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Nest Cam Indoor - Überwachungskamera für die eigenen vier Wände

16.05.2017 | 17:57 Uhr |

Für die Überwachung von Innenräumen bietet die Google-Firma Nest eine hochwertige und leistungsfähige Überwachungskamera, teuer ist aber das ergänzende Online-Abo.

Schon auf den ersten Blick sieht man den Anspruch, den Nest bei seiner Nest Cam hat: Die kompakte Kamera ist nicht nur elegant, sondern besteht aus hochwertigen Materialien. In einer Wohnung ist die Kamera kein optischer Störfaktor, wie so manche Bilig-Webcams.  Im Unterschied zur letzten Woche von uns getesteten Nest Cam Outdoor ist sie für Innenräume gedacht.

Installation

Einen Akku besitzt die Kamera nicht, man muss die Cam deshalb per USB-Kabel mit einer Stromversorgung verbinden. Ein USB-Netzteil und ein langes USB-Kabel liegen bei, kompatibel ist die Cam aber mit so gut wie jedem USB-Netzteil. Schade: Das Gerät vom Google-Ableger Nest ist eine der wenigen aktuellen Überwachungskamera, die keine lokale Aufzeichnungsmöglichkeit bietet. Obligatorisch ist sonst ein Steckplatz für eine Speicherkarte, der hier fehlt.

Der Webdienst erstellt kurze Video-Clips mit allen Aktivitäten.
Vergrößern Der Webdienst erstellt kurze Video-Clips mit allen Aktivitäten.

Positionieren kann man die Kamera nicht nur auf Tisch und Regal, die Unterseite des Standfußes ist mit einem starken Magneten versehen. Dank schwenkbarem Kopf sind so sehr viele Aufstellungsmöglichkeiten verfügbar. Zubehör für eine Wandmontage oder Deckenmontage liegen ebenfalls bei, auch hier sorgt der Magnet für sicheren Sitz. Tipp: Schraubt man den Standfuß ab, kann man die Nest Cam sogar auf ein Kamerastativ schrauben. Die Inbetriebnahme ist sehr einfach: Man installiert die Nest-App auf iPhone oder Android-Handy und scannt mit einer Aufnahmefunktion den QR-Code auf der Rückseite der Kamera ein. Automatisch verbindet die App dann die Kamera mit dem Heimnetz. Nun muss man nur noch unter www.nest.com ein Online-Konto anlegen. Das dauert nur wenige Sekunden, dann kann man schon per iPhone und Webbrowser das Kamerabild aufrufen.

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Nest Aware

Kauft man eine 200 Euro teure Überwachungskamera, ist man natürlich wenig über ein zusätzliches Abo erfreut. Es ist außerdem nicht gerade günstig: Für 100 Euro pro Jahr erhält man nur Zugriff auf Videoaufnahmen der letzten zehn Tage, eine 30-Tages-Übersicht kostet 30 Euro pro Monat oder 300 Euro pro Jahr. Der hohe Preis ist aber nicht ganz unbegründet, da der Webdienst weit mehr als einen Cloud-Videospeicher bietet. Auf den Servern des Dienstes findet nämlich eine fortlaufende Analyse der Videos statt: Läuft eine Person durch das Bild, meldet dies der Dienst per App oder E-Mail und markiert in der Zeitleiste der Aufzeichnung die Stelle. Selbst wenn nur jemand am Fenster vorbeirennt, soll dies die Videoanalyse erkennen. Nur wichtige Aktivitäten will Net Aware dadurch melden, dagegen sollen bestimmte Bewegungsmuster, etwa die Bewegung von Ästen im Wind, keinen Alarm auslösen.

Auf Wunsch überwacht die Kamera nur einen kleinen Bildbereich.
Vergrößern Auf Wunsch überwacht die Kamera nur einen kleinen Bildbereich.

Statt durch Stunden an Videomaterials zu scrollen, sieht man so eine Übersicht an Video-Thumbnails und kann so schnell ganze Tage sichten. Es gibt hier außerdem eine Zoom-Funktion und Zeitraffer. Aber auch die Erkennung und Analyse von Ton erfolgt per Serveranwendung. Ein Gespräch, selbst ohne Bild, markiert der Dienst als Aktivität, permanente Geräusche einer Klimaanlage kann das System herausfiltern. Per Auswahlwerkzeug kann man außerdem im Browser die Bewegungserkennung auf einen bestimmten Bildbereich begrenzen, beispielsweise nur die Eingangstür oder ein Fenster überwachen.

Über Aktivitäten oder das Ausschalten der Kamera wird man benachrichtigt.
Vergrößern Über Aktivitäten oder das Ausschalten der Kamera wird man benachrichtigt.

