. Mag der gestern im Amt bestätigte Präsident Putin zwar der derzeit Mächtigste der Welt sein, eine derartige Wetterlage zu erzeugen steht weit außerhalb seiner Macht - wie jedes Naturereignis.

Gut zwei Wochen vor Ostern merkt man aber allmählich, dass sich der Winter in raue Berge zurück zieht, es ist ja auch an der Zeit. Im Kalender steht morgen der Frühlingsfang, wäre fein, würde sich das Wetter endlich danach richten, gefroren haben wir lange genug.

Dann können wir auch wieder über die grünende Flur spazieren. Wobei mit „field trip“ hat Apple beim Motto seiner Einladung für den 27. März an etwas anderes gedacht, es geht da eher um Feldstudien. Wir rechnen auch nicht damit, dass der Mac-Hersteller an einer High School in Chicago neue Produkte vorstellt, das wird wohl eher in Form einer für diese Woche zu erwartende Pressemitteilung geschehen. In dieser steht dann aber eher nichts Spektakuläres, nur etwas über neue Apple-Watch-Armbänder, ein renoviertes iPad und vielleicht ein iPhone SE 2. Der Knüller in diesem Jahr sollte ja eher der neue Mac Pro werden, mit diesem ist aber allenfalls kurz vor Weihnachten zu rechnen und nicht kurz vor Ostern.

Dafür wäre doch heute ein wunderbarer Tag, um den teuersten Mac in Apples Portfolio vorzustellen, denn das sollte der Mac Pro doch werden können, selbst wenn er per definitionem ohne 5K-Bildschirm kommt. Heute ist es 28 Jahre her, dass Apple den immer noch teuersten Mac aller Zeiten herausbrachte, zumindest, wenn man die Inflation mit einberechnet: Den Macintosh IIfx. 

Sein Grundpreis: 8.970 US-Dollar, heute wären das 17.300 US-Dollar oder 14.000 Euro. Hinzu käme noch die Mehrwertsteuer, für die daraus resultierenden fast 17.000 Euro bekäme man den iMac Pro in der allerhöchsten Ausstattung, dazu Maus, Tastatur und Trackpad sowie die Profiprogramme Logic Pro X und Final Cut Pro X - und es bliebe immer noch fast ein Tausender übrig.

Die technischen Daten des IIfx waren aber beeindruckend - für das Jahr 1990, wohlgemerkt. Der 68030-Prozessor von Motorola wurde mit 40 Megahertz getaktet – Intel CPUs kamen damals auf 33 maximal Megahertz – der mathematische Coprozessor 68882 lief ebenfalls mit 40 Megahertz. Zudem setzte Apple einige neue Technologien ein, die die Geschwindigkeit des Systems weiter steigern sollten. Dazu gehörte der spezielle RAM-Speicher, der so nur von Apple erhältlich und entsprechend teuer war. Auch führte der IIfx einen Steckplatz für einen noch schnelleren Cache-Speicher ein. 32 Kilobyte Cache mit 15 Nanosekunden Zugriffszeit waren allerdings sowieso schon an Bord. Eine weitere Besonderheit: Spezielle Chips nahmen dem Hauptprozessor viel Arbeit ab. Sie kümmerten sich beispielsweise um die Datenübertragung der seriellen Schnittstellen (Appletalk-Netzwerk). Bei anderen Macs musste die Haupt-CPU ihre Arbeit ständig unterbrechen, um Daten der seriellen Schnittstellen entgegenzunehmen oder abzuschicken.

Was Apple zusätzlich verkaufte, war eine SCSI-Festplatte, eine mit 80 Megabyte Kapazität trieb den Preis für das Gesamtsystem auf 22.000 Mark. Dafür konnte der IIfx über NuBus bis zu sechs Displays ansteuern – ein Monitor war natürlich nicht im Lieferumfang begriffen. Auf den Bildschirmen war eine maximale Auflösung von 640 x 480 Pixeln möglich.

