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Morgenmagazin vom Montag, 7. Januar 2019

07.01.2019 | 07:04 Uhr |

Apple und sein Umsatzproblem +++ Qualcomm-Sicherheit setzt Verkaufsverbot für iPhone 7 und 8 in Kraft +++ CES: Samsung und Apple bringen iTunes-Filme auf SmartTVs +++ Faltbares Smartphone von Xiaomi geleaked +++ Dell lässt sich Notebook mit abnehmbaren Displays patentieren

7. Januar: Ein guter Start

Wir wünschen allseits Guten Morgen und ein frohes, gesundes neues Jahr! Weiße Weihnachten gibt es jetzt immerhin für orthodoxe Christen, es scheint ein Vorteil zu sein, das Fest nach dem alten julianischen Kalender zu feiern - schon in vorindustrieller Zeit war die Zeit um die Wintersonnenwende Ende Dezember (gregorianisch) im mitteleuropäischen Flachland eher warm und grün, der Januar stets der kälteste und der Februar meist der niederschlagreichste Monat. In der heutigen Zeit ist es aber gewiss nicht von Nachteil, wenn während der Reiserei von und zur Verwandtschaft rund um Weihnachten wenig Schnee die Verkehrswege blockiert. Wir hoffen, Sie sind alle zum Ende der Weihnachtsferien gut durchgekommen und stecken nicht irgendwo in einem verschneiten Alpendorf fest, während sie diese Zeilen lesen, ungeduldig auf den Räumdienst wartend.

Das Jahr hat aber auch für Apple schon mal gut angefangen, es ist nicht direkt eine Gewinnwarnung die das Unternehmen in der letzten Woche aussprach, schürt aber die Befürchtungen weiter, dass die besten Zeiten des iPhone-Herstellers erst einmal vorbei sind. Noch drückt der Kummer um ökonomische Schwächen und Verkaufsrückgänge besonders in China wohl nicht auf den Gewinn Apples, den Cupertino Anfang Februar genauer ausweisen wird, wohl aber auf den Umsatz. Wir sind gespannt, wie Apple reagiert, kurzfristig vielleicht sogar mit Preissenkungen oder neu aufgelegten kostengünstigen Modellen, mittelfristig mit einem Ausbau des Servicegeschäftes und langfristig vielleicht mit einem neuen disruptiven Produkt oder zumindest einer Neuerfindung des Konzerns Apple, wie er schon einige hinter sich hat? Das Jahr 2019 verspricht spannend zu werden, wir hoffen aber, dass es nicht zu dramatisch wird. Denn Apples Husten könnte durchaus nur ein Symptom dafür sein, dass die globale Ökonomie an einem schweren Infekt leidet, für den Handelskonflikte und Isolationismus gewiss die falsche Medizin wären. Legen wir aber frohen Mutes los: Auf ein gutes Neues! Peter Müller

Lesetipps für den Montag:

Nicht nur China: Apple nennt ab Februar keine Verkaufszahlen seiner Sparten mehr, nur noch die damit generierten Umsätze. Dennoch kann man sich ausrechnen, dass ein Rückgang von fünf bis neun Milliarden US-Dollar an (erwartetem) Umsatz ein Minus von sechs bis elf Millionen iPhones bedeutet, das ist nicht ohne und wie Dan Moren meint, auch damit begründbar, dass die Modelle von 2018 gegenüber denen von 2017 kaum Fortschritte brachten und somit wenig Gründe für ein Upgrade. China allein kann nicht für den geringeren Umsatz verantwortlich sein, auch anderswo dürfte die Verkäufe unter den Erwartungen geblieben sein. Für Apple ist es zudem problematisch, mehr als 60 Prozent seiner Einnahmen mit dem iPhone zu generieren, der Konzern wird so leicht zum Opfer seinen eigenen Erfolges. Wobei man die Zahl von 84 Milliarden US-Dollar Einnahmen im ersten Quartal immer auch in Relation setzen soll: Dieses untere Ende der Erwartungen entspräche immer noch dem zweitbesten Ergebnis der Apple-Geschichte, die ursprüngliche Prognose hätte einen neuen Fabelrekord bedeutet.

