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Morgenmagazin vom Montag, 3. Dezember 2018

03.12.2018 | 07:09 Uhr |

Apple Music auf Amazons Echoes +++ Apple angeblich an Kooperaion mit iHeartMedia interessiert +++ Warum Apple eine eigene Suche braucht +++ Firefox 65 verbessert Schutz gegen Hacker für Webseiten +++ Hackergruppe "Snake": Neue Angriffe auf Politiker, Bundeswehr und Botschaften +++ USA: Deutschland soll auf Huawei bei 5G-Ausbau verzichten

3. Dezember: Die Zeitung von heute und morgen

Wir wünschen allseits Guten Morgen! In Zeiten wie diesen benötigt es mehr denn je unabhängigen, informierten und informativen Journalismus. Das Problem dabei ist: Wie finanziert man den im digitalen Zeitalter? Nach gut 25 Jahren www sollte man das eigentlich wissen, meint man. Doch ist die disruptive Kraft des Internet so groß, dass nicht nur die Modelle aus vordigitalen Zeiten nicht mehr funktionieren, sondern auch die digitalen Lösungen des letzten Jahres nicht.

Mit Werbung finanzieren und die Inhalte verschenken? Das funktioniert nur so lange, wie die Werbung akzeptiert wird. Leider können das Werbetreibende heute ganz genau messen, schon früher haben die Leute Anzeigenseiten überblättert, sich in der Tv-Werbepause ins Bad oder in die Küche gegeben und in den ersten paar Minuten der Kinovorstellung mehr geratscht und gemampft, als auf den Bildschirm zu schauen. Also setzt man gegen die Adblocker der Leser Blockingblocker ein. Oder noch aggressivere Werbeformen. Eine Spirale des Grauens.

Klar, bezahlte Inhalte wie dieser, das ist auch eine Lösung. Geht halt zu Lasten der Reichweite. Während die Propagandaschleudern dieser Welt vor allem das Interesse haben, möglichst viele Leute ihre Botschaften auf die Timelines und in die Briefkästen zu schicken, braucht seriöser, dem Wissen und Gewissen verpflichteter Journalismus zwar auch Reichweite. Aber eben eine solche, die sich auszahlt. Fatal.

Bleibt das Mäzenatentum als Alternative? Das Wort Mäzen kommt wie so vieles in unserer Kultur aus dem Lateinischen, von Gaius Cilnius Maecenas, der zu Zeiten Kaiser Augustus Dichter wie Horaz, Vergil oder Properz finanziell unterstützte, die ohne diese Zuwendungen vielleicht längst vergessen und nie in die Geschichte eingegangen wären. Eine Art modernes Mäzenatentum hält die altehrwürdige Washington Post am Leben, seit dem Amazon-Gründer Jeff Bezos sie vor einigen Jahren übernommen hat. Nur dass die derzeitige US-Regierung annähernd täglich Skandale der Watergate-Klasse produziert, das aber ihren Fans anscheinend egal ist. Wenn Zeitungen und Sender wie die Post oder CNN als „Volksfeinde“ diffamiert werden und auch anderswo die Verleumdungen hoffähig geworden sind, hat es die Wahrheit schwer.

Die Zukunft der Finanzierung des freien Journalismus wird ein Mix sein: Werbeeinnahmen, bezahlte Inhalte, Sponsoring von interessierten Bürgern. Aber es ist ein Irrtum, dass einzelne Formate eine derart komplexe Branche retten und durch das 21ste Jahrhundert tragen können.

Vom 2. Februar 2010 bis zum 3. Dezember 2012 lief ein derartiges Experiment, mit der exklusiv für das iPad produzierten Zeitung „The Daily“. Dahinter steckte aber mit Rupert Murdoch vor allem ein Unternehmer, der an Profiten interessiert war - mit welchen Methoden sein Medienimperium in Großbritannien den ganzen Berufsstand des Journalisten diskreditierte, beweist eher geringes Interesse an einer freien und informierten Gesellschaft. Und der Partner Apple hat gewiss auch wenig dagegen, wenn am Ende des Tages weit mehr in der Kasse liegt, als am Morgen noch drin war.

„The Daily“ ist aber nach etwas mehr als zweieinhalb Jahren auch an technischen Problemen und internen Widersprüchen gescheitert. Für die Inhalte sollte man bezahlen, ja, man sollte zwecks Steigerung der Reichweite diese aber auch teilen können. Das hat nur eben nie so richtig funktioniert, weshalb die gesamte Zeitung an sich immer komplett gratis erreichbar war. Inhaltlich war „The Daily“ alles andere als eine Schundpostille à la „News of the World“, aber eben auch weit davon entfernt, eine Washington Post oder eine New York Times zu sein. So richtig schade ist es diesbezüglich nicht um das Blatt.

