2353223

Morgenmagazin vom Montag, 4. Juni 2018

04.06.2018 | 06:54 Uhr |

WWDC: Heute Abend Keynote +++ Dark Mode in macOS 10.14 Mojave, Digital Health in iOS 12 +++ Warum Apple ein Toch-Macbook bauen sollte +++ Eine Woche DSGVO - "Und die Welt steht noch" +++ Microsoft stellt Groove Music für iOS und Android ein +++ Tesla löst Bremsproblem mit Software-Update +++

4. Juni: Los geht's!

Wir wünschen allseits Guten Morgen! macOS 10.14 heißt also Mojave. Interessant – Apple verlässt gewissermaßen die Berge und geht in die Wüste, zumindest, was das Mac-Betriebssystem betrifft. Eine Eiswüste sind die höchsten berge der Sierra Nevada ja auch, Apple bleibt sich in diesem Punkt treu. Die Erde in Form eines angebissenen Apfels ward also wüst und leer – das gilt aber für das Ökosystem aus den Betriebssystemen macOS, iOS, tvOS, watchOS und audioOS keineswegs, denn es grünt und blüht an jeder Ecke, in jeder Nische. Ab und an aber entstehen neue Pflänzchen und ganze Arten. Wir werden heute Abend also die Evolution bei der Arbeit beobachten können, wenn Apples CEO Tim Cook  die Entwicklerkonferenz WWDC eröffnet. Wir werden davon berichten.

Warum sich das Morgenmagazin in den letzten beiden Wochen rar gemacht hat? Nun – wir hatten es in der Ausgabe vom 18. Mai ja schon angedeutet. Wir mussten recherchieren, ob man sich an Sonnenuntergängen ( und auch -aufgängen, ähem ) satt sehen kann. Kann man nicht. Aber wenn die Pflicht ruft, muss der Urlaub zu Ende gehen. Denn wir werden heute Abend berichten.

Keine Sorge, in den vergangenen beiden Wochen haben wir derart viel Sonne getankt, an steten Sonnentagen mit so manch tropischer Nacht, dass wir voller Energie heute Abend in unserem Kellerbüro sogar die Kühle genießen. Heiß genug wird es mit Mojave und Konsorten schon noch, wir werden berichten! Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Leak: Natürlich sind wir auch auf Details der neuen Systeme neugierig, aber irgendwie ist es auch schade, wenn vorab über Leaks schon bekannt wird, wie etwa macOS 10.14 heißt und was es an Neuerungen bringt. Das Leak zu macOS Mojave verrät auch einige neue Funktionen und wie sie aussehen. Zusammengefasst hat das etwa HotHardware und zeigt Bilder des nun systemweiten Dark Mode des neuen Mac-Betriebssystems. Neu ist auch die Anwendung Apple News, die man schon von iOS kennt - zumindest, wenn man das iPhone im englischen Sprachraum einsetzt. Vom mobilen Betriebssystem übernommen wird wohl auch die Neugestaltung des Mac App Store, der nun auch Video-Vorschauen von Apps ermöglicht. Dafür allein hätte es aber keinen neuen Namen für macOS benötigt, das hätte Apple auch alles in ein Punkt-Update packen können. Es bleibt heute Abend also durchaus noch Raum für Tiefer gehende Neuigkeiten - vor allem dürfte Apple ja am Untergrund des Systems gearbeitet haben.

Eingeschränkt: Apple hat die Suchtgefahr erkannt, die von iPhones und anderen elektronischen Geräten ausgeht. So hat Tim Cook selbst erklärt, seinen minderjährigen Neffen den Zugang zu iOS-Geräten einschränken zu wollen. Für die Allgemeinheit wird Apple heute aller Voraussicht nach unter dem Titel "Digital Health" einige Tools vorstellen, die dabei helfen sollen, iPhone und iPad öfter auch weglegen zu können. Google hatte bereits vor einem Monat auf seiner eigenen Entwicklerkonferenz eine Suite für digitale Wellness veröffentlicht, der Ansatz ist also nicht völlig neu. Vor allem unabhängige Entwickler fordern schon länger Apple dazu auf, in iOS eine Schnittstelle zu schaffen, an der entsprechende Tools ansetzen können, berichtet Wired. Zudem sei es erforderlich, dass Apple den Home-Screen konfigurierbar mache und sich "Bitte nicht stören" automatisch zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen einschaltet. Ebenso sollten die Werkzeuge für digitale Gesundheit Time-Tracker enthalten und die Nutzung von einzelnen Apps zeitlich limitieren lassen.

