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Morgenmagazin vom Montag, 26. März

26.03.2018 | 07:08 Uhr |

Tim Cook in China: Kritik an Facebook und an Strafzöllen +++ Apple schlägt neun neue Emojis zur Inklusion vor +++ US-Polizei: Fingerabdrücke von Toten entsperren iPhones +++ Google Chrome blockt endlich Auto-Play-Videos mit Ton +++ Firefox soll schneller und personalisierbarer werden +++ Uber-Unfall: Sicherheitsfahrerin hatte Straße nicht im Blick

26. März: Ausgependelt

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Es gibt so Momente, in denen man sich wünscht, irgendjemand würde das Internet wieder in die Flasche zurück stecken, aus der dieser mal dienstbare und mal böser Geist geströmt ist. Der Skandal um Cambridge Analytics hat gezeigt, dass der Homo Digitalis offenbar noch nicht weit genug entwickelt ist. Sicher: Lügen, Verleumdungen, Verdrehungen hat es auch schon in analogen Zeiten gegeben und schlussendlich macht der Bürger sein Kreuz in der Wahlkabine und nicht der Facebook-Algorithmus. Doch wie genau die Herrscher der digitalen Welt ihre Nutzer kennen und wissen, wo sie ihre Schwachstellen haben, ist in der Tat Besorgnis erregend - vor allem dann, wenn Skrupellosigkeit hinzu kommt.

Im Digitalen zählen offenbar Argumente weniger als Gefühle, wer am lautesten schreit oder am schnellsten verleumdet, bekommt seine Agenda auch durch. Medienkompetenz? Anscheinend ein Wert von gestern. Nicht alles, was man in der Zeitung liest und im Fernsehen sieht, muss auch der objektiven Wahrheit entsprechen, kritische Überprüfung der Schlagzeilen vom Boulevard und der Sendungen von privaten wie öffentlich-rechtlichen ist immer gut. Aber eine pauschale Diffamierung „der Medien“, nur weil das, was die meisten so senden und schreiben nicht zur eigenen Meinung oder gar einer gefühlten Wahrheit entspricht? Klar, Fake News sind immer die anderen, Donald Trump macht es vor, der womöglich größte Lügner, Aufschneider und Narzisst, der es in der westlichen Welt je in ein politisches Amt geschafft hat.

Aber wer lauter oder schneller oder hartnäckiger schreit, ist noch lange nicht im Recht. Wie heißt es so schön: Ein jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten. Dumm nur, dass die hartnäckigsten Realitätsverweigerer keinerlei wissenschaftliche oder logische Argumente anerkennen. Man habe doch in diesem Internet gelesen, dass die Erde flach ist, nur der Mainstream behauptet noch das Gegenteil.

Dabei gibt es ein unschlagbares Argument gegen all diejenigen, die Wissenschaft für Humbug halten und die gängigen Theorien über das Leben, das Universum und den ganzen Rest für wohl ausgedachte Lügen der Vertreter der Neuen Weltordnung. Denn wer argumentiert, dass die Erde flach ist und damit wissenschaftliche Methodik und Erkenntnisse negiert, sollte eigentlich keinen Computer mehr nützen können. Denn dessen Aufbau beruht ebenso auf wissenschaftlicher Methodik und Erkenntnissen, was in dem einen Fall akzeptiert wird, kann im anderen nicht abgelehnt werden, wenn es doch ein und dasselbe ist.

Aufgrund von Logik, Experimenten und dem Zusammenspielen von Theorie und Praxis weiß man natürlich längst, dass die Erde eine an den Polen abgeflachte und sonst auch noch ein wenig verdellte Kugel ist. In der griechischen Klassik wusste bereits Erastothenes den Umfang des Globus recht gut abzuschätzen. Ein allerletzter Beweis erfolgte aber am 26. März 1851 durch  Léon Foucaults versuch mit dem nach ihm benannten Pendel. Im Panthéon in Paris setzte er ein 67 Meter langes und nur sehr langsam und kaum gedämpft schwingendes Pendel in Bewegung, das auf dem Boden Spuren hinterließ - die Erde dreht sich gewissermaßen unter dem Pendel weg. Je nachdem, in welcher Breite man den Versuch wiederholt, ergibt sich eine andere Umlaufzeit dieser Spuren - in Einklang mit der Theorie der rotierenden, runden Erde. Auch hier gilt: Akzeptiert man nicht, dass die Schwingungsebene eines Pendels unveränderlich bleibt, müsste man auch andere Dinge des Alltags als nicht funktionstauglich abstempeln, Uhren und Fahrräder zum Beispiel - und eigentlich alle mechanischen Maschinen. Mit einem Wort: Flat-Earthler sind auf dem Wissensstand der Bronzezeit und davor, haben aber im Gegensatz zu ihren Vorfahren aus jener Epoche keinerlei Ehrgeiz, aus ihrem Nichtwissen auszubrechen. Peter Müller

Lesetipp für den Montag

Inklusion : Apple hat dem Unicode-Konsortium neun neue Emojis vorgeschlagen, die mit der Veröffentlichung von Emoji 12.0 in der ersten Jahreshälfte Standard werden könnten. Die neun Symbole drehen sich um Menschen mit Behinderungen und Hilfsmittel wie Rollstuhl, Hörgerät, Blindenhund oder Prothesen. Apple weist in seiner Eingabe darauf hin, dass weltweit ein jeder siebter Mensch mit einer Behinderung zu tun hat. Der derzeit gültige Satz von Emojis decke einen weiten Bereich von Menschen mit ihren Aktivitäten und Berufen ab, repräsentiere aber keine Behinderten. Der Satz von neun neuen Grundsymbolen, mit unterschiedlichen Hautfarben und Geschlechtern insgesamt 45, soll hier einen Anfang bieten.