In unserem Test funktionierte die Aktivitätserkennung hervorragend, wir waren aber überrascht, dass man die Empfindlichkeit der Bewegungserkennung nicht selbst einstellen kann. Das ist bei anderen Geräten üblich, etwa bei der ähnlichen Smart Cam von Samsung. Vermutlich ist dies aber eine Konsequenz der Web-Analyse.

Der Blickwinkel der Nest Cam ist sehr groß, das führt zu einer starken Verzerrung bei nahen Objekten.
Vergrößern Der Blickwinkel der Nest Cam ist sehr groß, das führt zu einer starken Verzerrung bei nahen Objekten.

Ohne Abo ist die Kamera eigentlich kaum nutzbar. So kann man mangels Speicherfunktion nur die letzten drei Stunden verfolgen - wenn ein Einbruch schon fünf Stunden zurückliegt, hat man Pech gehabt. Es gibt nur Aktivitätswarnungen, man erhält also einzelne Fotos zugeschickt. Vor allem die aufwendigere Personenerkennung ist nicht verfügbar. Man kann zudem keine Alarmbereiche festlegen, keine Clips erstellen und diese nicht exportieren. Der Verzicht auf einen internen Speichersteckplatz ist bei der Offline-Nutzung das größte Hindernis. Allerdings ist diese bei der Nutzung als Einbrecher-Schutz problematisch. Würde ein schlauer Einbrecher die Nest Cam doch als Erstes einsacken – inklusive Speicherkarte. So zeigt Nest auf seiner Webseite eine Reihe an echten von einer Nest Cam gefilmten Videos, bei denen die Einbrecher als Erstes die Kamera einsammeln, was ihnen dank Web-Aufzeichnung aber nichts half.

Hier filmt die Kamera einen Einbruch im so genannte Nachtmodus: Das Bild ist schwarzweiß aber die Qualität recht brauchbar.
Vergrößern Hier filmt die Kamera einen Einbruch im so genannte Nachtmodus: Das Bild ist schwarzweiß aber die Qualität recht brauchbar.
© Nest

Neben einem recht guten Mikro ist übrigens ein kleiner Lautsprecher integriert und erlaubt  die Kommunikation mit Haustieren und Eindringlingen.

Praxis

In unserem mehrtägigen Test funktioniert die Kamera problemlos, auch das häufige Wechseln eines Standortes ist gut möglich. Die Nutzung per iOS-App ist sehr praktisch, wir nutzten aber für die Konfiguration vor allem die Webseite. So sind manche Zusatzfunktionen wie das Festlegen von Alarmbereichen nur per Webaccount möglich. Eine Schwäche der App: Man kann einzelne Video-Clips auf das iPhone laden, die Übertragung bricht aber einige Male ab.

Gut gefällt uns die Bildqualität bei Tageslicht. Dank extremen Weitwinkel ist das Bild zwar verzerrt, kann aber einen ganzen Raum abdecken. Die Videos sind scharf und bieten eine gute Dynamik, bei schlechten Lichtverhältnissen sinkt die Bildqualität allerdings rapide. Gut gefällt uns ebenso die Bildqualität im Nachtmodus. Hier ist zwar nur eine Schwarz-Weiß-Bild verfügbar, aber auf hohem Niveau.

Für die Überwachung eines Außenbereichs wäre die Kamera im Prinzip auch geeignet. Bei einer dicht befahrenen Straße wird die große Menge der Aktivitäts-Erkennungen aber schnell lästig. Bei zu großer Entfernung funktioniert außerdem die Personenerkennung offensichtlich nicht mehr zuverlässig. Anders als auf der Webseite versprochen, ist die Kamera übrigens nur im 720p-Modus längere Zeit nutzbar. Man kann zwar eine Bildqualität von 1080p fest einstellen, dann erhitzt sich die Cam aber sehr stark. Bei Aufnahmen führte dies sogar zu einem starken Farbstich.

Fazit

Die Nest Cam ist eine erstklassige Überwachungskamera, der Kaufpreis von 200€ ist allerdings hoch und das Abo nicht ganz billig. Die automatische Analyse des Videomaterials ist aber die eigentlich Stärke der Lösung und macht die Überwachungskamera zudem einbrechersicher.

Nest Cam Indoor

Preis: Euro 200

Vorzüge: Einfache Installation, gute Videoanalyse, gute Bild- und Tonqualität

Nachteile: Nur 720p, keine lokale Speicherung der Aufnahmen möglich, teure Abo-Gebühr

Hersteller: Nest

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