2341971

Morgenmagazin vom Montag, 9. April 2018

09.04.2018 | 07:04 Uhr |

Swift Playgrounds: Nicht nur für Kinder +++ Apple kündigt viel an und liefert wenig +++ Patentklage um Pulssensoren der Apple Watch +++ Xiaomi arbeitet an Gaming-Smartphone Black Shark +++ Facebook löschte alte Messenger-Nachrichten von Zuckerberg +++ Bundesverfassungsgericht prüft Rechtmäßigkeit des Rundfunkbeitrags

9. April: Mehr Power

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Strom kommt aus der Steckdose, das ist ja klar. Dem Umbau auf Elektromobilität steht also nichts im Wege, man muss einfach nur ein paar Steckdosen mehr verlegen, auf Privatgrundstücken  und im öffentlichen Raum. Verbrennungsmotoren haben bald ausgedient, sie werden so in Nischen verschwinden, wie es den Glühbirnen und den als Energiesparlampen getarnten kompakten Leuchtstoffröhren erging. Seitdem LED-Leuchtmittel erschwinglich sind, gibt es an sich keinen Grund mehr, die Energieverschwender einzusetzen. Bleibt mehr Strom in der Steckdose, was ja wiederum bedeutet, dass die Elektromobilität …

Klar, Sie wollten schon nach dem ersten Satz einwerfen, was wir jetzt erledigen: Aber wie kommt der Strom in die Steckdose? Nun ja, die Antwort lautete bis vor gut zwanzig Jahren: Wenn Kohleverbrennung eher schädlich ist, und das kann man ja ruhig zugeben, dann baut man eben mehr Kernkraftwerke. Heute vor 30 Jahren ging im kleinen Dorf Ohu in der Nähe von Landshut an der Isar der bis heute kräftigste Kernreaktor in Deutschland in Betrieb: Isar 2, das etwa 1,5 Gigawatt Leistung in das Netz einspeist. Nicht übel, das sind etwa 50 Prozent mehr als die Leistung der größten Kohlekraftwerksblöcke - und trotz allem nicht umweltfreundlich.

Sicher: CO 2 pusten Isar 2 und Konsorten nicht in die Luft, doch hat auch der aus den Kühltürmen entweichende Wasserdampf Auswirkungen auf das Klima, zumindest lokal. Da die Frage nach der Entsorgung verbrauchter Brennstäbe immer noch geklärt ist und Transmutationskraftwerke, in denen diese zu weniger strahlenden Materialien verarbeitet werden könnten - das auch noch unter Gewinnung weiterer Energie - politisch und gesellschaftlich vermutlich noch lange nicht opportun sein werden, steht die Kernenergie zurecht vor dem Aus, nicht nur in Deutschland.

Wie kommt dann aber der Strom in die Steckdose, für unser Licht, die Heizung, die Mobilität und die IT? Solarenergie? Nun, man benötigte, um Isar 2 zu ersetzen, etwa eine Fläche von 15 Quadratkilometern (Quelle: Solaranlagen Portal) . Klingt erst einmal nach viel Platz, aber da die beschauliche Stadt Landshut schon eine Fläche von 65 Quadratkilometern einnimmt, ist das dann noch nicht so üppig. Denn vor allem viele kleine Anlagen und kein gigantischer Komplex erzeugen Solarstrom. In der Theorie ist noch Luft nach oben, die Sonne strahlt im Mittel fast 1,4 Kilowatt auf den Quadratmeter, also etwa 1,4 Gigawatt auf den Quadratkilometer. Ein jeder Quadratkilometer auf der Erde bekommt also von der erst in ein paar Milliarden Jahren erschöpften Energiequelle fast soviel Leistung ab, wie Isar 2 bereitstellt. Das ist nun wirklich beeindruckend und sollte die Frage beantworten, wie man den Strom in die Steckdose bekommt.

Im aktuellen Energiemix ist in Deutschland aber die Windkraft weit wichtiger als Solarenergie, ihr Beitrag wächst auch am stärksten. Im Endeffekt ist Wind aber auch nur eine Folge von Sonneneinstrahlung, respektive deren ungleicher Verteilung über Land und Meer. Selbst das Gas und Öl, das wir in unserer Unvernunft immer noch verfeuern, ist über Jahrmillionen konservierte Sonnenenergie.

