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Morgenmagazin vom Montag, 21. Januar 2019

21.01.2019 | 07:03 Uhr |

Apple und die Comebacks +++ Qualcomm verbietet Apple-Pressemitteilung +++ Nvida-Grafik auf dem Mac: Vom Management verhindert +++ Microsoft 365 kommt, Cortana ist besiegt, Netflix für Spiele +++ Erwischt: Facebook-Mitarbeiter fälschen Amazon-Bewertungen +++ Bundesnetzagentur geht gegen Router-Hacking vor

21. Januar: Knuddeln in der Jogginghose

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Puh, das war knapp, der Vollmond hat wieder seine natürliche, blasse Farbe angenommen und hängt nicht mehr verängstigend blutrot am Himmel. Jetzt, da die Sonne aufgeht, kann er ruhig wieder untergehen. Anders als letzten Sommer stand der Gegenstand des Himmelsschauspiels auch deutlicher über dem Horizont, wenn im Winter die Sonne so tief steht, zieht der Mond recht hoch seine scheinbare Bahn - und umgekehrt. Die Kontrolle über die Himmelsmechanik ging mal wieder nicht verloren, es ist Physik am Werk und keine Dämonen.

Aber hat die Politik die Kontrolle verloren, so sie je eine besessen hat? Hat die Menschheit die Kontrolle über den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid verloren? Haben Träger von Jogginghosen die Kontrolle über ihr Leben verloren? Letzteres behauptete der Modeschöpfer Karl Lagerfeld vor schon vor fast sieben Jahren in der Talkshow von Markus Lanz.

Über die Jogginghose als zufälliges oder gezielt ausgewähltes Kleidungsstück ließe sich trefflich streiten, auch darüber, in welchem Rahmen sie passt und in welchem nicht. Einen Kontrollverlust wollen wir Jogginghosenträgern aber niemals unterstellen, aber wir kennen die Blicke, wenn wir nach der morgendlichen Runde noch dampfend und in Jogginghosen steckend beim Bäcker die Frühstückssemmeln und im Supermarkt nebenan Butter, Marmelade und Käse holen.

Nur am heutigen 21sten Januar ist das mit der Jogginghose eine andere Sache. Vor nunmehr zehn Jahren haben ein paar Österreicher mitten im Fasching den Internationalen Tag der Jogginghose ausgerufen, der seine große Karriere aber anders als der No Pants Subway Ride noch vor sich hat. Man muss nicht bei allen Aktionen mitmachen, natürlich sind wir am 10. Januar mit Hose U-Bahn gefahren und tragen auch heute die Jogginghose nur daheim.

Wenn nun aber ein miesepetriger Schneider angesichts der heute in der Öffentlichkeit getragenen Jogginghosen die Nase rümpft, schenken Sie ihm einfach eine Umarmung. Denn seit 30 Jahren ist am 21. Januar der International Hug Day, auch so eine auf den ersten Blick bescheuerte Erfindung.

Dessen Initiatoren haben sich aber etwas dabei gedacht. Umarmungen tun jedem gut und gerade in den finstersten Zeiten besinnt man sich darauf, dass gegen Hass, Wut und Unterdrückung eigentlich nur Liebe hilft. Der 21. Januar liegt genau in der Mitte zwischen Weihnachten - jenem Fest der Liebe, das an den Kommerz verloren scheint - und dem Valentinstag am 14. Februar, über den sich Floristen mehr freuen als Verliebte.

Halten wir uns heute also an einen Text von Konstantin Wecker aus dem Song Questa Nuova Realta :  "Freunde rücken wir zusammen / denn es züngeln schon die Flammen / und die Dummheit macht sich wieder einmal breit. / Lasst uns miteinander reden / und umarmen wir jetzt jeden / der uns braucht in dieser bitterkalten Zeit." Auch wenn er (oder sie) eine Jogginghose trägt und sich vor dem Blutmond fürchtet. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Comeback: Apple hat kein Problem damit, Produkte ersatzlos aus seinem Portfolio zu streichen oder durch ein besseres zu ersetzen. iPod Hi-Fi und die meisten der iPods gehören ebenso dazu wie die Airport-Hardware. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges strich Apple den iPod Mini und schickte den iPod Nano ins Rennen. Manchmal kommen aber Produkte, die schon an ihrem Ende angelangt schienen, runderneuert wieder auf der Bildfläche – zuletzt der Mac Mini und das Macbook Air, ein solches Comeback ist für den Mac Pro für 2019 angekündigt. Zuletzt drehten sich Gerüchte um zwei weitere Totgesagte, die vielleicht noch länger leben könnten: Das iPad Mini und der iPod Touch. Noch sind beide Spekulationen recht vage und völlig ungewiss, ob Apple im Frühjahr die Produkte, wieder aufleben oder nach einer langen Agonie sterben lässt, die Dan Moren auf Macworld ausführt. Dort stellt er auch noch einen dritten Kandidaten für ein Comeback vor: Das iPhone SE. Denn dieses wäre durchaus in der Lage, schwächelnde iPhone-Verkäufe zu stützen, Apple könnte in der derzeitigen Situation schlechtere Entscheidungen treffen, als sein Angebot zu erweitern.