Faltbar: Der Analyst Wamsi Mohan von Bank of America Merrill Lynch will laut CNBC erfahren haben, dass Apple mit seinen Zulieferern für das Jahr 2020 eine spektakuläre Neuerung plant und ein faltbares iPhone auf den Markt bringt, berichtet CNBC. Spekulationen dieser Art gibt es bereits seit einigen Jahren, faltbare und aufrollbare OLED-Displays waren immer wieder einmal auf Technikdemos zu sehen, diese sind bisher aber noch weit weg von der Produktreife gewesen. Ob nun wirklich ein faltbares iPhone das Ziel der Forschung ist, muss man mit Vorsicht genießen, womöglich ergibt eine derartige Technik bei anderen Apple-Produkten mehr Sinn, etwa beim iPad Pro, das sich in zwei Hälften falten respektive zusammenklappen ließe.

Kommentar I: Tim Cook hat bei einer Rede auf seiner aktuellen China-Reise den Datenskandal von Facebook und Cambridge Analytica kommentiert. Ohne die Firmen beim Namen zu  nennen, sagte der Apple-CEO, die Situation sei "furchtbar" und erfordere eine Regulierung. Niemand dürfte so viele Datenmengen über Einzelne sammeln und horten und wissen, welche Seiten diese vor Jahren besucht hatten, wer ihre Konakte sind und was ihnen gefällt oder nicht gefällt. Apple habe schon vor Jahren davor gewarnt, dass die Leute allzu sorglos mit ihren Daten umgingen und es ihnen teilweise nicht bewusst sei, was damit passiere. Eines Tages würde etwas passieren, was die Internetnutzer und ihre Rechte verletzte - genau das sei nun eingetreten. Apple verfolgt ein anderes Geschäftsmodell als Facebook und Google und legt keine Nutzerprofile zu Werbezwecken an. Die von den Nutzern gesammelten Daten sind anonymisiert und randomisiert und dienen laut Apple lediglich dazu, seine Services verbessern zu können.

Kommentar II: Auf der gleichen Reise forderte Tim Cook die Führungen Chinas und der USA auf, einen drohenden Handelskrieg abzublasen. Die USA haben in dieser Woche Strafzölle und Höhe von 60 Milliarden US-Dollar auf Stahl- und Aluminium aus China verhängt, das Reich der Mitte reagiert mit höheren Einfuhrzöllen für Schweinefleisch, Äpfel und rostfreie Stahlröhren aus den USA. Auf dem China Development Business Forum warb Tim Cook für den Freihandel. Seine Erfahrung zeige ihm, dass Länder, die eine offene Wirtschaftspolitik betrieben, zu Wohlstand geraten seien und Länder, die sich abschotteten, eben nicht. Dieses Thema verfolge er mit Leidenschaft und er sei der Ansicht, dass Firmen, die in bestimmten Ländern Geschäfte betrieben, sich mit den dortigen Regierungen verständigen sollen, ob sie deren Praktiken nun zustimmten oder nicht.

Weitere Nachrichten:

US-Polizei: Fingerabdrücke von Toten entsperren iPhones

Wie das Wirtschaftsmagazin "Forbes" berichtet , nutzt die US-Polizei zunehmend die Fingerabdrücke von Toten, um deren Smartphones zu entsperren. Bei einem Mord oder einem Amoklauf wollen die Behörden schnell Beweismittel sichern. Wichtige Hinweise zur Motivation eines Täters oder zu den Beziehungen der Opfer finden sich meist auf deren Smartphones. Da die Geräte jedoch immer häufiger mit einem Fingerabdrucksensor vor fremden Zugriffen gesichert sind, kommt die Polizei nicht mehr ohne weiteres an die darauf gespeicherten Daten.

Firmen wie Cellebrite oder Graykey bieten zwar passende Entsperrsystem an, die mit Hilfe von entdeckten Sicherheitslücken den Schutz der mobilen Betriebssyteme Android und iOS umgehen können, pro entsperrtem Smartphone werden hier jedoch schnell Gebühren in vierstelliger Höhe fällig. Vor zwei Jahren griff die US-Polizei aus diesem Grund auf eine einfachere Methode zurück. Sie nahm kurzerhand den Fingerabdruck des verstorbenen Attentäters Abdul Razak Ali Artan, um dessen Smartphone zu entsperren. Wenn auch moralisch fragwürdig ist diese Vorgehensweise in den USA rechtlich gedeckt. Neben verstorbenen Mördern wurde die Technik auch bereits bei Mordopfern angewendet. Die US-Polizei will künftig auch die Gesichter von Toten benutzen, um deren iPhones per Face ID zu entsperren.

