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Morgenmagazin vom Montag, 23. Juli 2018

23.07.2018 | 07:08 Uhr |

Data Transfer Project: Apple nicht dabei +++ China will OLEDs produzieren +++ Apple Busiiness Chat immer besser angenommen +++ Kampf gegen Fake-News: Whatsapp will Nachrichtenweiterleitung einschränken +++ Sky Ticket: Serien- und Supersport-Ticket im Angebot +++ AIVA: Die Künstliche Intelligenz komponiert die Musik der Zukunft

23. Juli: Kurzer Ruhm

Wir wünschen allseits Guten Morgen! In Zukunft wird jeder für 15 Minuten weltberühmt sein, sagte der Künstler Andy Warhol erstmals im Jahre 1968 und zitierte dabei den Philosophen Marshall McLuhan. Man gewinnt oft den Eindruck, dass Warhol und McLuhan mit ihrer Prognose recht hatten, wobei heute die Aufmerksamkeitsspanne anscheinend noch kürzer geworden ist. Warhol’s Ruhm hielt nicht nur 15 Minuten an, einige seiner Werke sind zu Ikonen geworden.

Für eine Nachschöpfung einer seiner berühmtesten Arbeiten, dem vierfarbigen Siebdruck einer Fotografie von Marilyn Monroe benötigte Warhol am 23. Juli 1985 auch nur in etwa 15 Minuten. Diesmal war es ein Computer, an dem Warhol ein Foto der Sängerin Debby Harry (Blondie) vervielfältigte und verfärbte. Der Rechner war damals neu, revolutionär und seiner Zeit voraus. Es war aber kein Mac, sondern der erste Amiga.

Nicht wenige spätere Macianer benutzten diesen als ersten Computer. Für eine gewisse, jüngere Zielgruppe setzte der Amiga neue Maßstäbe in Grafik (siehe oben), Soundausgabe (Stereo!) und Multitasking, der Amiga griff der Entwicklung auch voraus, in dem er bereits andere Komponenten als die CPU Rechenaufgaben übertrug. Die zentrale rechenweit war ein 68k-Chip von Motorola, der gleiche Prozessor, der auch den Mac antrieb, der ja kaum älter war als der Amiga, aber plötzlich alt aussah.

Warum aber heute Apple das wertvollste Unternehmen der Welt ist und nicht der Amiga-Hersteller Commodore? Das lag an den Schwächen von Hersteller und Produkt. Ersterer versäumte es, die hohen Gewinne des Überraschungserfolges zur Entwicklung neuerer und besserer Geräte einzusetzen, zweiteres war vor allem im Büro nur schlecht zu gebrauchen - obwohl Hardware und Betriebssystem mit kleineren Zusätzen sich durchaus IBM-kompatibel geben konnten.

So war der Amiga schnell als Spielecomputer verschrien und nicht als ernsthaftes Werkzeug etwa für Kreative etabliert, wie es dem Mac gelungen war.  Auf den Ruinen des Unternehmens Commodore entstand ein gutes Jahrzehnt nach der Premiere des Amiga in New York mit Andy Warhol und Debbie Harry das Unternehmen PIOS, das Mac-Clones produzierte und recht anständige Maschinen baute. Doch im Juli 1997 zog Apple in form seinen iCEOs Steve Jobs den Stecker aus dem Clone-Geschäft, was das endgültige Aus bedeutete. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir an einem anderen Tag erzählen. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Datentausch: Google, Microsoft, Twitter und Facebook wollen mit dem Data Transfer Project einen Möglichkeit schaffen, über die Anwender ihre Daten von einem Service zu einem anderen verschieben können, ohne beim Wechsle von Plattformen oder sozialen Netzwerken von vorne beginnen zu müssen. Dies betrifft Mediatheken, Kontakte und mehr, die Daten sollen gewissermaßen von den Services getrennt werden, Datenschutz und Privatsphäre inklusive. Wie das funktionieren solle, beschreibt etwa das White Paper des Projektes. Sei ein User mit der Datenschutz-Policy seines Musikaboanbieters nicht mehr zufrieden, könne er mit Hilfe der Open-Source-Software all seine Wiedergablisten, Songs und Alben exportieren und bei einem konkurrierenden Dienst mit besserem Datenschutz weiter verwenden. Doch fehlt mit Apple ein wesentlicher Player bei dem Projekt, so dass der Umzug von Spotify zu Apple Musik oder umgekehrt weiterhin problematisch bleibt. Vermutlich wird Apple so schnell auch nicht sein Ökosystem verlassen und sich in Sachen Interoperabilität einem Industriestandard anschließen.

