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Morgenmagazin vom Montag, 9. Juli 2018

09.07.2018 | 07:03 Uhr |

Mehr Farbe für das iPhone stößt auf Begeisterung +++ NSO-Mitarbeiter wollte Quellcode von Malware Pegasus verkaufen +++ Entwickler können sich für Beta-Test von Siri Shortcuts bewerben +++ Amazon Music Unlimited: 4 Monate für nur 99 Cent! +++ US-Superrechner erobert vorerst die Spitze der Top-500-Liste zurück +++ Quake III: Google-KI schlägt menschliche Gegner in CTF

9. Juli: Rock'n'Roll

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Das ganze Land ist nun in die Sommerferien gegangen. Das ganze Land? Nein, die von unbeugsamen Bergbewohnern reklamierten südlichen Bundesländer und das große Nordrhein-Westfalen müssen noch eine Weile warten. Bayern und Baden-Württemberg noch bis Ende Juli, wenn die ersten Nordländer schon wieder zurück in die Schule müssen und Kölner, Dortmunder, Krefelder und Bielefelder noch eine Woche.

Dann kann es an sich nur noch ein Motto geben: Ab in die Sommerfrische! Das können jene Berge sein, in denen die Einheimischen noch drei Wochen Schule haben, oder das Meer. Ob nun in fernen Ländern oder im eigenen, egal, Hauptsache Strand.

Oh, wir haben solche Sehnsucht. Verlieren fast den Verstand. Wir wollen an die Nordsee. Zurück nach Westerland. Dort ist's zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich … Aber sie kennen den Text. Und waren womöglich heute vor 30 Jahren dabei, als sich die "Die Ärzte" mit einem Konzert in Westerland auf Sylt für immer von ihren Fans verabschiedeten. Glücklicher Weise hielt diese Ewigkeit nur fünf Jahre an, mit Rodrigo Gonzalez begann der Neustart der "besten Band der Welt" (Selbstauskunft), auch schon wieder 25 Jahre her.

"Die Ärzte" würden sich aber eher nicht als Rock'n'Roll-Band bezeichnen, die Einordnung in eine Schublade gelingt bei den drei Musikern ohnehin recht schlecht. Es war also reiner Zufall, dass das Westerländer Abschiedskonzert am Tag des Rock'n'Roll stattfand, hier gibt es keinen Zusammenhang.

Der pure Rock'n'Roll war der 9. Juli 1997 in Cupertino. An jenem Mittwoch gab Apple bekannt, seinen CEO Gil Amelio vor die Tür gesetzt zu haben. Im bisherigen Geschäftsjahr hatte Apple Milliardenverluste angehäuft und der von Amelio initiierte Sparkurs trug kaum Früchte. Der Mac-Hersteller stand kurz vor dem Aus. Das Debakel abwenden sollte Steve Jobs, der seit dem Jahreswechsel 1996/97 als Berater bei Apple fungierte und den Posten als CEO "interimsweise" übernahm - offizieller Geschäftsführer war bis zum Ende des Jobs-Interregnums der Finanzchef Fred Anderson. Jobs musste gleich ein paar unpopuläre Maßnahmen treffen, nicht für die Belegschaft, sondern für die Fans. Denn nur mit einer Finanzspritze in Höhe von 500 Millionen US-Dollar von Microsoft konnte Apple überleben. Zudem sagte die Gates-Company zu, Office für den Mac weiter zu entwickeln und sogar eine Version des Internet Explorer für das klassische Mac-OS und das kommende neue System, das Steve Jobs' Zweitgründung Next nach Cupertino gebracht hatte.

