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Morgenmagazin vom Montag, 26. Februar 2018

26.02.2018 | 07:06 Uhr |

Apple verlegt iCloud-Schlüssel nach China +++ Machine Learning Conference in Tel Aviv mit Apple +++ +++ Apple Store in Wien eröffnet +++ Galaxy S9 und S9+ gegen iPhone X +++ Apple TV wird künftig als Spielkonsole geführt

26. Februar: Halb-halb

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Man stelle sich vor: Der Apple-CEO stellt sich vor die halbe Mannschaft des Unternehmens - also wirklich die Hälfte der kompletten Belegschaft - und sagt so etwas wie: "Ich dachte immer, wenn es mir bei Apple keinen Spaß mehr macht, dann gehe ich. Da ich aber CEO bin bin, sage ich: Ich feuere so lange Leute, bis es mir bei Apple wieder Spaß macht. Ihr übrigens könnt bleiben." Unvorstellbar. Also heute, da Apple das wertvollste Unternehmen der Welt ist, in Börsenwert gemessen. Genau das ist aber passiert. In Apples früher Geschichte. Auswirkungen auf heute hatten diese Tage im Jahr 1981 aber sehr wohl.

Es war am 25. Februar 1981, als der CEO Michael Scott derartige Sätze vor der halben Belegschaft äußerte, nachdem er die andere Hälfte gefeuert hatte. Zugegeben, es waren auf der einen Seite 40 Leute und auf der anderen ebensolche 40 - Apple war damals ja gerade fünf Jahre alt. Aber aus der Garage des Jobs'schen Elternhauses längst entwachsen und genau das war das Problem, vor dem Michael Scott stand. Denn Apple war in finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten geraten, weil es eben zu schnell gewachsen war. Scott selbst hatte am Missmanagement aber gewaltigen Anteil, denn er war es, der nun mittelmäßige Manager angeheuert hatte, die wiederum nur mäßige Mitarbeiter für Apple gewannen. Steve Jobs hatte daraus gelernt und später in seinem Leben das Bonmot geprägt: "A-People hire A-Plus-People. B-People hire C-People". Das müssen wir nicht übersetzen, wir wissen alle: Schlaue Firmenchefs stellen Leute an, die schlauer sind als sie selbst, alles andere führt zu Organisationen, in denen das Peter-Prinzip gelebt wird. Immerhin waren drei von vier Entlassenen jenes Mittwoch im Februar vor 37 Jahren Manager, also jene Abteilungs- und Teamleiter, die ebenso wenig in der Lage waren, Abteilungen und Teams zu leiten, wie es Zitronenfaltern gelingt, Zitronen zu falten.

So hatte der "Schwarze Mittwoch" für Apple sein Gutes. Finanzielle Schwierigkeiten sollte das Unternehmen noch öfter in seiner Geschichte durchleiden. Die Hälfte der Belegschaft auf einen Schlag musste Apple nicht mehr entlassen. Scott blieb auch nicht lange nach jenem Tag auf seinem Posten, ihm folgte Mike Markkula, später sollte Steve Jobs auf die nicht komplett gute Idee kommen, John Sculley von Pepsi abzuwerben, jenen Erwachsenen, der auf die Jungs in Cupertino besser aufpassen sollte.

Eine andere Personalrochade war defintiv zum langfristigen Nutzen Apples. Andy Hertzfeld hatte die Rasur der Apple-II-Abteilung überstanden, er war ja kein Manager, sondern einer der besten Entwickler, die Apple je hatte. Steve Jobs, der gerade erst bei der Suche nach einer Aufgabe für sich in das von Jef Raskin angestoßene Mac-Projekt reingeplatzt und die Leitung okkupiert hatte, warb Hertzfeld ganz einfach ab. Die am 26. Februar, dem Tag nach dem Massaker gestellte Frage: "Willst du für den Mac arbeiten?" war eher rhetorisch, denn als sich Hertzfeld Bedenkzeit erbat, stöpselte Jobs einfach dessen Computer vom Stromnetz ab und fuhr in mitsamt Hertzfeld zum Gebäude, in dem der Mac Gestalt annehmen sollte. Der überrumpelte Hertzfeld war überrascht, dass in seinem neuen Schreibtisch in den Schubladen noch persönliche Gegenstände des Vorgängers lagen, blieb aber doch in der neuen Projektgruppe. Und leistete entscheidende Beiträge zur Entwicklung des Macintosh. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Keine Gute Idee: Wer mit macOS High Sierra seinen Mac auf das neue Dateisystem APFS umgestellt hat, mag auf die Idee kommen, auch die Backupvolumes auf die Time Machine sichert, mit dem Festplattendienstprogramm neu zu formatieren. Das Dienstprogramm lässt eine solche Operation zu, sollte das aber tunlichst unterbinden. Denn Time Machine ist auf APFS-Volumes nutzlos, da das Dateisystem keine Hardlinks unterstützt. Aber genau mit diesen Pointern, die HFS+ als vollwertige Dateien ansieht, arbeitet Time Machine bei seinen inkrementellen Backups. Hardlinks werden auf APFS in Softlinks gewandelt und Dateien lassen sich dann nicht mehr auffinden oder der gesamte Backup-Ordner im Finder kopieren. Umgekehrt ist es kein Problem, ein APFS-Volume auf eine exteren HFS+-Platte zu sichern, erklärt Glenn Fleishman ausführlich.