Alternative: Als Zulieferer für OLED-Dispalys für das iPhone X und dessen Nachfolger ist Apple weiterhin auf Samsung angewiesen. Doch wie das Wall Street Journal berichtet, will sich China als alternativer Hersteller anbieten, genauer gesagt die BOE Technology Group, die unter Kontrolle der Stadtregierung von Peking steht.  BOE liefert bisher Displays für iPad und Macbook und ist vor allem auf große LCD-Bildschirme spezialisiert. Mit BOE als weiteren Zulieferer könnte Apple seine speziellen Beziehungen zu China intensivieren. Für den iPhone-Jahrgang von 2019 steht auch LG bereit, das zwischen drei und fünf Millionen OLED-DIsplay an Apple liefern soll.

Datenschutz gegen Datenschutz : Apple droht ein Problem mit dem iPhone in Indien, dessen Verkauf dort im schlimmsten Fall verboten werden könnte. Hintergrund ist die App  "Do Not Disturb" der  Telecom Regulatory Authority of India (TRAI), die es Usern ermöglichen soll. Spam aller Art zu blockieren und zu melden. Ironischer Weise lässt Apple die für mehr Datenschutz eintretende Anwendung wegen Datenschutzbedenken nicht im App Store zu, denn "Do Not Disturb" verlangt etwa Zugriff auf den gesamten Telefonverlauf. Die TRAI hat nun jedoch eine Sechsmonatsfrist gesetzt, innerhalb der die Anbieter die Installation der App ermöglichen sollen.

Erfolg : Apples Business Chat, in den USA in Beta-Fassung mit iOS 11.3 veröffentlicht, bekommt immer mehr Unterstützung. Zuletzt haben sich laut Apple Must Unternehmen wie Cisco, eGain, Kipsu, Lithium und Quiq dem System angeschlossen, Aramark, DISH Network, Four Seasons, Harry & David und American Express wollen sich in Kürze dazu gesellen. Business Chat ist gewissermaßen Apples Antwort auf Chatbot, über die App Nachrichten (und Siri) sollen Kunden mit den Firmen in Kontakt treten und Verträge abschließen können, ebenso wird über diesen Kanals Support geleistet.

Weitere Nachrichten:

Kampf gegen Fake-News: Whatsapp will Nachrichtenweiterleitung einschränken

Vor einigen Jahren führte der Messenger Whatsapp eine neue Funktion zum Weiterleiten von Nachrichten an mehrere Empfänger gleichzeitig ein. Was sich beispielsweise für die Planung von gemeinsamen Unternehmungen als praktisch erwies, entwickelte sich nicht nur zur Kettenbrief-Schleuder, sondern wird mittlerweile unter anderem auch zur massenhaften Verbreitung von Fake-News genutzt. Wie die Facebook-Tochter Whatsapp nun über den offiziellen Blog ankündigt , wolle man Whatsapp wieder zu einem Tool für „private Kommunikation“ machen.

Der erste Schritt in diese Richtung ist die Beschränkungen der Empfängerzahl, an die eine Nachricht gleichzeitig weitergeleitet werden kann. Waren es früher mehr als 250, soll diese Zahl in den nächsten Monaten auf 20 beschränkt werden. Für indische Whatsapp-Nutzer gelten sogar noch engere Grenzen. Sie können eine Nachricht gleichzeitig nur an fünf Empfänger weiterleiten und müssen künftig auf den Button zur schnellen Weiterleitung von Medieninhalten verzichten.

Hintergrund für die strengeren Regeln und die besonderen Begrenzungen in Indien sind Medienberichte , denen zufolge in Indien durch per Whatsapp verbreitete Fake-News Ängste vor Kindesentführern geschürt wurden. Gerüchten zufolge sei es danach zu einem Lynchmord an zwei Männern gekommen, die Passanten nach dem Weg gefragt hatten.

Sky Ticket: Serien- und Supersport-Ticket im Angebot

Succession, Die Pest, Private Eyes: Bei Skyticket locken aktuell diese und viele weitere neue und gute "alte" Serien-Highlights. Wer die Serien möglichst günstig sehen möchte, für den könnte das aktuelle Angebot von Sky interessant sein: Beim aktuellen Serien-Special zahlen Sie einmalig 4,99 Euro und erhalten für drei Monate den vollen Zugriff auf das gesamte Programm von Sky Ticket Entertainment .

