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Morgenmagazin vom Montag, 20. März 2017

20.03.2017 | 06:53 Uhr |

Cook spricht in China über Globalisierung und Datenschutz +++ Visa zeigt NFC in der Sonnenbrille +++ iPad vor Auffrischung +++ Polizei Wilhelmshaven schnappt Microsoft-Betrüger +++ Google Home nervt(e) Nutzer mit Disney-Werbung +++ USA veröffentlichen geheime Atombomben-Testvideos

20. März: 20th Anniversary vor 20 Jahren

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Es ist schon wieder Montag und wir fragen uns allen Ernstes, warum die UN den internationalen Tag des Glücks fix auf den 20. März gelegt und nicht beweglich gehalten hat. So manchem verheißt der Beginn der neuen Arbeitswoche alles andere, aber nicht das Streben nach Glück und Zufriedenheit. Uns schon. Denn in dieser Woche wissen wir zumindest ein bisschen mehr darüber, was Apple mit seinem iPad vor hat. Es gibt ja prinzipiell zwei Möglichkeiten: Entweder sind morgen Vormittag die Store-Seiten von www.apple.com plötzlich nicht mehr erreichbar, bis gegen 14 Uhr in den Pressestuben der Welt die Meldung von einer neuen Tabletgeneration eintrifft, die es dann auch sofort zu kaufen gibt. Oder gegen Abend, so zwischen 17 und 19 Uhr MEZ trudelt eine Einladung zu einem Special Event in ausgewählte Stuben ein, mit einem Datum in der nächsten Woche, einem schicken, aber verfremdeten Apfel als Logo und einem Claim, der mal wieder ein paar Rätsel aufgibt, wie der Titel eines träumerischen Popsongs. „Spring forward“ oder „We wish, we could say something more“ könnte man sich auch als Songs einer Progrockband vorstellen, die dann gewiss „Apple Park“ heißen würde.

Auch wenn der Welttag des Glücks in diesem Jahr auf einen Montag fällt, liegt er doch gar noch so verkehrt im Kalender, zumindest für die Bewohner der Nordhalbkugel. Denn heute steht um 11.34 Uhr MEZ die Sonne über dem Äquator im Zenit, das ist mitten in der Demokratischen Republik Kongo, die mal belgische Kolonie war und nach der Unabhängigkeit für ein Vierteljahrhundert Zaire hieß.

Im Jahr 1997 war der Frühlingsanfang ebenfalls auf den 20. März gefallen, zur Mittagszeit überquerte die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn den Äquator seinerzeit in Indonesien, in Kalifornien war da der neue Tag noch gar nicht angebrochen. Am Abend des selben Tages sollte Apple aber eine mehr als verwunderliche Produktankündigung verschicken. Denn darin feierte das Unternehmen sich selbst für seine ersten 20 Jahre. Und das zwölf Tage vor dem 21sten Geburtstag. Anlässlich des elfeinhalb Monate zurückliegenden Jubiläums habe man aber eine bahnbrechende Maschine herausgebracht, die den Computer in das 21ste Jahrhundert katapultieren würde, oder so ähnlich. Der 20th Anniversary Mac war aber nichts weiter als ein aufgeklapptes und hochgestelltes Powerbook mit zwar durchaus ansprechender Soundanlage, inklusive externem Subwoofer, aber zwei Kardinalfehlern. Der eine bestand in der verbauten CPU, einem PowerPC der zweiten Generation, der schon im Herbst des gleichen Jahres durch den G3 in Sachen Leistung geradezu pulverisiert werden sollte. Der andere war der Preis von 7.500 US-Dollar. Damals musste man ja noch in D-Mark umrechnen, eine Zahl um die 15.000 machte den wenigsten Computerkäufern so richtig Freude. Von Anfang an war klar, dass es sich um ein Sondermodell im limitierter Auflage handeln würde, Apple war auf den Verkaufserfolg nicht angewiesen. Dass der Hersteller den Preis aber bis Ende 1997 auf 2500 Dollar senkte, zeigt den Erfolg des Modells auf: Apple konnte wohl am Ende froh sein, nicht auf zu viel Elektroschrott sitzen geblieben zu sein.

Vielleicht war das Desaster des 20th Anniversary Mac der Grund, warum Steve Jobs fünf Jahre später die ersten Designs von Jony Ive zum neuen iMac mit Flachbildschirm abgelegt hatte. Der sollte wohl von Anfang an in der heute gewohnten Form zur Auslieferung kommen, also von einem bloßen Bildschirm auf den allerersten Blick nicht unterscheidbar. Aber 2002 war die Erinnerung an das missglückte Modell vom Frühling 1997 noch frisch bei Apple, weswegen die Schreibtischlampe für ein paar Jahre die Desktops der Mac-Anwender verschönern durfte. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Auffrischung tut Not: Ohne jeden Zweifel wird Apple seine iPads überarbeiten müssen, das ist aber nicht nur eine Frage der Zeit. Sondern auch der Inhalte: Was etwa macht denn nun wirklich einen iPad Pro aus? Und bleibt ein "normales" Modell im Angebot? Erweitert Apple die Familie um ein randloses Modell? Welche Verbesserungen an der Software bis hin zu einem eigenen iPad-OS hat Apple in petto? Dan Moren fasst zusammen.