Jobs wurde auf der Macworld Expo 1997 dafür ausgepfiffen wie ein Tenor, der den Ton nicht mehr trifft oder ein Ärzte-Bassist der die E-Saite nicht mehr trifft (kommt nicht vor, wir wissen das ...). Doch der Applaus war ihm nur ein halbes Jahr später gewiss, als er zum Abschluss seiner Keynote zur Macworld Expo 1998 in San Francisco die legendären Worte sprach: "There's one more thing … Oh yeah, we’re profitable.” Apples Abschiedskonzert hat sich bis auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Produkte sind zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich … Peter Müller

Lesetipps für den Montag

Mehr Farbe : Das jüngste Gerücht über die iPhones des Jahrgangs 2018 besagt, dass zumindest das günstigere Modell mit LCD-Bildschirm in mehreren Farben kommen soll. Macworlds Dan Moren würde das begrüßen, käme Apple wieder ein wenig ab von seinem Design vorwiegend in Schwarz, Weiß und Metall. Seit Beginn der iPad-Ära im Jahr 2001 treibt es Apple nicht mehr besonders bunt, lediglich iPod Nano, später der iPod Touch und nur kurz das iPhone 5C kamen in bunten Farben. Beinahe wehmütig erinnert man sich an bunte iMacs, doch könnte mit dem neuen iPhone nun doch frische Farbe einziehen.

Spot : In einem neuen Video bewirbt Apple die Face ID des iPhone X. Die Szene ist absurd: In einer Quizshow wird der Kandidat nach dem Passwort eines Online-Banking-Konotos gefragt, das er erst am Morgen erstellte hatte. Das fällt ihn natürlich nicht mehr ein, bis er die rettende Trumpfkarte in Form seines iPhone X zieht und sein Gesicht als Passwort nutzt. Kleiner Haken an der Sache: Um Passwörter muss man sich mit der Face ID nicht mehr so viele Gedanken machen, völlig vergessen darf man die Zugangscode zu seinem iPhone aber doch nicht.

Kriminell: Ein Angestellter der israelischen Firma NSO soll versucht haben, den Code der Malware Pegasus für 50 Millionen US-Dollar im Darknet verkauft zu haben. NSO verkauft sein Wissen über Sicherheitslücken weltweit an Behörden, die Safari-Lücke, auf die Pegasus setzt ist jedoch seit iOS 9.3.5 und OS X 10.11 El Capitan geschlossen. Der potentielle Käufer hatte sich an NSO gewandt, die zusammen mit der Polizei den Code-Dieb in den eigenen Reihen ausmachen konnte.

Verborgen: Auf Siri Shortcuts in iOS 12 kann man sich freuen, jene sprach gesteuerten Workflow-Aktionen, die die künstliche Intelligenz auch selbst vorschlägt. Nur ist in der Beta des kommenden Betriebssystems davon aktuell noch nichts zu sehen, weder in der Public Beta noch in der für Entwickler. Immerhin können seit Ende letzter Woche registrierte Entwickler sich bei Apple für den Beta-Test der Shortcuts anmelden, das geschieht über das Entwicklerportal. Ausgewählte Tester werden dann zum Beta-Test der Shortcuts eingeladen. Ob diese es je auch in die Piblic Beta schaffen, ist noch völlig offen.

Weitere Nachrichten:

Amazon Music Unlimited: 4 Monate für nur 99 Cent!

Im Vorfeld des am 16. Juli beginnenden Prime-Day 2018 macht Amazon seinen Prime- und Prime-Probe-Mitgliedern ein attraktives Angebot für Amazon Music Unlimited. Sie können den Musik-Streaming-Dienst insgesamt 4 Monate für nur 0,99 Euro nutzen. Erst ab dem 5. Monat fallen die regulären monatlichen Kosten an. Das Angebot gilt nur für kurze Zeit, nämlich bis zum 17. Juli 2018.

Vorausgesetzt wird eine Mitgliedschaft bei Amazon Prime. Das Angebot gilt aber auch für alle, die sich für eine kostenlose 30-Tage-Probemitgliedschaft bei Amazon Prime entschieden haben.

Amazon Music Unlimited bietet Zugriff auf mehr als 50 Millionen Songs und Hörspiele. Außerdem können Sie über den Musik-Streaming-Dienst auch ab August alle Spiele der Bundesliga, der 2. Bundesliga und des DFB-Pokals live hören. Und dies sowohl zuhause als auch unterwegs. Es gibt dabei keine Werbeunterbrechungen und die Songs können auch offline angehört werden. Dafür bietet Amazon die passenden Apps für Android, iOS, PC, Mac, Sonos und Echo-Geräte an.