Maßnahmen: Es hat gewiss eine Reihe von Gründe, warum Apple im Weihnachtsgeschäft weniger als erwartet eingenommen hat, nicht alle liegen in Cupertinos Verantwortung. Aber beim iPhone, das noch lange der wichtigste Umsatzbringer sein wird, hat Apple es selbst in der Hand, die Situation zu entschärfen. Unser Macworld-Kollege Michael Simon schlägt im Wesentlichen fünf Maßnahmen vor, die wieder zu besseren Ergebnissen führen können. Das iPhone-Angebot ist unnötig komplex geworden, Vereinfachung wäre angebracht, dazu müsste Apple aber auch wieder ein kleineres und vor allem günstigeres Modell auflegen, einen Nachfolger des iPhone SE. Mit ein Grund für die Unübersichtlichkeit sind die jährlichen Updates, Apple könnte viel gewinnen, den Produktzyklus ein wenig zu strecken. Und letzten Endes müsste auch die künstliche Intelligenz Siri besser werden und ihren Rückstand gegenüber der Konkurrenz aufholen.

Überraschend: Samsung und Apple haben im Vorfeld der CES, die in dieser Woche in Las Vegas steigt, eine Kooperation angekündigt. Demnach kommen die Apps für iTunes-Filme und TV-Shows im Frühjahr 2019 auf Smart-TVs von Samsung. Damit lockert Apple seine bisher äußerst restriktive Politik bedeutend, der Genuss von iTunes-Inhalten war bisher auf fünf Computer (Mac oder PC) und zehn Geräte insgesamt eingeschränkt. Home-Entertainment-Geräte der Konkurrenz konnten bisher keine bei Apple geliehenen oder gekauften Inhalte direkt abspielen. Bereits im Dezember hatte Apple jedoch seinen Musik-Streaming-Dienst auch für Amazons Echo-Geräte geöffnet, vorerst aber nur in den USA. Die Öffnung ist ein Indiz dafür, dass Apple seine Services im Jahr 2019 aggressiv ausbauen wird, der für dieses Jahr erwartete TV-Streamingdienst wird somit ziemlich sicher nicht nur auf Apple-Geräten zur Verfügung stehen.

Prozess I: Am Freitag hat der auf zehn Tage angesetzte Gerichtsprozess gegen Qualcomm an einem Gericht in Kalifornien begonnen, die US-Handelsbehörde FTC hat eine Kartellklage gegen den Chip-Hersteller angestrengt. Der Vorwurf: Qualcomm würde seine Position ausnutzen und von Smartphoneherstellern zu hohe Lizenzgebühren für seine Funkmodems verlangen. In der gleichen Sache ermittelt auch die EU gegen den Konzern aus San Jose, Apple hat eine eigene Klage gegen Qualcomm erhoben und dürfte daher sehr gespannt sein, wie das Gericht sich den Argumenten der FTC oder der Verteidigung anschließen wird. Qulacomms Anwalt Robert van Nest hat in seinem Vortrag am Freitag einen Unterschied zwischen "harten Verhandlungen" und Zwang herausgestellt, der Großkunde Apple habe Qualcomm zu Investitionen in Milliardenhöhe veranlasst, ohne eine Garantie über die Abnahme von Chips zu geben. Die Vereinbarungen seien daher marktgerecht.

