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NAS-Server Homie von Datamate im Test

07.02.2018 | 16:05 Uhr | Stephan Wiesend

Der Edel-NAS Homie basiert auf einem Mini-PC mit Linux und eignet sich als Dateiserver, Wordpress-Plattform und Medienserver.

Cloud-Dienste wie iCloud, One Drive und Amazon Cloud sind komfortabel und preiswert, es gibt aber auch gute Gr├╝nde, sie zu verschm├Ąhen. Dazu muss man nicht┬á einmal ein Feind von NSA und Co sein, ein Wohnort auf dem Lande gen├╝gt bereits: Was n├╝tzen einem schlie├člich ein TB Onlinespeicher bei One Drive, wenn man auf ein instabiles Mager-DSL der Telekom angewiesen ist. Hier macht Datamate mit dem Homie ein interessantes Angebot.

Warum nicht macOS-Server?

Eigentlich hat ja Apple selbst eine funktionsreiche Serversoftware im Angebot, die man f├╝r 22 Euro im Apple Store kaufen kann. Installiert man die Software auf einem Mac, erh├Ąlt man eine gute Kalenderl├Âsung, Adressbuch und zahllose Server-Funktionen wie Wiki, Webseite und Fileserver. Leider hat Apple vor Kurzem angek├╝ndigt , viele dieser Funktionen zu streichen. Schon durch diese Ank├╝ndigung sind Linux-L├Âsungen wie der Homie pl├Âtzlich f├╝r Mac-Anwender interessanter geworden. Vorteil des Open-Source-System ist au├čerdem die Plattformunabh├Ąngigkeit, ist doch der macOS Server f├╝r Apple-Ger├Ąte gedacht und f├╝r Windows- und Android-Clients wenig geeignet. Die Funktionen, die der Homie bietet, decken sich aber nicht ganz mit den Online-Diensten von Google und Co. Auf einen Time-Machine-Server, den etwa manche NAS-Ger├Ąte anbieten, muss man verzichten. Daf├╝r bietet er einen funktionsreichen Medienserver, das Content-Management-System Word Press und Unterst├╝tzung f├╝r Steam.

Allein schon die Auswahl und Vorkonfiguration der zahlreichen Linux-Serverdienste nimmt dem Nutzer sehr viel Arbeit bzw. Kosten ab. "Installier doch einfach Ubuntu auf einem alten PC" ist zwar ein gutgemeinter Tipp, hat aber wohl so manchem viel Zeit und Nerven gekostet.

├äu├čerer Eindruck und innere Werte

Optisch ist der bei Amazon f├╝r 999 Euro verf├╝gbare Homie wohl einer der elegantesten Heimserver, den wir kennen. Man muss f├╝r ihn nur etwa die Standfl├Ąche eines Mac Mini veranschlagen, er ist allerdings deutlich h├Âher. Dank eines guten L├╝fters und einer Notebook-Festplatte ist er au├čerdem sehr leise, wenn auch nicht lautlos. Deutlich leiser ist unser Testger├Ąt jedenfalls als viele g├╝nstige NAS mit mehreren Desktop-Festplatten. Die an Hifi-Ger├Ąte erinnernde Front besteht aus Aluminium, das Geh├Ąuse aus dunklem Holz. Im Wohnzimmer oder im TV-Rack macht er dadurch eine gute Figur und ist weit weniger ein Fremdk├Ârper als manches NAS aus schwarzem Plastik. Die Hardware ist keine Billigware: Im Unterschied zu g├╝nstigen Mager-CPUs vieler NAS steckt mit dem Intel Celeron G3930 eine vollwertige Desktop-CPU im Homie. Mit zwei TB Speicher finden wir den verf├╝gbaren Speicherplatz etwas knapp, daf├╝r handelt es sich beim der von Datamate ausgew├Ąhlten Notebookfestplatte um eine so genannte SSHD, die mit einer MIni-SSD beschleunigt wird. Ein Spielerechner ist er mit seiner integrierten Grafikkarte nicht, verbraucht aber daf├╝r auch relativ wenig Strom. (13W im Standby, 40W bei Volllast).

Warum erfolgt die Konfiguration per Fernwartung

Das Konzept des Homie erschlie├čt sich nicht auf den ersten Blick: Es handelt sich um einen auf Linux basierenden Heim-Server, der allerdings vom Hersteller per Fernwartung (genauer gesagt Team Viewer) eingerichtet und konfiguriert wird. Daf├╝r hat der Hersteller aber gute Gr├╝nde: Die Konfiguration erfolgt ├╝ber eine einfach bedienbare Web-Oberfl├Ąche namens ÔÇ×CockpitÔÇť, die eigentlich selbsterkl├Ąrend ist.

Man braucht aber doch etwas Vorwissen, da allein f├╝r Dateiverwaltung so unterschiedliche Dienste wie Samba, Seafile, Readymedia und Duply zur Verf├╝gung stehen. Der Kenner freut sich, f├╝r die meisten Einsteiger ist aber eine kleine Einf├╝hrung sinnvoll. Schon vor dem Telefonat sollte man sich besser ├╝berlegen, wozu man den Server einsetzen will.

