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Privatsphäre beim Surfen: Reicht Safari 11 oder doch lieber Ghostery und Co?

25.09.2017 | 13:45 Uhr |

Bei Safari 11 schützt eine neue Funktion von neugierigen Werbenetzen. Genügt dies, oder sollte man lieber zu einem Tool wie Ghostery greifen?

Beim Surfen hat man manchmal den Eindruck, man würde von bestimmten Werbebannern verfolgt. Selbst auf einer US-Webseite erscheint eine Werbung für deutsche Kühlschränke - dabei hat man doch gerade erst ein Kühlgerät in einem Webshop gekauft! Das ist aber keine Paranoia, Webdienste überwachen das Einkaufsverhalten und andere Aktivitäten von Surfern und versuchen zielgerichtet Werbung zu platzieren - sehr dumme Dienste glauben allerdings, man würde regelmäßig Kühlschränke kaufen.

Stört man sich an der permanenten Überwachung seines Surfverhaltens durch Werbetreibende, kann man dies unter High Sierra jetzt ändern. Exklusiv unter macOS 10.13 steht in Safari die neue Option „Websiteübergreifendes Tracking verhindern“ zur Verfügung. Mit Hilfe von maschinellem Lernen soll Safari bei Aktivierung dieser Option dann selbständig Werbetreibende erkennen, die Surfer über mehrere Seiten verfolgen und Tracking-Daten automatisch löschen. Nutzt man Safari 11 unter einem älteren System, muss man auf die neue Funktion allerdings verzichten .

Trackingblocker vs. Werbeblocker

Was man wissen sollte: Es geht nicht um das Blockieren von Werbeanzeigen, Die Safari-Funktion richtet sich ausschließlich gegen das so genannte Cross-Site-Tracking, bei dem ein Surfer über mehrere Seiten hinweg verfolgt wird. Was wohl manche irritieren wird: Die schon in früheren Versionen aktivierbare Option „Tracking durch Websites ablehnen“ basierte auf dem freiwilligen Standard „Do not track“. Man gibt dabei der Webseite zu erkennen, das man nicht getrackt werden will. Dies wird leider von vielen Werbetreibenden ignoriert und ist leider wenig effektiv.

So funktioniert der Tracking Filter

Um Tracking durch Werbenetzwerke zu verhindern, setzt Apple im Prinzip eine Art Spamfilter für Cookies ein, kleine Dateien, die jede Webseite im Browser speichern kann. Dabei geht es Apple nicht um das Blocken von Werbung, sondern das so genannte Cross-Site-Tracking, durch das ein Surfer über mehrere Webseiten verfolgt wird. Apple würde sich mit einem eigenen Adblocker auch wenig Freude machen. Sind doch fast alle größeren Webseiten und Medien auf Werbefinanzierung angewiesen.

Tracking-Cookies werden automatisch anhand einer Reihe von Merkmalen erkannt , etwa weil viele Webseiten auf sie verweisen. Ruft man eine Webseite auf, sind alle Cookies von Werbetreibenden von dieser Seite aktiv. 24 Stunden nach dem letzten Zugriff auf eine Webseite wird aber die Nutzung des Cookies durch Dritte und damit das Ad-Retargeting verhindert. Nach 30 Tagen wird ein solcher verdächtiger Cookie außerdem automatisch gelöscht. Laut Apple ist es aber weiterhin problemlos möglich, dass Anmeldedaten in einem Cookie der Webseite gespeichert werden, man also problemlos Webdienste nutzen kann.

Bei den Werbebetreibern stößt die neue Funktion auf wenig Begeisterung, erst vor kurzem veröffentlichten amerikanische Werbebetreiber einen offenen Brief an Apple. So wird auch vermutet, das vor allem kleinere Werbenetzwerke unter diesem System leiden, während Firmen wie Facebook und Google durch ihre Marktmacht weniger Probleme haben. Google hat laut Berichten bereits reagiert und speichert ein Analytics-Cookie jetzt direkt auf der Seite des Werbers. Bisher war dies die Seite Googleadservices.com.  Damit ist der Cookie nicht mehr von einem Drittanbieter und wird auch nicht mehr ausgefiltert.