Eingeschoben: Die Notch, jener Balken an der Vorderseite des iPhone X, der im wesentlichen die True-Depth-Kamera für die Gesichtserkennung enthält, hatte von Anfang an ihre Kritiker, die sie einfach nur für hässlich hielten und die Marketingaussage Apples, das iPhone X sei "nur Bildschirm" für unwahr. Mittlerweile hat sich das Hässliche aber als der Normalzustand erwiesen, stellt ZDNet-Autor Chris Matyszczyk fest. Jüngste Gerüchte deuten darauf hin, dass auch Google in das Pixel 3XL eine derartige Lösung einbauen werde, wie sie auch schon im LG G7 ThinQ und dem OnePlus 6 zu sehen ist. Apple habe erneut Kunden und Konkurrenz mit einem "Reality Distortion Field" überrumpelt, wenn Apple eine Notch verbaut, dann ist diese nicht hässlich, sondern müsse wohl so sein, gaukle die verzerrte Wahrnehmung vor.

Zwangsläufig: Schon länger machen Gerüchte die Runde, Apple würde ein Macbook mit einem selbst entwickelten ARM-Chip bauen, spätestens im Jahre 2020 könnte dieses auf den Markt kommen und mit einer Art Hybrid-System aus iOS und macOS für den Touchscreen laufen. Apple hat zwar derartige Spekulationen immer dementiert, vor allem, was die behauptete Verschmelzung von iOS und macOS betrifft. Doch könnte in Sachen Hardware durchaus eine Option bestehen, die Chips, die Apple für iPhone und iPad baut, sind nach Aussage des Herstellers mit denen von Desktopsystemen mindestens gleichwertig. Der Blog Boy Genius Report (BGR) ist nun der Meinung, dass Apple nichts anderes übrig bleibe, als ein Toch-Macbook zu entwickeln, die Konkurrenz sei mit Chips von Qualcomm und Samsung bereits vorgeprescht. Wann dieses Gerät komme, sei aber völlig offen, Apple werde es erst dann herausbringen, wenn es marktreif sei. Es sei aber zu schade, den Markt Windows-10-Maschinen zu überlassen. Erinnern wir uns an den kurzen Boom der Netbooks vor mehr als zehn Jahren: Apple hatte damals auch lange glaubwürdig versichert, ein solches Gerät für unter 500 US-Dollar nicht entwickeln zu wollen und zu können. Das Macbook Air zeigte schließlich, dass es gar keine Netbooks mehr benötigte, wenn man ein vollwertiges Laptop in dieser Form bauen kann. Der hypothetische Touch-Mac könnte den Markt in ähnlicher Weise umdefinieren.

Eine Woche DSGVO - "Und die Welt steht noch"

Verheerende Folge wurden prophezeit, bis zuletzt hielten die Unkenrufe und Warnungen. Nun ist die Datenschutz-Grundverordnung seit knapp einer Woche europaweit gültig. Was ist passiert? "Die Welt steht noch", sagt Rechtsanwalt Christian Solmecke. "Die schlimmen Befürchtungen vieler Unternehmen haben sich bislang nicht bestätigt." Dennoch war das neue Regelwerk in vielen Bereichen folgenreich - und führte zu teils kuriosen Konsequenzen.