Kein Ersatz: Apple preist das iPad als Laptopersatz an und in der Tat braucht man für viele Zwecke keinen klassischen Computer mehr. Für Macworld legt Leif Johnson aber dar, warum das iPad doch noch kein vollwertiger Ersatz für ein Macbook ist. Da ist vor allem die fehlende Unterstützung von Maus und Trackpad, den Touch-Kontrollen fehlt es an vielen Stellen an Präzision. Die Handschriftenerkennung des iPad hält auch lange noch nicht, was sie verspricht, und überraschender Weise fehlen dem Tablet noch etliche Produktivitätsapps, die auf dem iPhone selbst verständlich von Anfang an mit an Bord sind, ein Taschenrechner, eine Wetter-App oder eine für aktuelle Börsenkurse. Auf Hersteller von populären Drittapps kann man sich auch nicht immer verlassen, Google hatte für Google Docs sich etwa recht lange Zeit gelassen, um den Split-Scren dafür anzubieten. Das Dateisystem schließlich hat Apple zuletzt verbessert, es ist aber nach wie vor nichts, das sich mit einem klassischen Computer messen kann.

Konkurrenz: Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat Samsung seine neuen Flaggschiff-Smartphones S9 und S9+ vorgestellt, die vor allem mit dem iPhone X konkurrieren wollen - die Preise sind auch ähnlich. Unsere Kollgen der PC Welt konnten die neuen Samsungs bereits in den Händen halten und sind nur mäßig begeistert. Sicher, die S9 seien das Beste, was man von Samsung derzeit bekommen könne, die Revolution falle aber aus - zu sehr sind die S9 noch der S8-Reihe ähnlich. Eine interessante Neuerung bietet jedoch die Hauptkamera des Samsung S9+: Denn diese kann mechanisch die Blende wechseln und so bei schlechtem Licht mehr Licht auf den CCD fallen lassen. Ob das aber den Aufpreis wert ist?

Schlüsselübergabe : Apple hat bereits vor einiger Zeit angekündigt, die iCloud-Daten chinesischer Kunden in Rechenzentren in der Volksrepublik zu verlagern, Kunden aus Hongkong, Macau und Taiwan sind davon nicht betroffen. Apple müsse dem chinesischem Recht entsprechen, bringt Cupertino zu seiner Verteidigung hervor. Chinesische Behörden haben nun aber leichter Zugriff auf die Daten ihrer Untertanen. Der Umzug geht sogar noch ein Stück weiter, als bisher bekannt, denn Apple verlagert nun auch die Schlüssel für verschlüsselte iCloud-Konten chinesischer Kunden nach China. Bisher waren diese zentral in den USA gelagert, für alle Kunden weltweit. Für die Behörden wird die Überwachung der Apple-Kunden nun noch einfacher, denn wollten diese bisher bestimmte Konten offen legen, mussten sie sich erst durch das US-Rechtssystem klagen - nun liegen alle Werkzeuge bereit, um den Untertanen alle Geheimnisse unproblematisch entlocken zu können.

Konferenz: Apple wird im März die Machine Vision Conference in Tel Aviv, Israel, unterstützen und auch einen Experten schicken, der mit den Teilnehmern der Konferenz über die True-Depth-Kamera des iPhone X sprechen will. Eitan Hirsh, Chef des für die Kamera und die Gesichtserkennung FaceID zuständigen Entwicklerteams, wird am 6. März einen Vortrag mit dem Titel "Depth Sensing @ Apple: TrueDepth Camera" halten. Für Hirsh ist die Reise nach Tel Aviv eine Art Heimkehr, bevor er im Jahr 2013 zu Apple stieß, war er 15 Jahre lang unter anderem für das von Apple übernommene israelische Unternehmen Prime Sense und die Streitkräfte des Landes tätig.

Große Eröffnung: Seit Samstag fehlt Österreich nicht mehr auf der Liste der Länder mit Apple Store, in Wien eröffnete in der Kärtner Straße der erste Apple Store des Landes. Macwelt war mit zwei Fotografen vor Ort und zeigt Bilder von der Schlange vor dem Laden, von dem Interieur des Stores und von einer Demonstration von Aktivisten, die sich natürlich an die Aufmerksamkeit hängten, die eine Große Eröffnung nun einmal bietet.

