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Nuance Dragon 6: Diktierprogramm spürbar besser

24.02.2017 | 08:42 Uhr |

Dragon 6, aktuell einziges professionelle Spracherkennungsprogramm für den Mac, hat sich mit der neuesten Ausgabe trotz einiger Mängel deutlich verbessert.

Bei Produkt-Updates versprechen Entwickler selbstverständlich immer nur das Beste an Neuerungen und Optimierungen. Schließlich soll der Nutzer stets gern die neueste Softwareversion kaufen. Was gerade bei Nuance Dragon (früher Dictate und vorher Macspeech) deutliche Löcher im Geldbeutel hinterlässt, denn ganz neu und von der Stange gekauft legt man dafür inzwischen immerhin 300 Euro hin. Dafür darf man dann aber auch wirklich einiges erwarten. Zum Beispiel, dass Dictate 6 sehr viel schneller im Einsatz ist als die früheren Ausgaben, nämlich ohne langwieriges und nervtötendes Sprachtraining. Oder dass die Erkennungsrate der diktierten Wörter und Befehle noch einmal deutlich nach oben gegangen ist. Und der Start sowie die Sicherung der erkannten Wörter nun flotter verlaufen.

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Unser Test der Vorgänger-Version Nuance Dragon 5 findet sich hier .

Nuance Dragon 6: Probleme im Detail

Alle genannten Punkte können wir letztlich positiv bestätigen. Es war aber eine recht zähe Odyssee für unseren Test, bei dem uns der Entwickler zwar tatkräftig unterstützt hat; dennoch ließen sich nicht alle Probleme und Fragen ausräumen. Sehr ärgerlich war, dass nach einem guten Anfang das Programm plötzlich jedesmal abstürzte, wenn wir ein Wort über das Korrekturfenster verbessern oder neu anlernen wollten. Mit einem frisch angelegten Sprachprofil und neuem Benutzeraccount auf dem Mac gab es dieses Problem zwar erst einmal nicht mehr, aber man möchte schließlich auch in seiner gewohnten Arbeitsumgebung zügig diktieren und freimütig korrigieren dürfen. Es dauerte eine Weile, bis wir nach mehreren Rücksprachen und Versuchen eine Version erhielten, mit der dies wieder einwandfrei gelingt.

Ausgezeichnete Erkennungsrate

Aktuell testen wir mit Nuance Dragon 6.0.5. Und hier ist die Erkennungsrate äußerst beeindruckend. Alltägliche Worte und auch viele Fremdwörter erkennt Dragon 6 ohne jedes Murren. Wir benutzen ein externes USB-Mikrofon, das von Nuance nicht offiziell zertifiziert ist, aber das schadet überhaupt nichts. Ein derart positives Diktiererlebnis hatten wir in all den Jahren mit unterschiedlichsten Konfigurationen und Spracherkennungssoftware diverser Entwickler inklusive IBM, Macspeech und Nuance noch nie, auch die bislang immer deutlich bessere Windows-Version von Nuance kann bei der Genauigkeit kaum mithalten. Nachdem nun auch die Korrekturversuche nicht mehr zum Absturz, sondern zum Lernerfolg mit neuen Wörtern führen, sind wir damit mehr als zufrieden. Nuance verspricht in der neuen Version 99 Prozent Erkennungsgenauigkeit – so präzise lässt sich das nur mit normierten Texten nachprüfen, und solche gewollten Tests entsprechen auch nur selten realen Arbeitsbedingungen. Bei Wörtern jedenfalls, die alltäglich oder im Büro üblich sind, und mit einigermaßen klarer Aussprache erzielen wir beim Diktieren in den unterschiedlichen Applikationen zumeist sehr gute Ergebnisse. Das klappt auch in Apple Mail, obwohl dieses offiziell von Dragon 6 nicht unterstützt wird. Hier, wie auch in anderen Mac-Apps, gibt es freilich noch öfter Probleme mit dem Cursor.

Wilde Textsprünge

Denn nach wie vor, man kennt das schon aus den früheren Versionen, springt der Cursor bei bestimmten Aktionen an beliebige Textstellen und kann diesen regelrecht verschandeln, indem schon erkannte Wörter ”zerstört” und andere Begriffe einfach irgendwo eingesetzt werden. Das kommt nicht mehr so häufig vor wie in älteren Versionen, ist aber trotzdem unangenehm. In einem solchen Fall zunächst vor jeder anderen Aktion ”Befehlstaste-Z” gegebenenfalls mehrfach drücken, damit man wieder den regulären Text vor sich hat. Danach funktioniert es fast immer wieder, oder man muss Dragon 6 auch einmal neu starten.

