2404717

Office im Mac App Store: Wird er jetzt doch ein Erfolg?

29.01.2019 | 13:22 Uhr | Stephan Wiesend

Nach langem Zögern hat Microsoft Office 365 im Mac App Store bereitgestellt: Schafft der App Store 2019 endlich die Wende – und warum?

Auf dem iPhone und iPad hat der iOS App Store eine komfortable Monopolstellung: Nur hier kann der iOS-Nutzer neue Software beziehen, Spiele kaufen und Updates laden. Alternative Bezugsmöglichkeiten gibt es nicht, der nur für Hacker geeignete Cydia Store hat mittlerweile dichtgemacht. Geradezu ein Trauerspiel ist aus Sicht von Apple dagegen der Mac App Store, der eigentlich die gleiche Rolle auf dem Mac spielen sollte. Selbst ein Heimvorteil wie automatische App-Updates und Vorteile bei den Lizenzen konnten ihm nicht helfen – noch immer verschmähen viele Softwarehersteller ihn und setzen auf eigene Shops und Alternativen wie SetApp .

Vor allem die Software-Schwergewichte Microsoft und Adobe hielten sich bisher vom App Store fern, dabei ist vor allem die Office Suite von Microsoft eines der beliebtesten Mac-Programme – und das schon seit 1985! Erst jetzt hat Microsoft umgeschwenkt, seit wenigen Tagen kann man nun Office auch über Apples App Store beziehen – wenn auch nur die Abo-Version Office 365, die Kaufversion Office 2019 ist nur über Microsoft oder den Fachhandel verfügbar.

Warum erst jetzt?

Adobe und Microsoft hatten einen einfachen Grund, auf den App Store zu verzichten: Warum an Apple eine hohe Gebühr zahlen, wenn man seine Produkte problemlos ohne teuren Vermittler an den Mann bringt? Hinter den Kulissen hat sich in den letzten Monaten aber offenbar viel getan, mit dem Marketingvorstand Phil Schiller ist ja seit Ende 2015 einer von Apple renommiertesten Mitarbeitern für die Weiterentwicklung zuständig.

Es überraschte aber doch, als Apple während der Keynote 2018 eine ganze Flut neuer App-Store-Anbieter ankündigen konnte. Die wichtigste Ankündigung war wohl Microsoft Office 365 im App Store, aber auch Lightroom CC wird im App Store erscheinen – beides eine echte Bereicherung für den Store. Barebones und Panic sollen ebenfalls zurück in den App Store kommen, beiden Anbieter hatten ihre beliebten Apps BBedit und Transmit vor einigen Jahren bewusst aus dem Store entfernt.

 Zu den neuen App-Store-Anbietern werden neben Microsoft und Adobe übrigens Serif, Bloom, Feral, Corel, Snapchat, Blackmagicdesign, Aspyr, Intua und Houseparty gehören. Offensichtlich hat Apple den Herstellern ein Angebot gemacht hat, das sie nicht ausschlagen wollten –  von den Softwareentwicklern selbst gab es dazu leider noch immer keinen Kommentar. Warum aber das Umdenken? Ursache ist vermutlich, dass sich im Softwarebereich Abos immer weiter durchsetzen. Vor allem Apple setzt stark auf das Mietmodell.

So berichtet „Business Insider“ von einem Treffen von Apple mit 30 Entwicklern, das 2017 stattfand. Die Entwickler wurden von Apple wohl gezielt als Repräsentanten des App Store ausgesucht. Apple stand damals kurz vor dem Umbau seines iOS-Stores und wollte offensichtlich um Unterstützung der Entwickler werben. Das Geschäftsmodell der Apps habe sich geändert und Entwickler erfolgreicher Apps müssten auf langfristige Einnahmen achten. Eine ideale Lösung ist nach Meinung von Apple deshalb der Wechsel zu einem Abo-Modell. So ist es sicher kein Zufall, dass der Entwickler des FTP-Programms Transmit seine lang erwartete App-Store-Version nur als Abo bereitstellt und in seinem Blog die Entscheidung ausführlich erläutert. Nur über die Webseite die Herstellers ist die uneingeschränkt lauffähige Version noch verfügbar.

Die App Store-Version von Transmit gibt es nur als Abo.
Vergrößern Die App Store-Version von Transmit gibt es nur als Abo.
© Panic

Sogar für Spiele plant Apple offenbar ein Abo-System, wie gerade Cheddar berichtete : Das System soll ähnlich wie Netflix funktionieren und dem Kunden gegen eine Monatsgebühr Zugriff auf eine Sammlung an Spielen ermöglichen.

Bei Kunden ist das Mietmodell oft wenig beliebt, vor allem deutsche Kunden sind bei Software-Abos besonders zögerlich – ganz im Unterschied zu US-Kunden übrigens. Bei der Pflege und Vermittlung von Abos hat man aber als App-Store-Entwickler einige Vorteile – Apple übernimmt die Verwaltung und sorgt für reibungslose Abrechnung und das Aufspielen der Updates.

Versüßen soll den Entwicklern das neue System außerdem eine Sondergebühr: Im ersten Jahr berechnet Apple zwar wie üblich eine App-Store-Vermittlungsgebühr von 30 Prozent, ab dem Folgejahr ist es aber nur noch 15 Prozent vom Abopreis.

Ob aber Apple wichtigen Kunden wie Microsoft vielleicht sogar eine Sondergebühr gewährt? Nicht nur John Gruber von Daring Fireball hat da so seine Zweifel , bisher ist aber noch nichts davon bekannt. Neben simplen Rabatten hat Apple ja außerdem noch andere Anreize für Kunden zu bieten, etwa eine bevorzugte Platzierung im App Store.

Unsere Meinung:

Warum hat sich Microsoft aber erst jetzt umentschieden? Vielleicht hat Microsoft neben dem soliden Abo-Modell von Apple ja noch einen weiteren Grund: Vor allem die Rolle der iOS-Version von Office sollte nicht unterschätzt werden. Bei Firmenkunden ist Apple mit seinen Macs zwar nur begrenzt erfolgreich, vor allem in amerikanischen Unternehmen sind aber iPhone und iPad ein Standard – und Outlook auf dem iPhone ist weiter verbreitet als mancher ahnt. Durch die Aufnahme im App Store kann die Verteilung von Office-365-Lizenzen aber noch problemloser über Unternehmungslösungen wie den Apple Business Manager erfolgen – für Administratoren eine echte Erleichterung. (Eine Anleitung dazu hier .) Problemlose Verfügbarkeit im Mac App Store ist strategisch vielleicht wertvoller als einige Prozente „App-Store-Steuer“ zu bezahlen – wobei Unternehmen ihre Office-Lizenzen wohl eh meist direkt über Microsoft beziehen.

Macwelt Marktplatz

0 Kommentare zu diesem Artikel
2404717