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Morgenmagazin vom Montag, 29. Oktober 2018

29.10.2018 | 07:11 Uhr |

Qualcomm: Apple schuldet 7 Milliarden US-Dollar +++ Ellison kritisiert Apple wegen Widerstand gegen das FBI +++ Samsung sieht iPhone XR als Inspiration +++ Quartalszahlen: Microsoft bald wertvoller als Amazon? +++ Nachtsicht für Pixel-Smartphones schon vor dem Release nutzen +++ China rät Trump zu Umstieg von iPhone auf Huawei-Gerät

29. Oktober: Dezentral

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Oder eher Kalimera und hayırlı sabahlar, denn gestern war in Griechenland Nationalfeiertag, heute in der Türkei, in Erinnerung an die Republikgründung im Jahre 1923. Der Amtsantritt von Mustafa Kemal Atatürk als Präsident ging vor 95 Jahren einher mit der Verlegung der Hauptstadt von Istanbul nach Ankara, von Europa nach Asien.

Ein anderer Jahrestag ist uns heute aber thematisch näher gelegen, wenn auch nicht unbedingt geographisch. Denn es war am 29. Oktober 1969, als das Internet den Betrieb aufnahm. Nicht das Internet, wie wir es heute kennen und schätzen, sondern sein Vorgänger, das vom US-Militär und Universitäten entwickelte Arpanet. Die erste Datenübertragung zwischen zwei Knotenpunkten des Ende der Sechziger geknüpften Netzes geschah am Abend des 29. Oktober 1969 zwischen den beteiligten Instituten der UCLA und des SRI, dem Forschungszentrum der Universität von Stanford.

Schon ein Jahr zuvor hatten die Forscher den entscheidenden Kniff für das geforderte dezentrale Netz gefunden, die Paketvermittlung. Daten gelangen nicht komplett von einem Sender zum Empfänger, sondern werden in Pakete aufgeteilt, die sich im Idealfall unterschiedliche Wege suchen und erst beim Empfänger wieder zusammengesetzt werden. Die Entwicklung bekam aber erst im Jahr 1983 mit dem Protokoll TCP/IP richtig Schwung und mit HTML, dem Geniestreich  des Cern-Forschers Tim Berners-Lee. Das Arpanet existierte übrigens als Teilstruktur des Internet bis ins Jahr 1990, ehe es abgeschaltet wurde. Im Prinzip also eine halbe Ewigkeit lang. Und dabei musste es nicht einmal den Ernstfall erleben, dessentwegen es als dezentrale entwickelt wurde. Der thermonukleare Weltkrieg ist bisher ausgeblieben, das darf gerne so bleiben. Weiter entwickelt hat sich das Netz auch ohne das, was gemeinhin und zu leichtfertig als der Vater aller Dinge bezeichnet wird.

Die Entwicklung ging nicht immer in eine Richtung, die den Beteiligten gefallen würde, das haben disruptive Technologien ja so an sich. Wenn es stimmen sollte, dass im Krieg stets das erste Opfer die Wahrheit ist, dann ist der Ernstfall doch schon eingetreten und die dezentrale Architektur hält ihr Versprechen nicht. Nein, man kann weder Facebook, noch Google noch Twitter noch anderen Daten und Contentschleudern vorwerfen, bewusst Lügen zu verbreiten, Suchmaschinen und soziale Netzwerke lassen sich aber bewiesener Maßen zur Propaganda missbrauchen. Das ist nichts Neues für neuartige Medien, man denke an das Radio, das die Nazis vor 85 Jahren kaperten und für ihre Zwecke nutzten. Die zunehmende Verbreitung von Fake News und als deren Folge Beeinflussung von Wählern weist aber auf einen, nein, nicht Konstruktionsfehler des Internet, sondern womöglich Konstruktionsfehler des Kapitalismus hin: Das Netz neigt zur Monopolisierung. Respektive Oligarchisierung, es sind ja mehrere, wenn auch große Player übrig geblieben. Es bräuchte also gerade in Sachen Nachrichten- und Meinungsverbreitung wieder mehr Dezentralität, wenn man den neuen Institutionen wie Facebook, Google und Twitter mangels demokratischer oder wirtschaftlicher Kontrolle nicht mehr über den Weg trauen kann.

