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Morgenmagazin vom Montag, 6. August 2018

06.08.2018 | 07:03 Uhr |

Virus: TSMC muss Fabriken schließen +++ Apple verliert Patentprozess gegen WiLan +++ iPad-Display könnte runde Ecken bekommen +++ Vodafone: 500-Mbit/s-Internet für mehr Haushalte +++ Amazon Prime: Mehr Live-Audio-Streaming für Fußball-Fans +++ Vor Ort aufladen: Amazon erlaubt Zahlung mit Bargeld

6. August: Großer Bruder

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Wie lange Apple wohl Trillion-Dollar-Company bleiben wird? Kurzfristig kann der Kurs der Apple-Aktie durchaus wieder unter 204 US-Dollar sinken, zumindest mittelfristig sieht es aber für Apple ganz gut aus. Neue iPhones im Herbst werden die Phantasie noch eher beflügeln und wenn gegen Ende Oktober Apple weitere Rekordzahlen nennt und einen eindrucksvollen Ausblick auf das Dezemberquartal gibt, dann sind selbst 222 US-Dollar nicht das Ende der Fahnenstange. Irgendwann aber wird es vorbei sein, what goes up, must come down. Bis das Rad wieder in die andere Richtung dreht, kann es aber noch lange dauern. Vielleicht die 21 Jahre, die nun seit dem entscheidenden Moment vergangen sind, der Apple eine Schonfrist gab, in der sich der Konzern neu erfinden konnte.

Über den Sommer des Missvergnügens 1997 hatten wir schon öfter an dieser Stelle geschrieben, Milliarden-Verluste, trickreiches Ausbooten der Clone-Hersteller, Wechsel an der Unternehmensspitze.  Am 6. August 1997 war die Lage so ernst geworden, dass Apple nach einem Strohhalm greifen musste, den Viele als den letzten ansahen. Steve Jobs, gerade erst als Berater zu Apple zurückgekehrt und kurz davor, als "iCEO" die Nachfolge des im Juli geschassten Gil Amelio anzutreten, verkündete auf der Macworld Expo in Boston eine Nachricht, die das Publikum vor  allem vor den Kopf stieß: Microsoft würde 150 Millionen US-Dollar an nicht stimmberechtigten Aktien kaufen und damit Apple damit dringend benötigtes Kapital.

Zudem verpflichte sich Microsoft, den Internet Explorer und die Office-Suite auch weiter für den Mac zu entwickeln - anderenfalls wäre Apples Rechner chancenlos in einer Nische versauert. Im Gegenzug werde Apple alle noch ausstehenden Patentklagen gegen Microsoft fallen lassen – der "Krieg", der noch zu Zeiten von Jobs' erstem Regnum bei Apple begonnen hatte, war vorbei.

Wie Jobs später seinem Biographen Walter Isaacson eingestand, beging er aber an jenem 6. August 1997 dann doch einen Fehler: Bill Gates war nicht persönlich an die Ostküste gekommen, sondern per Satellit aus Redmond zugeschaltet - auf einer riesigen Videoleinwand, welche das Bühnengeschehen dominierte . Er habe sich und Apple damit unnötig klein gemacht, bewerte Jobs die Szene später. Für Apple war die Einigung mit dem großen Konkurrenten aber überlebenswichtig. Zum einen floss frisches Geld in die Firma, die gerade am iMac und Mac-OS X bastelte, zum anderen waren wichtige Kräfte nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf mit Microsoft gebunden.

Natürlich hat Microsoft auch in den Jahren danach sich gerne bei Apple inspirieren lassen, zumindest führte Steve Jobs die Öffentlichkeit bei diversen Gelegenheiten in diesen Glauben. "Redmond, start your copiers" frotzelte man etwa auf der WWDC 2004, als Apple erstmals OS X 10.4 Tiger zeigte, während sich Microsoft noch mit seinem Projekt Longhorn abmühte, aus dem später Windows Vista wurde. Ein "thermonuklearer Krieg" ist heute zwischen den beiden Unternehmen und ihren sachlichen Chefs Cook und Nadella aber vollkommen ausgeschlossen. Zudem wir diesen Terminus nicht nur am heutigen 6. August doof finden, 73 Jahre nach dem Bombenwurf auf Hiroshima. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Runde Sache : 9to5Mac will in der fünften Public Beta von iOS 12 Hinweise darauf gefunden haben, dass die neuen iPad-Modelle, die im Herbst erwartet werden, abgerundete Ecken im Display haben.  Damit würden sie im Design dem des iPhone X entsprechen. Die iPad Pro sollen schmalere Rahmen bekommen und auch ohne Homebutton auskommen.

