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Perspektivenwechsel bei Apple: Intel, macOS & iOS

06.06.2018 | 16:46 Uhr | Peter Müller

Apple befindet sich im ständigen Wandel, gerade hat das Unternehmen die neue Ära der AR-Anwendungen angekündigt.

Die WWDC geht in ihren dritten Tag, hinter verschlossenen Türen lassen sich die aus aller Welt – naja, immerhin aus 77 Ländern – angereisten Entwickler nochmal genau erklären, was da alles neu ist in iOS 12 mit seinem ARKit2 und der Screen Time oder in macOS Mojave mit seinem Dark Mode. Viele weitere Details hatte Apple ja gar nicht auf der Keynote erwähnt, diese können aber entscheidend sein. Es bleibt also auch jenseits des Rampenlichts einer Eröffnungsshow noch jede Menge zu erledigen.

Perspektivenwechsel 1: Zwischen iOS- und Mac-Apps

Viele Fragen werden aber offen bleiben: Wie ist das nun mit der Möglichkeit, aus iOS-Apps solche für den Mac zu bauen? Apple hat die Werkzeuge dafür bereits eingesetzt, aber erst nächstes Jahr sollen auch Entwickler außerhalb Cupertinos damit etwas anfangen können. Damit würden sich aber völlig neue Möglichkeiten ergeben, vor allem für den gründlich renovierten Mac App Store, dem neben den spektakulären Neuzugängen wie Office 365, Lightroom CC und BB Edit auch eine Auswahl aus den hunderttausenden von Apps aus der iOS-Welt sicher gut tun würde.

Der Mac und die Software, das war ja schon immer so ein Thema. Manche Programme für professionelle Anwender hatte es ja lange Jahre erst für den Mac gegeben oder sogar ausschließlich, vor allem solche aus dem Kreativbereich. Längst spielt es aber nur noch eine untergeordnete Rolle, ob man mit Photoshop auf dem Mac oder dem PC werkelt, beim Videoschnitt ist es aber eher eine Frage des Geschmacks und der eigenen Markenaffinität, ob man mit Premiere CC (Mac und Windows) oder Final Cut Pro X (nur Mac) Videos schneidet.

Historisch hat es weit mehr Software gegeben, die nur auf dem Windows-PC lief, auch abseits von Spielen. Das waren insbesondere Programme für das Business, so manch überzeugter Macianer legte sich aus Verzweiflung noch einen Zweitrechner mit Intel-Chip zu, um für die Arbeit benötigte Software installieren zu können. Den konnte man dann wenigstens auch noch zum Zocken verwenden.

Perspektivenwechsel 2: Intel-Chips statt PPC-Prozessoren

Mit der Notwendigkeit eines Zweitrechners ist seit dem 6. Juni vor 13 Jahren Schluss. Zumindest fiel auf diesen Tag, an dem Apple die WWDC in San Francisco eröffnete, die Ankündigung, auch der Mac werde fortan auf Intel-Chips setzen. Die bei dieser Gelegenheit genannten Gründe waren aber erst einmal andere, x86-er würden bei gleicher Leistungsaufnahme aus der Steckdose eine deutlich bessere Perfomance bieten und so auch kompakte Geräte wie das Macbook Air oder heute das Macbook möglich machen, die nicht zu viel Abwärme produzieren dürfen, aber dennoch starke Rechner sein müssten. "Performance pro Watt" nannte Apples CEO Steve Jobs an jenem Juni-Morgen die neue Kenngröße, nach der sich Apples Entwicklung nun richtete. Dass über den Umweg Bootcamp und später Virtualisierern wie von VMware und Parallels auch Windows-Programm auf iMac und Co. laufen würden, war ein angenehmer Nebeneffekt.

Nichts weiter als eine dritte Transformation stünde nun an, nach dem Umstieg von 68k- auf PPC-Prozessor und dem vom klassischen System auf Mac-OS X. Der Intel-Switch erwies sich trotz der Bedenken der konsternierten WWDC-Besucher von 2005 als reichlich unkompliziert. Steht nun aber ein weiterer Paradigmenwechsel an, zieht Apple den Mac tatsächlich von Intel auf ARM um, zumindest in Teilen?

Perspektivenwechsel 3: ARM statt Intel auf dem Mac?

Derartige Spekulationen kursieren schon seit Jahren, erst am Montag hat Craig Federighi die rhetorische Frage, ob denn macOS und iOS zu einem System werden könnten, mit einem klaren "No." beantwortet. Dennoch wird in den kommenden Jahren die Grenze zwischen den Systemen immer mehr verschwimmen. Nicht nur, weil aus iOS-Apps bald ohne großen Aufwand macOS-Anwendungen werden können. Sondern auch, weil Apple das Betriebssystem im Betriebssystem Siri immer weiter stärken wird. Ob wir mit Siri über iPhone, Apple Watch, HomePod, Apple TV oder Mac unser digitales Leben organisieren, wird irgendwann keine Rolle mehr spielen. Für speziellere Aufgaben wird es aber weiterhin dafür ausgelegte Lösungen in Hardware und Software geben. Aber wie das Betriebssystem dahinter heißt, wird dann weit weniger interessieren.

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