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Nokia Steel HR im Test: Stillvolle Hybrid-Uhr mit Herzfrequenzsensor

16.05.2018 | 15:54 Uhr |

Auf dem Markt der Hybrid-Uhren ist die Nokia Steel HR fast konkurrenzlos: Neben den üblichen Benachrichtigungen bietet die Uhr einen Herzfrequenz-Sensor.

Wer sich auf den Markt der intelligenten Uhren umschaut, muss Entscheidungen treffen: Entweder gibt es voll ausgestattete Smartwatches, die meistens groß und klobig sind, oder man muss zu einer Hybrid-Uhr greifen, die Benachrichtigungen des Smartphones abstrakt darstellt, oder man wählt die klassischen Fitness-Tracker, die allerdings nur teilweise smart sind. Nokia Steel HR vereint zumindest beide letzteren Optionen: Sie ist wohl momentan die einzige hybride Uhr auf dem Markt, die noch einen Herzfrequenzsensor eingebaut hat. Das Design hat sich im Vergleich zum Vorgänger – Withings Aktivité Steel – nur ein wenig verändert. Nokia Steel HR hat noch einen zusätzlichen LCD-Bildschirm auf dem Zifferblatt untergebracht, dieser dient der Anzeige der verfügbaren Benachrichtigungen und der gerade gemessenen Herzfrequenz. Der zusätzliche Sensor hat seinen Preis – die Uhr ist im Unterschied zu dem Vorgänger um 1,5 mm dicker geworden (13 mm bei Steel HR vs. 11,5 mm bei Steel). Allerdings ist dies ziemlich gut durch die leicht geneigten Armband-Halter kaschiert, mit 36 mm Durchmesser ist Steel HR etwas kleiner als die Apple Watch, insgesamt macht die Uhr einen richtig eleganten Eindruck.

Nokia Steel HR
Vergrößern Nokia Steel HR

Healt Mate – App und Web-Oberfläche

Das Herz- und Gehirnstück rund um die Nutzung der Nokia Steel HR ist die App Health Mate, quasi von Withings geerbt, jedoch konsequent weiterentwickelt. Die Oberfläche ist aufgeräumt, wer sich jedoch an die Aktivitäts-App der Apple Watch gewöhnt hat, muss etwas umdenken. Die wichtigsten Daten werden in einer Art Zeitachse dargestellt: Alle gemessenen Parameter, erworbene Auszeichnungen,absolvierte Trainings werden chronologisch sortiert dargestellt. Wer eine Zusammenfassung einer Woche bzw. eines Monats will, ist besser mit der Weboberfläche von Health Mate bedient. Doch zurück zu der App – diese ist die primäre Steuerungszentrale für die Uhr. Die Ersteinrichtung wird ja schließlich über die App vorgenommen. Ist die Uhr eingeschaltet, wählt man unter den "Geräten" Nokia Steel HR, auf dem Display der Uhr blendet sich daraufhin eine Zahl ein, diese tippt man in der App ein, das iPhone und die Steel HR sind fortan gekoppelt.

Sehr löblich finden wir den zusätzlichen Schutz in der App: Nach Wunsch kann man sich beim Öffnen mit der Touch ID identifizieren lassen. Dies kann man unter "Profil – Einstellungen – Touch ID" finden.

Ansonsten ist die Nutzung der App ziemlich selbsterklärend: In der vertikalen Zeitachse stellt Health Mate die mitgeschnittenen Daten vor: Schritte, Verlauf der Herzfrequenz, ermittelte Aktivitäten und Schlafdauer. Mit dem Klick auf die jeweilige Grafik gibt es noch ein bisschen weiterführende Auswertung, sonntags bringt die App eine Zusammenfassung der Woche. Was uns ziemlich gut gefällt: Man kann getrost das iPhone zu Hause lassen, am Abend synchronisiert die Uhr die gesammelten Daten, nichts geht verloren. Wer will, kann die Daten in die Health-App von Apple einfließen lassen. Dafür muss man in der Health-App unter "Quellen" die Nokia-App auswählen. Fortan landen die Daten ebenfalls bei Apples nativen App.