Apple will ja in Sachen Nachrichten in die Bresche springen, den menschlichen Faktor bei der Auswahl von News wieder wichtiger werten als Algorithmen, die sich leichter manipulieren lassen. Der Ausgang des Experiments ist offen, Apples vernünftige Ansichten hinsichtlich Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre lassen aber hoffen. Was es nicht bruacht, ist ein weiterer Nachrichtenoligarch, sondern mehr Unternehmen, die zum Meinungspluralismus beitragen uns sich nicht von wirtschafltichen Zwängen dazu verleiten lassen, die Sensation, die Empörung und vor allem den Hass über die Nachricht stellen. Es benötigt mehr als nur ein Apple, um eine informierte Öffentlichkeit zu schaffen, es braucht wohl auch mehr als nur ein Internet. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Forderung: Apple ud Qualcomm streiten weiter vor Gericht um die korrekte Lizenzierung von Patenten, die der Chip-Hersteller hält und Cupertino in iPhones verbaut. Apple bezeichnet es als unfair, zweimal zahlen zu müssen, einerseits dafür, die Chips verbauen zu dürfen und andererseits über die Zeit noch Lizenzen dafür abzuführen. Qualcomm seinerseits ist irreitiert, dass Apple das Geschäftsmodell nun vernichten wolle, nachdem es jahrelang akzeptiert wurde. Apple sei indes mit seinen Lizenzzahlungen in Rückstand geraten und schulde Qualcomm nicht unerhebliche sieben Milliarden US-Dollar. Der Prozess dauert an, während Apple in enuen iPhone-Modlelen Mobilfunkmedems von Intel anstatt denen von Qualcomm verwendet.

Wunschliste : Das Fieber steigt, zur Oktober-Keynote Apples sind es aber nur noch knapp über 30 Stunden. Nun veröffentlicht auch CNET eine Liste von Features, die ein neues iPad Paro mitbringen sollte. Die FaceID ist nicht darunter, diese gilt als gesetzt. Aber mehr Bildschirm auf der gleichen äu0eren Größe ist ein wichtiger Punkt, das hängt aber mit dem neuen Design zusammen, das an das iPhone X angelehnt sein dürfte.. CNET wünscht zudem eine bessere Tastatur und einen vernünftgein Browser, der mehr an den Desktop heranreicht - das iPad Pro soll schließlich das Notebook ersetzen. Wie man es dreht und wendet, wird das iPad Pro gewiss nicht zum Chromebook, das hier als Beispiel dient. Mehr Profi-Software für das Tablet wäre ebenso ein Wunsch, der in diese Richtung spielt, aller Voraussicht nach wird Adobe Photoshop auf dem iPad zeigen, das 2019 fertig sein soll. Schließlich fordert CNET auch noch USB-C für eine reichhaltigere Peripherie - es deuten viele Vorzeichen darauf hin, dass Apple diesen Wunsch erfüllen wird.