Die Suche nach Lösungen geht weiter. Apple beteiligt sich auch selbst daran, mit der nach wie vor nur im englischen Sprachraum erhältlichen News-App, in der Journalisten, Redakteure und Content Manager aus Fleisch und Blut die Artikel-Auswahl und -Gewichtung treffen und nicht nur Algorithmen, die nur die Reichweitenoptimierung zum Zweck haben. Kein Wunder, dass vor allem emotionale Themen die Leute locken und halten. „Angst, Hass, T*tten und den Wetterbericht“, erkannten die Ärzte schon lange, bevor es Facebook gab als Amalgam der Nutzerbindung. Wir bleiben doch besser bei Apple, Mac, iPhone und iPad und verzichten sogar auf den Wetterbericht. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Klangerlebnis : Apple kooperiert bereits seit kurzem mit Amazon, was den Verkauf aktueller Produkte über den Versandhändler betrifft, nun gehen die Unternehmen einen Schritt weiter, wie USA Today berichtet. Ab dem 17. Dezember werden demnach Amazons Echo-Lautsprecher in der Lage sein, Apple Music zu nutzen. Erstmals wird Apple also seinen Streamingdienst direkt über einen Smartspeaker eines anderen Herstellers anbieten. Damit vergrößert Apple nicht nur die Reichweite, sondern ermöglicht es auch Bestandskunden, den Service auf einem Smartspekaer zu nutzen, der nicht der Homepod ist, ohne Workarounds mit Airplay zu bauen, Der Preis von Apple Music via Echo bleibt der Gleiche. In der Alexa-App lässt sich auf allen Echo-Geräten, inklusive des Dot und des Show, Apple Music mit all seinen Funktionen als der Streamingdienst der Wahl konfigurieren. Ein Klangerlebnis wie auf dem Homepod ist mit den Echoes, speziell dem Echo Dot, gewiss aber nicht zu erwarten.

Verbreiterung: Doch nicht nur mit einem Partner aus der digitalen Welt will Apple die Reichweite seines Streamingdiensts erhöhen, sondern anscheinend auch mit einer analogen Kooperation, wie die Financial Times berichtet. Demnach stehe Apple in Verhandlungen mit iHeartMedia, einem Medienunternehmen, das viele Radiostationen in den USA unterhält und derzeit unter einer enormen Schuldenlast zu leiden hat. Dabei müsse es sich nicht einmal um eine klassische Übernahme handeln, iHesrtMedia könnte gegen Bezahlung aber auf seinen Kanülen Apple Music bewerben oder den Digitalradiosender Beats One auch analog ausstrahlen, lauten die Optionen. In jedem Fall arbeite Apple "aggressiv" daran, sein Angebot an mehr Hörer zu bringen. Das sei auch bitter nötig, zitiert die FT einen Manager der großen drei Plattenlabels. Apple Music sei bei seinem Start vor etwas mehr als drei Jahren ein "fürchterliches" Produkt gewesen, das bei weitem nicht so wie iTunes eingeschlagen habe. Seitdem Jimmy Iovine in den Ruhestand getreten sei, komme Apple weit öfter mit neuen Ideen auf die Industrie zu.

Vorschlag : Apple steckt in einem kleinen Dilemma. Google als Default-Suchmaschine für Safari unter iOS und macOS einzustellen, mag hinsichtlich der Qualität der Ergebnisse die richtige Entscheidung sein, nur legt Google deutlich weniger Wert auf die Privatsphäre den User - im Gegnteil, das Sammeln von Daten und eine möglichst hohe Personalisierung der Profile ist Geschäftsmodell. Dem entgegen steht Apples Ansatz mit Differential Privacy: Anonymisierung und Randomisierung der Nutzerdaten. Auf Google zu verzichten und stattdessen Bing oder Yahoo Search einzubauen, bringt hinsichtlich Datenschutz wenig, Apple muss auf die Wirksamkeit der Trackingprevention in Safari vertrauen. Wie unser Macworld-Kollege Jason Cross aber meint, gebe es einen radikalen Ausweg: Eine eigene Apple-Suchmaschine. Diese müsste Cupertino nicht einmal von Grund auf neu erfinden, man könnte auch das etablierte DuckDuckGo übernehmen und zu Apple Search ausbauen. Die alternative Suchmaschine, die eben nicht Profile der Anwender anlegt und sie mit der Hilfe Cookies kreuz und quer durch das Web verfolgt, bringt schon heute im Normalfall gute Ergebnisse und steht Google nur bei komplexen Anfragen oder nach Suche nach komplizierten technischen Fragen nach. Apple müsste an der Skalierung und den Fähigkeiten von DuckDuckGo, das Web zu crawlen arbeiten. Dies käme mit der Übernahme teuer, auch weil Zahlungen von Google in Milliardenhöhe wegfielen. Apple würde aber letztlich enorm davon profitieren. Auch DuckDuckGo macht mit Werbeanzeigen Geld, diese sind aber nicht personalisiert und beziehen sich nur den Suchbegriff. Als Apples Standardsuche wäre das ein nennenswertes Volumen. Mit dem erweiterten Wissen über die Suchen der anonymen Internetnutzer würde Apple zudem einen reichhaltigen Datenschatz für die Verbesserung von Siri heben.

