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Münchner U-Bahn: Kein WLAN wegen Sicherheitsbedenken

13.08.2018 | 13:59 Uhr | Panagiotis Kolokythas

Münchner U-Bahn-Fahrer müssen weiterhin auf WLAN verzichten. Es könnte ihre Sicherheit gefährden, so die Begründung.

Sich die Wartezeit in der U-Bahn mit einer WLAN-Verbindung versüßen? Der Wunsch wird so schnell wohl nicht in der Münchner U-Bahn in Erfüllung gehen. Die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) der Regierung von Oberbayern hält diesem Schreiben zufolge die Ausweitung der an überirdischen Haltestellen schon bestehenden WLAN-Hotspots (M-WLAN) auf alle etwa 100 Sperrgeschosse und Bahnsteige der Münchner U-Bahn für nicht genehmigungsfähig. Die Kosten würden bei etwa 2,5 Millionen Euro (25.000 Euro pro Sperrengeschoss mit á 2 Access-Points) liegen und stünden nicht im Verhältnis zum Nutzen.

Begründet wird dies mit Sicherheitsbedenken. Die Bereitstellung des WLAN-Angebots könnte dafür sorgen, dass es von Personen genutzt wird, die nicht an der Nutzung der U-Bahnen interessiert seien. Und dies womöglich über einen längeren Zeitraum. So die Bedenken der Technischen Aufsichtsbehörde. Das ohnehin schon vorhandene Gefahrenpotential, wie etwa bei einer Evakuierung im Brandfall, werde dadurch nochmal vergrößert.

Konkret heißt es in einem Brief vom Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München an die Stadtratsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen:

"Insbesondere würde die Bereitstellung von WLAN in Sperrengeschossen mit einem Anwachsen von Personenzahlen einhergehen, da hier ein Wetterschutz und im Winter ein gewisser Schutz vor Kälte gegeben ist. In Abhängigkeit von der Anlage und Ausdehnung des Sperrengeschosses der jeweiligen U-Bahn-Haltestelle sei es möglich, dass zusätzlich anwesende Personenansammlungen zu den maximal zu erwartenden Fahrgastströmen im Gefahrfall negative Auswirkungen auf die Sicherheit der in der Haltestelle anwesenden Personen haben und somit ein erhöhtes Gefährdungspotential für alle darstellen."

Das WLAN-Angebot für alle Bahnsteige sei damit nicht grundsätzlich möglich, sondern nur nach Einzelfallprüfung von Sperrengeschossen. Außerdem wird darauf verwiesen, dass es auf allen Ebenen ja bereits ein Mobilfunksignal gebe, welches für einen Internet-Zugang verwendet werden könne. "

Daher seien WLAN-Angebote auf Bahnsteigen grundsätzlich nicht möglich und in Sperrengeschossen nur nach Einzelfallprüfung. "Aus Sicht der TAB reicht diese Zugangsmöglichkeit bei kurzen Verweildauern aus", heißt es in dem Brief.

Grünen-Fraktionschef Dr. Florian Roth kritisiert dagegen in einer Mitteilung den Beschluss. "Die Unterstellung, es könne durch ein WLAN-Angebot auf den Bahnsteigen zu ‚Personenansammlungen‘ kommen, da dort ein ‚Wetterschutz‘ gegeben sei, ist an den Haaren herbeigezogen. Wie wäre vor diesem Hintergrund das Betreiben von Verkaufsständen für Backwaren und Getränken etc. in Sperrengeschossen und sogar auf Bahnsteigen zu rechtfertigen?" Und er fügt hinzu: "WLAN im Öffentlichen Nahverkehr wird auch im Masterplan zur Luftreinhaltung als Anreiz zum Umsteigen auf den ÖV genannt. Laut Regierung von Oberbayern ist das aber offenkundig unerwünscht. Die CSU-Staatsregierung brüstet sich gern damit, bei der Digitalisierung an der Spitze des Forstschritts zu marschieren – in der Praxis wird behindert und blockiert.“

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