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Opera: Browser könnte Werbung künftig automatisch blockieren

27.03.2017 | 17:50 Uhr |

Ad-Blocker sind beliebt – zumindest bei vielen Usern, nicht jedoch bei den Webseiten-Betreibern. Opera will jetzt vollendete Tatsachen schaffen.

Schon jetzt ist es möglich, im Opera-Browser einen nativen Werbeblocker zu aktivieren, für den keine zusätzliche Erweiterung wie in anderen Browsern erforderlich ist. Doch das geht den norwegischen Entwicklern noch nicht weit genug. Um die Geschwindigkeit beim Surfen noch weiter zu erhöhen und die Industrie zu nutzerfreundlicheren Werbebannern und anderer Online-Werbung zu zwingen, möchte man künftig möglicherweise schon bei der Installation die Unterdrückung jeglicher Werbung aktivieren. Dies ließe sich nur durch eine gezielte Einstellung im Browser wieder rückgängig machen, wozu nur wenige User neigen dürften. Nach dem Blog des Entwicklers hat sich seit Einführung der nativen Unterdrückung von Online-Werbung auf Webseiten vor einem Jahr erst etwa ein Drittel der Desktop- Nutzer von Opera für diese Funktion entschieden. Opera Software glaubt, dass dies mit dem noch etwas umständlichen Verfahren der Aktivierung zu tun hat, die bewusst vorzunehmen ist. Die meisten User, die auf den nativen (integrierten) Opera-Werbeblocker setzen, finden sich demnach in Kanada, gefolgt von Großbritannien, USA, Frankreich und Deutschland. Laut Opera soll das Surfen mit deren Browser und aktiviertem Ad-Blocker durchschnittlich um 50 Prozent schneller sein als beispielsweise Google Chrome mit Adblock-plus-Erweiterung. Im Vergleich zu Mozilla Firefox betrage dieser Wert sogar bis zu 143 Prozent. Weitere Werte und Angaben zum Testverfahren finden sich auf dem Blog von Opera SoftwareOpera-Browser gibt es auch kostenlos für den  Mac .

Unberücksichtigt lässt Opera Software den Aspekt, dass zahlreiche Webseiten ihre Artikel und Beiträge ganz oder teilweise kostenlos anbieten und dafür, wie auch Macwelt.de, auf die Einnahmen aus Online-Werbung Werbebannern angewiesen sind. Ohne diese Einsicht müsste man vermutlich Bezahlschranken – wie es beispielsweise unter anderem Spiegel.de mit einigen sogenannten Plus-Artikeln bereits praktiziert – einführen. Richtig ist aber sicher auch, dass die Werbeindustrie sich noch sehr viel mehr um benutzerfreundliche Werbung bemühen muss. Online-Werbung etwa, die eine ganze Seite verdeckt oder vorübergehend unleserlich macht, ist extrem unpopulär unter Surfern und führt eher dazu, dass diese zu Ad-Blockern greifen. Besonders drastisch geht wiederum der Springer-Verlag gegen Ad-Blocker vor und zieht dafür auch vor Gericht. Die IT-Seite Golem.de hat sich ebenfalls Gedanken über nutzerfreundliche Angebote gemacht und verzichtet zwar grundsätzlich auf eine Paywall, bietet aber für 2,50 Euro im Monat weitgehend werbefreien Zugang auf den eigenen Seiten an.

Letztlich dürfte es spannend bleiben, wie sich das Verhältnis von Finanzierung journalistisch gut recherchierter Webseiten durch Werbung oder feste Beiträge und dem Bedürfnis der Nutzer nach schnellem und möglichst ungestörten Surfen eingependelt. Opera Software mag sich hier als Vorreiter und Kämpfer für die Nutzer betrachten – andererseits ist die Marktmacht und Verbreitung von Opera noch außerordentlich gering und dürfte ohne die Unterstützung der anderen Browser-Entwickler kaum nachhaltige Wirkung entfalten.

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