Wie ausgiebig die Vital-Daten in der App dargestellt sind, so beschränkt sind die Benachrichtigungsfunktionen. Unter iOS kann Nokia Steel HR eigentlich nur drei Arten der Benachrichtigung schicken: Wenn jemand anruft, wenn jemand eine SMS oder iMessage schickt, oder wenn ein neuer Termin im Kalender bevorsteht. Keine weiteren Messenger-Dienste, keine Mail-Clients werden unterstützt. Diese Beschränkung finden wir recht überholt, kann doch der kleine LCD-Bildschirm auf dem Zifferblatt zumindest App-Icons und den Namen des Absenders darstellen. Nichts spricht also gegen eine kurze Benachrichtigung von Whatsapp oder dergleichen.

Praxiserfahrung

Im Alltag ist die Steel HR angenehm unauffällig, im Vergleich zu den teilweise deutlich größeren Smartwatches passt sie in jeden Ärmel. Wir haben sie gleichzeitig mit der Apple Watch getragen und auf die Genauigkeit getestet: Bei der Pulsmessung ist Steel HR recht zuverlässig: Egal ob beim Sport oder auf dem Sofa zeigte sie vergleichbare Herzschläge wie die Apple Watch auf dem anderen Arm. Die Anzeigen der beiden Geräte unterschieden sich um 1-2 Herzschläge pro Minute.

Dagegen ist das automatische Aktivitätstracking richtig willkürlich. Health Mate verspricht dem Nutzer, bestimmte Tätigkeiten wie Laufen oder Schwimmen zu erkennen und diese entsprechend zu analysieren. In unserem Praxistest blieb dies jedoch nur ein Versprechen: Bei einer längeren Wanderung hat uns die App zwei Schwimmeinheiten von elf und sieben Minuten attestiert, na gut, laut der App sind wir an dem gleichen Tag ebenfalls über mehr als drei Stunden zu Fuß gegangen. Die Trainingseinheiten kann man auch manuell starten und aufzeichnen, doch auch hier sind wohl die Algorithmen noch richtig fehlerhaft: Bei einem Fitness-Training von zwanzig Minuten (in der Wirklichkeit dauerte es eine Stunde und sechs Minuten) hat uns die Health Mate 48 verbrannte Kalorien zugestanden. Selbst für unser Gewicht ist das eindeutig zu wenig, die Apple Watch registriert beispielsweise nach sieben Minuten Cardio die gleichen Ergebnisse.

Was allerdings deutlich besser funktioniert ist die Schlafaufzeichnung. Diese läuft richtig komfortabel, also ohne jegliches Zutun des Nutzers. Über den Sinn und Zweck einer solchen Schlafanalyse kann man sich streiten, doch Anfang Mai hatten wir eine Schlaf-App für die Apple Watch getestet und die Daten mit denen von Health Mate verglichen. Bei den Stichproben von vier Tagen waren sie erstaunlich konsistent.

Die Nokia Steel HR kommt mit einer vergleichbaren runden Scheibe zum Aufladen, wie die meisten Smartwatches sie auch haben. Allerdings hatten wir sie nach einem Monat Tragen und Testen nicht ein Mal gebraucht: Gestartet haben wir mit der Anzeige von 100 Prozent, nun nach mehr als einem Monat zeigt die Uhr rund elf Prozent vom verbliebenen Akku. Nokia verspricht auf der eigenen Seite 25 Tage bei einer normalen Nutzung .

Fazit

Nokia Steel HR ist ein guter Kompromiss zwischen den Gesundheitsfunktionen der üblichen Fitness-Tracker und der Eleganz einer normalen Uhr. Allerdings sind die Tracking-Möglichkeiten etwas enttäuschend, will man ein bisschen mehr außer der zurückgelegten Strecke und den getätigten Schritten wissen. Will Nokia bzw. der neue Inhaber Éric Carreel ernsthaft mit den üblichen Fitness-Tracker aufnehmen, muss der Aktivitätsalgorithmus genauer werden. Oder man lässt dem Nutzer mehr Optionen für die manuelle Aufnahmen der eigenen Sporteinheiten. Beim Kauf von Nokia Steel HR würden wir gleich zum Lederarmband raten – das Silikon-Armband hat nach ein paar Wochen eine gereizte Stelle an der Haut verursacht. Unsere Kollegin der Macworld USA hat übrigens die gleichen Erfahrungen gemacht.

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