NFC in der Brille: Bezahlen Sie einfach mit Ihrer Sonnenbrille - das ist die Vision, die Visa auf dem Festival SXSW vorgestellt hat. Die Sonnenbrille hat einen NFC-Chip eingebaut, der mit einer Prepaid-Kreditkarte verknüpft ist und an bestimmten Terminals Zahlungen per einfachen Tap ermöglicht. Bei dem Modell handelt es sich nach wie vor um einen Prototypen, doch stattet Visa die Teilnehmer der World Surf League in Australien damit aus. Im vergangenen Jahr hatten bereits einige Athleten bei den olympischen Spielen einen Ring getragen, der mit ähnlicher Technik einfache Zahlungsvorgänge auslösen konnte.

Mundpropaganda : Apple beschäftigt sich im Großbritannien mit Influencer Marketing und hat diverse Studenten mit einer nennenswerten Anzahl von Followern bei Twitter dafür engagiert, ihre Kommilitonen zum Ausprobieren von Apple Music zu bewegen. Die Influencer bekommen dafür eine Verlängerung ihrer kostenlosen Probezeit für den Streamingdienst und unter Umständen weitere Vergünstigungen, wie den freien Eintritt zum nächsten iTunes-Festival in London. Jeder Apple-Music-Evangelist muss im Zeitraum seines Engagements mindestens dreimal über den Dienst tweeten, anhand individualisierter Affilate-Links kann Apple feststellen, wie viele neue Abonnenten einzelne Botschafter dem Dienst zugeführt haben. Ob Apple das Programm auch auf andere Demographien und Länder ausweitet, ist derzeit völlig ungewiss.

Konsequenzen : Werden die intelligenten Sprachassistenten Siri, Alexa und Cortana die Art und Weise ändern, wie sich Menschen auch untereinander unterhalten? Das war Thema einer Diskussion auf dem SXSW in der letzten Woche - und noch besteht keine Sorge. Denn Siri und ihre Kolleginnen sind noch weit davon entfernt, wirklich smart zu sein. Roboter seien noch weit davon entfernt, so zu sein, wie sie in Filmen wie "Her" dargestellt werden, erklärt der Experte Thavidu Ranatunga, dessen Firma Fellow Robots Maschinen herstellt, die Kunden den Weg durch Shops weist oder den Angestellten dabei hilft, Regale aufzufüllen. Künstliche Intelligenz sei stark in für sie speziellen Aufgabengebieten, aber auch das stärkste Schachprogramm könne nicht einfach Dame lernen.

Rede: Apple CEO Tim Cook hat anlässlich der Eröffnung zweier neuer Entwicklungszentren in China erstmals auf China Development Forum gesprochen. In seiner gut einstündigen Rede lobte er vor allem Globalisierung und Freihandel als Segen, benannte aber ungleiche Verteilung der damit generierten Reichtümer in den einzelnen Ländern als Problem. Gleichwohl sei die gegenläufige Bewegung der Abschottung und Nationalisierung nicht der richtige Weg. China müsse sich auf der anderen Seite der Welt weiter öffnen. Ebenso nahm das Thema Datenschutz einen großen Raum in seiner Ansprache ein. Die von Apple angebotene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schütze vor "Hackern und so weiter", ein Individuum müsse in der Lage sein, seine Daten zu schützen und zu kontrollieren.

Weitere Nachrichten:

Polizei Wilhelmshaven schnappt Microsoft-Betrüger

Dem Team Cybercrime der Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland ist im Februar ein Schlag gegen Cybercrime-Betrüger gelungen . Im Rahmen einer Durchsuchung von Wohn- und Geschäfsräumen im Raum Wilhelmshaven wurden zwei Tatverdächtige festgenommen und Beweismittel sichergestellt.

Die beiden Männer hatten sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgegeben und ihren Opfern per Telefon kostenpflichtige Dienstleistungen für infizierte Windows-PCs angeboten. Die Ransomware fingen sich die Betroffenen über unseriöse Websites ein. Die Schadsoftware sperrte daraufhin deren Rechner und blendete auf dem Sperrbildschirm eine 0800-Nummer ein. An deren Ende warteten die beiden Betrüger, die das System angeblich gegen Bezahlung wieder freischalten konnten.