Amazon-Prime-Mitglieder haben übrigens auch Zugriff auf Musik-Inhalte, allerdings nur auf etwa 2 Millionen Songs. Auch diese dürfen aber ohne Werbeunterbrechungen und ohne Internet-Verbindung angehört werden.

Nach Ablauf der vier Monate kostet die Mitgliedschaft bei Amazon Music Unlimited monatlich 7,99 Euro für Prime-Mitglieder und 9,99 Euro/Monat für Nicht-Prime-Mitglieder. Sie können aber die Mitgliedschaft jederzeit während der Testphase kündigen, falls Ihnen der Dienst nicht gefallen sollte.

US-Superrechner erobert vorerst die Spitze der Top-500-Liste zurück

Nachdem chinesische Systeme in den vergangenen beiden Jahren die Top-500-Liste der weltweit leistungsstärks­ten Supercomputer angeführt hatten, hat in der jüngsten Liste, die Ende Juni veröffentlicht wurde, wieder ein US-Rechner die Spitzenpo­sition übernommen. Der Supercomputer "Summit" am Oak Ridge National Laboratory (ORNL) hat die Pole Position erobert.

Das System rechnet derzeit mit 4356 Knoten, könnte aber voll aus­gebaut auf 4608 Nodes zurückgreifen. Jeder Rechenknoten arbeitet mit zwei IBM-­Power-9-Prozessoren – jeweils mit 22 Rechenkernen ausgestattet – sowie mit sechs V100-SXM2-Grafikchips von Nvidia. Flankiert werden die CPUs von 10 Petabyte Arbeitsspeicher. ­Daten werden intern über eine Infiniband-Verbindung mit einer Bandbreite von 100 Gigabit pro Sekunde hin- und hergeschickt. Insgesamt kommt der US-Rechner im High Performance Linpack Benchmark (HPL) auf eine Leistung von 122,3 Petaflops, das sind 122 Billiarden Gleitkomma-Rechenoperationen pro Sekunde.

Damit verweist der Summit den chinesischen "Sunway TaihuLight", der die Top-500-Liste in den vergangenen beiden Jahren mit einer Leistung von 93 Petaflops angeführt hatte, auf Platz zwei. Sunway wurde vom National Research Center of Parallel Computer Engineering & Technology (NRCPC) entwickelt und steht im National Supercompting Center im chiensischen Wuxi. Die Besonderheit: Alle Komponenten wurden in China entwickelt und gebaut. In dem System kommen 40.960 von NRCPC ­gefertigte CPUs vom Typ Sunway SW26010 260C zum ­Einsatz, deren 260 Cores auf 1,45 ­Gigahertz ­getaktet sind. Insgesamt rechnet der Sunway ­TaihuLight mit 10.649.600 Prozessorkernen.

Die Führung der USA im High Performance Computing dürfte nur von kurzer Dauer sein. Die Chinesen haben im Mai dieses Jahres ­Details zu ihrem geplanten Exa­scale-Rechner Tianhe-3 vorgestellt, der Experten zufolge auf der nächsten Top-500-Liste, die im November dieses Jahres herauskommt, locker die Spitzenposition übernehmen dürfte.

Insgesamt ­dominieren chinesische Systeme. 206 der 500 leistungsstärksten Computer der Welt kommen aus dem Reich der Mitte. Die USA liegen mit 124 Rechnern auf Platz zwei. Es folgen Japan (35), Großbritan­nien (22), Deutschland (21) und Frankreich (18). Deutschlands schnellster Rechner, der Juwels Modul 1, steht im Forschungszentrum Jülich und schafft 6,2 Peta­flops. Das reicht für Platz 23 im HPC-Ranking.

In Europa versucht man, in Sachen HPC zu ­China und den USA aufzuschließen. Geplant ist beispielsweise, im Rahmen des Gemeinschaftsunternehmens EuroHPC, dem 23 Unternehmen und Forschungseinrichtungen angehören, bis etwa 2022 einen Supercomputer der Exaflops-Klasse zu bauen. Bis dato ist aber noch nicht klar, auf welcher Prozessorbasis das System aufsetzen soll. Darum kümmern wird sich die European Processor Initiative (EPI). Im Gespräch sind CPUs auf ARM-Basis, aber auch RISC- und Power-Varianten.

