2263117

Nach Trump: Apple wirbt für unabhängiges Kalifornien

01.04.2017 | 07:16 Uhr |

Das Silicon Valley hat schon nach 70 Tagen genug von Trump. Führende Firmen regen daher den Calexit an.

Per Dekret hat US-Präsident Donald Trump in dieser Woche die wichtige Klimaschutzpolitik seines Vorgängers beendet. Damit wollen sich wichtige US-Staaten und -Unternehmen nicht abfinden. So hatten schon tags darauf die Bundesstaaten Kalifornien und New York erklärt, an der Politik der CO 2 -Reduktion unbedingt festhalten zu wollen - und keine geschlossenen Kohleminen wieder in Betrieb zu nehmen. Auch aus dem Silicon Valley regt sich Widerstand, in Form eines offenen Briefes, den Apple, Google et al. unterzeichnet haben .

Die IT-Industrie aus dem Silicon Valley, unterstützt von den in Washington State ansässigen Großunternehmen Amazon und Microsoft sowie dem in Armonk, NY, residierenden Branchenriesen IBM, setzt dem jetzt aber noch eines drauf und gründet eine politische Bewegung mit dem Ziel, für die globale Ökonomie wichtige Bundesstaaten aus den USA zu lösen. Konkret sollen noch vor den Mid-Term-Elections im November 2018 Kalifornien, Oregon, New York und weitere Neu-England-Staaten von Maine bis Delaware zunächst ihre Unabhängigkeit und anschließend ihren Zusammenschluss zu den UCSA, den „United Coast States of America“ anstreben.

Treibende Kräfte hinter der Kampagne „Make the Coast States of America United Again“ sind IT-Großunternehmen wie Apple, Google, Amazon, Microsoft, Intel, HP, IBM, Facebook, Tesla, Twitter und eigentlich alles, was in der Branche Rang und Namen hat. Apple-CEO Tim Cook erklärt gegenüber der Zeitung San Jose Mercury News, dass Apple sich zwar trotz Trump entschlossen hat, in Kalifornien zu bleiben – der neue Apple Park sei schließlich sauteuer gewesen – dafür aber den Golden State in eine goldene Zukunft ohne Washington, D.C., führen wolle.  Aus Washington State bekräftigt Microsoft-CEO Satya Nadela das Vorhaben: „Wir sind uns mit Apple und den anderen einig: Die fremdenfeindliche, wissenschaftsfeindliche, nihilistische und destruktive Politik des POTUS behindert uns, unsere Mitarbeiter und unsere Partner massiv.“

Google-Gründer Sergey Brin pflichtet bei: „In der digitalen Welt gibt es keine Grenzen und Ethnien. Sehen Sie mich an: Ich stamme aus Russland. Satya aus Indien. Apple wurde vom leiblichen Sohn eines syrischen Flüchtlings gegründet. Intels Andy Grove war 1956 aus Ungarn geflohen. Elon Musk ist Kanadier aus Südafrika. Mark [Zuckerberg, d. Red] hat Vorfahren aus Deutschland und Polen. Es ist die Vielfalt der Talente, die die USA ausmacht. Und die bald die UCSA ausmachen wird.“

Austritt aus der Union hat historisches Vorbild

Wie genau der Austritt der Küstenstaaten – die allesamt vom in Washington geleugneten Klimawandel betroffen sein werden – vonstatten gehen wird, ist noch nicht klar. Aber wie Amazons Jeff Bezos (Stiefsohn eines Kubaners) meint, gäbe es erstens einen etwa 160 Jahre zurückliegenden Präzendenzfall und zweitens gefalle dem Präsidenten ja der Brexit, also werde er auch Calexit, Washexit und NYxit  akzeptieren müssen. Eingaben an die Parlamente in Sacramento (CA), Salem (OR), Olympia (WA) und Albany (NY) seien bereits gestellt. Diese müssten die Unabhängigkeit ihrer jeweiligen Staaten erklären und auf internationale Anerkennung hoffen. Kanadas Premier Justin Trudeau habe seine Unterstützung des Vorhabens bereits durchblicken lassen. Und erneut wird auch Dubrovnik vorne mit dabei sein, eine amerikanische Unabhängigkeit anzuerkennen, 1776 noch als Republik Ragusa bekannt, heute Teil Kroatiens.

Um die Zustimmung des jeweiligen Wahlvolkes machen sich die Initiatoren aus dem Silicon Valley, Seattle und New York State keine Sorgen, die UCSA hätten letzten November mit teils überwältigenden Mehrheiten gegen Trump gestimmt - und nicht nur an den Küsten ist die Popularität des Präsidenten weiter gesunken.

Selbst Trump-Fans im Valley sind entsetzt: „Muslime dürfen immer noch einreisen, die Mauer zu Mexiko ist noch nicht einmal in Auftrag gegeben oder per Vorkasse aus Mexiko bezahlt, Hillary läuft noch frei herum, Obamacare ist gültiges Gesetz, Detroit und die Kohleminen in den Appalachen sind immer noch down - was soll das? Hält der Typ irgendeines seiner Versprechen?“, sagte den San Jose Mercury News ein IT-Spezialist, der weder seinen Namen noch den seines Arbeitgebers in der Zeitung lesen will.

Die Einschätzung, der Bewohner des Weißen Hauses bringe nichts vom Versprochenen zustande, teilt auch Tim Cook. „Er will sich ja jetzt um eine Steuerreform kümmern. Wenn das genau so läuft wie mit der Gesundheitsreform, wird das nie was. Es ist an der Zeit, selbst zu handeln.“ Eine Senkung der Unternehmenssteuer auf 15 oder 20 Prozent hätte Apple begrüßt und sein Auslandsvermögen in die USA repatriiert. Gut möglich, dass die mehr als 100 Milliarden US-Dollar aus dem Ausland schon im Geschäftsjahr 2017/18 in den UCSA besteuert werden und dem Haushalt Kaliforniens und seiner Partner an den Küsten zugute kommen. „Fly-Over-Land“ müsste dann halt alleine zurecht kommen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2263117