Ausverkauft: Sollte Apple sich entscheiden, wieder ein kleineres und günstigeres iPhone an das untere Ende der Produktpalette zu stellen, wird es wohl kaum ein iPhone SE 2 mit etwas aufpolierter Technik sein. Das SE ist endgültig Geschichte, seit September verkauft es Apple nicht mehr online und und in seinen Stores. Einzelne Händler und vor allem einige Provider hatten noch Restbestände, damit dürfte nun aber auch bald Schluss sein. Apple selbst hat am Wochenende seine letzten Geräte im Räumugsverkauf über den Apple Clearance Store angeboten, zu Preisen von 249 und 299 US-Dollar. Natürlich nur, solange Vorrat reich und nun ist auch dieser Restposten komplett ausverkauft.

Verbot: Apple hatte im Dezember, als Qualcomm vor dem Landgericht München ein Verkaufsverbot für iPhone 7, 8 und X in Deutschland erwirkte, in einer Pressemitteilung angekündigt, iPhone 7 und 8 aus seinen Läden zu entfernen, sobald das verbot in Kraft trete. Das ist mittlerweile geschehen. Seit Donnerstag darf Apple nach einer Gerichtsentscheidung auch nicht mehr behaupten, was sonst noch in der Mitteilung stand: Die fraglichen Modelle seien noch bei 4300 anderen Verkaufsstellen, etwa in den Filialen von Gravis, und bei den Providern weiter erhältlich. Die Pressemitteilung sei irreführend und erhalte potentiell trügerische Angaben über die Produktverfügbarkeit, urteilt das Gericht und gibt somit der Klage Qualcomms Recht. Kunden hätten den Eindruck bekommen, dass die vom Verkaufsverbot betroffenen Geräte weiter ohne Einschränkungen erhältlich seien.

Ausgebremst: Der Mac Pro von 2019 wird vor allem durch seine Grafikleistung auffallen, nach der Sackgasse mit dem "Mülleimer" von 2013 wird man wieder High-End-Karten einbauen können. AMD Vega arbeiten bereits jetzt im iMac Pro, in einer externen Lösung lassen sich für Macs mit Thinderboltbuchse eGPUs verwenden. Aber eben unter macOS Mojave an sich nur Karten von AMD und nicht von Nvidia. Das ist angesichts der Konfigurierbarkeit des kommenden Mac Pro zumindest schade, dass diese Option nicht besteht und keine Nvidia-Karten mehr für den Mac taugen. Wie Apple Insider berichtet, handelt es sich hier um eine Managemententscheidung, deren Gründe obskur bleiben. Apple verbindet eine längere Geschichte mit Nvidia, die nicht immer friedlich verlief. Für macOS 10.14 Mojave verweigert Apple die Installation von neuen Nvidia-Treibern, was der Hersteller der Grafikkarten bedauert. Auch von Apple Insider inoffiziell befragte Softwareingenieure bedauern die Entscheidung, technisch sei es kein Problem, Nvidia wieder auf den Mac zu lassen, das sei vom Management aber nicht gewünscht. So leiden Nutzer von (meist externen) Nvidia-Grafkkarten unter dem Update von High Sierra auf Mojave, die eGPU funktioniert zwar noch, aber nicht so, wie sie sollte. Über Umwege wäre über High Sierra zwar noch die Installation aktueller Treiber möglich, so sollte aber ein Mac nicht funktionieren müssen.

Update : Cutter freuen sich über Final Cut Pro X 10.4.5, das Apple am Freitag veröffentlicht hat. Anders als das funktional umfangreiche 10.4.4 aus dem November bringt die neue Fassung keine neuen Features, sondern behebt nur einige kleinere Bugs und verspricht generell bessere Stabilität und Leistungsfähigkeit.

Weitere Nachrichten:

Microsoft 365 kommt, Cortana ist besiegt, Netflix für Spiele

Microsoft-CEO Satya Nadella hat erkannt, dass die persönliche Assistentin Cortana nie mit Alexa oder dem Google Assistant mithalten kann. Als Reaktion soll Cortana künftig als Skill für andere Plattformen wie Alexa angeboten werden. Cortana soll in Kürze in Alexa integriert werden, an einer Kooperation mit dem Google Assistant sei Microsoft ebenfalls interessiert. Das für Unternehmen angebotene Paket Microsoft 365 aus Windows 10, Office 365 und Sicherheitsprogrammen will Nadella auch für Endkunden auflegen. Wann das Komplettpaket kommen soll, welche Software darin enthalten sein wird und was der Dienst kosten soll, ließ er aber offen. 