Fachleute bezweifeln außerdem, dass das Blocken von Cookies langfristig ausreichen wird, immer mehr Werber setzen auf serverbasierte Technologien, bei denen ein Surfer über einen digitalen Fingerabdruck identifiziert wird. Ein Cookie ist dann nicht notwendig.

Suchmaschinen

Weit mehr Daten gibt jeder Surfer preis, wenn er einen Google-Account nutzt. Ist man bei einer Recherche mit Google-Suchmaschine angemeldet, wird jede Suchanfrage gespeichert, bei Mobilanwendern außerdem der Standort. Was viele nicht wissen: Verwendet man den neuen Sprachassistenten, wird sogar jede Frage als Audiodatei gesichert. Jeder Nutzer kann diese Daten über die Google-Seite //myactivity.google.com:myactivity.google.com abrufen, vielen Anwendern ist aber der Ausmaß der Datenerfassung nicht klar. Als Standard erfasst Google: Suchanfragen, Websites, die Sie besuchen, Videos, die Sie ansehen, Werbung, auf die Sie klicken oder tippen, Standort, Geräteinformationen, IP-Adresse und Cookiedaten. All diese Daten sorgen dafür, dass zielgerichtete Werbung ausgeliefert wird.

Ändern kann man dies über die Datenschutzeinstellungen unter „ Mein Konto “ oder durch das Surfen im Inkognito-Modus - oder indem man sich bei der Nutzung der Google Suche eben nicht anmeldet.

Besonders einfach macht es einem Google aber nicht. Fast schon kurios finden wir  etwa die von Google auf den Privatsphäre-Seiten angebotene Browser-Erweiterung  IBA opt-out : Installiert man das für Chrome, Firefox und Explorer angebotene Plug-in, wird ab sofort keine interessenbasierte Werbung von Google-Ads mehr angezeigt. Es sorgt also dafür, dass die vorgegebenen Einstellungen immer eingehalten werden. Das seit 2013 nicht mehr aktualisiert Plug-in hat aber ein wenig von einer Feigenblatt-Funktion, auch eine Safari-Version fehlt. Und grundsätzlich ist eine Opt-Out-Option wenig benutzerfreundlich.

Die Suchmaschine von Google kann man im Prinzip nur nutzen, indem man mit etwas Privatsphäre bezahlt. Neben Google gibt es für deutsche Surfer aber auch wenig Alternativen. Apple bietet über Safari gerade einmal drei Alternativen an: Über „Einstellungen/Suchen“ kann man statt Google die Konkurrenten Yahoo, Bing und DuckDuckGo auswählen. Vor allem für amerikanische Nutzer sind Yahoo, DuckDuckGo und Bing recht brauchbar. Für deutsche Nutzer sind die Angebote aber wenig zufriedenstellend, vor allem deutsche Webseiten werden etwa von Bing und Yahoo eher stiefmütterlich behandelt.

Es gibt noch weitere Alternativen, Safari-Nutzer müssen dann allerdings eine Erweiterung installieren. Die europäische Suchmachine Qwant stammt ursprünglich aus Frankreich und ist vor allem durch die gute Präsentation der Suchergebnisse einen Blick wert. Startpage macht es sich etwas einfacher: Diese Suchmaschine nutzt die Google-Suchergebnisse, anonymisiert aber die Suchergebnisse bzw. Suchanfragen. Für die Installation der Safari-Erweiterungen muss man nur die jeweilige Homepage aufrufen qwant.com und startpage.com

Alternative Suchmaschinen kann man als Erweiterung installieren.
Vergrößern Alternative Suchmaschinen kann man als Erweiterung installieren.