Erst ab dem 4. Monaten werden die regulären 9,99 Euro pro Monat fällig. Sie können aber jederzeit zum Monatsende kündigen, falls Ihnen das Skyticket-Angebot nicht gefallen sollte.

Neugierig geworden, was Sky Ticket Entertainment zu bieten hat? Auf dieser Seite finden Sie das komplette Angebot des Dienstes. Hier erfahren Sie also auch, welche Serien aktuell nur auf Sky Ticket Entertainment verfügbar sind. Außerdem werden die Serien aufgelistet, die kürzlich neu hinzugekommen sind.

Für Sportfans gibt es bei Sky Tickets ebenfalls ein interessantes Angebot, bei dem Sie kräftig sparen können. Das Sky Ticket Supersport Monat ist für nur 9,99 Euro statt 29,99 Euro erhältlich. Damit zahlen Sie nur einen Tag, können aber bis Ende August Sport-Events im Live-Stream verfolgen. Etwa das Golf-Turnier British Open (ab 19. Juli), die 2. Fußball-Liga (ab 3.8.) oder den ersten Spieltag der Bundesliga 2018/2019, die am 24. August mit der Partie FC Bayern gegen TSG Hoffenheim startet.

AIVA: Die Künstliche Intelligenz komponiert die Musik der Zukunft

Künstliche Intelligenz ist zweifellos die Technologie des 21. Jahrhunderts, die am meisten verändern wird und dabei aber auch  menschliche Möglichkeiten auf unterschiedliche Weise verbessern kann.

Viele Unternehmen drängen bereits darauf, KI-Systeme in ihre Produkte und Dienstleistungen zu integrieren, um ihre Kundenbindungen zu personalisieren und um so in der neuen digitalen Revolution zu bestehen, aber auch, weil diese disruptive Technologie den Unternehmen helfen kann, Produktivität und Rendite zu steigern.

Die Fähigkeit der KI wird häufig darin gesehen, Menschen in Fertigungsprozessen zu unterstützen, selbstfahrende Autos zu steuern, die relevantesten Suchergebnisse bei Google vorzuschlagen oder menschliche Champions beim Schach oder dem alten chinesischen Spiel Go zu schlagen.

Nur wenige denken an Künstliche Intelligenz im kreativen Bereich, etwa um neue Portraits im Stil von Rembrandt zu malen oder emotionale Musik für Soundtracks zu komponieren.

AIVA - Artificial Intelligence Virtual Artist - ist eine KI, die gelernt hat, wie man Musik komponiert, indem sie über 30.000 Partituren von einigen der größten Komponisten der Musikgeschichte gelesen hat.

Erschaffen wurde AIVA von Pierre Barreau, Vincent Barreau und Denis Shtefan, inspiriert vom Science-Fiction-Film "Her" des Regisseurs Spike Jonze: Der sensible Theodore, der persönliche, gefühlvolle Briefe für andere Menschen verfasst, kommuniziert mit Samantha, einer superintelligenten KI in seinem Betriebssystem. Da sie keine physische Form annehmen und nicht auf Fotos erscheinen kann, beschließt sie, ein Musikstück zu schreiben, um so einen Moment ihres Lebens festzuhalten, genau wie mit einem Foto.

Ziel von AIVA ist es nicht, die menschliche Kreativität zu ersetzen, sondern diese zu erweitern und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine zu fördern. Die Anforderungen an die Musik ändern sich: Jeden Tag werden neue Inhalte in exponentieller Geschwindigkeit erstellt, und neue Formen der Unterhaltung erfordern nun qualitativ hochwertige Soundtracks in großem Maßstab.

Videospiele beispielsweise können hunderte Stunden Geschichten beinhalten, die aber nur von zwei Stunden Originalmusik begleitet werden. Spieler sind von der sich wiederholenden Musik genervt, ein Problem, das verhindert, dass diese Kunstform in allen Bereichen mit dem Kino konkurrieren kann. Aber mit Künstlicher Intelligenz lassen sich hunderte Stunden individuell angepasster Musik für Spiele komponieren.

