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Report: Darum fiel Siri zurück - Apple gelobt Besserung

15.03.2018 | 08:52 Uhr | Peter Müller

Ehemalige Apple-Mitarbeiter erklären, wie Siri seine Pionierstellung nicht ausnutzen konnte und Alexa und Google Assistant vorbeizogen.

Ein längeres Stück von " The Information" beschreibt, wie Siri aufgrund von Missmanagement seine Spitzenposition als erster intelligenter Sprachassistent verlor und wie Amazons Alexa und der Google Assistant vorbei ziehen konnten. Der Artikel ist hinter einer Bezahlschranke, unsere Kollegen der Macworld zitieren aber wichtige Auszüge.

"The Information" sprach unter dem Siegel der Anonymität mit Dutzenden meist ehemaligen Apple-Mitarbeitern, die mit Siri beschäftigt waren. Die Fehler hätten demnach schon kurz nach der Übernahme des Entwicklers Siri und seines gleichnamigen Produkts begonnen, die Apple im Jahr 2010 rund 200 Millionen US-Dollar gekostet haben dürfte. Denn die Integration in das iPhone 4S sei überstürzt geschehen, bevor das Produkt halbwegs ausgereift war. Im Gegensatz dazu sei Alexa von Anfang an stabil gewesen, um Siri dahin zu bringen, habe man bei Apple fast alles auf den Kopf stellen und neu aufsetzen müssen.

Änderungen im Konzept und im Management

Siri sei von Anfang an als eine Art "App Store für KI" geplant gewesen, Entwickler hätten sich bei der Technologie für ihre Apps beliebig bedienen können, um "das Internet mittels Konversation orchestrieren" zu können. Doch um die Assistentin rechtzeitig für den Einsatz im iPhone fertig zu bekommen, habe man sich auf einige Kernfähigkeiten konzentrieren müssen, über die Apple die volle Kontrolle behielt. Steve Jobs sei die treibende Kraft hinter der ursprünglichen Vision gewesen, er wollte diese wenigstens später umgesetzt wissen – doch am Tag nach der Vorstellung Siris verstarb er.

Das Entwicklerteam sei auch überrascht gewesen, wie gut Siri angenommen wurde, die dahinter stehende Serverinfrastruktur war aber kaum skalierbar und Apple vor allem mit Bugfixing beschäftigt und damit, mit dem Ansturm zurecht zu kommen. Wenig hilfreich seien auch die Änderungen im Management gewesen, etwa der erzwungene Abschied von Scott Forstall nach dem Desaster mit der Karten-Anwendung in iOS 6. Hinzu kamen permanente Streitigkeiten in leitenden Ebenen.

Mag der Artikel von "The Information" womöglich die Vergangenheit korrekt beschreiben, so sagt er doch weniger über Gegenwart und Zukunft aus, denn vor allem ehemalige Mitarbeiter gaben Auskunft. Zuletzt ließ jedoch aufhorchen, dass die Hauptverantwortung für Siri von Eddy Cue zu Craig Federighi wechselte, vom Senior Vice President Internet Software and Services zum Entwicklungschef von macOS und iOS. Apple scheint Siri also weniger als Feature zu begreifen, sondern mehr als Kern seiner Betriebssysteme.

Kein Dementi, aber …

Apples Reaktion auf den Artikel von "The Information" ließ nicht lange auf sich warten. Zwar bestätigt der Konzern die Geschichte weder noch dementiert er sie direkt, verweist aber auf aktuelle Entwicklungen und die Zukunft. "Wir haben signifikante Fortschritte in der Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit Siris erreicht und die jüngsten Technologien des maschinellen Lernens implementiert, um eine noch natürlichere Sprachkontrolle und proaktive Features zu erlangen," heißt es in einer Stellungnahme. Apple wolle weiter stark in künstliche Intelligenz investieren, um die Qualität der Antworten zu verbessern und die Bereiche zu erweitern, zu denen Siri Auskunft geben kann.

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