2349491

Rückblick auf WWDC: So war es seit 2003

17.05.2018 | 08:40 Uhr |

Am 4. Juni beginnt Apples Entwicklerkonferenz in San Jose. Wir blicken auf die Veranstaltungen der letzten Jahre zurück.

Ort und Zeit sind seit einigen Wochen bekannt: Vom 4. bis 8. Juni steigt in San Jose Apples Entwicklerkonferenz World Wide Developer Conference, kurz WWDC. Über die Inhalte können wir indes nur spekulieren, die Erfahrungen der letzten Jahre lassen aber einige Schlüsse zu, was Tim Cook und Konsorten an jenem Montag nach den Pfingstferien vorstellen werden und wie die Keynote ungefähr ablaufen wird. Ein Blick zurück auf die letzten 15 Ausgaben.

2017: Die Rückkehr nach San Jose

Etwa fünfzehn Jahre lang hatte Apple sich das Moscone Center West in San Francisco für die erste oder zweite Juni-Woche blockiert, um mit etwa 1000 Mitarbeitern die aus aller Welt angereisten rund 5000 Entwickler zu informieren und zu bespaßen. Im Jahr 2017 folgt aber die Rückkehr ins Silicon Valley, genauer gesagt, in das McEnery Convention Center, das nur 13 Kilometer und 11 Minuten theoretische Fahrzeit vom Apple Park in Cupertino entfernt liegt. Wie in den letzten Jahren zuvor drehte sich das Entwicklertreffen vor allem um neue Versionen der Apple-Betriebssysteme, iOS 11 und macOS 10.13 High Sierra feierten Premiere – und bekamen wieder etliche neue Features. Unter iOS stechen vor allem zwei neue APIs hervor, das MLKit, das Entwicklern Zugriff zu Apples Machine Learning, also "künstlicher Intelligenz" gibt und das ARKit, mit dem hunderte Millionen von Geräten plötzlich in der Lage sind, anspruchsvolle Augmented-Reality-Apps auszuführen. Einige Verbesserungen an der Optik und der Bedienung hat es auch gegeben, etwa in der Benachrichtigungszentrale, die aber immer noch nicht das Gelbe vom Ei ist. macOS lehnt sich nicht von ungefähr an seinen Vorgänger Sierra schon mit der Nomenklatur "High Sierra" an, die wesentliche Neuerung ist aber das neue Dateisystem APFS, das nach gut 20 Jahren HFS+ ablöst. Beide Hauptsysteme verstehen sich auch auf die Video- und Bildformate-Formate HEVC und HEIF.

2017: Direct Pay mit Apple Pay via iMessages (Nachrichten) - kam erst mit einem Update.
Vergrößern 2017: Direct Pay mit Apple Pay via iMessages (Nachrichten) - kam erst mit einem Update.

Auch bei der Hardware gibt es Neues: Ab der WWDC sind neue iPad Pro im Handel, das 10,5-Zoll-Modell bekommt einen deutlich dünneren Rahmen und schließt technisch zum 12,9-Zöller auf. iOS 11 bekommt auch einige Funktionen speziell für das iPad, etwa die Dateien-App, eine neue Multitasking-Ansicht und verbessertes Split-View.

Nur angekündigt ist der neue iMac Pro, der erst Ende 2017 in den Handel kommt. Bis dahin müssen sich Freunde neuer Desktophardware mit neuen Modellen von iMac 21,5 Zoll und 27 Zoll begnügen, die aber vor allem in Sachen Bildschirm und CPU-Performance deutlich Sprünge machen. Und noch eine Ankündigung gibt es: Mit dem Homepod will Apple bis Ende des Jahres seinen ersten intelligenten und dann auch noch gut klingenden Lautsprecher in den Handel bringen - das sollte dann noch bis Frühjahr 2018 dauern.