Sie sind skeptisch? Dann hören Sie sich eine der Kreationen von AIVA an, die von 78 Musikern des CMG Orchesters in Hollywood gespielt wird: Among the Stars

AIVA basiert auf dem Deep Learning: Einem Computersystem werden große Datenmengen zur Verfügung gestellt, damit es lernen und sein eigenes mathematisches Modell dieser Datensammlung erstellen kann. Alle diese Eingaben werden durch eine Reihe neuronaler Netze verarbeitet, einer künstlichen Darstellung der Funktionsweise unseres eigenen Gehirns.

Mit dem Lesen der 30.000 Partituren von Mozart, Bach oder Beethoven wurde AIVA trainiert, die Musiktheorie und die Muster hinter den Partituren der Genies zu verstehen. Die KI perfektioniert ihr Gespür dafür, was Musik ist, indem sie sich ein paar Takte vorhandener Partituren ansieht und voraussagt, welche Noten als nächstes in diesen Tracks kommen sollen. AIVAs Genauigkeit bei dieser Vorhersage bestimmt, wie schnell sie die Kunst des Komponierens erlernt.

Aber diese Kunst ist sehr subjektiv, und es reicht nicht aus, AIVA die Definition von Musik beizubringen. Um sicherzustellen, dass die KI die richtige Musik für die richtige Person und das richtige Projekt komponiert, haben wir unsere Algorithmen darauf trainiert, was jede Partitur emotional einzigartig macht. Dazu haben wir über 30 verschiedene Kategorien von Labels zu jeder Partitur in unserer Datenbank hinzugefügt. Diese Labels beinhalten die Dichte der in einem Stück vorhandenen Noten, die Stimmung einer Partitur, die Besetzung, den Komponistenstil und vieles mehr.

Sobald AIVA den emotionalen Aspekt der Musik und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Stilen gelernt hat, können wir eine visuelle Cluster-Darstellung der musikalischen DNA erstellen.

Jede Partitur wird durch einen Punkt visualisiert, und seine Farbe hängt davon ab, welcher Komponist das Stück geschrieben hat. Sie können sehen, dass ähnlich farbige Punkte dazu neigen, Cluster zu bilden, was darauf hinweist, dass AIVA in der Lage ist, Informationen über den Stil der Partituren herauszufinden.

Dieses Verständnis der Musik-DNA schließlich erlaubt es AIVA, auf konkrete Anforderungen zu reagieren, wenn wir mit dem Schreiben eines Stückes beauftragt werden, und so gelingt es ihr, die richtige Musik für das richtige Projekt zu komponieren.

Im Mai 2016 war AIVA die erste virtuelle Künstlerin, deren Werke bei einer Urheberrechtsgesellschaft (SACEM) registriert wurden. Das bedeutet, dass alle ihre Werke ebenso wie die von menschlichen Komponisten urheberrechtlich geschützt sind.

Im Juni 2017 schrieb AIVA das Eröffnungsstück zum Nationalfeiertag in Luxemburg . Dieses Stück wurde von den Luxemburger Philharmonikern und dem Chor aufgeführt, um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI darzustellen.

Seitdem ist AIVA auch für weitere Kompositionen bekannt, beispielsweise für die weltweit erste KI-komponierte Stadthymne "Ode to Dubai" , für Soundtracks für die Keynotes von Nvidia sowie Musik für Videospiele und Kurzfilme. Mit der Pop-Sängerin Taryn Southern, die unter anderem auch Komponistin ist, hat das AIVA-Team für die am 1. Mai 2018 veröffentlichte Single "Lovesick" zusammengearbeitet.

Geschichtenerzähler, Filmproduzenten und die gesamte Unterhaltungsindustrie setzen auf Musik, um Momente in Magie zu verwandeln. Wir glauben, dass es mit AIVA möglich sein wird, sehr emotionale und individuelle Soundtracks für interaktive Medien wie Spiele oder VR zu produzieren.

Unsere Aufgabe beschränkt sich jedoch nicht darauf, personalisierte Musik ausschließlich für die Unterhaltungsindustrie zu kreieren. Genau wie Samantha, die KI, die in „Her“ ein Musikstück geschrieben hat, um bestimmte Momente festzuhalten, glauben wir an eine Zukunft, in der jeder Mensch einen Soundtrack für sein Leben haben kann, basierend auf seiner eigenen Geschichte und seiner Persönlichkeit.

Das Team von AIVA ist davon überzeugt, dass die Personalisierung von Musik eine neue Ära in der Musik einläuten und eine Welt voller neuer Möglichkeiten eröffnen wird.

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