Weitere Nachrichten:

Apple TV wird künftig als Spielkonsole geführt

Apples Streaming-Box Apple TV dient nicht nur als Abspielgerät für beliebige Medien, sondern übernimmt auch eine zentrale Rolle im Smart Home. Darüber hinaus können Entwickler neben Apps auch Spiele für Apple TV erstellen. Letztere sind jedoch eher als spaßiger Zeitvertreib anzusehen, als vollwertige Konsole taugt das Apple-Gadget noch nicht. Dies könnte sich aber in Zukunft ändern. Apple hat das  Logo für Apple TV  beim Patentamt um weitere Eigenschaften erweitert. Künftig wird die Plattform von Apple auch als Videospielkonsole mit passenden Controllern geführt.

Die aktuell in Apple TV verbaute Hardware kann jedoch nicht mit der Leistung von PlayStation 4 oder Xbox One mithalten. Gut möglich, dass Apple in der nächsten Version des Apple TV deutlich potentere Hardware verbaut, die auch für aufwendigere Spiele geeignet ist. Mit einer neuen Generation der Plattform ist in diesem Jahr jedoch nicht zu rechnen. Das aktuelle  Apple TV mit 4K-und HDR-Unterstützung  ist erst seit Dezember 2017 erhältlich. Die Vorgängergeneration erschien vor zwei Jahren. Es ist daher anzunehmen, dass Apple die Plattform nur alle zwei Jahre aktualisiert. Die fünfte und damit aktuelle Generation des Apple TV kostet mit 32 GB Speicher 199 Euro, die Version mit 64 GB Speicher schlägt mit 219 Euro zu Buche.

Hello: Smarter Lautsprecher von Archos

Mit dem Hello hat Elektronik-Hersteller Archos auf dem diesjährigen Mobile World Congress in Barcelona ein so genanntes Smart Display im Gepäck . Die Weiterentwicklung des smarten Bluetoot-Lautsprechers bietet ein Touch-Display, über das Tablet-typische Aufgaben erledigt werden können. Im Gegensatz zu Amazons Echo Show läuft auf dem Archos Hello kein beschnittenes Betriebssystem, sondern ein vollwertiges Android 8.0. Das bietet Vorteile, unter anderem in Form einer größeren App-Auswahl. Nachteile müssen Nutzer eventuell bei einer geringeren Anzahl von unterstützten Sprachbefehlen und Anwendungen in Kauf nehmen.

Das Abspielen von Musik oder die Steuerung von unterstützter Smart-Home-Hardware übernimmt beim Archos Hello der Google Assistant. Über das integrierte Display und die Frontkamera mit fünf Megapixeln sind mit dem smarten Lautsprecher auch Video-Telefonate möglich. An Bord sind außerdem vier Richtmikrofone, die Sprachbefehle auch aus entfernten Zimmerecken verstehen können. Der Archos Hello sucht weiterhin per Zuruf in der Küche nach passenden Koch- und Backrezepten oder startet mit einem passenden Befehl Party-Spiele.

Der Hello bietet ein kantiges Design mit hellem Holz-Look an der Rückseite. Dort befindet sich auch ein ausklappbarer Ständer mit dem der Lautsprecher horizontal oder vertikal aufgestellt werden kann. Zur weiteren Ausstattung gehören ein Akku mit 4.000 mAh, WLAN sowie Bluetooth. Die übrige Hardware-Ausstattung fällt mit einem Vierkern-Prozessor, zwei Gigabyte RAM und 16 Gigabyte internem Speicher eher durchschnittlich aus.

Archos bringt seinen Hello im Sommer 2018 in zwei Versionen auf den europäischen Markt. Mit 7-Zoll-Display kostet der Lautsprecher 130 Euro. Die große Ausgabe mit 8 Zoll und höherer Bildschirmauflösung kostet 180 Euro.

Interna: Warum Intel Spectre und Meltdown nicht sofort meldete

Der Chiphersteller Intel hat die US-Sicherheitsbehörde United States Computer Emergency Readiness Team (US-CERT) erst am 3. Januar über die Gefahren der Sicherheitslücken Spectre und Meltdown informiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte die IT-Seite "The Register" bereits über die Gefährdung durch die beiden Schwachstellen berichtet. Über das Risiko durch Spectre und Meltdown wurde Intel bereits im Juni 2017 von dem zu Google gehörenden Sicherheitsteam "Project Zero" informiert, genauso wie AMD und die ARM-Holding. 

Google gab den Unternehmen 90 Tage Zeit, um die Probleme zu beheben, dann würden die Schwachstellen öffentlich gemacht. Dieses Vorgehen ist im Sicherheitssektor üblich, um den Herstellern genügend Zeit für eine Behebung der Fehler einzuräumen, bevor Hacker die Schwachstellen ausnutzen. Intel verzichtete nach eigenen Angaben auf eine Benachrichtigung der Behörden, da es keine Anzeichen dafür gegeben habe, dass die Sicherheitslücke bereits von Hackern ausgenutzt worden sei. Eine Ausnutzung der Lücken im Bereich kritischer Infrastrukturen sei laut Intel ebenfalls nicht zu erwarten gewesen. Die Hintergründe sollen im Rahmen einer Untersuchung des Republikaners Greg Walden aus Oregon geklärt werden. Dazu wurden interne Briefe angefordert.

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