Kritik : In einer viel beachteten Rede hatte Tim Cook am Mittwoch letzter Woche in Brüssel den Missbruach von Daten durch Unternehmen wie Google, Twitter und Facebook kritisiert, ohne diese aber beim Namen zu nennen. Die Lösung wäre gewiss nicht, nunr noch Apple-Produkte zu kaufen, zumal Cupertino nur einen Bruchtiel des Marktes vernetzte Geräte bedient. Stattdessen bräuchte es nach Cooks Ansicht auch in USA einen stregneeren Datenschutz, wie ihn die EU mit der DSGVO eingeführt hat. Apple legt großen Wert darauf, die Daten der Kunden auf seinen Geräten und in seinen Services zu schützen, und pflegt das Image als engagierter Datenschützer. Das geht manchen Kritikern aber in eingein Fällen zu weit. So hat Oracle-Gründer Larry Ellison nun Apples Vorgehen im Fall des Mehrfachmordes von San Bernardino im Dezember 2014 scharf kritisiert. Apple hatte sich dem FBI widersetzt und sich geweigert, eine Hintertür für iOS zu programmieren, über die Strafverfolger die iPhones Verdächtiger hacken könnten. In einem Interview mit Fox Business Network wirft Ellison Apple vor, sich über Recht und Gesetz zu stellen: "Apple entscheidet, ob das iPhone geschlossen oder entsperrt ist, Apple, nicht die Gerichte. Unsere Gerichte. Apple trifft die Entscheidung, das ist einfach bizarr." Ellison ignoriert jedoch Apples Argumentation in diesem Fall völlig. Denn sollte Apple mit einer Hintertür in iOS einbrechen, wäre die Sicherheit des Gesamtsystems zerstört. Das Wissen über eine solchee Lücke würde sich recht schnell auch außerhalb vertrauneswürdiger Institutionen verbreiten und in die falschen Hände gelangen. Zudem ist fraglich, inwie weit man heute FBI und anderen Behörden überhaupt noch vertrauen kann. Im konkreten Fall hatte die Bundespolizei Hilfe von der israelischen Sicherheitsfirma Cellbrite erhalten, die offenbar exklusives Wissen über eine nicht dokumentierte Lücke in iOS beitzt und diese ausnutzen konnte, um das iPhone 5C des Attentäters zu knacken. Hinweise auf mögliche Komplizen fanden sich darauf aber nicht - gewissermaßen viel Lärm um nichts.

Nachgemacht: In der Bilanz, die Apple am Donnerstag für sein viertes Quartal vorlegen wird, fehlt noch das iPhone XR - dafür wird es aber dank iPhone XS gestiegene Umsätze pro Verkauf geben. Das iPhone XR mit seinem Verzocht auf 3D Touch und LCD statt OLED scheint laut eines Bloomberg-Berichts nun aber die Konkurrenz zu inspirieren. Namentlich Samsung, die nächstes Jahr ebenso eine Dreifaltigkeit an den Start bringen wollen. Ein Galaxy S10, eine größere Variante davon und für eine reduzierten Preis eine Variante, die auf einige Technologien verzichten werde. Das S10 und sein großer Bruder sollen wieder drei rückwärtige Kameras bekommen und eine vorne, die unter dem Display angebracht ist. Laut des Berichts werde Samsung nun auch einen Fingerabdrucksensor unter den Bildschirm montieren.

Quartalszahlen: Microsoft bald wertvoller als Amazon?

Zwar konnten sowohl Microsoft als auch Amazon in ihren Quartalsergebnissen erstklassige Zahlen vorlegen, die Investoren von Amazon hatten jedoch mit noch größeren Gewinnen gerechnet. Als Reaktion gab der Kurs der Amazon-Aktien um bis zu sieben Prozent nach.

Die Wertpapiere von Microsoft konnten hingegen knapp sechs Prozent gutmachen. Dieser Umstand führte dazu, dass Microsoft als Marke fast so wertvoll war wie Amazon. Damit streiten sich die beiden Unternehmen weiterhin um Platz 2 und 3 der wertvollsten US-Marken. An der Spitze dieser Liste liegt unangefochten Apple.

Obwohl Amazon die Billionenmarke schon einmal im September überschritten hatte, fiel die Marktkapitalisierung nach der Veröffentlichung der Ergebnisse wieder auf 869,2 Milliarden US-Dollar. Nun muss sich zeigen, inwieweit das bevorstehende Weihnachtsgeschäft den Wert wieder steigen lässt.

