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Neuer Reader-Modus in Safari: Warum die Funktion für Probleme sorgt

29.06.2017 | 14:16 Uhr | Stephan Wiesend

Auf Wunsch öffnet die neue Safari-Version alle Seiten in der Leseansicht. Die Darstellung von Webseiten wie Macwelt.de wird allerdings verfälscht und ist moralisch problematisch.

Die kommenden Safari-Versionen von iOS 11 und High Sierra bieten eine interessante neue Option: Sowohl auf Mobilgeräten als auch auf Macs kann man vorgeben, dass Webseiten automatisch in einer Leseansicht dargestellt werden. Diese Seiten-Umformatierung namens "Reader" gibt es schon seit Safari 5, in den bisherigen Safari-Versionen muss man sie aber noch für jede Seite einzeln aktivieren. Ab iOS 11 und High Sierra kann man diese Ansicht sogar als Voreinstellung für alle Webseiten aktivieren. Auf einer Seite wie Macwelt.de oder Spiegel.de erscheint dann nur noch die Homepage in der originalen Ansicht, jeder einzelne Artikel wird automatisch in der Leseansicht geöffnet.

Aus Sicht des Anwenders klingt das natürlich äußerst praktisch: Man sieht nur noch den Text eines Artikels, lästige Banner und Overlays werden ausgeblendet und der Text erscheint in gut lesbarem Schwarz auf Weiß. Auf Sicht einer Webseite ist diese Funktion aber ein echtes Ärgernis. Und für unsere Seite Macwelt.de sogar aus mehreren Gründen.

Objekte wie dieser Textkasten werden vom Skript leider aussortiert.
Vergrößern Objekte wie dieser Textkasten werden vom Skript leider aussortiert.

Werbeblocker

Durch das Auslesen des Textteils einer Webseite filtert das Skript automatisch einen Großteil der Werbebanner und Anzeigen heraus. Diese sind aber bekanntlich nötig, um das Verfassen des Artikel finanzieren. So wird auch die Seite Macwelt.de schließlich durch Werbung finanziert und Werbeblocker werden immer mehr zu einem echten Problem. Nebenbei soll der Lesemodus sogar einige Paywalls überlisten können...

Ein Betreiber einer Webseite, zumindest wenn er von vielen Safari-Nutzern besucht wird, wird da reagieren müssen. Er könnte den Reader blocken oder die Webseite so aufbauen, dass die Anzeigen auch im Lesemodus zu sehen sind. Das macht aber nicht nur den Lesemodus obsolet: Durch das Layout werden die Anzeigen sogar hervorgehoben und unter Umständen wird sogar die Trennung zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt erschwert.

Artikel-Hack

Die automatische Umwandlung der Webseite sorgt aber noch für weitere Kollateralschäden, die schlimmer als bei jedem Adblocker sind. Mit unserer Seite Macwelt.de ist der Reader etwa nur eingeschränkt kompatibel, was an der primitiven Vorgehensweise des Skripts liegt. Bei Macwelt-Artikeln nutzen wir nämlich nicht nur Fließtext, sondern auch Tabellen, Textboxen und Listen – etwa um bei einem neuen Produkt alle neuen Funktionen aufzulisten. Bei Tipps und App-Tests binden wir außerdem gelegentlich GIFs oder Videos ein, um einzelne Funktionen zu erklären. Alle diese Objekte werden aber vom Reader-Skript einfach ausgeblendet, es fehlen also plötzlich wesentliche Bestandteile des Artikels. Was der Leser nicht wissen kann, er wundert sich nur über den „kurzen“ Artikel. Hunderttausende unserer alten und alle neuen Artikel mit dem Reader kompatibel zu machen wäre aber geradezu absurd.

Wir empfehlen deshalb, dass Leser die Reader-Ansicht nur bei einzelnen Artikeln nutzen (und natürlich für Macwelt.de den Automatik-Modus zu deaktivieren). Natürlich auch aus moralischen Gründen, nebenbei ist aber auch die Gefahr geringer, dass Bestandteile des Artikels unerkannt ausgefiltert werden.

Fazit: So komfortabel die neue Reader-Ansicht wirkt, sie hat auch einige Nachteile - und das nicht nur für werbefinanzierte Webseiten.

Macwelt Marktplatz

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