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Parallels Desktop 13 im Test: Windows auf dem Mac nutzen

21.09.2017 | 17:39 Uhr | Stephan Wiesend

Kürzlich erzählte uns ein Mitarbeiter von Parallels, er fände es eigentlich schade, dass die meisten Kunden Parallels nur für die Nutzung von Windows verwenden. Dabei könne man mit der Virtualisierungssoftware Parallels nicht nur eine virtuelle Version von Windows auf dem Mac nutzen, auch Linux, Unix, Chrome und sogar High Sierra lassen sich damit installieren. Offensichtlich nutzen die meisten Anwender aber Parallels fast immer, um nur unter Windows verfügbare Software wie Access oder Branchensoftware zu nutzen. Ist doch die Stärke von Parallels seit vielen Jahren die laufende Anpassung an aktuelle Gast-Betriebssysteme wie Windows und das Host-Betriebssystem macOS. Schon die Vorversion Parallels Desktop 12 läuft übrigens problemlos unter dem neuen High Sierra, nur die aktuelle Version 13 profitiert aber von weiteren Anpassungen und neuen Funktionen. So verspricht Parallels nur für Version 13 die offizielle Unterstützung von High Sierra als Gast- und Host-Betriebssystem, ebenso die Unterstützung des kommenden Windows-Update 10 Fall Creators Update.

Neue Funktionen

Die Änderungen an der Oberfläche sind nur marginal, Parallels hat vor allem die Übersichtlichkeit und Bedienbarkeit verbessert. Neu ist etwa die Wahl zwischen einer hellgrauen und dunklen Farbgebung. Erstmals unterstützt Parallels Desktop die Touch Bar – und dies sowohl unter macOS als auch Windows. Per Assistent kann man die Touch Bar sogar an bestimmte Windows-Anwendungen anpassen, bereits vorgegeben sind Einstellungen für verbreitete Anwendungen wie Outlook, Explorer und Office-Programme. Über ein Hilfsprogramm kann man beliebigen Anwendungen Aktionen zuweisen, Office-Anwendungen und Browser werden bereits unterstützt. Parallels wird damit seinem Anspruch gerecht, dass man ein Windows-Programm fast wie ein Mac-Programm verwenden kann. Aber auch die Touch ID wird unterstützt und ist für die Absicherung von Einstellungen und Konfiguration zuständig.

Das direkte Laden und Nutzen von Testversionen von Windows ist möglich.
Vergrößern Das direkte Laden und Nutzen von Testversionen von Windows ist möglich.

Eine weitere Neuerung ist der Ansichtsmodus Picture-in-Picture, bei der man mehrere laufende virtuelle Maschinen in einem Mini-Fenster einblenden kann – etwa um den Status eines Updates zu beobachten. Eine kommende Windows-App wird von der neuen Version ebenfalls unterstützt: Microsoft hatte in seinen Preview-Versionen von Windows 10 eine neue Kommunikations-App namens People Bar vorgestellt. Diese kann Parallels einbinden, das Programmsymbol wird sogar im Dock von OS X verwendet.

Neu und sehr praktisch sind außerdem IE-Testumgebungen von Microsoft mit 90 Tage Laufzeit für Edge unter Windows 10, IE 11 unter Windows 7 usw. Mit einem Mausklick kann man so eine lauffähige Windows-Version auf seinen Rechner laden, wenn auch nur mit begrenzter Laufzeit.

Für Integration in macOS ist die Installation der Parallels Tool notwendig.
Vergrößern Für Integration in macOS ist die Installation der Parallels Tool notwendig.

Performance

Parallels verspricht, wie bei früheren Updates eine deutlich verbesserte Performance. Externe Thunderbolt-Laufwerke sollen dank neuer Treiber um bis zu hundert Prozent, USB-Laufwerke um bis zu 40 Prozent schneller geworden sein. Das Erstellen von sogenannten Snapshots soll bis zu 50 Prozent zügiger sein, das Arbeiten mit Windows-Dateien um bis zu 50 Prozent. Vor allem Nutzer einer herkömmlichen Festplatte sollen davon profitieren. Nach unseren Tests können wir eine verbesserte Performance bestätigen, die schnelleren Transferraten scheinen bei USB-Laufwerken aber vor allem auf kleine Datenmengen begrenzt zu sein. Auch das Erstellen von Snapshots läuft etwas fixer ab, allerdings musste man schon bei Parallels 12 oft nur wenige Sekunden warten. Bei der Grafikleistung stellen wir eine kleine Verbesserung fest, der Benchmark 3D Mark 06 steigert sich auf unserem Mac Mini von 4478 auf 4560 Punkte. Die Grafikunterstützung wurde verbessert, so gibt es jetzt für das Lichtplanungs-Tool DIALux evo und das Strategiespiel Nortgard OpenGL3-Unterstützung. Unterstützung von Open GL 3.0 sei in Arbeit.

