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Oracle Chef: Apple stellt sich über Recht und Gesetz

29.10.2018 | 10:19 Uhr | Peter Müller

In einem Interview hat Larry Ellison Apple scharf kritisiert: Demnach sollte der Hersteller den Sicherheitsbehörden eine Hintertür in iOS aufmachen.

In einer viel beachteten Rede hatte Tim Cook am Mittwoch letzter Woche in Brüssel den Missbrauch von Daten durch Unternehmen wie Google, Twitter und Facebook kritisiert , ohne diese aber beim Namen zu nennen. Die Lösung wäre gewiss nicht, nur noch Apple-Produkte zu kaufen, zumal Cupertino nur einen Bruchteil des Marktes vernetzter Geräte bedient.

Stattdessen bräuchte es nach Cooks Ansicht auch in USA einen strengeren Datenschutz, wie ihn die EU mit der DSGVO eingeführt hat. Apple legt großen Wert darauf, die Daten der Kunden auf seinen Geräten und in seinen Services zu schützen, und pflegt das Image als engagierter Datenschützer. Das geht manchen Kritikern aber in einigen Fällen zu weit.

So hat Oracle-Gründer Larry Ellison nun Apples Vorgehen im Fall des Mehrfachmordes von San Bernardino im Dezember 2015 scharf kritisiert. Apple hatte sich dem FBI widersetzt und sich geweigert, eine Hintertür für iOS zu programmieren , über die Strafverfolger die iPhones Verdächtiger hacken könnten.

In einem Interview mit Fox Business Network wirft Ellison Apple vor, sich über Recht und Gesetz zu stellen: "Apple entscheidet, ob das iPhone geschlossen oder entsperrt ist, Apple, nicht die Gerichte. Unsere Gerichte. Apple trifft die Entscheidung, das ist einfach bizarr." Ellison ignoriert jedoch Apples Argumentation in diesem Fall völlig. Denn sollte Apple mit einer Hintertür in iOS einbrechen, wäre die Sicherheit des Gesamtsystems zerstört.

Das Wissen über eine solche Lücke würde sich recht schnell auch außerhalb vertrauenswürdiger Institutionen verbreiten und in die falschen Hände gelangen. Zudem ist fraglich, inwieweit man heute FBI und anderen US-Behörden überhaupt noch vertrauen kann.

Im konkreten Fall hatte die Bundespolizei Hilfe von der israelischen Sicherheitsfirma Cellebrite erhalten, die offenbar exklusives Wissen über eine nicht dokumentierte Lücke in iOS besitzt und diese ausnutzen konnte, um das iPhone 5C des Attentäters zu knacken. Hinweise auf mögliche Komplizen fanden sich darauf aber nicht – gewissermaßen viel Lärm um nichts.

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