28 Jahre sind in der IT eine lange Zeit, nach dem Moore’schen Gesetz sind das etwa 18 Generationen, in denen sich die Anzahl der Transistoren auf einer gegebenen Fläche jeweils verdoppelten, ergibt einen Faktor von 2 18 oder 262144. Kein Wunder also, dass heute die Rechenleistung einer Apple Watch die des Macintosh IIfx in den Schatten stellt.

Schon im April 1992 stellte Apple den Verkauf des lange noch schnellsten Macs ein, der teuerste in der Geschichte des Unternehmens ist er bis heute. Wenn da nicht noch bald der Mac Pro alles übertrumpft. Aber das passiert nicht mehr in diesem Frühling. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Geheimlabor: Wie Bloomberg berichtet, baut und testet Apple in einer bisher geheim gehaltenen Niederlassung in der Nähe seines Hauptquartiers in Kalifornien eigene MicroLED-Displays. Die neue Technologie, die wie OLED auf selbst emittierende Bildzellen setzt, verspricht noch dünnere und effizientere Screens für elektronische Geräte. Wie die anonymen Quellen Bloombergs berichten, wäre das Projekt vor einem guten Jahr beinahe eingestellt worden, die beteiligten Ingenieure konnten dann aber doch signifikante Fortschritte erzielen. Bis zur Marktreife seien es aber noch einige Jahre hin. Die mögliche µLED-Produktion ist ein weiteres Beispiel, wie Apple immer mehr Komponenten selbst produzieren möchte. Der Bericht hat daher auch erste Folgen für die Aktienkurse von Zulieferern, Sharp und Samsung, die bisher Displasys an Apple liefern, erlitten an der Wall Street nennenswerte Einbußen.

Plan: Die US-Demokraten wittern Morgenluft und haben ernsthafte Chancen, im November wieder die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus zu übernehmen. Für den Präsidenten wird es dann eng, ein Impeachemt-Verfahren eine wahrscheinliche Folge des Wahlsieges. Wie die Untersuchung der Vorgänge im Vorfeld der Wahl 2016 auszusehen hätte, wenn man die parlamentarische Mehrheit hätte, legt nun ein Memo der Demokratischen Partei dar, das The Intercept zitiert. Unter anderem kommt Apple als Untersuchungsgegenstand wieder ins Visier, der Anbieter solle nach einer richterlichen Anordnung verraten, wann Schlüsselpersonen wie Trum-Schwiegersohn Jared Kushner welche Messenger zur verschlüsselten Kommunikation herunter geladen haben. Gleiches würde man von WhatsApp verlangen. Die Inhalte der Chats dürften die Investigatoren aber nicht so leicht einsehen können.

Report: Android sie so sicher wie die Konkurrenz, also vor allem die von iOS, behauptet Googles Verantwortlicher für die Sicherheit von Android David Kleidermacher in einem Interview anlässlich der Veröffentlichung des 2017 Android Security Reports. Wie Apple Insider aber darlegt, sind die Versprechungen des Konzerns nicht besonders valide, könne Google doch nicht dafür sorgen, die rund zwei Milliarden Android-Gerte, die in Umlauf sind, nachhaltig zu sichern. Schon 2014 hatte Google-Chairman Eric Schmidt fälschlicher Weise behauptet, die Systeme des Unternehmens seien "viel sicherer und besser verschlüsselt als alle anderen" - aber bis heute fehlt es in vielen Systemen an vollständiger Verschlüsselung des Speichers. Androids Hauptproblem ist nach wie vor die Offenheit des Systems, das Software aus beliebigen Kanälen beziehen kann, eben auch solche, die nicht auf Sicherheitsrisiken hin überprüft ist. Dieses Fehlen einer zentralen Instanz bedeutet auch, dass Sicherheitsupdates nicht beim Endkunden ankommen, Google versäumt es in seinem Report, dafür konkrete Zahlen zu nennen.