Microsoft konnte seinen Börsenwert gestern auf über 830 Milliarden US-Dollar erhöhen. Damit trennen die beiden Unternehmen nur noch wenige Milliarden US-Dollar. Besonders lukrativ verliefen für Microsoft im dritten Quartal die Cloud- und Office-Geschäfte. Im Zeitraum von Juli bis September erwirtschaftete Microsoft über 29 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum fiel dieser Wert noch 19 Prozent niedriger aus. Der Gewinn kletterte um 34 Prozent auf 8,8 Milliarden US-Dollar.

Nachtsicht für Pixel-Smartphones schon vor dem Release nutzen

Mit einem der nächsten Updates spendiert Google seinen Pixel-Smartphones einen Nacht-Modus für Fotos. Das Feature verbindet Machine Learning, Algorithmen und eine Belichtungszeit von bis zu vier Sekunden für Low-Light-Situationen.

Mit Hilfe eines Camera-App-Tweaks von XDA-Developers-Nutzer cstark27 können Besitzer des Pixel, des Pixel 2 und des Pixel 3 sowie der XL-Versionen der drei Modelle den neuen Modus bereits vor dem offiziellen Release ausprobieren.

Der neue Nachtsicht-Modus verspricht Pixel-Nutzern eine natürliche Ausleuchtung, mit deren Hilfe sie künftig bei schlechten Lichtverhältnissen auf den Smartphone-Blitz verzichten können. Das bei kleinen Kamera-Sensoren in diesen Situationen häufig auftretende Bildrauschen durch eine hohe ISO-Zahl soll mit dem Nachtsicht-Modus gering gehalten werden.

Ein besonderer Umgang der App mit der für Nachtaufnahmen nötigen, langen Belichtungszeit soll es Pixel-Nutzer ermöglichen, Nacht-Fotos aus der Hand zu schießen. Ein Stativ benötigt der Nachtsicht-Modus nicht.

Das IT-Magazin The Verge hat das neue Feature bereits auf Herz und Nieren getestet und stellt in einem ausführlichen Bericht zahlreiche Vergleichsfotos zur Verfügung. Ein offizieller Release-Termin für den Nachtsicht-Modus steht bislang noch nicht fest.

China rät Trump zu Umstieg von iPhone auf Huawei-Gerät

Vor kurzem berichtete die New York Times, dass chinesische und russische Geheimdienste über unsichere Smartphones geführte Telefonate von US-Präsident Donald Trump abhören würden. Dementis gab es von Trump sowie von der chinesischen Regierung – einen kleinen Seitenhieb in Richtung Trump konnte sich das chinesische Außenministerium allerdings nicht verkneifen.

Laut der South China Morning Post, hat nun auch die chinesische Regierung den Bericht der New York Times als unwahr zurückgewiesen. Quellen aus Trumps Umfeld sollen behauptet haben, eines seiner drei iPhones verwendet zu haben, um Gespräche zu sicherheitsrelevanten Themen zu führen. Die Geräte sollen dabei nicht ausreichend gegen eine Überwachung von ausländischen Geheimdiensten geschützt sein.

US-Präsident Donald Trump dementierte den Bericht der seiner Meinung nach „Fake News“ verbreitenden Zeitung. Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, kritisierte den Bericht der New York Times ebenfalls als ein Beispiel für „Fake News“ und stellte fest, dass es sich dabei wohl um den Versuche handle, den Oscar für das beste Drehbuch zu erhalten.

Weiterhin erklärte die Sprecherin, dass dem US-Präsidenten auch andere Optionen offen stünden. Falls er sich Sorgen um die Sicherheit seiner iPhones machen würde, könne er ja einen Wechsel auf ein Huawei-Smartphone vollziehen.

Pikant hierbei – die US-Regierung hat es den eigenen Behörden verboten, Technologie und Geräte des chinesischen Elektronikherstellers Huawei einzusetzen, laut Argumentation der Regierung würden die Geräte angeblich ein Sicherheitsrisiko darstellen und die nationale Sicherheit der USA gefährden.

 


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