Bleibt die ernst zu nehmende Sorge über Speicherung der Energie, selbst die größten Freunde der erneuerbaren Quellen können nicht leugnen, dass die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht ständig weht. Vor allem weht der Wind ja gerne dort, wo seine Energie in elektrischer Form gar nicht so sehr benötigt wird.

Hier werden dann doch wieder technische Großanlagen ins Spiel kommen müssen, um die Energiereserven für das Stromnetz bereit zu halten. So schlau die Idee smarter Grids auch sein mag - Elektromobile und andere Verbraucher dienen gleichzeitig als Pufferspeicher, wenn sie nicht benötigt werden - deren Auf- und Ausbau wird längere Zeit in Anspruch nehmen als die 30 Jahre, in denen Isar 2 zuverlässig Leistung geliefert hat.

Warum aber nicht Power to Gas? Die Idee dahinter ist einfach und frappierend: Mit elektrischer Energie kann man aus dem CO 2 in der Luft und etwas Wasser Methan synthetisieren, dieses lässt sich in das vorhandene Gasnetz einspeisen und dort für Gaskraftwerke für Leistungsspitzen wieder in Strom wandeln.

Bis es soweit ist, gehen wir mit dem Strom aus der Steckdose lieber etwas zurückhaltender um. Für die individuelle Mobilität haben wir ja auch noch das Fahrrad, das uns in vielen Fällen besser und zuverlässigster ans Ziel bringt als die Blechkiste mit ihrem Verbrennungsmotor. Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Auch für Erwachsene: Jeder kann programmieren, erklärt Apple und stellt Curricula für Schulen bereit und vor allem die App Swift Playgrounds, in der man erste Erfahrungen mit dem Programmieren sammeln kann. Doch auch Erwachsene mit oder ohne Vorkenntnisse können von der App lernen, sie dürfen sich nicht von den Comic-Charakteren abschrecken lassen, meint Jason Cross. Zwar wird man mit dem Lösen der Logik-Puzzles nicht in der Lage sein, gleich Programme für den App Store zu schreiben, doch bekommt man ein gutes Gefühl dafür, was Programmieren bedeutet. Der nächste Schritt wäre dann die Anschaffung eins Mac, falls das noch nicht geschehen ist. Denn nur auf dem Desktop oder Laptop läuft auch die Programmierumgebung Xcode, mit der man ernsthaft Programme erstellen kann. Swift Playground bietet aber einen einfachen und vergnüglichen (Wieder-)Einstieg in das Thema.

Liefern, nicht ankündigen: Apple hat sein Mantra aus der Jobs-Ära hinter sich gelassen, mehr zu liefern als zu versprechen, kritisiert Michael Simon. Im Gegenteil hat Apple zuletzt viele Features und Produkte angekündigt, bringt sie aber nur mit Verspätungen und teilweise unvollständig heraus. Der um drei Monate verzögerte HomePod etwa lässt sich immer noch nicht in einem Stereosystem einbinden, da AirPlay 2 erst mit iOS 11.4 kommen wird - frühestens nächsten Monat und damit ein gutes Jahr nach Ankündigung. Gleiches gilt mit Messages in der iCloud. Für die eigene Ladematte Airpower hat Apple immer noch keinen Termin und keinen Preis genannt, für den kommenden Mac Pro jetzt immerhin das Jahr 2019. Das kann aber eine Wartezeit von weiteren zwölf bis 18 Monaten bedeuten, nachdem Apple erste Pläne für die modulare Profimaschine vor jetzt einem Jahr offen gelegt hat.

Klage: Der Pulsmesser der Apple Watch basiert auf gestohlener Technik, behauptet der Kläger Dr. Mohammed N. Islam, Gründer des Medizin-Startups Omni MedSci aus dem US-Bundesstaat Michigan. Seiner Darstellung nach habe er die Patente und Technologien in den Jahren 2014 bis 2016 Apple wiederholt vorgeführt, ehe der Kontakt plötzlich abgebrochen sei. ZU dem Zeitpunkt der Verhandlungen über eine mögliche Partnerschaft habe es sich bei den Technologien um Patentanträge gehandelt, mittlerweile sind die Patente erteilt, Apple verletze vier davon. Unter anderem sei die Technik von Omni MedSci in der Lage, aus den reflektierten Lichtsignalen auch einen Wert für den Blutzuckerspiegel zu ermitteln, was für Apple der nächste Schritt bei der Verbesserung der Apple Watch sein könnte.