Versionen und Preise

Verfügbar ist Parallels Desktop als Standardversion, Business Edition und Mac Pro Edition. Die Pro-Edition unterstützt jetzt bis zu 32 virtuelle CPUs und 128 GB RAM, bei der Standardversion sind es nur 4 CPUs und 8 GB. Über „Auflösung festlegen“ kann man hier erstmals Auflösungen schnell ändern, es gibt eine neue IP-Adressensuche, der Installationsassistent unterstützt mehr Systeme und Analysetools wie Intel VTune, perf und rr werden bessert unterstützt. Die für Firmen gedachte Business-Edition ist ab Herbst verfügbar. Sie bietet dann erstmals den Modus „Einzelne Anwendung“. Nutzer sehen hier statt der kompletten Virtualisierungsumgebung nur ein einzelnes Programm, was die Benutzung vereinfachen soll. Neu ist außerdem ein konfigurierbares Dock, man kann Benutzer per E-Mail einladen, Administratoren Unterlizenzen zuweisen und es gibt neue Designs für das Verwaltungs-Portal „Mein Account“.

Parallels Desktop kostet in der Standardversion 80 Euro, ein Upgrade von Version 11 oder 12 kostet 50 Euro. Alternativ ist ein Upgrade auf die Pro-Edition für 50 Euro möglich. Die Pro-Edition ist wie die Business-Editon nur als Abo zu haben, eine Jahreslizenz kostet 100 Euro. Ein Abo für die Parallels Toolbox für Mac und PC sind im Preis enthalten.

Toolbox

Für Windows und Mac bietet Parallels eine eigenständige Tool-Sammlung mit nützlichen Hilfsprogrammen. Das Programmpaket ist im Kauf von Parallels enthalten, kann aber auch einzeln erworben werden, gegen eine Jahresgebühr von 10 Euro. Die auch als eigenständige Tool-Sammlung verfügbare Parallels Toolbox wurde kürzlich um weitere Tools ergänzt. Sie besteht jetzt aus insgesamt 30 Tools, neu sind Funktionen wie Laufwerk bereinigen und Duplikate suchen. Die Toolbox ist eine Sammlung eigenständiger App, die man per Menüleistentool oder Docksymbol aufruft. Gedacht sind sie für das schnelle Aufrufen von Aufgaben wie das Ausblenden von Desktop-Dateien, Aufnehmen von Bildschirmfotos und -Videos sowie das Herunterladen von Youtube-Videos. Weitere Funktionen sind Archivieren und Verschlüsseln von Dateien, Aktivieren eines Präsentationsmodus und vieles mehr. Die Funktion Laufwerke bereinigen scheint aber unter High Sierra noch Problem mit der Berechnung von Dateimengen zu haben.

Stärkster Konkurrent von Parallels Desktop ist die Lösung Fusion von VMware. Der Softwarekonzern hat bereits für Oktober Fusion 10 angekündigt, eine Stärke ist die gute Unterstützung der Server-Lösungen von VMware. Auch das kostenlose Virtual Box sollte man nicht unterschätzen, nach unseren Erfahrungen erreicht es aber weder Leistung noch Bedienkomfort der kommerziellen Lösungen.

Fazit: Parallels Desktop 13 ist ein solides Upgrade einer bereits erstklassigen Software. Die verbesserte Leistung ist spürbar, auch der einfachere Download von Testsystemen ist sehr praktisch. Nutzer der Vorversion können sich aber nach unserer Meinung mit dem Upgrade Zeit lassen.

Parallels Desktop

Preis: 80 Euro (Standard Edition),100 Euro pro Jahr (Pro Edition)

Note: 1,5 gut

Leistung (50%)   1,4

Ausstattung (30%)  1,5

Bedienung (10%)    1,5

Dokumentation (10%)    1,5

Vorzüge: Einfache Bedienung, guter Funktionsumfang

Nachteile: Begrenzte Grafikleistung, Profi-Funktionen bleiben Pro-Edition vorbehalten

Alternativen: Vmware Fusion, Virtual Box, Bootcamp

Ab OS X 10.10

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