Verzögerung: Der taiwanische Auftragsfertiger TSMC musste sieben seiner Fabriken für geraume Zeit wegen eines Computervirus schließen, meldet das Unternehmen. Um welche Schadsoftware es sich handelt und wie diese die Fertigungsanlagen verseuchen konnte, verrät TSMC nicht, man sei aber keineswegs Opfer eines Hackers geworden. Mittlweile haben man das Problem in einige Niederlassungen lösen können, andere sind aber nach wie vor außer Betrieb. TSMC ist der exklusive Hersteller von Chips für das iPhone, ein zeitweiser Produktionsstopp könnte durchaus Auswirkungen auf Apple haben.

Urteil: Ein Gericht hat letzten Mittwoch entschieden, dass Apple 145,1 Millionen US-Dollar an die kanadische Firma WiLan wegen der Verletzung zweier Patente zahlen muss. Diese drehen sich um Funktechnologien, die Apple im iPhone verwendet. WiLan hatte in den Neunziger Jahren als Hersteller von Breitband-Technologien begonnen, hat sich nach finanziellen Schwierigkeiten aber darauf verlegt, seine Patente zu Geld zu machen und nicht mehr selbst Produkte herzustellen. Im Jahr 2013 war WiLan bereits mit einer Patentklage gegen Apple gescheitert, es ging damals um HSPA- und CDMA-Technologien. Gegen das aktuelle Urteil dürfte Apple bald Berufung einlegen.

Galerie des Grauens: Auch wir berichten ja immer mal wieder über Apples Flops oder nur gut gemeinte Geräte, die am Markt aber schlecht ankamen. Anlässlich des Billionen-Meilensteins lässt es sich die Süddeutsche.de natürlich nicht nehmen, die zehn  größten Flops der Firmengeschichte in eine Galerie zu packen. Sachlich richtig: Lisa, QuickTake, Pippin, Newton. Umstritten: Puck-Maus, Antennagate. Oder schön schaurig anzusehen: Apple-Kleidung. Viel Vergnügen!

Weitere Nachrichten:

Vodafone: 500-Mbit/s-Internet für mehr Haushalte

Für über 60.000 neue Haushalte bietet Vodafone ab sofort über sein Kabel-Glasfasernetz Internet-Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von 500 Mbit pro Sekunde an. Insgesamt sind die Halbe-Gigabit-Anschlüsse damit für mehr als 5,2 Millionen Haushalte bzw. 10,5 Millionen Bundesbürger verfügbar, wie Vodafone am Freitag mitteilt.

Neu hinzu kommen tausende Haushalte in Großstädten wie München, Hamburg, Lübeck und Würzburg. "Aber auch mehrere tausend Vodafone-Kunden in eher ländlichen Gebieten wie Eisenfeld, Gauting, Reinfeld und Westoverledigen können erstmals mit bis zu 500 Mbit/s im Internet surfen", erklärt Vodafone.

Über das Kabel-Glasfasernetz kann Vodafone aktuell etwa 12,7 Millionen Haushalte mit Anschlüssen mit einer Geschwindigkeit von 200 Mbit/s versorgen. Bei 8,4 Millionen dieser Haushalte sind Geschwindigkeiten von bis zu 400 Mbit/s möglich und bei 5,2 Millionen bis zu 500 Mbit/s.

Drei Viertel aller Kabel-Glasfasernetz-Kunden, so Vodafone, entscheiden sich bereits für einen Tarif mit mindestens 250 Megabit pro Sekunde. Bis Ende 2020 will Vodafone alle an das Kabel-Glasfasernetz angeschlossene Haushalte mit Anschlüssen mit einem Gigabit pro Sekunde versorgen .

Bei der Telekom sind bereits seit Anfang August in vielen Orten die neuen VDSL-Supervectoring-Anschlüsse mit einer Geschwindigkeit von 250 Mbit/s verfügbar. Ab dem 7. August bietet Vodafone bei sechs Millionen Haushalten ebenfalls diese Anschlüsse an. Das Angebot, so heißt es, richte sich an Haushalte, die außerhalb des Kabel-Ausbaugebiets von Vodafone wohnen und dennoch schnelleres Internet wünschen.

Amazon Prime: Mehr Live-Audio-Streaming für Fußball-Fans

Wer Amazon-Prime-Kunde oder Amazon-Music-Unlimited-Nutzer ist, kann in der Fußball-Saison 2018/2019 Live-Audiostreaming von allen Spielen der ersten und zweiten Fußball-Bundesligain voller Länge empfangen. Zusammen mit den Relegationsspielen und dem DFL Supercup ergibt das 617 Pflichtspiele, die live gestreamt werden. Außerdem streamt Amazon live die Spiele der vier deutschen Mannschaften (Bayern München, Schalke 04, Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim) in der Champions League in voller Länge. Die 63 Spiele des DFB-Pokals gibt es ebenfalls als Audiostream auf Amazon Prime und Amazon Music Unlimited: Einzeln angesetzte DFB-Pokal-Begegnungen werden in voller Länge präsentiert, Parallel-Spiele werden in der Konferenz angeboten.