Fragen an Facebook: Im Datenskandal um Facebook muss sich dessen Gründer und Chef Mark Zuckerberg in dieser Woche vor dem US-Kongress den Fragen der Abgeordneten stellen. Vor allem fünf Aspekte sind interessant, wie der Boston Herald darlegt. So soll Zuckerberg erklären, warum seine Firma erst jetzt auf Datenschutzaspekte reagiert und das nicht schon längst getan habe, wie das Unternehmen in einer Stellungnahme ja auch bedauert. Zu erklären sie auch, wem die Anwenderdaten gehören, dem Konzern oder den Usern? Sei letzteres der Fall, müssten diese auch eine Möglichkeit haben, gezielte Werbungen abzuschalten. Überhaupt müsse man sich auch fragen, warum Facebook seine Einstellungen zur Privatsphäre so gut versteckt, während andere Funktionen des sozialen Netzes so offensichtlich und leicht zu bedienen sind. Nicht geklärt ist bisher auch die Frage, ob Facebook versucht habe, die Berichterstattung des Guardian über die Methoden von Cambridge Analytica gerichtlich zu stoppen. Zuletzt sollten die Abgeordneten auch fragen, ob Facebook absichtlich versuche, das Suchtpotential seines Produktes auszuweiten oder ob das Unternehmen etwas gegen potentielle Gesundheitsschäden unternehme.

Xiaomi arbeitet an Gaming-Smartphone Black Shark

Der chinesische Hersteller Xiaomi will am 13. April mit dem Black Shark ein Smartphones für Gamer vorstellen. Ein neuer Teaser lässt erste Rückschlüsse auf die Designsprache des Gaming-Handys zu. Demnach setzt Xiaomi auf viele Rundungen und ein handfreundliches Gehäuse. Der Hersteller benennt sein Smartphone erstmals als Black Shark anstelle der bislang genutzten Marke Mi. Möglicherweise ist das Black Shark das erste Smartphone einer Untermarke, die speziell für Gamer gedacht ist und aktuelle Spiele mit vielen Details darstellen kann.

Dazu passt auch die verbaute Hardware: Angetrieben wird das Black Shark von Xiaomi von einem Snapdragon 845, der neben vier Performance-Kernen mit bis zu 2,8 GHz auch vier Stromspar-Kerne mit bis zu 1,8 GHz enthält. Die Grafikeinheit Adreno 630 sollte auch aktuelle Spiele schnell auf dem Bildschirm darstellen. Ob das Display wie beim Konkurrenten Razer Phone ebenfalls eine Bildwiederholrate von 120 Hz unterstützt, ist noch unklar. Es ist zu erwarten, dass Xiaomi zusätzlich 8 GB Arbeitsspeicher verbaut. Die Veröffentlichung des Xiaomi Black Shark soll schon in einer Woche erfolgen. Preise stehen jedoch noch nicht fest. Unklar bleibt vorerst auch, ob der chinesische Hersteller sein Gaming-Handy auch hierzulande in den Handel bringen wird.

Facebook löschte alte Messenger-Nachrichten von Zuckerberg

Facebook-Nutzer können Nachrichten, die sie an Freunde gesendet haben, in der Regel nicht mehr aus deren Posteingängen verschwinden lassen. Diese Regel gilt jedoch anscheinend nicht für das Führungspersonal von Facebook. Wie das IT-Magazin Techcrunch berichtet, sind alte Nachrichten von Facebook-CEO Mark Zuckerberg aus den Postfächern der Empfänger verschwunden. Die Antworten der betroffenen Nutzer sind jedoch auch weiterhin in deren Messenger-App gespeichert.

Auf Nachfrage von Techcrunch rechtfertigt sich Facebook mit Sicherheitsvorkehrungen. Nach dem Hack der E-Mail-Postfächer von mehreren Sony-Pictures-Mitarbeitern im Jahr 2014 habe Facebook mehrere Änderungen vorgenommen, um die Kommunikation des Führungspersonals zu schützen. Dazu gehöre auch die Zeitspanne, innerhalb derer Zuckerbergs Nachrichten in den Posteingängen der Empfänger gespeichert werden. Die Änderungen seien laut Facebook in Übereinstimmung mit den eigenen Nachrichten-Richtlinien vorgenommen worden. Facebook hat dieses Vorgehen jedoch weder publik gemacht, noch die betroffenen Nutzer darüber informiert. Auf die Frage, ob er damit nicht das Vertrauen seiner Nutzer missbrauche, wollte Firmenchef Mark Zuckerberg gegenüber Techcrunch keine Stellungnahme abgeben.

