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Neues Special zum Safer Internet Day 2018

09.02.2018 | 14:08 Uhr | Peter Müller

An sich sollte man sich nicht nur an einem Tag im Jahr Gedanken zur Sicherheit im Netz machen. Aber der Anlass ist gut gewählt.

Heuer fiel der Tag auf den 6. Februar, Dienstag, der zweite Tag dieser Arbeitswoche. Die bereits die zweite, wenn auch nicht komplette, Woche in diesem Monat war, der wiederum als der zweite des Jahres durchgeht.

Man merkt der leicht schrägen Definition des Safer Internet Day an, dass Algorithmen in unserer digitalen Welt eine immer wichtigere Rolle spielen. Nicht nur diejenigen, die bei unserer Suchmaschine ausrechnen, was für uns am relevantesten sein könnte oder für unser Internetkaufhaus, was wir denn schon jetzt wieder dort holen sollten. Wir freuen uns auch auf die Algorithmen des HomePod, wobei wir Siri sicherlich eine gewisse Zeit des Lernens zugestehen müssen, bis sie versteht, was mit "Musik, die nicht stört" meinen, wenn wir danach verlangen. Algorithmen, also Rechenvorschriften, müssen auch wir analoge Systeme (andere sagen ja "Biochemische Hochleistungscomputer") verinnerlichen, etwa, wenn wir uns unser Masterpasswort merken wollen.

Wie das Hasso-Plattner-Institut (HPI) in seiner Mitteilung zum  "Change Your Password Day" am 1. Februar  mitteilte, nehmen immer noch viel zu wenige Internetnutzer die Sache Ernst genug und wählen neben "Passwort", "12345", "11111" eben auch "qwert" oder "qwerty" (englische Belegung) als ihr Zugangspasswort aus. Was die Sache besonders schlimm macht, setzen viele ein Passwort für alles ein - schlechte Idee, da kann das Kennwort kann noch so gut sein, weil es alle anderen Kriterien für ein sicheres Passwort erfüllt. Denn wird ein Server eines Anbieters gehackt, der es mit der Sicherheit nicht so genau nimmt, kann man es ja auf anderen Diensten mit der erbeuteten Kombination aus E-Mail und Passwort versuchen.

Ganz schlecht: Das Passwort für den E-Mail-Acoount zusammen mit dieser bei anderen Dienstes als Login verwenden. Sie kennen aber das Dilemma: Passworte dürfen nicht leicht zu erraten sein und in Zamonien-Romanen oder Lexika stehen oder gar als Geburtsdatum in Ihrem Pass, man sollte sie sich aber auch merken können.

Daher unser Tipp: Merken Sie sich kein Passwort. Merken Sie sich einen Algorithmus, mit dem Sie auf das Passwort kommen. Wie das geht, hat das HPI nicht beschrieben, also erklären wir es Ihnen. Nehmen Sie etwa Ihren Lieblingssong und verwenden jeweils die ersten Buchstaben des ersten Satzes. Bei Deep Purples "Smoke on the Water" wäre das also: "We all came down to Montreaux, on the Lake Geneva shoreline". Und somit: "WacdtMotLGs". Drehen Sie Groß- und Kleinschreibung um, aus dem "to" machen Sie gleich eine "2" und aus dem "o" eine "0": wACD2m0TlgS. Schon haben Sie ein sicheres Passwort - stünde es nicht hier. Aber Sie kennen bestimmt noch andere Songs.

Eine andere Methode: Merken Sie sich einen Satz, der in keinen Lyrics bekannter Lieder vorkommt. Etwa: "Einen schönen Algorithmus für Kennwörter lernte ich bei Macwelt." Gleich umgedreht und nach ein paar Ersetzungen für Buchstaben ergibt das: "1Sa4kL!Bm" Auch recht sicher, würde es nicht hier stehen. Aber immer noch recht kurz, zehn Zeichen sollte ein Passwort schon haben.

Aber Sie sollen es ja nicht auf mehreren Seiten verwenden, sondern nur dessen Algorithmus. Für den Login bei Macwelt Plus Digital könnten Sie Ihren Merksatz ja fortführen mit: "So verwende ich es bei Macwelt Plus Digital" und damit das Kennwort ergänzen mit: "sV!EBmpd". Die letzten drei Buchstaben wären dann bei einem jedem Dienst anders und da Sie ja auch mehr als einen Merksatz memorieren können, sollte das für viele Fälle genügen. Denn auch wenn Passwortmanager inklusive der in Safari integrierten Technologie gut weiterhelfen und Sie dafür nur ein absolut sicheres und merkbares Masterpasswort benötigen - überall kommen Sie damit nicht weiter. 

PINs für Bankkarten sind noch ein Sonderfall: Es gibt eben nur vier Ziffern. Die können Sie aber bei den meisten Diensten ändern, aber eben bitte nicht in 1111, damit Sie sich das besser merken können. Tipp für Freunde des rollenden Balls: Nehmen Sie jeweils zwei Ziffern und merken sich den Meister in jenen Jahren, für die diese Zahlen dann stehen. Die PIN 5954 würde etwa die Eselsbrücke "Eintracht Frankfurt - Hannover 96" ergeben, aber was machen Sie bei 0510? Der FC Bayern kommt noch weitere 25mal in dieser Liste vor und ob man immer gleich die Erfolge des Berliner TuFC Union und des Karlsruher FV aus dem vorigen Jahrhundert parat hat, lässt sich schwer abschätzen.

Nur sind sichere Passworte nur ein Punkt der Internetsicherheit, viel mehr ist notwendig, um das allgegenwärtige Medium und Werkzeug für sich gewinnbringend zu nutzen. Dazu gehört auch ein gewisse Skepsis, denn nicht alles, was wir in unserem Browser oder unserem Maileingang lesen, ist auch wirklich wahr. Die "Nachrichten" aus unserer Filterbase bedürfen ebenso der kritische Überprüfung wie die Versprechungen vermeintlicher Erblasser, man würde bald einen Batzen Geld bekommen, überweise man vorher eine Bearbeitungsgebühr. In analogen Zeiten nannte man die Filterblase "Stammtisch", den Trickbetrüger auch "Nepper", "Schlepper" oder "Bauernfänger", durch die digitale Revolution kommen wir nur mit einer schieren Unendlichkeit derartiger Phänomene in Kontakt. So beginnt die Sicherheit im Internet immer am gleichen wesentlichen Punkt: Bei einem selbst. So sandt der Safer Internet Day im Jahr 2018 auch unter dem Motto: "Create, connect and share respect: A better internet starts with you". Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.

Außer vielleicht noch: Viel Lesevergnügen mit unserem digitalen Special zur Internetsicherheit! Das Special erhalten Sie ab Freitag Nachmittag in unserer App Macwelt für iPhone und iPad für 2,29 Euro als In-App-Kauf. Abonnenten von Macwelt Plus können das Special ohne weitere Kosten von unserer Website laden.

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