Prozess II: Während der Ausgang des kalifornischen Prozesses nicht unwichtig für einen Vergleich zwischen Apple und Qualcomm sein wird, macht der Chip-Hersteller mit seiner Gegenklage wegen Patentverletzungen Ernst. Im Dezember hatte das Landgericht München Qualcomm in der Sache Recht gegeben und ein Verkaufsverbot für iPhone 7 und iPhone 8 verhängt, dieses tritt in Kraft, sobald der Kläger eine Sicherheitsleistung in Höhe von 1,34 Milliarden Euro hinterlegt, was am Samstag geschehen ist. Mit dem Geld soll Apple entschädigt werden, sofern der iPhone-Hersteller in der eingelegten Berufung Recht bekommen sollte. Apple zieht nun iPhone 7 (Plus) und iPhone 8 (Plus) in Deutschland aus dem Handel zurück, auf der Website des Unternehmens sind die Modelle schon nicht mehr zu bekommen. Gegenüber Reuters sagte ein Vertreter der Handelskette Gravis, in dessen Filialen wären noch alle gebannten Geräte vorrätig, das dürfte auch auf andere Händler zutreffen. Apple ist es laut Gericht nur verboten, die fraglichen iPhones zu verkaufen oder in Verkehr zu bringen, bereits an Handelspartner ausgelieferte Geräte sollte es noch weiterhin geben - solange der Vorrat reicht. Vom Urteil des Landgerichts München ist auch das iPhone X betroffen, dieses verkauft Apple aber seit September nicht mehr. Die Modelle des Jahrgangs 2018 waren nicht Gegenstand der Klage, die Qualcomm bereits vor einem guten Jahr eingereicht hatte. Die entsprechenden Patente kommen vermutlich aber auch in den neuen Modellen zum Einsatz, Qualcomm könnte seine Klage daher ausweiten. Ob und wann Qualcomm und Apple sich einigen und alle gegenseitigen Klagen fallen lassen und somit iPhone 7 und 8 in Deutschland wieder offiziell erhältlich sein werden, scheint derzeit völlig offen, viel dürfte vom Ausgang des Kartellprozesses in Kalifornien abhängen.

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Faltbares Smartphone von Xiaomi geleaked

In einem kurzen Videoclip von Evan Blass soll das faltbare Smartphone des chinesischen Herstellers Xiaomi zu sehen sein. Im aufgefalteten Zustand erinnert das Gerät an ein klassisches Tablet. Für die im Video dargestellte Karte bleibt auf dem großen Bildschirm viel Platz. Dann klappt der Anwender die linke und rechte Seite des Displays nach hinten, so entsteht ein Smartphone mit zur Seite hin abfallenden Display-Rändern, ähnlich wie bei den Edge-Geräten von Samsung. Ob es sich  im Video tatsächlich um ein faltbares Smartphone von Xiaomi handelt, bleibt offen. Angekündigt hatte der Hersteller die Arbeiten an einem solchen Gerät schon im Jahr 2016.

Mit einem faltbaren Smartphone stände Xiaomi jedoch nicht allein da: Samsung hat einen entsprechenden Prototyp im vergangenen Jahr vorgestellt. Lenovo arbeitet nach eigenen Angaben schon seit 2016 auch an einem ähnlichen Gadget. Der Prototyp von Samsung setzt jedoch auf ein Design aus einem größeren und einem kleineren Bildschirm. Das Infinity Flex Display umfasst einen großen Bildschirm, der sich zusammenklappen lässt. Ein zweites Display auf der Rückseite dient in diesem Zustand als Hauptbildschirm. Für den 10. Januar hat Xiaomi Pressevertreter zur Enthüllung der neuen Redmi-Smartphones eingeladen. Gut möglich, dass dort auch das faltbare Smartphone erstmals präsentiert wird.

Dell lässt sich Notebook mit abnehmbaren Displays patentieren

Dell hat in dieser Woche eine Patentanmeldung für ein eigenwilliges Notebook-Konzept veröffentlicht . Das Gerät verfügt wie herkömmliche Laptops über eine Basis mit integrierter Tastatur, an dieser sind jedoch nicht nur ein Display, sondern gleich zwei Bildschirme per Magnetscharnier befestigt.

Der Elektronik-Hersteller führt für die Nutzung dieses Konzept in der Patentanmeldung unterschiedliche Szenarien aus. So sorgen zwei Displays zum einen für eine größere Desktop-Arbeitsfläche, zum anderen kann ein Bildschirm bei Präsentationen in Richtung der Zuschauer gedreht werden, während der Nutzer das zweite Display für die Navigation nutzt. Das Dell-Konzept kann zudem als normales Notebook mit nur einem Bildschirm betrieben werden. Das zweite Display wird in diesem Fall im Tastatur-Dock verstaut.

Für die Befestigung der beiden Displays zeigt die Patentanmeldung unterschiedliche Scharnier-Konzepte. Denkbar sind unter anderem eine zylinderförmige Halterung oder ein Scharnier im Stil des Surface Book. Ob es Dells Dual-Display-Notebook auch tatsächlich zur Marktreife schaffen wird, bleibt allerdings abzuwarten.

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