Prognose: Die Airpods sind nach Ansicht des Analysten Ming-Chi Kuo Apples erfolgreichstes Zubehör der Geschichte. Die Ohrhörer werden ihr Wachstum stark vorantrieben,  im Jahr 2017 habe Apple 16 Millionen Paar verkauft, 2021 werden es 100 Millionen sein. iPhone-Nutzer griffen auch eher zu Airpods, als dass sie ihr Telefon aktualisieren würden. Im ersten Quartal werde Apple auch endlich die seit über einem Jahr versprochene drahtlose Ladeschale bringen, Anfang 2020 werde es dann ein völlig neues Design für die Airpods geben, darüber weiß Kuo aber wohl keine Details. Zur drahtlosen Ladeschale käme jedoch ein kleineres Upgrade für die Ohrstöpsel, das die Bluetooth-Integration beträfe. Über die Ladematte Airpower, die Apple ebenso im September 2017 angekündigt hatte, verliert Kuo kein Wort.

Weitere Nachrichten:

Firefox 65 verbessert Schutz gegen Hacker für Webseiten

Mozilla wird vermutlich in Firefox 65, der voraussichtlich am 29. Januar 2019 erscheinen wird, eine Sicherheitslücke schließen, die eigentlich keine ist. Trotzdem erhöht diese Änderung die Sicherheit der Firefox-Nutzer erheblich. Die Erklärung von Mozilla-Repräsentant Sören Hentzschel.

Wenn Sie auf einen Link auf einer Webseite klicken und sich die Webseite hinter diesem Link in einem neuen Browser-Tab öffnet, dann hat der Webentwickler den HTML-Attribut target=“_blank“ hinter die URL im Quelltext eingefügt.

Das Problem bei diesem HTML-Befehl: Hacker können das target-Attribut _blank für Angriffe auf die verlinkende Webseite nutzen. Indem die Angreifer von der Webseite, auf die verlinkt wird, via Javascript unerlaubterweise auf die verlinkende Webseite zugreifen.

Die Webseitenprogrammierer können diese Sicherheitslücke zwar selbst schließen, indem sie zu target=“_blank“ noch rel=“noopener“ hinzufügen. Doch genau das vergessen viele Webseitenentwickler, wie Sören Hentzschel schreibt, beziehungsweise die Webentwickler sind sich der Phishinggefahr überhaupt nicht bewusst.

Deshalb löst Mozilla dieses Problem nun ursächlich – und Firefox denkt sozusagen für die Webentwickler mit. Ab Firefox 65 soll der Browser rel=“noopener“ automatisch beim Öffnen eines Links verwenden, wenn der Webentwickler target=“_blank“ in den Quellcode der Seite geschrieben hat. Laut Hentschel soll die Verwendung von rel=“noopener“ zusätzlich auch noch einen Performance-Vorteil bieten. Will der Webentwickler explizit nicht rel=“noopener“ bei target=“_blank“ verwenden, dann muss er im Quellcode ausdrücklich rel=“opener“ eintragen. Apple handhabt das laut Hentzschel bei Safari genauso.

Mozilla testet das standardmäßige Setzen von rel=“noopener“ derzeit bei den Nightly Builds von Firefox 65. Sollten dabei keine Kompatibilitätsprobleme entdeckt werden, will Mozilla rel=“noopener“ als Default-Einstellung mit Firefox 65 frei geben. Sollte es allerdings Kompatibilitätsprobleme bei bestimmten Webseiten geben, dann verschiebt Mozilla die Einführung von rel=“noopener“ noch etwas.

 

Hackergruppe "Snake": Neue Angriffe auf Politiker, Bundeswehr und Botschaften

Deutsche Sicherheitsbehörden haben neue Hackerangriffe auf Bundestagsabgeordnete, Bundeswehr und mehrere Botschaften ausmachen können, das berichtet der Spiegel.

