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Portrait-Bilder auf dem iPhone X besser bearbeiten

14.02.2018 | 09:09 Uhr |

Der Portrait-Modus auf dem iPhone X und 8 Plus macht tolle Bilder mit Tiefenunschärfe. Mit der App „Focos“ können Hobby-Fotografen ihre Schnappschüsse im Nachhinein noch weiter aufwerten: Stärkere Hintergrundunschärfe, beliebige Fokuspunkte und Bokeh-Muster.

Reden wir nicht groß herum: Der Portrait-Modus auf den neuesten iPhone-Generationen macht unter den richtigen Bedingungen tolle Bilder. Allerdings hat dieser auch so seine Schwächen. Das iPhone ist nicht immer so smart und weiß, welche Bereiche im Bild denn nun scharf und welche unscharf sein sollen. Daher kommt es nicht gerade selten vor, dass ungewollte „Bildfehler“ entstehen, wie folgendes Beispiel zeigt:

Der Bildfehler im Stuhl stört den ansonsten schönen Kontrast aus Tiefenunschärfe und Vordergrundschärfe.
Vergrößern Der Bildfehler im Stuhl stört den ansonsten schönen Kontrast aus Tiefenunschärfe und Vordergrundschärfe.
© Simon Lohmann

Zugegeben, hier handelt es sich um ein recht schwieriges Motiv. Der Portrait-Modus hat immer wieder mit Problemen zu kämpfen, wie etwa hier mit den Zwischenräumen der Sitzgelegenheit. Auch wenn solche fehlerhaften Darstellungen das Bild stören, sollte man nicht gleich die Wutkeule schwingen. Schließlich befindet sich in der Hosentasche immer noch ein Smartphone – und keine professionelle Spiegelreflex-Kamera.

Porträt-Fotos mit dem iPhone X – So geht's

Bei anderen – weniger komplizierten – Motiven funktioniert die Tiefenunschärfe jedoch deutlich besser. So haben sich Hundebesitzer wahrscheinlich besonders über den Portrait-Modus gefreut, damit sie ihre treuen Vierbeiner nun noch schöner bei allen möglichen Aktivitäten fotografieren können – und sei es, wenn sie nur schlafen. Unsere Wahl für unser Test-Model fiel auf Golden Retriever Lucky, der auf jeden Fall ein perfektes Beispiel dafür ist, dass der Portrait-Modus gute Arbeit leistet. Was vielleicht auch am schönen Motiv liegt.

Wenig Bokeh im Hintergrund, dafür ein klarer Schärfefokus auf dem Hunde-Model.
Vergrößern Wenig Bokeh im Hintergrund, dafür ein klarer Schärfefokus auf dem Hunde-Model.
© Simon Lohmann
Der Portrait-Modus schafft einen schönen Übergang der Schärfeverlagerung.
Vergrößern Der Portrait-Modus schafft einen schönen Übergang der Schärfeverlagerung.
© Simon Lohmann

Noch mehr Unschärfe und Bokeh mit Focos  

Sind die Portrait-Bilder erst einmal im Kasten, bietet Apple nicht viele Möglichkeiten, die Bilder im Nachhinein noch großartig zu bearbeiten – zumindest, was den Fokus und die Tiefenunschärfe betrifft. Der Nutzer hat für den Portrait-Modus lediglich die Auswahl zwischen:

  • Natürliches Licht

  • Studiolicht

  • Konturenlicht

  • Bühnenlicht

  • Bühnenlicht Mono

Zum Glück gibt es im App Store entsprechende Programme, die umfangreichere Features beinhalten – wie zum Beispiel „ Focos “. Die App kann zunächst kostenlos im App Store heruntergeladen werden, wobei nur ein Teil der Features freigeschaltet ist. Wer die gesamte Bearbeitungs-Palette nutzen möchte, muss eins der verschiedenen Abonnement-Modelle in Anspruch nehmen:

Abonnement  

Preis

Monatliches Abonnement

1,09 Euro

Jahresabonnement

6,99 Euro

Zugriff ein Leben lang

10,99 Euro

Wer viel Zeit mit der Bearbeitung von Fotos verbringt, sollte am besten gleich die rund elf Euro investieren. Das ist letztendlich die günstigste Alternative. Haben Sie mehrere iOS-Hobby-Fotografen in Ihrer Familie? Dann lohnt sich ein Kauf umso mehr. Dank der Familienfreigabe kann die ganze Familie die App nutzen.

Was ist das Besondere an Focos?

Nachdem ein Foto geschossen wurde, ist Focos in der Lage, den Fokuspunkt an eine andere Bildposition zu setzen. Normalerweise muss man sich, bevor man auf den Auslöser tippt, dafür entscheiden, welcher Teil des Bildes fokussiert werden soll.

Mit Focos können Sie entscheiden, ob der Fokus auf den Bäumen im Hintergrund liegen soll oder lieber auf den roten Blättern im Vordergrund.
Vergrößern Mit Focos können Sie entscheiden, ob der Fokus auf den Bäumen im Hintergrund liegen soll oder lieber auf den roten Blättern im Vordergrund.
© Simon Lohmann

Wer einen besonders unscharfen Hintergrund erzeugen möchte, muss die Blende so weit wie möglich öffnen, also eine möglichst kleine Blende ( f 1,4) wählen.