Eine ganze Reihe von Websites und Blogs waren zum Stichtag vor allem aus Rechtsunsicherheit vom Netz genommen worden. Auch einige US-amerikanische Zeitungen hatten zunächst ihr Online-Angebot für europäische Leser gesperrt. Die Mail-Fächer unzähliger Nutzer liefen über durch massenhafte Bestätigungs-Aufforderungen. Die Polizei in Niedersachsen warnte zudem davor, dass sich darunter auch einige Phishing-Mails befinden könnten, die das Chaos ausnutzen wollen. Und die Erzdiözese Freiburg stellte aus Furcht vor Datenschutzverstößen laut Medienberichten ihr Livestream-Angebot gleich komplett ein.

Die befürchtete Abmahnwelle sei allerdings nicht eingetreten, sagte IT-Rechtsexperte Solmecke der dpa. Das könne auch daran liegen, dass es noch immer große Rechtsunsicherheit gebe. "Selbst Abmahner wissen im Moment nicht, was hinter vielen Regelungen der DSGVO steckt." Auch die Behörden seien derzeit selbst mit der neuen Verordnung überfordert. Es könne zwar im Wettbewerbsrecht künftig das ein oder andere Abmahnschreiben geben. "Abmahnwellen, wie sie in der Vergangenheit häufig schwarzmalerisch bezeichnet worden sind, sehe ich allerdings nicht anrollen."

Nach Vorgabe der DSGVO dürfen nur Betroffene, Aufsichtsbehörden und Verbände gegen Datenschutzverstöße vorgehen. Aber dennoch: Am vergangenen Freitag dauerte es nur Stunden, bis es erste Abmahnungen gab. Wie die Anwaltskanzlei Weiß & Partner berichtet , ging in einem Fall ein Anwalt aus Bayern im Auftrag eines Geschäftsmannes gegen einen Konkurrenten vor. Dieser habe keine Datenschutzhinweise auf seiner Internetseite und verschaffe sich damit unlauteren Vorteil. Die Kanzlei Hechler zählte gleich drei Fälle.

Ob das Wettbewerbsrecht auf Grundlage der DSGVO solche Abmahnungen überhaupt legitimiert, darüber sind sich bislang auch Juristen nicht einig. "Wir sind offen gestanden verblüfft, dass es tatsächlich Anwälte und Abmahner gibt, die sich nicht entblöden, prompt am Tage der Geltung der DSGVO eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung auf den Weg zu bringen und sind gespannt, was kommt", schreibt Alexander Bräuer, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz, in einem Beitrag.

Die Debatten der letzten Wochen hätten aber auf jeden Fall deutlich gezeigt, dass der Datenschutz nicht mehr stiefmütterlich behandelt werde, sagte Datenschutz-Experten Florian Glatzner vom Bundesverband Verbraucherzentrale vzbv. "Das ist ein Erfolg." Verbraucher hätten "keinen Grund, verunsichert zu sein. Im Gegenteil: Ihre Rechte wurden gestärkt."

Ohnehin dürften die Aufsichtsbehörden ihr besonderes Augenmerk vor allem auf die großen Internet-Konzerne richten. Datenschützer erhoffen sich mit der Möglichkeit, hohe Bußgelder zu verhängen, endlich ein wirksames Instrument. Erste Beschwerden gegen Facebook Google, Apple, Amazon, LinkedIn, Instagram und WhatsApp seien bereits bei den Aufsichtsbehörden eingereicht worden, sagte Verbraucherschützer Glatzner. "Ohne dem Ergebnis der Verfahren vorgreifen zu wollen, belegt das, dass die DSGVO Wirkung zeigt."

Auch der österreichische Internet-Aktivist und Jurist Max Schrems nutzte den offiziellen Start der DSGVO über seinen Verein Noyb für seine Beschwerden gegen Google und Facebook sowie dessen Dienste Instagram und WhatsApp. Schrems will damit unter anderem gegen deren "Zwangszustimmungen" vorgehen, die bislang erfolgen müssen, um die Dienste zu nutzen.

Dennoch bleibt Verunsicherung bei vielen Menschen, Verbänden und Unternehmen. Das könne "möglicherweise in einer ungenügenden Kommunikation begründet" sein, sagt Glatzner. Für alle, die bereits datenschutzkonform gearbeitet haben, wäre bei einer Übergangszeit von zwei Jahren genügend Zeit gewesen. "Hier wären die Bundesregierung, Verbände und Kammern gefragt gewesen, frühzeitig über die Verordnung zu informieren."