Nach den Spiegel-Informationen seien demnach E-Mail-Postfächer mehrerer Bundestagsabgeordneter angegriffen worden, nicht etwa über das Netzwerk der Bundesregierung, sondern über Postfächer der Parteien. Weiterhin sollen Bundeswehr sowie weitere Botschaften von den Angriffen betroffen sein.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) bestätigte den Angriff: „Das BfV hat im Rahmen der Bearbeitung der Cyberangriffskampagne ‚Snake‘ aktuell erneut Angriffe detektieren können. Die Opfer sind schwerpunktmäßig den Bereichen Staat und Politik zuzuordnen.“ Der letzte Angriff wurde dabei am 14. November erkannt.

Die Gruppe „Snake“ alias „Turla“, die in anderen Ländern auch als „Uroburos“ bekannt ist, wird seit geraumer Zeit mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung gebracht. Bekannt wurde die Gruppe in Deutschland durch einen Angriff auf das Regierungsnetz aus dem Frühjahr 2018. Dabei nutzten die Hacker eine Sicherheitslücke in Bildungseinrichtungen und stahlen dadurch Material aus dem Auswärtigen Amt (AA). Diese Daten sollen allerdings wenig sensibel gewesen sein. Der Hack fiel recht früh auf und Schlimmeres konnte damals verhindert werden.

„Snake“ soll nun wieder aktiv sein. Das bestätigte nun ein hoher Sicherheitsbeamter dem Spiegel. Ob und welche Daten beim jüngsten Angriff abgeflossen sind, werde derzeit noch geprüft.

 


USA: Deutschland soll auf Huawei bei 5G-Ausbau verzichten

Die USA drängen die Bundesrepublik Deutschland beim Aufbau des 5G-Netzes auf Netzwerkkomponenten aus China und vor allem auf Teile des chinesischen Telekommunikations-Unternehmens Huawei zu verzichten. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Die USA sollen der Bundesregierung diese dringende Bitte übermittelt haben. Die USA begründen das mit der Angst vor chinesischer Spionage. Australien und Neuseeland haben ihren Verzicht auf Huawei-Geräte beim Aufbau des 5G-Netzes bereits erklärt.

Die Deutsche Telekom, die beim Aufbau des 5G-Netzes ganz vorn mit dabei sein wird, verwendet häufig Huawei-Produkte neben Geräten von Nokia, Ericsson und Cisco. Gerade wenn der 5G-Ausbau rasch erfolgen soll, würde sich die Telekom vermutlich schwer tun auf Huawei als Zulieferer zu verzichten.

Deutsche Geheimdienste und das BSI überprüfen schon länger Netzwerkgeräte aus China auf verdächtige Teile. Sie wurden bisher aber nicht fündig. Was natürlich auch daran liegen könnte, dass die Chinesen ihre Schnüffelchips gut verstecken. Die US-Sicherheitsbehörden wiederum haben den deutschen Behörden bis jetzt offensichtlich noch keine Beweise für ihre Spionage-Vorwürfe gegenüber chinesischen Firmen geliefert.

Huawei soll bereits bei der Bundesregierung dagegen protestiert haben, dass es aus dem deutschen Regierungsnetz ausgeschlossen bleibt.

Die USA bekämpfen chinesische Telekommunikations-Unternehmen seit einiger Zeit. Vor allem Huawei und ZTE haben sich den Zorn der US-Regierung zugezogen , US-Geheimdienste raten vom Kauf von Huawei- und ZTE-Geräten ab.   Seit August 2018 dürfen US-Regierungsmitarbeiter keine Geräte von Huawei oder ZTE verwenden, ebenso ist dies Firmen verboten, die mit der US-Regierung zusammenarbeiten, wie die SZ schreibt.

Bei ZTE führte der von der US-Regierung angeordneter Lieferboykott für US-Firmen sogar dazu, dass ein defektes Urinal im Firmengebäude von ZTE nicht mehr repariert werden konnte. Huawei wiederum fürchtet, dass Google sein Android-Betriebssystem vielleicht bald nicht mehr für Huawei-Smartphones zur Verfügung stellen darf. Deshalb versucht Huawei sein eigenes mobiles Betriebssystem zu entwickeln. Der Grund für das harsche Vorgehen der USA gegen Firmen aus der Volksrepublik China liegt aber vermutlich nicht nur in der Angst vor Spionage-Tätigkeit begründet. Die USA führen damit anscheinend auch einen Wirtschaftskrieg gegen die immer stärker werdende chinesische IT-Industrie.

Übrigens: Das deutsche Regierungsnetz (betrieben über Glasfaserkabel in Stahlrohren), das Ministerien und Behörden zwischen Berlin und Bonn via Mail oder Telefon verbindet, wird von der Deutschen Telekom komplett ohne Bauteile aus China betrieben, wie die SZ schreibt. Aus genau dem Grund, dass die deutschen Behörden chinesische Spionage verhindern wollen.

Bundesnetzagentur legt Regeln für 5G-Frequenzauktion fest

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