Dafür hat Microsoft im Bereich Gaming schon ganz konkrete Ziele: Mit xCloud will man Spiele-Streaming auf fast jedem Endgerät ermöglichen. Noch in diesem Jahr sollen öffentliche Tests beginnen. Die auf den hauseigenen Serverfarmen berechneten Spiele erlauben die Nutzung auf schwachbrüstigen Endgeräten wie Smartphones oder einem älteren Laptop, ohne dabei grafische Abstriche machen zu müssen. Als Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz führt Microsoft seinen großen Back-Katalog an Xbox-Spielen an. Noch bereiten den Steaming-Anbietern aber die Latenzen große Probleme. Die Berechnung, Kodierung als Video und der Transport zum Endgerät verschlingen Zeit, die sich beim Spielen bemerkbar macht. Zudem wird ein leistungsfähiger Internetanschluss benötigt.

Erwischt: Facebook-Mitarbeiter fälschen Amazon-Bewertungen

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Facebook mit Portal einen smarten Lautsprecher mit Display, der Amazons Echo Show und dem Google Home Hub Konkurrenz machen soll. Das Gadget ist vorerst nur in den USA erhältlich, wo der Facebook Portal unter anderem über das Online-Warenhaus Amazon vertrieben wird.

Um Portal dort im besten Licht erscheinen zu lassen, nötigt Facebook seine Mitarbeiter offenbar dazu, 5-Sterne-Bewertungen für den Display-Lautsprecher zu verfassen. So schreibt Tim Chappell beispielsweise, dass er sich gleich vier Facebook-Portal-Geräte und einen Facebook Portal Plus gekauft habe, obwohl er kein großer Facebook-Nutzer sei. Er könne das Gadget jedem wärmstens empfehlen, der mit seiner Familie in Kontakt bleiben wolle. Wie Kevon Roose, Tech-Kolumnist bei der New York Times aufdeckte , arbeitet Tim Chappell bei Facebook. Als er sich die anderen 5-Sterne-Reviews näher anschaute, fand er noch weitere Facebook-Mitarbeiter, die Facebooks Portal in den höchsten Tönen lobten.

Als die gefälschten Bewertungen in dieser Woche durch einen Twitter-Beitrag von Roose aufflogen, wurden die Reviews peinlich berührt schnell gelöscht. Facebook-Sprecherin Lindenbaum bestätigte gegenüber Fox News , dass die betreffenden Mitarbeiter gebeten wurden, ihre Bewertungen zu entfernen.

Bundesnetzagentur geht gegen Router-Hacking vor

Die Bundesnetzagentur hat im Januar erneut Maßnahmen gegen Router- bzw. Telefonanlagen-Hacking ergriffen. Konkret wurden in vielen Fällen Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbote sowie Auszahlungsverbote erlassen. "In kurzen Zeiträumen wurden massenhaft Verbindungen zu ausländischen Rufnummern und Satellitenrufnummern teils über Call-by-Call generiert. Diese Verbindungen hätten dabei bis zu sechsstellige Schadenssummen verursacht", so die Bundesnetzagentur am Freitag.

Die betroffenen Verbraucher bleiben aufgrund der von der Bundesnetzagentur erlassenen Verbote nicht auf den Kosten sitzen. Außerdem werden auch die Netzbetreiber durch das zusätzliche Auszahlungsverbot geschützt.

In einem Fall seien zu Lasten von verschiedenen Endkunden über 600.000 Verbindungsminuten zu über 1.500 ausländischen Rufnummern und Satellitenrufnummern generiert worden. Dabei sei ein Schaden von über 200.000 Euro entstanden. Über den Anschluss einer Stadtverwaltung wurden Anfang 2019 innerhalb von zehn Stunden über 5.000 Verbindungen zu rund 200 Auslandsrufnummern durchgeführt. Durch fast 59.000 Gesprächsminuten entstand dadurch ein Schaden von mehreren tausend Euro.

Als weiteres Beispiel nennt die Bundesnetzagentur einen Vorfall am ersten Januarwochenende. Durch die Anwahl von vier ausländischen Rufnummern über Call-by-Call-Verbindungen fielen Verbindungskosten in Höhe von 24.000 Euro an. Ein anderer Verbraucher wurde ebenfalls Opfer einer Hacking-Attacke und bei ihm wurden aufgrund der ausgelösten Anwahl ausländischer Rufnummern innerhalb von 24 Stunden über 10.000 Euro in Rechnung gestellt.

Die Bundesnetzagentur gibt auch mehrere Empfehlungen zum Schutz vor Router- und Telefonanlagen-Hacking. So sollten die Systeme mit individuellen Passwörtern geschützt werden. Außerdem sollten nicht benötigte Zielrufnummern gesperrt werden. Etwa Auslands- oder Sonderrufnummern. Alle Endgeräte sollten zudem regelmäßig aktualisiert werden und Rechnungen auf Auffälligkeiten hin überprüft werden.

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