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Netgear Arlo Pro: Überwachung für drinnen und draußen

23.05.2017 | 10:50 Uhr |

Die Arlo Pro von Netgear ist einerseits sehr flexibel, löst aber empfindlich aus. Ihr Alarm ist nicht unbedingt ein Plus.

Im Gegensatz zu der jüngst von uns getesteten Nest Cam Outdoor (und auch deren Indoor-Variante ) filmt die Arlo Pro von Netgear nicht rund um die Uhr, sondern löst immer erst dann aus, wenn der Bewegungsmelder etwas registriert. Das hat Vorteile: Denn die Arlo Pro kommt mit einem wiederaufladbaren Akku, der drei bis vier Monate halten soll, bis er an die Steckdose muss. Filmt und fotografiert die Kamera nicht rund um die Uhr, benötigt sie weniger Energie. Doch hat die Konstruktion auch Nachteile, denn in einigen Fällen fragen wir uns anhand der Aufnahme, was denn nun wirklich Anlass für einen kurzen Film gegeben hat – eine gewisse Verzögerung zwischen registrierter Bewegung und Aufnahme ist verständlich, zurück spulen, um die Vorgeschichte des Ereignisses zu untersuchen, geht leider nicht.

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Immerhin bietet Netgear im Gegensatz zu Nest auch einen kostenlosen Hostingservice, für sieben Tage kann man die Aufnahmen von bis zu fünf Kameras damit auf dem Server des Anbieters ablegen, wenn die Datenmenge 1 GB nicht überschreitet. Für höhere Ansprüche gibt es die Abos "Premier" mit der Unterstützung von bis zu zehn Kameras, 10 GB Speicher und 30 Tage Vorratsspeicherung für 89 Euro im Jahr; 139 Euro hingegen kostet "Elite", mit dem man Bilder von bis zu 15 Kameras auf 100 GB Speicher 60 Tage lang ansehen kann - die Preise sind deutlich günstiger als jene des Konkurrenten Nest.

Basistation erforderlich - höhere Reichweite gegeben

Ein weiterer Unterschied sticht hervor: Die Arlo Pro benötigt die mitgelieferte Basisstation und lässt sich nicht einfach so mit dem Web verbinden. Auch das hat Vor- und Nachteile: Während die Nest Cam Outdoor schon unmittelbar vor der Terrassentür, also der vom Router abgewandten Seite des Hauses über ein schlechtes Netz meckert und zeitweise sogar der Stream aussetzt, überträgt die Arlo auch noch von hinten im Garten, etwa 20 Meter Luftlinie von ihrer Basisstation entfernt, einwandfreie Bilder. Der Nachteil der Konstruktion: Es steht ein weiteres Gerät in der Nähe des Internetanschlusses, allmählich werden im Flur die Steckdosen knapp.

Ein daraus folgendes Problem wollen wir nicht der Kamera und ihrer Basisstation ankreiden: Beim Einrichten und beim Wiedereinschalten (eine Steckdose wurde anderweitig gebraucht...) fand das System zunächst nicht ins Internet. Den Ärger verursachte aber die an den Speedport-Router der Telekom angesteckte Time Capsule, die ein weit besseres drahtloses Netz für unsere Apple-Geräte aufspannt als der vom Provider gemietete Kasten. Stöpselten wir die Time Capsule ab, verband sich die Basisstation der Arlo aber sofort mit dem Netz und blieb auch nach Wiedereinschalten des Funkrouters von Apple im Netz – klingt zwar seltsam, konnten wir aber reproduzieren.

Software auf dem neuesten Stand

Die Einrichtung als solche war dann schnell erledigt, Konto bei Netgear eröffnet, Kamera einen neuen Namen gegeben. Sehr schön: Sofort nach dem Einrichten verlangt die App die Installation von neuer Firmware für Kamera und Basisstation. Nur, wenn man einem Gerät des "Internet oft Things" (IoT) Updates spendieren kann, fühlt man sich halbwegs sicher. Wir nehmen schließlich Bilder aus unserem Privatbereich auf. Interessant: Man hat per App (arlo) und über den Webbrowser Zugriff auf sein Konto und die Verwaltung der Kameras, aber nie gleichzeitig. Meldet man sich mit der App an, trennt der Webbrowser die Verbindung und umgekehrt. Immerhin kann man den Zugriff auf die Kamera mit Freunden teilen – respektive mit den Familienmitgliedern, die wir auch in diesem Test ständig filmen.

Für die Arlo benötigt man am Mac den Browser Chrome, Safari hilft nicht. Das Bild der Kamera ist alles andere als unscharf wie in der Abbildung....
Vergrößern Für die Arlo benötigt man am Mac den Browser Chrome, Safari hilft nicht. Das Bild der Kamera ist alles andere als unscharf wie in der Abbildung....

Das vierbeinige Familienmitglied indes zeigt eine der Schwächen der Kamera auf: Selbst die Katze löst den Alarm aus. Von einer Personen- oder gar Gesichtserkennung wollen wir gar nicht reden, aber man kann nicht einmal das von der Kamera betrachtete Bild in Zonen besonderen Interesses einteilen. Wenn der Kater knapp über der Grasnarbe vorbei läuft, sollte das für das Überwachungssystem eigentlich etwas anderes sein, als wenn eine Person den Garten betritt.