"Helfen statt bestrafen sollte die Leitlinie für Behörden sein", sagt Achim Berg, Präsident des Bitkom, und spricht sich für längere Schonfristen aus. Die meisten Unternehmen hätten mit der Verordnung zu kämpfen.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) warnt derweil vor einer "Entdigitalisierung unserer Wirtschaft". Unternehmen würden aus Verunsicherung ihre digitalen Aktivitäten einschränken oder sogar einstellen, sagte Mario Ohoven der Deutschen Presse-Agentur. "Die Mittelständler brauchen deutlich mehr Zeit, um ihre Unternehmen komplett DSGVO-konform zu machen." (Renate Grimming, dpa/mz)

Microsoft stellt Groove Music für iOS und Android ein

Microsofts Streaming-Dienst Groove Music wurde bereits im vergangenen Jahr eingestellt . Der Redmonder Konzern versicherte jedoch, auch weiterhin in die Windows-10-App von Groove Music investieren zu wollen. Dieses Versprechen scheint jedoch nicht für die anderen Apps des Services zu gelten.

Wie Microsoft bekannt gibt , wird am 1. Dezember 2018 der Support für Groove Music für iOS und Android eingestellt. Bereits ab heute stehen die Applikationen im Google Play Store und in Apples App Store nicht mehr zum Download bereit. Mit dem Support-Ende ist es nicht mehr möglich, die in Microsofts Cloud-Speicher OneDrive abgelegten Musik-Dateien ähnlich wie bei iTunes mit Album-Cover und Musik-Navigation über Groove Music abzuspielen. Microsoft versichert jedoch, dass MP3s auch weiterhin über den Cloud-Speicher aufgerufen werden können.

Microsoft hatte Groove Music – ehemals Xbox Music – im Herbst 2017 aufgegeben. Seit 31. Dezember 2017 unterstützt Groove Music weder das Streamen noch den Download von Musik. Im Rahmen einer Partnerschaft mit Spotify ermöglichte Microsoft seinen Kunden den Wechsel zum Konkurrenz-Dienst. Die Groove-Music-App für Windows 10 existiert auch weiterhin. Sie dient mittlerweile jedoch nur noch als Media-Player für lokal gespeicherte Dateien.

Tesla löst Bremsproblem mit Software-Update

Bei einem Test des Tesla Model 3 hatte die US-Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports Mitte Mai aufgrund von „inkonsistentem Bremsverhalten“ keine Kaufempfehlung für das E-Auto ausgesprochen. Bei einem ersten Anlauf war der Bremsweg kürzer als von Tesla angegeben, bei allen folgenden Tests jedoch deutlich länger.

Tesla reagierte umgehend auf die angesprochenen Mängel und konnte eigenen Aussagen zufolge einen Algorithmus für das Antiblockiersystem als Fehlerquelle ausmachen. Tesla kündigte ein Software-Update an, das den Fehler beseitigen sollte. Die Firmware wurde in den vergangenen Tagen ausgeliefert und das Model 3 nach dem Update von Consumer Reports erneut getestet.

Die Tester von Consumer Reports zeigten sich von der Wirkung des Over-the-Air-Updates begeistert. Der Bremsweg im Zuge einer Vollbremsung hatte sich bei einer Geschwindigkeit von umgerechnet 96,5 km/h um rund sechs Meter verkürzt. Dieses Ergebnis konnte das Model 3 auch über mehrere Tests hinweg halten. Damit bekommt das E-Auto von Consumer Reports nun doch noch eine Kaufempfehlung . Die Kritik von Consumer Reports an den zu lauten Windgeräuschen und den unbequemen Rücksitzen bleibt jedoch auch weiterhin bestehen. Tesla-Chef Elon Musk bestätigte gegenüber der Verbraucherschutzorganisation, dass bereits Produktionsschritte umgestellt worden seien, um auch diese Kritikpunkte auszumerzen.

2353223