Alle Inhalte sind für Mitglieder von Amazon Prime und Amazon Music Unlimited auf Alexa-fähigen Endgeräten sowie über die Amazon Music App auf Fire-Geräten, iOS, Android, Desktop und Sonos-Speakern ohne Aufpreis verfügbar.

Am redaktionellen Konzept ändert sich gegenüber der Saison 2017/2018 nichts: Einzelspiele werden durch jeweils 15 Minuten Vor- und Nachberichten sowie eine Halbzeitanalyse flankiert. Match-Highlights sind 15 Minuten nach dem Abpfiff On-Demand verfügbar. Beim „Amazon Topspiel“ kommen renommierte Experten wie Mirko Slomka, ehemaliger Trainer bei Hannover 96, HSV und Schalke 04, oder Andre Schubert, ehemaliger Trainer bei St. Pauli und Borussia Mönchengladbach, als Co-Kommentatoren zu Wort. Marco Röhling steht weiterhin an der Spitze des Kommentatoren-Teams.

Dazu gibt es Analysen, Interviews und Musik ab 30 Minuten vor dem Anstoß des ersten Matches bis 30 Minuten nach dem Schlusspfiff des letzten Matches an jedem Bundesliga-Spieltag. 90-minütige Spieltag-Zusammenfassung an Montagabenden auf Abruf, moderiert von Markus Herwig und Benjamin Zander, runden das Angebot ab. Alle Fußball-Inhalte sind per Sprachbefehl wie beispielsweise „Alexa, spiel die Amazon Konferenz“ oder „Alexa, spiel das Hamburg-Spiel“ verfügbar. 

In der zurückliegenden Saison 2017/2018 konnten Amazon-Prime-Mitglieder sowie Amazon Music Unlimited-Nutzer die erste und zweite Fußball-Bundesliga-Spiele live hören. Amazon übertrug alle 617 Pflichtspiele der 1. Bundesliga, 2. Bundesliga, die Relegation und den DFL-Supercup. Wer dagegen auch die Spiele des DFB-Pokals hören wollte, musste zusätzlich Amazon Music Unlimited buchen. Für 7,99 Euro pro Monat oder 79 Euro pro Jahr für Prime-Mitglieder beziehungsweise 9,99 Euro pro Monat für Nicht-Prime-Mitglieder. Sie können Amazon Music Unlimited 30 Tage lang gratis testen. Falls Sie einen Echo kaufen, kostet Amazon Music Unlimited nur 3,99 Euro pro Monat.

Die Prime-Mitgliedschaft wiederum kostet 7,99 Euro pro Monat oder 69 Euro pro Jahr. Sie können Amazon Prime 30 Tage lang kostenlos testen. Die Champions League hat Amazon dagegen in der letzten Saison überhaupt noch nicht als Audio-Inhalt übertragen.

Vor Ort aufladen: Amazon erlaubt Zahlung mit Bargeld

Der Online-Versandhändler Amazon bucht bei Bestellungen bequem vom Konto ab. Einige Nutzer wollen mit dem Unternehmen derart sensible Informationen jedoch nicht teilen. Die neue Funktion namens „Vor Ort aufladen“ soll künftig eine indirekte Bezahlung per Bargeld bei Amazon ermöglichen. Dazu müssen die Kunden zuerst ein Guthaben einzahlen. Dies ist bei den sechs Geschäften Avec, Cigo, K Kiosk, P&B Press & Books, U Store und den Service-Stores der Deutschen Bahn möglich. Der Großteil der teilnehmenden Geschäfte ist in Bahnhofsnähe zu finden. Die hier erstandenen Guthaben lassen sich bequem auf Amazon ausgeben – ganz ohne Bankverbindung oder Kreditkarte.

Vor dem Gang ins Geschäft muss jedoch auf einer eigens eingerichteten Webseite von Amazon ein Barcode erzeugt werden. Dieser muss im Geschäft gescannt werden, erst dann lässt sich der gewünschte Betrag bar einzahlen. Bei der Aufladung sind Beträge zwischen fünf und 500 Euro möglich. Der Barcode zur Aufladung lässt sich immer wieder im Geschäft nutzen. Um die neue Bezahlmöglichkeit zu bewerben, erhalten Kunden bis zum 31. Oktober bei einer Aufladung von mindestens 30 Euro einen Gutschein in Höhe von 10 Euro geschenkt. Eingelöst werden muss der Gutschein bis zum 30. November 2018.

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