Das Profil wird jetzt immerhin sehr viel flotter und weniger umständlich gesichert, sobald etwas Neues dazugekommen ist. Hierzu geht man einfach in den Ruhemodus für das Mikrofon, dann speichert Dragon automatisch. Und auch sehr viel zügiger – ebenso, wie die neueste Version deutlich schneller startet als alle anderen zuvor.

Probleme bei der Dokumentenanalyse

Was beim aktuellen Test leider noch nicht behoben ist: Wenn wir im Dragon-Menü auf "Erkennung verbessern/Vokabular trainieren" gehen, lassen sich bereits vorliegende Dokumente des Nutzers auf deren Wortschatz hin analysieren. Dieser wird dann nach Zuweisung des Users dem Sprachschatz für Dragon hinzugefügt. Dummerweise werden bei uns viele Substantive und Eigennamen einfach nur in Kleinschreibung angezeigt. Das geht gar nicht und nutzt auch wenig. Hier warten wir bald auf eine verbesserte Version, die diesen Fehler nicht mehr aufweist.

Transkriptionsmodus stark verbessert

Uns gefällt der stark verbesserte Transkriptionsmodus. Diesen erreicht man über das Dragon-Programmmenü, das im oberen Fensterbereich als Menuett verankert ist. Mit einem Diktiergerät – auch mit entsprechender App über das iPad oder iPhone – aufgenommenen Text kann man nun gleich mehrfach dem Transkriptionsfenster hinzufügen. Auch hier ist die Erkennungsrate, wenn nach der Transkription der geschriebene Text vorliegt, sehr viel höher als früher. Und die umständlichen manuellen Korrekturen von falsch erkannten Wörtern entfallen jetzt, dies erledigt man einfach in Textedit, Microsoft Word oder auch Pages und anderen passenden Textverarbeitungen. Sehr viel Arbeit ist das zum Glück nicht mehr. Unterstützt bei der Transkription werden freilich längst nicht alle gängigen Formate von Diktiergeräten, eine Übersicht zu den technischen Anforderungen findet sich hier . Gelegentlich stürzt das Programm beim Wechsel zwischen den beiden Modi (Spracherkennung/Transkriptionsmodus) ab – wie auch bei anderen, aber erfreulicherweise nur noch seltenen Anlässen.

Systemanforderungen und Verfügbarkeit

Ausführliche Informationen zum neuen Nuance Dragon gibt es auf der Website des Anbieters . Demnach ist für die Installation mindestens OS X 10.11 El Capitan erforderlich, volle Unterstützung findet nun auch macOS 10.12 Sierra. Wie schon erwähnt,  nutzt Nuance seine Quasi-Monopolstellung als professionelle Spracherkennung auf dem Mac auch für einen saftigen Preis, neu sind dafür satte 300 Euro zu zahlen, ein Headset ist hier noch nicht dabei. Doch tun es nach unserer Erfahrung auch handelsübliche, etwas höherwertige USB-Mikrofone, wir haben beispielsweise das Auna CM280 Kondensatormikrofon für gut 60 Euro im Einsatz, was bequem ist, weil man es einfach vor sich auf dem Tisch stehen hat. Schon bei der früheren Version klappte das auch recht gut über das im Mac eingebaute Mikrofon. Upgrades von früheren Versionen (ab Dictate 4 ) schlagen mit immerhin noch 150 Euro zu Buche.

Fazit und Empfehlung

Zunächst gibt es zu Nuance Dragon 6 keine wirkliche Alternative auf dem Mac, die Apple-Spracherkennung bietet längst nicht so viele Möglichkeiten und Optionen. Dafür ist der Preis für Dragon sehr hoch, und dementsprechend darf man einige Ansprüche an die Software stellen. Was die Erkennungsgenauigkeit beim Diktat betrifft, können wir dies fast uneingeschränkt empfehlen. Viele Nutzer werden die spezielle Vokabularanalyse aus vorliegenden Dateien nicht benötigen. Berufsgruppen dagegen wie etwa Juristen, Mediziner oder andere Fachleute mit speziellem Vokabular aber durchaus. Für diese ist es mühsam, die Spezialbegriffe jeweils einzeln anzulernen. Hier muss man hoffen, dass Nuance bald eine voll funktionierende Ausgabe nachlegt.

Wer auf dem Mac in fast allen Programmen und Situationen schnell und professionell diktieren oder aufgenommene Sprache transkribieren will, kommt an Dragon 6 nicht vorbei. Und wenn man dann im Alltag und beruflichen Kontext per Stimme sehr viel schneller schreiben und verfassen kann, mildert dies den Schmerz über das Loch in der Brieftasche nach dem Kauf der Software immerhin ein wenig …

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