Denn Alarm kann die Arlo Pro im Gegensatz zu der von uns bereits getesteten Vorgängerversion im wahrsten Sinne geben, mit einer laut Hersteller mehr als 100 Dezibel lauten Sirene. Dass auf eine registrierte Bewegung ein Alarm folgen soll, stellt man in der App ein, bekommt darin aber auch die sinnvolle Warnung, diese Funktion vorsichtig einzusetzen. Denn die Sirene wird laut, richtig laut. Abstellen geht über die App oder über einen Schalter an der Basisstation, die diesen Alarm auch ausgibt. Wäre an sich besser, wenn auch die Kamera laut gäbe. Da diese aber wie gesagt nicht zwischen Katze und Person unterscheiden kann und im Zweifelsfall auch nicht zwischen Postboten und Einbrecher, erscheint uns der Alarm für unseren Einsatz in der Reihenhaussiedlung eher überflüssig. Für Gewerbegebiete mag das eine andere Sache sein.

Wer aber die Arlo kennt, würde sich auch kaum von einem Alarm abschrecken lassen. Wie gesagt: Der Film setzt mit gewisser Verzögerung ein, nähert man sich der Kamera aber von hinten oder weit von der Seite - 130 Grad nimmt das Weitwinkelobjektiv auf, kann sie ein versierter Einbrecher schneller abnehmen und in eine dunkle Tasche stecken, als es der Aufklärung einer Straftat dienen mag - der Alarm kann dann noch so laut gellen.

Impressionen aus der App: Nachtsicht, Akkuanzeige in den Einstellungen, Anmeldung per Touch ID
Vergrößern Impressionen aus der App: Nachtsicht, Akkuanzeige in den Einstellungen, Anmeldung per Touch ID

Denn auch hier streiten sich die Prinzipien Bequemlichkeit und Sicherheit miteinander. An Wände und Decken ist die Arlo Pro mittels eines halbkugelförmigen Magnethalters unkompliziert angebracht, aber eben auch genau so schnell wieder herunter gerupft. Gut gefällt uns jedoch, dass die Kamera auch über ein Gewinde für das Anbringen an ein Stativ mitbringt, der flache Boden ermöglicht zudem das Aufstellen auf beliebigen ebenen Flächen. Netgear liefert einen Aufkleber mit, der Passanten oder Besucher darauf hinweist, dass sie gefilmt werden, auch wenn sie die Arlo Pro vielleicht nicht sehen. Für eine rechtskonforme Überwachung eines öffentlichen Raumes reicht der Hinweis freilich nicht aus, ist aber für die Nachbarn mindestens eine nette Geste. Auf Nachfragen haben wir gezeigt, dass wir für unseren Test praktisch nur den Boden des hinteren Teils unseres Gartens auf dem Schirm haben...

Sensibler Bewegungsmelder, aber...

Über Bewegungen und deshalb neu erstelltes Filmmaterial informiert die Arlo per Pushnachricht auf dem iPhone und auf Wunsch auch per Mail. Die Push-Nachricht landet auch auf dem iPhone, aber ohne jedwede weitere Information als der, dass man besser mal in der App oder im Browser nachschauen sollte. Die Nest schickte uns ein Standbild ihrer jüngsten Aufzeichnung auf das Handgelenk.

Wie die Nest Cams dient die Arlo Pro auch als Gegensprechanlage, hierbei kämpft sie aber mit den gleichen Verzögerungen. Immerhin, für kurze Anweisungen an die Familie ("Bitte in die Kamera winken, falls ihr mich hört" – hat geklappt) oder das Haustier ("Runter vom Tisch!" – hat nicht geklappt) genügt die Zweiwege-Kommunikation auf alle Fälle, auch dem Postboten könnten wir auf diese Art und Weise sagen, wo er denn das Paket hinstellen soll. Echte Gespräche sind damit nicht möglich.

Die Arlo Pro filmt in 720p, auch nachts. Die Qualität reicht für den Zweck völlig aus, Clips lassen sich entweder in die Kamerarolle des iPhone herunterladen oder gleich in sozialen Netzen teilen. Das Nachtbild ist dank der unauffälligen Infrarotlichter auch völlig in Ordnung, auch wenn wir nicht immer erkennen, welches Tier denn nun die Aufnahme ausgelöst hat.

Natürlich kann man auch jederzeit über App oder Browser ein Live-Bild der Kamera aufrufen, um schnell nachzusehen, ob im Sichtfeld der Arlo Pro alles in Ordnung ist.

Fazit

Dank ihrer flexiblen Handhabung und ihrer Einsatzfähigkeit drinnen und draußen ist die Arlo Pro eine hervorragende Kamera zur Beobachtung von Haus und Hof. Da insbesondere der Alarm zu sensibel auslöst, die Kamera nicht ständig filmt und leicht entfernbar ist, lässt sich in punkto Sicherheit aber einige Wünsche offen. Um die Sicherheit der Daten muss man sich eher nicht sorgen und der Gratis-Online-Speicher für sieben Tage ist ein unschlagbares Angebot. Dafür ist das System mit einer Kamera und Basistation mit 340 Euro relativ teuer, das Paket mit drei Kameras kostet 780 Euro.

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