Reliquie : Das Bewerbungsformular aus dem 1973, mit dem sich Steve Jobs für einen Job bewarb, hat am Freitag in der Auktion in Boston mehr als 174.000 US-Dollar eingebracht. Den Zuschlag hat ein anonymer britischer Internetunternehmer erhalten. Jobs war zu Zeitpunkt der Bewerbung 17 oder 18 Jahre alt und hatte sein Studium am Reed-College an sich bereits geschmissen. Bei welchem Unternehmen er sich für welche Stelle damit bewarb, geht aus dem Dokument nicht hervor. Gleichzeitig kamen andere Jobs-Reliquien unter dem Hammer , ein handsigniertes Manual für Mac-OS X aus dem Jahr 2011 ging für 41.000 US-Dollar weg und ein Jobs-Autogramm auf einer Zeitung für das 27.000 US-Dollar.

Weitere Nachrichten:

Facebook Lite kommt nach Deutschland

Mit der App Facebook Lite bot Facebook in ausgewählten Ländern schon eine abgespeckte Version der Social-Media-App an, die auch mit schlechter Internetverbindung zurecht kommt und auf dem Smartphone deutlich weniger Platz beansprucht. Die ursprünglich für Entwicklungsländer gedachte App Facebook Lite kommt nun auch nach Deutschland. Facebook begründet diesen Schritt damit, dass auch in weit entwickelten Ländern häufig nur langsame Internetverbindungen zur Verfügung stehen oder Anwender lediglich über einen Tarif mit sehr wenig Datenvolumen verfügen.

Von Facebook Lite profitieren zudem auch Nutzer eines älteren oder sehr langsamen Smartphones, da die Lite-Version die CPU des Mobilgeräts weniger belastet. Im Gegenzug müssen sich Nutzer auf ein abgespecktes Interface einstellen: Die Schaltflächen sind größer, da sie auch auf Geräten mit einer geringen Auflösung erkennbar sein müssen. Außerdem wirken Fotos in der Timeline pixeliger, da sie erst nach dem Anklicken in voller Größe geladen werden. Für Android steht Facebook Lite ab sofort zum kostenlosen Download bereit. Die Größe des Downloads variiert je nach Gerät. Tablet-Nutzer dürften sich jedoch darüber ärgern, dass die App nur im Portät-Modus funktioniert. Wann eine Version von Facebook Lite für iPhone und iPad folgt, bleibt offen.

Leak verrät Nutzerzahlen von Amazon Prime Video

Amazon hat bislang nie Nutzer- oder Zuschauerzahlen zu seinen Prime-Video-Inhalten veröffentlicht. Erste Einblicke in den Streaming-Dienst geben in dieser Woche jedoch geleakte interne Dokumente, in deren Besitz die Nachrichtenagentur Reuters gelangt ist. Demnach zählt Amazon Prime Video allein in den USA rund 26 Millionen Nutzer. Die Dokumente beinhalten außerdem detaillierte Zahlen zu 19 Prime-Produktionen, den sogenannten Amazon Originals.

Demnach hatte beispielsweise die Serie "The Man in the High Castle" Anfang 2017 rund acht Millionen Zuschauer. Amazon geht davon aus, dass die Eigenproduktion zudem 1,15 Millionen neue Abonnenten angelockt hat. Wie genau Amazon ermittelt, welche Inhalte wie viele neue Abonnenten gewinnen konnten, ist nicht bekannt. Die Amazon-Originals-Serie "Transparent" ist trotz eines Emmys aus dem Jahr 2016 nicht unter den meistgeschauten Serien. Die mittlerweile vierte Staffel zählt nur noch 1,3 Millionen Zuschauer.

Amazon investiert viel in den Ausbau seiner Video-Inhalte. Allein im vergangenen Jahr waren es Analysten zufolge rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Im November konnte sich Amazon die Rechte an "Der Herr der Ringe" für geschätzte 200 bis 250 Millionen US-Dollar sichern. Ob und wann der Konzern daraus eine Serie produzieren wird, ist noch nicht bekannt.