Ob es gelingt, den Vorsprung von China wettzumachen, ist jedoch fraglich. Dort forciert die Regierung massiv die Entwick­lung neuer Technologien. Im Juli 2017 hatte der Staatsrat der Volksrepublik China einen Plan zur Entwicklung von Technologien für künstliche Intelligenz (KI) vorgelegt. Man wolle weltweit eine führende Rolle auf diesem Gebiet spielen, hieß es. So soll die heimische Wertschöpfung im Bereich KI im Jahr 2020 bei etwa 23 Milliarden Dollar liegen und bis 2030 auf rund 150 Milliarden Dollar anwachsen.

Quake III: Google-KI schlägt menschliche Gegner in CTF

Google-Forscher melden einen Erfolg ihrer KI Google Deepmind bei Multiplayer-Partien im Shooter Quake III Arena. Dabei wurden die Bots nicht für Capture-the-Flag-Partien speziell programmiert, sondern erlernten das Spielen selbst. Dazu waren über 450.000 Partien notwendig, in denen die Bots gegeneinander in Teams antraten, aus ihren Fehlern lernten und Strategien für einen Sieg selbst entwickelten.

Anschließend mussten die Bots gegen menschliche Gegner antreten. Und gewannen die Partie, wie die US-IT-Site The Verge berichtet. Dem Bericht zufolge wurde die KI bei 30 "Agenten" (also Bots) eingesetzt und mit der Zeit immer geschickter beim Spielen. Das alles benötigte aber Zeit, viel Zeit. Jede der über 450.000 Partien dauerte etwa fünf Minuten. Während der Zeit erlernten die "Agenten" selbstständig die im Capture-the-Flag-Modus geltenden Regeln und entwickelten Strategien, die die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg erhöhten. So bildeten sie beispielsweise kleine Teams, die durch die Level gemeinsam liefen, um sich gegenseitig Deckung zu geben. Andere Bots harrten derweil an der Basis des Gegners aus, um dort zu stören und für Ablenkung zu sorgen.

Damit sich die "Agenten" nicht an die Level gewöhnten und an ihren Spielstrategien feilen konnten, wurde jede Partie in einem von einem Computer zufällig erzeugten Level gespielt. Und das auch nicht mit der Quake-3-typischen Grafik, sondern in grafisch vereinfachten Level. Das zwang die "Agenten" dazu, sich nur an dem zu orientieren und davon lernen zu können, was sie in ihrem Sichtfeld sehen können. Ähnlich also wie ein menschlicher Spieler, der vor einem Monitor ein Spiel nach und nach erlernt und dabei immer besser wird. Nur dass ein Mensch viel, viel mehr Zeit braucht, um 450.000 Partien á 5 Minuten zu zocken...

Die KI musste dann schließlich gegen menschliche Gegner antreten. Im 2 vs 2 Modus in Capture-the-Flag siegte die KI dabei mit einer Wahrscheinlichkeit von 74 Prozent. In Partien mit menschlichen Normal-Spielern liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Sieg dagegen bei 43 Prozent. Sehr gute menschliche Spieler gewinnen eine Partie mit einer Wahrscheinlichkeit von 52 Prozent, wenn sie gegeneinander antreten.

Im Rahmen des Experiments wurde aber auch klar, dass bei größeren, von der KI gesteuerten Teams, die Gewinnwahrscheinlichkeit sinkt. Ein 4er-Team siegte etwa nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent. Ein Indiz dafür, dass mit der Anzahl der Spieler auch die Komplexität wächst, mit der die Teammitglieder miteinander agieren müssen, um eine Partie erfolgreich abzuschließen.

Betont wird, dass es nicht Ziel des Experiments gewesen sei, menschliche Gegner in einem Shooter zu schlagen. Vielmehr gehe es darum, die KI-Bots die Bewegung in komplexen Umgebungen unter Einhaltung eines gemeinsamen Ziels erlernen zu lassen.

Mehr Infos zu dem Experiment finden sich hier in einem Blog-Eintrag des Google-Teams und in dem folgenden Video:

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