Cockpit: Verwaltung per Browser

Ist der Homie per Ethernet mit dem Heimnetz verbunden und gestartet, kann man ihn vom Mac aus per Browseroberfl├Ąche verwalten ÔÇô auch ohne Fern-Unterst├╝tzung. Die dazu von Datamate entwickelte Konfigurationsoberfl├Ąche Cockpit wird laufend weitereintwickelt und erm├Âglicht die einfache Verwaltung und Konfiguration von einigen Dutzend Linxu-Servern und Diensten. Cockpit ist sehr ├╝bersichtlich und komfortabel, allerdings hat man nur Zugriff auf eine begrenzte Anzahl von Optionen. So kann man etwa den SMB-Server nur einschalten, was man leider bei jedem Neustart des Rechners erneut bewerkstelligen muss. ├ťber diese Oberfl├Ąche kann man au├čerdem auch Backups anlegen, Benutzer verwalten und den Homie ein- und ausschalten.

Etwas verwirrend ist aber die Aufspaltung der Konfigurationsoptionen. Auch die Dokumentation ist etwas aufgest├╝ckelt: Unter ÔÇ×HilfeÔÇť findet man eher allgemeine Erl├Ąuterungen, die wichtigsten Anleitungen verstecken sich im Benutzerbereich unter ÔÇ×AnleitungenÔÇť und eine F├╝lle an weiteren Tipps finden sich in Videoform im Youtube-Bereich von Datamate.

Den so genannte Root-Zugriff auf das Linux-System beh├Ąlt sich Datamate aber vor. So kann nur der Hersteller etwa per Kommandozeile auf den Homie zugreifen und weitergehende Konfigurations├Ąnderungen vornehmen.

Cockpit ist eine gut gelungene Verwaltungsoberfläche, etwas versteckt sind die wichtigen "Anleitungen".
Vergr├Â├čern Cockpit ist eine gut gelungene Verwaltungsoberfl├Ąche, etwas versteckt sind die wichtigen "Anleitungen".

Daten verwalten

Die wichtigste Aufgabe ist die Nutzung als Dateiserver, etwa als Aufbewahrungsort f├╝r B├╝rodaten, Dokumente und Fotos. F├╝r diese Funktion bietet das Tool gleich mehrere M├Âglichkeiten wie per simplen SMB-Zugriff und per Medienserver.

Wichtigstes Tool f├╝r die Dateiverwaltung ist aber Seafile, eine Open-Source-L├Âsung, die man als Ersatz f├╝r Dropbox oder iCloud Drive nutzen kann. Wichtig ist vor allem die M├Âglichkeit, Ordner automatisch abzugleichen und eine Vielzahl komfortabler Client-Programme, Apps f├╝r iOS, Mac, PC, Android sind verf├╝gbar. Mit iOS 11 gab es anscheinend noch einige Probleme, die aber offensichtlich behoben sind. Die Wahl von Seafile ist verst├Ąndlich, unter Linux gibt es wenig Alternativen zu diesem aus China stammenden Projekt.

Mit dem iOS-Client hatten wir keine Probleme, er erm├Âglicht den bequemen Zugriff auf Serverdateien und das einfache Hochladen von Daten. Wie von ├Ąhnlichen Apps von Google und Microsoft bekannt, kann man damit beispielsweise seine iPhone-Fotos automatisch hochladen. Weniger Freude hatten wir mit der Mac-Version unter High Sierra. Hier gelang uns weder das Hochladen von ├╝ber 2 GB gro├čen Dateien, noch die Konfiguration eines Sync-Ordners. Ein Konfigurationsproblem, das leider nur per Fernwartung durch Datamate behebbar ist. Alternativ kann man aber auch den Desktop Drive Client nutzen, der den Server als Netzvolume mountet.

Einen Time-Machine-Server bietet der Homie leider nicht.

Webseite und Blog

Was der Homie ebenfalls bietet, ist eine sofort nutzbare Wordpress-Installation. Mit etwas Vorkenntnissen kann man sofort anfangen, eine eigene Webseite oder ein Blog zu ver├Âffentlichen, dank zahlloser Erweiterungen und Vorlagen stehen hier unz├Ąhlige M├Âglichkeiten offen. F├╝r die Ver├Âffentlichung im Web ben├Âtigt man als Heimanwender allerdings einen DynDNS-Dienst, ├Ąndert ein ├╝blicher DSL-Zugang doch regelm├Ą├čig seine IP-Adresse.

Wordpress ist vorinstalliert.
Vergr├Â├čern Wordpress ist vorinstalliert.

B├╝rodaten

Auch bei der Verwaltung von Kontakten, Kalendern und Aufgaben treffen wir auf vertraute Namen: Zust├Ąndig ist ein sabre/dav-Server, der vielleicht manchen noch als Grundlage f├╝r Projekte wie fruux und owncloud bekannt ist. Dank CardDAV und CalDAV-Unterst├╝tzung kann man nach einer Konfiguration (besser durch Datamate) seine Kontakte und Kalender zwischen iPhone, Mac, PC und Android abgleichen. Der Komfort ist dabei zwar begrenzt, daf├╝r funktiniert der Abgleich plattform├╝bergreifend.