2016: Siri geht in die Sierra

Schon ein Jahr davor hatte es Apples intelligenter Sprachassistent Siri auf ein neues Gerät geschafft: Fast fünf Jahre nach der Premiere auf dem iPhone 4S steht Siri nun auch auf dem Mac bereit. Wenn auch "Hey Siri!" mit Desktops und Laptops noch nicht funktioniert, ist die intelligente Hilfe mit einem Tastendruck aktiviert und liest Nachrichten und Mails vor oder zeigt alle an einem bestimmten Tag oder in einem definierten Zeitraum bearbeiteten Dokumente oder aufgenommene Fotos an. Der Name des neuen Mac-Betriebssystems mit der Nummer 10.12: Sierra. Apple verlässt gewissermaßen den Yosemite-Park mit seiner höchsten Erhebung El Capitan wieder, bleibt aber in der unmittelbaren Umgebung. Am Look des Systems ändert sich ja auch wenig. Dafür aber an seinem Stammnamen, das "X" verschwindet: Aus OS X wird macOS, die UniX-Basis von NeXT Computers übernommenen Systems bleibt aber natürlich. macOS soll sich nun neben die ähnlich benannten iOS, watchOS und tvOS schon in punkto Namen stellen. Diese Systeme bekommen auch alle Updates, die mit Sierra kooperieren. So kann man sich nun auch mit der Apple Watch auf seinem Mac einloggen, sofern man die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) eingeschaltet hat. Apple Pay ist nun auch auf dem Mac verfügbar – also in den Ländern, in denen Banken und Kreditkarteninstitute mit Apple zusammenarbeiten.

iOS 10 bringt eine Vielzahl von neuen Funktionen, so viele wie schon lange nicht mehr. Darunter sind etwa Algorithmen für die Gesichtserkennung in Fotos, 3D-Touch, neue Benachrichtigungen, ein mit KI verbessertes Quicktype und vieles mehr. Siri lässt sich per API nun auch von Apps Dritter nutzen. iMessages legt mehr Wert auf Emojis, die nun – sofern ohne begleitenden Text versandt – dreimal so groß sind wie bisher. Sprechblasen lassen sich animieren und mit Effekten wie unsichtbarer Tinte versehen, Videos, Bilder und andere Inhalte von Websites direkt in der App anzeigen. Apps Dritter können sich mit iMessages verbinden, so sind etwa Tischreservierungen oder direkte Zahlungen möglich: iMessages wird gewissermaßen zum System im System und bekommt einen eigenen App Store.

Ein Jahr nach seinem Start bekommt Apple Music seine erste größere Renovierung, die mehr Übersicht versprechen soll. Ein neues Feature stellt Bozoma Saint John in einem legendären Auftritt vor: Texte. Aber die Lyrics von Rapper's Delight der Sugerhill Gang gehen eben nicht jedem so leicht über Lippen.

Neue Hardware zeigt Apple im Jahr 2016 auf der WWDC keine.

2015: El Capitan und furchtbar viel Musik

Etwas mehr als ein Jahr nach den ersten Gerüchten über eine Übernahme von Beats durch Apple und ein dreiviertel Jahr nach der finalisierten Akquise bringt Apple seinen Streamingdienst Apple Music heraus, der auf Beats Music basiert, aber anders als dieser nicht nur in den USA zu hören ist. Apple, mit dem iTunes Store im Jahr 2003 ein Pionier des digitalen Vertriebs von Musik, kommt recht spät zum Thema Streaming, holt in den Jahren nach 2015 aber gewaltig auf und hat nur noch den acht Jahre älteren Dienst Spotify vor sich. Drei Monate kann man sich gratis durch das Angebot von Apple Music hören, ehe die erste Monatsrate in Höhe von 9,99 Euro (oder 14,99 für das Familienabo) fällig wird. Musiker intervenieren erfolgreich gegen den Apples Plan, in diesen drei Monaten keine Einnahmen mit Streams generieren zu können.

2015: Beats-Gründer Jimmy Iovine gibt den Startschuss für Apple Music
Vergrößern 2015: Beats-Gründer Jimmy Iovine gibt den Startschuss für Apple Music

OS X heißt von nun ab El Capitan, nach der höchsten Erhebung im Yosemite-Nationalpark. Die Neuerungen bestehen wieder im Detail, neue Gesten für Mail, kleinere Tabs für Safari und den vom iPad bekannten Split-View in der Vollbildansicht etwa. Spieleentwickler freuen sich über die neue Grafiktechnologie Metal, für den Mac bleibt das Thema Gaming aber eher ein Randthema, doch hatte Apple Metal schon zuvor für iOS eingeführt.

Spotlight versteht sich besser auf natürliche Sprache, daran hat Apple auch mit Siri gearbeitet. Der intelligente Assistent soll in iOS 9 nun auch "proaktiv" werden und je nach Tageszeit und Nutzerverhalten Apps und Inhalte im Suchbildschirm bereit halten. Dazu gehören auch Routenvorschläge für anstehende Termine. Neu ist auch die App "News", die den Zeitungskiosk von iOS 9 überflüssig macht. Drei Jahre später gibt es News immer noch nicht in Deutschland, doch könnte sich das 2018 ändern – Apple plant nach der Übernahme von Texture eine Art Netflix für Zeitungen und Zeitschriften .