Bundesverfassungsgericht prüft Rechtmäßigkeit des Rundfunkbeitrags

Am 16. und 17. Mai 2018 verhandelt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über vier Verfassungsbeschwerden gegen die Erhebung des umstrittenen Rundfunkbeitrags. Diese Verhandlung hatte sich bereits im Herbst 2017 angekündigt. In den Verfassungsbeschwerden 1 BvR 1675/16, 1 BvR 745/17, 1 BvR 981/17 geht es um die Erhebung des Rundfunkbetrags im privaten Bereich, während die Verfassungsbeschwerde 1 BvR 836/17 die Beitragserhebung im nicht-privaten Bereich betrifft (siehe unten).

Die Beschwerdeführer rügen laut einer Mitteilung des Bundesverfassungsgerichts zunächst einmal die fehlende Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer "zum Erlass der Umsetzungsgesetze zum 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag", da es sich bei dem Rundfunkbeitrag ihrer Ansicht nach um eine Steuer handelt – eine Meinung, die vermutlich viele Zahler des Rundfunkbeitrags teilen dürften.

Zudem kritisieren die Beschwerdeführer Verstöße gegen den allgemeinen Gleichheitssatz. Da der Rundfunkbeitrag unabhängig vom Vorhandensein von Empfangsgeräten erhoben werde, sei er verfassungswidrig. Denn für jede Wohnung muss ein Rundfunkbeitrag bezahlt werden, unabhängig davon, ob darin tatsächlich das Programm von ARD, ZDF, von den dritten Programmen und von Deutschlandradio überhaupt empfangen werden kann.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Erhebung des Rundfunkbeitrags für jede Wohnung (17,50 Euro pro Monat) unabhängig von der Anzahl der dort wohnenden Personen benachteilige Einpersonenhaushalte gegenüber Mehrpersonenhaushalten in einer Weise, die nicht mehr vor dem allgemeinen Gleichheitsrecht gerechtfertigt sei. Ebenso stelle es eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung dar, dass für Zweitwohnungen ein Rundfunkbeitrag erhoben werde, obwohl deren Inhaber nicht gleichzeitig in mehreren Wohnungen Rundfunk konsumieren könnten. In der Tat wird der Rundfunkbeitrag auch für Ferienwohnungen und Zweitwohnungen erhoben.

Die oben erwähnte Verfassungsbeschwerde 1 BvR 836/17 stammt von Sixt, wie die Morgenpost berichtet. Der Autovermieter beschwert sich über die zusätzlichen Rundfunkgebühren für nicht ausschließlich privat genutzt Kraftfahrzeuge und die Art der gestaffelten Beitragserhebung abhängig von der Anzahl der Beschäftigten. Denn pro beitragspflichtige Betriebsstätte richtet sich die Beitragshöhe nach der durchschnittlichen Anzahl der im vorangegangenen Kalenderjahr sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Pro beitragspflichtiger Betriebsstätte ist zudem nur ein nicht ausschließlich privat genutztes Kraftfahrzeug frei. Für jedes weitere Fahrzeug ist ein Drittelbeitrag – monatlich 5,83 Euro – zu zahlen. Für Vermieter von Hotel- und Gästezimmern und/oder Ferienwohnungen ist außerdem die Anzahl der beitragspflichtigen Zimmer oder Ferienwohnungen relevant.

Der Streit um den Rundfunkbeitrag setzte mit seiner Einführung 2013 nahtlos die Diskussion um die ungeliebte GEZ-Abgabe fort. Mit der Umstellung des Rundfunkbeitrag-Systems im Jahr 2013 stieg auch die Zahl der Mahnungen an säumige Zahler. Zwischenzeitlich nahmen die Öffentlich-Rechtlichen durch die Rundfunkgebühren (ehemals GEZ) deutlich zu viel ein. Wer sich weigert den Rundfunkbeitrag zu bezahlen, landet im schlimmsten Fall hinter Gitter. Übrigens: Der Rundfunkbeitrag kann nicht bar gezahlt werden. Tipp: Hier sehen Sie, wofür die Rundfunkgebühr verwendet wird.

Zwischenzeitlich wurde der monatliche Rundfunkbeitrag geringfügig gesenkt doch bis 2021 dürfte er wieder deutlich steigen. Unter anderem wegen der enormen Pensionskosten.




 










Macwelt Marktplatz

2341971