Auch als E-Mail-Archiv kann der kleine Server dienen, allerdings ist das Funktionsangebot eher mager. Dank eines eigenen E-Mail-Servers kann man n├Ąmlich in seinem E-Mail-Programm f├╝r den Home zus├Ątzliches Postfach anlegen. Will man eine E-Mail archivieren, verschiebt man sie einfach in dieses Postfach. Die Mail landet dann automatisch auf der Homie-Festplatte. Eine simple aber brauchbare Backup-Methode.

E-Mails kann man über ein separates Postfach archivieren.
Vergr├Â├čern E-Mails kann man ├╝ber ein separates Postfach archivieren.

Medienplayer

Ein Spielerechner ist der Homie eigentlich nicht, dank einer integrierten Intel-Grafik macht er aber auch am hochaufl├Âsenden TV-Ger├Ąt eine gute Figur ÔÇô per Displayport und HDMI kann man den Homie n├Ąmlich direkt an einen Bildschirm anschlie├čen. Die Bedienung ist dann per Maus und Tastatur m├Âglich, man auf dem Bildschirm ausschlie├člich das vorinstallierte Programm Kodi ÔÇô ein Medienplayer mit erstklassigem Funktionsumfang. M├Âglich ist neben dem Abspielen so gut wie aller (unverschl├╝sselten) Video- und Audioformate auch der Zugriff auf Streaming-Daten. Plug-ins f├╝r ZDF und ARD kann man nachinstallieren, auf gesch├╝tzte Dienste wie Netflix und Amazon Prime dagegen vorerst verzichten. Gut eignet sich der Homie aber als Videoserver, im Unterschied zu Apple TV und iTunes beherrscht er auch Datenformate wie AVI und MKV.

Steam wird ebenfalls unterst├╝tzt, man kann also Spiele auf den Homie streamen und ihn als Konsolenersatz verwenden.

Kritikpunkte

Entt├Ąuscht sind wir ├╝ber die fehlende WLAN-Schnittstelle, ein Nachr├╝sten ist aber theoretisch ├╝ber einen internen Steckplatz m├Âglich. Bei Bedarf kann man Wi-Fi aber wohl am bequemsten ├╝ber einen Repeater mit Ethernet-Schnittstelle ersetzen.

Etwas ├╝berrascht sind wir, dass Sicherheitsupdates in der Voreinstellung nicht automatisch installiert werden. Man kann dies problemlos ├╝ber die Konfiguration ├Ąndern, es gibt aber einen guten Grund daf├╝r: Die Sicherheitsupdates und alle Updates f├╝r das Linux-System stammen aus externen Quellen und k├Ânnten andere Dienste beeintr├Ąchtigen. Datamate empfiehlt deshalb, Sicherheitsupdates im Rahmen einer Wartung durchf├╝hren zu lassen.

Fazit:

Den schicken Homie als Alternative zu iCloud oder Google Drive zu vermarkten ist nach unserer Meinung etwas problematisch. Der Funktionsumfang ist dann doch zu unterschiedlich: St├Ąrke des Homie ist vor allem die gute Performance als lokaler Fileserver und sein ungew├Âhnlicher Funktionsumfang. Die St├Ąrken des Homie liegen vor allem in seiner Plattformunabh├Ąngigkeit und Vielseitigkeit von so unterschiedlichen Diensten wie Kodi, Steam, Seafile und Wordpress.

Nach unserer Meinung ist aber ein wenig Vorwissen f├╝r die sinnvolle Nutzung n├Âtig und man muss sich ├╝ber einige f├╝r Open-Source-Produkte typische Einschr├Ąnkungen klar sein ÔÇô wie fehlende Unterst├╝tzung von DRM. Ohne tiefere Linux-Kenntnisse kommt man wohl auch kaum um einen Supportvertrag mit Datamate herum, der etwa 120 Euro pro Jahr kostet. F├╝r ein reines Mac-Netzwerk w├╝rden wir dann wohl doch bis auf Weiteres einen Mac Mini mit macOS Server vorziehen.

Technische Daten

Prozessor Intel Celeron G3930

Arbeitsspeicher 4 GB

Datentr├Ąger 2 TB SSHD

Netzwerk Ethernet

Schnittstellen: USB 3.0, USB 2.0, USB 3.0 Typ C, DisplayPort, D-Sub, HDMI

Erweiterbarkeit

(intern) 2x SATA 3.0 2x 2,5 Zoll (7mm und 9,5mm)

M.2 E2230 (Wifi+BT) | M.2 M2280 PCIe Gen 3 x4 (SSD)

Abmessungen [BxTxH] 18,5 x 16,5 x 11,0 cm

Gewicht 1,8 kg (ohne Netzteil)

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