GTA macht erwachsene Spieler nicht aggressiver

Eine deutsche Langzeitstudie hat die Auswirkungen auf erwachsene Menschen untersucht, die durch das regelmäßige Spielen von "GTA 5 " entstehen. An der Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf nahmen 77 Erwachsene teil, die bislang keine psychologischen und neurologischen Probleme hatten. Unter den im Schnitt 28 Jahre alten Teilnehmer waren auch 38 Frauen. Unterschiedlich war die Spieldauer der einzelnen Gruppen: Acht Wochen lang sollte "GTA 5" für eine halbe Stunde pro Tag gespielt werden, die zweite Gruppe spielte in der Zeit das harmlose "Die Sims 3". Eine Kontrollgruppe hatte in der Zeit keine konkrete Aufgabe.

Bei allen Teilnehmern wurde vor und nach den Tests das Verhalten überprüft. In drei von 208 Tests war eine Veränderung festzustellen, ansonsten gab es keine Unterschiede in der Gewaltbereitschaft der Teilnehmer – egal ob sie "GTA" oder "Die Sims 3" gespielt haben. Die Studie kommt daher zu dem Schluss, dass erwachsene Spieler auch bei der Nutzung gewalthaltiger Spiele keine schädlichen Auswirkungen zu befürchten haben. Minderjährige Spieler durften nicht an der Untersuchung teilnehmen. Dafür seien Vorstudien mit Erwachsenen notwendig, die nun endlich vorliegen.

Apple-Event am 27. März fokussiert auf Bildung

Eine Keynote mit allerlei neuen Produkten, wie man sie etwa aus dem Jahr 2015 "Spring forward" kennt, wird es jedoch nicht geben. Übereinstimmend berichten derzeit " The Verge " und "9to5Mac " von einer Einladung, die auf den 27. März datiert und das Motto "Let's take a field trip" handeln. Der Ort ist zudem ungewöhnlich, nicht das Steve Jobs Theater im Apple Park zu Cupertino noch ein Konferenzzentrum in San Francisco hat sich Apple für die Veranstaltung ausgesucht, sondern eine High School in Chicago.

So dürfte es am Dienstag in der Woche vor Ostern eher weniger um neue Produkte wie ein iPad 9,7 (early 2018) oder ein renoviertes Macbook Air gehen, sondern eher um Services und Initiativen für das Bildungswesen – das legen bereits Motto und Logo der Einladung nahe. Zuletzt hatte Apple im Januar 2012 ein derartiges Bildungsevent in New York abgehalten und dabei neben der Software iBooks 2 auch den iBooks Author vorgestellt, mit dem man am Mac reichhaltige Fach- und Lehrbücher erstellen kann. Ob Apple aber nun neue Hardware schon per Pressemitteilung in der kommenden Woche vorstellt, ist derzeit völlig offen.

Die Schule der Wahl ist das Lane Tech College Prep in Chicago, das Schüler von der siebten bis zur zwölften Klasse und legt in ihrem Lehrplan einen starken Wert auf Technologie. Chicago hatte Apple im Dezember vergangenen Jahres auserkoren, um dort eine halbe Million Schüler an seinem Curriculum  " Everyone can code " teilhaben zu lassen.

Was Apple zeigen könnte:

Vor allem die neue drahtlose Ladematte Airpower sowie die aktualisierten Airpods mit ihrer drahtlos aufladbaren Hülle sind längst fällig, Apple hat diese bereits auf der Keynote im September letzten Jahres kurz gezeigt und einen späteren Veröffentlichungstermin versprochen. Schon länger gibt es Gerüchten zu einer Clasroom-App bzw. deren Nachfolger . Die erste Version hat Apple bereits mit iOS 9.3 vorgestellt, die App sollte Geräte und Konten in einer Schulklasse verwalten. Das Logo des Events ist eindeutig mit einem Apple Pencil erstellt worden, so besteht eine Möglichkeit, dass Apple hier entweder weitere Verbesserungen vorstellt oder gar eine neue Generation – einen Apple Pencil 2.

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