Google Chrome blockt endlich Auto-Play-Videos mit Ton

Google hat in den vergangenen Tagen eine Beta-Version seines Browsers Chrome veröffentlicht. Chrome 66 bringt in der finalen Version mehrere Neuerungen mit, die unter anderem das automatische Abspielen von Videos mit Ton auf Websites betreffen. Bislang wurden Auto-Play-Clips im Browser automatisch mit Ton abgespielt. Mit Version 66 stellt Google diese zeitweise nervige Funktion nun endlich ab. Chrome 66 spielt Auto-Play-Videos nur noch mit Ton ab, wenn Nutzer mit der zugehörigen Website interagieren oder sich zuvor schon einmal Videos mit Ton auf der betreffenden Seite angeschaut haben. In allen anderen Fällen werden Auto-Play-Clips nicht automatisch beim Öffnen einer Website abgespielt.

Die Änderung war von Google ursprünglich schon für Chrome 64 geplant. Die im Januar veröffentlichte Browser-Fassung bietet Nutzern die Möglichkeit, nervige Websites, die Auto-Play-Videos mit Ton missbrauchen, dauerhaft stumm zu schalten, allerdings musste der Nutzer aktiv eingreifen und das Abspielen auf einer bestimmten Seite ausschalten. Die neueste Version spielt standardmäßig Videos mit Ton nicht ab, der Nutzer muss das ausdrücklich erlauben. Das Blockieren von Auto-Play-Videos mit Ton ist in der Beta-Version von Chrome 66 noch nicht verfügbar. In der finalen Version, die voraussichtlich ab 17. April 2018 erhältlich ist, soll das Feature jedoch enthalten sein.

Firefox soll schneller und personalisierbarer werden

Mozilla hat die weiteren Planungen für den Browser Firefox offengelegt. Auf der Roadmap für das Jahr 2018 steht das Tempo des Browsers im Fokus der Entwicklung. Die Servo-Engine des Firefox Quantum soll demnach weiter verbessert werden, was wiederum Webseiten schneller auf den Bildschirm bringen soll. Zudem wolle man auch die Bedienoberfläche beschleunigen. Web-Apps will Mozilla in Zukunft mit 60 Bildern pro Sekunde darstellen, unabhängig von der Bildschirmauflösung. Von dieser Funktion profitieren aber zunächst nur Besitzer bestimmter Grafikkarten von Nvidia. Ab November steht das Feature voraussichtlich zur Verfügung.

Der zweite Schwerpunkt der weiteren Firefox-Entwicklung liegt in der Personalisierbarkeit des Browsers. Neue APIs, Themes und Erweiterungen sollen künftig mehr Anpassungen erlauben. So sollen beispielsweise Seitenleiste, Popups und Bildlaufleiste stärker an die eigenen Wünsche anpassbar sein. Die Mobilversionen von Firefox will Mozilla in diesem Jahr wieder verstärkt verbessern. Der Version für FireTV soll beispielsweise eine Kindersicherung erhalten, Firefox Focus/Klar soll hingegen WebVR, WebGL2 oder WebAssembly unterstützen. Die Privatsphäre der Nutzer will Mozilla ebenfalls besser schützen, beispielsweise mit einem einfachen Adblocker oder der Verhinderung von Tracking.

Uber-Unfall: Sicherheitsfahrerin hatte Straße nicht im Blick

Das Tempe Police Department hat neues Video-Material zum tödlichen Unfall mit einem autonomen Auto des Dienstleisters Uber veröffentlicht . Am vergangenen Unfall hatte der Wagen die 49-jährige Elaine Herzberg beim Überqueren der Straße erfasst und tödlich verletzt. Das Video-Material der Polizei zeigt einen Zusammenschnitt aus zwei unterschiedlichen Kameras, die im und am Uber-Auto befestigt waren. Eine ist auf die Straße vor dem Wagen gerichtet, die zweite zeigt die Sicherheitsfahrerin an Bord des Autos. Sicherheitsfahrer begleiten die Testfahrten von autonomen Autos auf öffentlichen Straßen. Sie können im Notfall eingreifen.

Der Polizei-Clip zeigt die Sicherheitsfahrerin des Uber-Unfallwagens, die 44-jährige Rafaela Vasquez. Sie schaut in den Sekunden vor dem Aufprall nicht auf die Straße, sondern nach unten. Die Fußgängerin, die an diesem Abend tödlich verletzt wird, schiebt ihr Fahrrad quer über die Straße und ist auf der Uber-Außenkamera erst im letzten Moment zu erkennen. Für das autonome Fahrzeug zu spät, um rechtzeitig zu bremsen. Ob die Sicherheitsfahrerin noch hätte rechtzeitig eingreifen können, wenn sie auf die Straße geschaut hätte, ist fraglich. Die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang dauern aktuell noch an. Uber hat sämtliche Testfahrten mit seinen autonomen Autos vorerst eingestellt.

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