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NDR: Beliebte Einkaufs-Apps geben sensible Daten weiter

13.12.2017 | 10:43 Uhr |

”Komfort statt Datenschutz?”, fragt der NDR in seiner Verbrauchersendung ”Markt” und kommt zu ernüchternden und für Nutzer bedenklichen Ergebnissen.

Für den NDR haben Konsumenten, aber auch Informatiker drei verschiedene Einkaufs-Apps untersucht, und zwar nach den Kriterien Komfort, was bringt es für den Nutzer an passenden Angeboten und Einsparungen, aber auch: Welche Daten werden tatsächlich übermittelt, auch ohne dass sich der Kunde dessen bewusst ist? Die Ergebnisse werden in einem etwa sechsminütigen Beitrag im Fernsehen und hier online vorgestellt und zusammengefasst (via iFun).

Dabei zeigt sich, dass Daten etwa an Google, Facebook und Marktforschungsunternehmen übermittelt werden. Dem hat man zwar als Nutzer bei der Datenschutzerklärung der jeweiligen App zugestimmt – doch die oft ellenlangen und im besten Juristendeutsch verfassten Texte liest bekanntlich kaum jemand.

Insgesamt wurden die drei Apps von Edeka, Budni und Rossmann ein halbes Jahr lang durch Nutzer getestet. Wirklich auf die individuellen Interessen geht demnach keine der drei Angebote ein. Doch immerhin konnte man mit der Rossmann-App Rabatt-Coupons sammeln und häufig zehn Prozent auf den kompletten Einkauf sparen.

Unter Datenschutzaspekten jedoch sind alle drei Apps bedenklich. So übermittelt die Rossmann-App nach Auskunft des Senders persönliche Daten der Nutzer nach der Registrierung vollständigen Namen, Alter und sämtliche Nutzungsdaten an ein Marktforschungsunternehmen. Dieser Vorgang wurde bisher nicht in der Datenschutzerklärung erwähnt, was nun zwar geändert werden soll. Doch wohlgemerkt lediglich die Einverständniserklärung, nicht das fragwürdige Verhalten.

Die Edeka-App, die unter anderem auch eine Rezeptdatenbank sowie eine virtuelle Einkaufsliste bietet und die auch für Bezahlvorgänge im Laden geeignet ist, erfasst laut NDR bei jeder Nutzung Standortdaten, aus denen sich prinzipiell Bewegungsprofile erstellen lassen könnten. Edeka bestreitet diese Konsequenz zwar, doch aus Sicht von Datenschützern bewege sich Edeka damit in einer Grauzone. Standortdaten dürften nur erfasst werden, wenn sie für die Funktion einer App erforderlich sind, etwa wenn der User den nächstgelegenen Markt sucht.

Insgesamt mögen solche Einkaufs-Apps für den Kunden den ein oder anderen Vorteil bieten – man sollte sich aber auch der möglichen Nachteile einer sehr weitgehenden Erfassung und Übermittlung der eigenen Daten und sogar des jeweiligen Standorts auch weitab eines Verkaufsladens bewusst sein. Alle drei der genannten Apps gibt es auch für das iPhone.

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