Laut den Behörden haben die beiden Männer angeblich für eine international agierende Betrüger-Gruppe gearbeitet. Gegen sie wird nun wegen banden- und gewerbsmäßig begangener Computersabotage sowie Erpressung ermittelt. Die Verdächtigen wurden vorläufig festgenommen und nach einer richterlichen Anhörung wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittler wollen nun Kontakt zu den Geschädigten aufnehmen und herausfinden, welchen Tatbeitrag die beiden Verdächtigen tatsächlich geleistet haben.

Microsoft selbst warnt vor weiteren Betrugsmaschen, die derzeit von Cyber-Kriminellen angewendet werden. Dabei wird Betroffenen unter anderem die Rückzahlung des bereits gezahlten Lösegelds in Aussicht gestellt, wenn sie einen fehlenden Teilbetrag nachzahlen. Hier entstehen teilweise finanzielle Schäden im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Microsoft rät, bei telefonischen Betrugsversuchen äußerst vorsichtig zu sein. Betroffene sollten keine Fremdsoftware kaufen, die ihren PC angeblich von Ransomware befreit. Sie sollten lieber zur Polizei gehen und dort den Betrugsversuch anzeigen. Auf microsoft.com/reportascam können derartige Betrügereien gemeldet werden. Microsofts Digital Crimes Unit nutzt die Informationen, um Druck auf die internationalen Betrüger-Banden auszuüben.

Google Home nervt(e) Nutzer mit Disney-Werbung

Google hat die Besitzer von Google Home in den USA mit unerwünschter Werbung überrascht. Am Donnerstag ist die Real-Verfilmung von Disneys "Die Schöne und das Biest" in den USA gestartet. Die Besitzer des hierzulande noch nicht erhältlichen Google Home (vergleichbar mit Amazons Echo) wurden von Google Home mit Werbung für den Disney-Film an dem Tag begrüßt.

Auf Twitter findet sich ein Video von Bryson Meunier, in dem zu hören ist, wie Google Home die Werbetrommel für den Film rührt. Dazu gibt Meunier zunächst das "Mein Tag"-Kommando. Eigentlich reagiert Google Home dann damit, indem es dem Nutzer eine Wettervorhersage gibt, dessen Termine des Tages und die wichtigsten Nachrichten der letzten Stunden vorliest. In dem Video ist aber zu hören, wie Google Home anschließend weiter spricht und den "Ach ja, heute ist auch noch"-Hinweis liefert, dass der Disney-Film ab sofort in den Kinos zu sehen sei plus einiger weiterer Infos zum Film.

Die Werbung, so Meunier im Tweet, sei offenbar eine Möglichkeit für Google, Home zu monetarisieren. Weitere Google-Home-Nutzer bestätigten den Werbe-"Angriff" ihres smarten Geräts.

Interessant ist aber auch die Reaktion von Google. Zunächst ließ Google nämlich verlauten, dass es sich um keine Werbung handle, die da über Google Home ausgeliefert werde. Das berichtet unsere Schwesterpublikation PC-WORLD. Später hieß es dann seitens Google in einem Statement: Die Film-Promotion sei nicht als Werbebotschaft gemeint gewesen. Das Statement lässt natürlich die Frage offen, wie sich eine "Promotion" von einer "Werbung" genau unterscheidet. Auf Nachfrage wollte Google auch nicht beantworten, ob und wie viel Disney für die Auslieferung der gesprochenen Nachricht über Google Home gezahlt habe.

Immerhin zeigten die hartnäckigen Nachfragen und Reaktionen im Web aber Wirkung. Google Home wirbt nicht mehr für den Kinostart des Films. Später hieß es seitens Google noch, man experimentiere mit neuen Wegen, um die Nutzer mit wichtigen Informationen zu versorgen und in diesem konkreten Fall hätte man es auch besser machen können.

Lesetipp: Amazon Echo Dot - Skills, Smart Home und Spionage? – ein Selbstversuch

USA veröffentlichen geheime Atombomben-Testvideos

Die USA hat zwischen 1945 und 1962 sagenhafte 210 Atombombentests in der Atmosphäre durchgeführt. Die Zerstörungen wurden für spätere Untersuchungen schon damals mit bis zu 2400 Bildern pro Sekunde gefilmt, die Aufnahmen waren aber bis jetzt unter Verschluss. 

Seit nunmehr fünf Jahren arbeitet der Waffenphysiker Greg Sprigg vom Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL) an der Digitalisierung der verstaubten Filme, um sie so vor der Zerstörung zu retten. Von den insgesamt 10.000 Filmen wurden bereits 4.200 Filme digitalisiert. 750 Videos sind nun freigegeben worden, ein Teil davon steht auf YouTube für interessierte Zuschauer bereit.

Da sich die organischen Filme langsam auflösen, war die Digitalisierung zwingend erforderlich. Sprigg und sein Team benötigten darüber hinaus passende Scanner zur Verarbeitung der Filmaufnahmen in Zeitlupe. Die Ergebnisse sind erschreckend und beeindruckend zugleich. Die Playlist mit 64 Videos steht auf YouTube bereit.

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