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New York Times sorgt sich um Standortdaten-Sammlung vieler Apps

11.12.2018 | 14:39 Uhr | Stephan Wiesend

In einem sehr ausführlichen Report problematisiert die US-Zeitung die Erfassung von Standortdaten – mit eindrücklichen Animationen.

Auf Smartphones installierte Apps sammeln häufig Standortdaten, was für viele Anwender eher harmlos klingt. Fachmedien haben dieses Thema schon häufig problematisiert, auch in den USA wird dieser Eingriff in die Privatsphäre anscheinend immer kritischer gesehen, wie ein aktueller Bericht der New York Times zeigt . Alle datensammelnden Firmen legen zwar großen Wert darauf, dass die Daten anonymisiert werden, also keine persönlichen Daten erfasst werden. In einigen aufwendigen Animationen führt der Artikel aber vor, wie diese kleinen Informationsmengen sehr wohl eine Identifizierung ermöglichen und sehr viel über einen Nutzer verraten: Regelmäßige Wege zu einem bestimmten Arbeitsplatz machen die Identifizierung möglich, ob man bei einem Arzt war und wie lange. Die Datenmengen sind enorm: Bei einer von der Zeitung ausgewerteten Datenbank wurden in einem Zeitraum von vier Monaten 8600 Standortbestimmungen gesammelt  –  problemlos konnte die Zeitung (mit Einwilligung der überwachten Frau) ihre Tagesgewohnheiten nachvollziehen, etwa wie oft sie Weight Watchers oder ihren Ex-Freund besuchte – oder zum Flughafen fuhr. Bedenklich finden die Autoren aber auch, wie umfassend Schulen, Krankenhäuser und stattlichen Einrichtungen überwacht werden.

Nach Recherchen der NYT sind es mindestens 75 Firmen, die allein in den USA 200 Millionen Geräte auswerten. Im Zusammenhang steht dies mit dem Wachsen des Marktes für ortsbasierte Werbung, der dieses Jahr einen Umsatz von 21 Milliarden US-Dolller erreicht haben soll. Genutzt werden die Daten aber auch von Firmen wie Sense360, die Restaurantketten wie Chipotle und Jack in the Box mit Bewegungsdaten versorgen.

Von den genannten Firmen, zu denen auch IBM gehört, werden die Daten teils weiterverkauft, ausgewertet oder verwendet. Zehn näher analysierte Apps für iOS und Android sammelten Bewegungsdaten, dazu gehören die Wetter-Apps "WeatherBug" und "The Weather Channel", "The Score" und die Verkehrsapps "Gas Buddy und DC Metro and Bus" sowie "Tube Mac – London Underground". Aber auch die Apps "Perfect 365", "Snip Snap" und das Spiel "Masha and the Bear" sammelten Daten. Auf Anfrage reagierten manche App-Hersteller gar nicht, viele antworteten, das Sammeln der Daten würde in der Datenerklärung angekündigt. Allgemein ist der Standpunkt, die Nutzer würden für die Weitergabe der Daten schließlich auch Dienste, Belohnungen oder Rabatte erhalten. Nach Meinung der Zeitung ist aber vielen Nutzer weder das Ausmaß der Datensammlung bekannt, noch die Privacy-Funktionen von iOS oder Android.

Zumindest eine Ankündigung von Apple soll diese Industrie aber aufgeschreckt haben: Apple hatte angekündigt, das System würde die Ortsbestimmung einer App mit einem blauen Balken signalisieren.

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