Je weiter die Blende geöffnet ist, umso stärker ist die Tiefenunschärfe.
Vergrößern Je weiter die Blende geöffnet ist, umso stärker ist die Tiefenunschärfe.
© Simon Lohmann

Soll der Hintergrund nicht allzu unscharf sein, muss eine größere Blende her ( f 20,0) .

Geschlossene Blende bedeutet: schärferer Hintergrund.
Vergrößern Geschlossene Blende bedeutet: schärferer Hintergrund.
© Simon Lohmann

Anschließend können Sie auch die Bokeh-Form, also die unscharfen Punkte im Hintergrund, bearbeiten. In der Basic-Version stehen lediglich zwei verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl: weiche und harte Punkte.

Darüber hinaus gibt es noch die Klassik-Kategorie mit diversen geometrischen Formen, die Spaß-Kategorie (Sterne, Herzen, Tropfen, Sprechblasen usw.) und die Spielzeug-Kategorie (Smiley, Apple-Logo, Flugzeug, Note, Krone, Schmetterling).

Wer also einen unscharfen Hintergrund mit Apple-Logos bevorzugt, dem stehen mit dieser App alle Möglichkeiten offen.

Beim genaueren Hinsehen kann man das Bokeh in Form kleiner Apple Logos erkennen.
Vergrößern Beim genaueren Hinsehen kann man das Bokeh in Form kleiner Apple Logos erkennen.
© Simon Lohmann

Außerdem können Sie die Intensivität der Lichtfarbe sowie die Lebhaftigkeit der Bokeh einstellen:

Die Intensivität der Lichtfarbe kann nur in der Pro-Version eingestellt werden.
Vergrößern Die Intensivität der Lichtfarbe kann nur in der Pro-Version eingestellt werden.
© Simon Lohmann

In dem Menüpunkt „Objektiv“ wirken sich die verschiedenen Objektive auf die Eigenschaften des Bokeh aus: Farbe, Form, Wölbung und vieles mehr.

Die Nutzer der Vollversion können elf verschiedene Objektiv-Arten verwenden.
Vergrößern Die Nutzer der Vollversion können elf verschiedene Objektiv-Arten verwenden.
© Simon Lohmann

Eigentlich perfekt, außer…

Die Foto-App „ Tadaa “ erzielt einen ähnlichen Effekt wie Focos. Allerdings muss man bei Tadaa per Finger eine Zeichenmaske erstellen, welche wiederum die markierten Bereiche im Bild unscharf erscheinen lässt. Das ist mit ziemlich viel Aufwand verbunden.

Mit Focos geht dies deutlich schneller, allerdings lassen sich – wie bereits oben erwähnt – auch in Focos manche Bildfehler nicht vermeiden, was jedoch auf die Aufnahme zurückzuführen ist, die mit der iPhone-Kamera aufgenommen wurde. Natürlich bietet auch Focos eine Kamera-Funktion an, die ist jedoch nicht wirklich zu empfehlen. Der Portrait-Effekt kommt mit der iPhone-Kamera-App deutlich besser zur Geltung.

Nichtsdestotrotz ist Focos eine hervorragende App. Perfekt wäre sie dann, wenn sie eine Art Funktions-Fusion aus Tadaa und Focos bieten würde. Eine Masken-Funktion würde die Probleme der ungewollten Bildfehler lösen. Da die App jedoch auf die Bildinformationen von der iPhone-Kamera zurückgreift, ist fraglich, ob ein solches Feature überhaupt technisch machbar wäre. Wünschenswert ist es auf jeden Fall.

Die App ist leicht zu bedienen und macht die ohnehin schon schicken Fotos noch eine Spur schöner. Das Geheimnis lautet aber auch hier: Weniger ist mehr. Wer es mit den Bokeh-Effekten übertreibt, bekommt am Ende ein unrealistisches Ergebnis.

Hier finden Sie noch weitere Fotos, die mit Focos nachbearbeitet wurden.

Seit Instagram ist Essen ein beliebtes Foto-Motiv. Mit Tiefenschärfe sieht es noch gleich viel interessanter aus.
Vergrößern Seit Instagram ist Essen ein beliebtes Foto-Motiv. Mit Tiefenschärfe sieht es noch gleich viel interessanter aus.
© Simon Lohmann
Auch bei dem Löwen vom Münchener Odeonsplatz wurde die Tiefenschärfe mit Focos verstärkt.
Vergrößern Auch bei dem Löwen vom Münchener Odeonsplatz wurde die Tiefenschärfe mit Focos verstärkt.
© Simon Lohmann
Der Fokus liegt noch stärker auf den Surfern.
Vergrößern Der Fokus liegt noch stärker auf den Surfern.
© Simon Lohmann
Durch Focos wird das Bokeh im Hintergrund noch deutlicher.
Vergrößern Durch Focos wird das Bokeh im Hintergrund noch deutlicher.
© Simon Lohmann
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