Adblocker und Ghostery

Neben Safari bieten aber auch andere Browserhersteller Schutz gegen Tracking, bei Firefox ist die entsprechende Funktion bereits integriert. Google kann sich dem nicht verschließen, so soll Chrome ab 2018 besonders aufdringliche Werbung blockieren - Google nennt ähnlich Apple vor allem Autoplay-Videos als Beispiel. Von Tracking ist also nicht die Rede. Öffnet man eine Webseite, werden hier nämlich automatisch startenden Videos geblockt. Nur wenn man dies ausdrücklich erlaubt, starten Webvideos in Safari 11 automatisch. Anbieter von Werbe-Videos sind wohl die einzigen, die sich darüber nicht freuen, für alle anderen eine simple aber praktische Neuerung – sind doch plötzlich erscheinende Werbevideos zu einer echten Plage geworden. Aber auch aufdringliche Werbe-Overlays mit und ohne Werbejingle sind lästig. Unter den beliebtesten Safari-Erweiterungen befinden sich deshalb seit Jahren Adblocker, die Werbenetzwerke gleich komplett deaktivieren. Als werbefinanziertes Online-Medium sehen wir diese Erweiterungen aber kritisch - auf den Seiten von IDG ist eigentlich nicht so viel Werbung, dass man sich davon wirklich belästigt fühlen müsste.

Will man sich aber vor Tracking, also der Analyse des Surfverhaltens schützen, gibt es neben Safari 11 auch spezialisierte Browser-Erweiterungen wie Ghostery. Diese Erweiterung liefert einen guten Überblick über die Tracking-Dienste einer Webseite und erlaubt das einfache Blocken von Trackern.

VPN

Will man aber bestmöglichen Schutz gegen Tracking und Datenspione kann man zu VPN-Diensten greifen. VPN-Dienstleister wie Cyber Ghost und F-Secure gibt es zu Dutzenden und bieten eigentlich alle den gleichen Service: Sie stellen gegen eine Monatsgebühr einen VPN-Server bereit, über den man sicher und anonym surfen kann. Da man dadurch auch seinen eigenen Standort verschleiert, sind VPN-Dienste auch bei Video-Fans sehr beliebt, die BBC-Serien oder gesperrte Youtube-Videos sehen wollen. Andere nutzen sie für Filesharing. Eine App ermöglicht aber außerdem den sicheren Internetzugriff in unbekannten Internet-Cafés und Hotels. Tracking und Malware blocken die Server auf Wunsch oft automatisch. Der Browser Opera bietet sogar ein Komplettpaket aus Tracking-Blocker, Adblocker und VPN. Als erster Browserhersteller hat sich das Unternehmen dazu entschlossen, alle drei Dienste zu integrieren. Nebenbei bietet der Adblocker ja nicht nur mehr Privatsphäre, sondern auch weniger Volumenverbrauch: Surft man in einem Urlaubsort mit mäßigen Netz und ungewisser Sicherheit, ist Opera wohl keine schlechte Wahl. Bei Opera schließt sich dann allerdings der Kreis zum Cross-Site-Tracking. Der kostenlose VPN-Dienst blockt nämlich zwar Werbenetzwerke, allerdings überwacht er das Surfverhalten seiner Nutzer und finanziert so seine Server. Will man wirklich mehr Privatsphäre, kommt man um einen kostenpflichtigen Dienst nicht herum.

Fazit

Mit dem Schutz vor Tracking ist es etwas komplizierter, als Apple verspricht. Safari bietet eine interessante neue Funktion, um vor Werbenetzwerken zu schützen. Vor allem Google und Facebook scheinen aber wenige davon betroffen und man erfährt ja auch nicht, wer als Tracker aktiv ist. Nebenbei ist ja auch weiterhin Google als Suchmaschine vorinstalliert, trotz problematischem Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer. Sorgt man sich wirklich um seine Daten, führt wohl auch weiterhin kein Weg an Lösungen wie Ghostery vorbei.

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