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Polar-Fitness-Trackerdaten verraten Soldaten und Spione

09.07.2018 | 10:17 Uhr | Hans-Christian Dirscherl

Schon wieder gibt es ein massives Datenschutz-Problem in Zusammenhang mit einer Fitness-App. ├ťber die Daten der Polar-App lassen sich laut Medienberichten die Adressen von Polar-Nutzern herausfinden. Auch die von Soldaten und Geheimdienst-Angeh├Ârigen.

Schon wieder gibt es ein massives Datenschutz-Problem in Zusammenhang mit einer Fitness-App. Die finnische Fitness-Firma Polar hat deswegen ihre Online-Aktivit├Ąts-Karte Explore vorerst abgeschaltet. Vorausgegangen waren Medienberichte, wonach in den Datenschutzeinstellungen der Fitness-App L├╝cken stecken, die Angreifer daf├╝r ausnutzen k├Ânnen um die Position und das Nutzungsverhalten eines Anwenders herauszufinden. Das Ganze ├Ąhnelt dem Datenschutz-Desaster um den Fitness-Tracker Strava.

Polar verkauft Smartwatches und Fitness-Tracker, die mit einer Fitness-App namens Flow gekoppelt sind, die alle Fitnessdaten aufzeichnet. Diese Daten k├Ânnen die Nutzer ├╝ber die Explore-Plattform mit anderen Nutzern teilen. Der Nutzer kann diese Option aber auch abschalten.

Bei der Untersuchung von Explore wurde aber herausgefunden, dass sich anhand der ungen├╝gend gesch├╝tzten Daten der Standort des Nutzers mitsamt dessen konkreter Adresse herausfinden l├Ąsst. Au├čerdem k├Ânnte man mit den Polar-Daten ÔÇô ├Ąhnlich wie bei Strava ÔÇô die Laufstrecken und Aufenthaltsorte von Soldaten und Geheimdienstangeh├Ârigen lokalisieren. Da offensichtlich viele Milit├Ąrangeh├Ârige diese App verwenden. Unter den derart zug├Ąnglichen Daten befinden sich offensichtlich auch die Standorte von Soldaten, die im Irak im Einsatz sind. Oder aber die Joggingstrecke eines Offiziers auf einem St├╝tzpunkt, auf dem Atomwaffen stationiert sind.

Die derart ausnutzbaren Daten reichen wohl bis 2014 zur├╝ck. Journalisten von "De Correspondent" konnten laut eigenen Angaben 6460 Nutzer lokalisieren, die Polar und Explore in der N├Ąhe von sensiblen Einrichtungen verwendet haben. Das sei sogar der Fall bei Benutzern, die ihr Profil ausdr├╝cklich als ÔÇ×privatÔÇť markiert h├Ątten.

Darunter befinden sich Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA, des Wei├čen Hauses, des britischen Geheimdienstes MI6 und zahlreiche Milit├Ąrangeh├Ârige. Aber offensichtlich auch franz├Âsische und russische Geheimdienstler.

Polar hat das Problem einger├Ąumt und Explore erst einmal deaktiviert.

Fitness-Tracker mit schwachem Datenschutz

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