Einen bedeutenden Sprung macht watchOS 2, das nun native Apps für die ein Jahr zuvor herausgebrachte Uhr ermöglicht. Eine zweite Version der Apple Watch sollte aber noch eine Weile auf sich warten lassen, bis Herbst 2015. Für Entwickler  nicht ganz unwichtig: Die erst ein Jahr zuvor neu eingeführte Programmiersprache Swift wird in ihrer Version 2 zu Open Source.

2014: Ab in die Berge

Apples Software-Chef Craig Federighi ("Hairforce One") erinnert an die ein Jahr zuvor vermiedene Namenskrise des Mac-Betriebssystems, das nun auf kalifornische Sehenswürdigkeiten statt auf Großkatzen bei der Nomenklatur setzt. Und dennoch bleibe ein Problem, denn nach welcher Landmarke sollte man OS X 10.10 benennen, in Kalifornien gibt es doch vieles zu bewundern? Nach einer langen Reise landauf, landab habe man sich schließlich für den Yosemite-Park entschieden.

2014: Karten ist mittlerweile auch auf dem Mac angekommen, mit all seinen Unzulänglichkeiten, die Apple nach und nach abbaut
Vergrößern 2014: Karten ist mittlerweile auch auf dem Mac angekommen, mit all seinen Unzulänglichkeiten, die Apple nach und nach abbaut

Mit dem Ausflug in die Berge, der auch im Jahr 2018 noch anhält, hat Apple die Optik seines Mac-Betriebssystems endgültig glatt gezogen und auf das "flache" Design von iOS 7 umgestellt, auch die letzten Skeuomorphismen sind aus dem Nachfolger von OS X 10.9 Mavericks verschwunden. An neuen Funktionen gibt es dafür weniger, Spotlight haben die Entwickler ausgebaut und mit Continuity eine neue Möglichkeit geschaffen, Geräte- und Plattform-übergreifend zu arbeiten – solange man die Standard-Apps von OS X und iOS 8 nutzt und nicht allzu alte Hardware verwendet. Auch sehr bequem und zukunftsweisend: Die Funktion Maildrop in Mail. Große Anhänge – bis zu 2 GB – kann man nun per elektronischer Post verschicken, der Empfänger erhält einen Downloadlink, die Datei wird bis zu 30 Tage auf iCloud vorgehalten, sofern der Speicherplatz dort reicht. Drei Jahre nach Start von iCloud werden die kostenlosen 5 GB aber schon recht klein, bis 2018 hat sich diesbezüglich aber nichts getan.

iOS hatte seine grundsätzliche Renovierung schon hinter sich, in iOS 8 geht es um Optimierungen und zwei neue grundlegende Techniken und Schnittstellen. Die App Health will Gesundheitsdaten der Nutzer sammeln, was ihr auch gelingt – dank Health Kit auch aus vielen Apps Dritter. In den folgenden Jahren legt Apple mit dem ResearchKit und anderen Gesundheitsfunktionen nach. Apple will ja nicht nur die Gesundheit seiner Nutzer verbessern und potentiell derer Leben verlängern, das Gesundheitswesen ist vor allem in den USA ein riesiger Markt. Etwas weniger erfolgreich entwickelt sich eine zweite Neuerung von iOS 8, das Home Kit. Die Idee ist ähnlich einfach und brillant, mit einer App hat man Zugriff auf alle Geräte des smarten Heims und braucht keine dutzenden Anwendungen für hunderte Geräte. Das HomeKit verzögert sich aber, zum bestimmenden Standard ist es bis heute nicht geworden. Google und Amazon haben mit Google Home und Alexa Jahre später die Nase vorn, zu wenige Hersteller setzten auf Apples Schnittstelle. Was auch an den anspruchsvollen Anforderungen liegen könnte.

Die WWDC ist vor allem eine Entwickler-Konferenz und will auch Einsteiger für das Thema Coding begeistern. Die eigens für iOS- und Mac-Apps entwickelte Programmiersprache Swift , die Objective-C ablösen soll und weit leichter zu erlernen ist, soll ihren Teil dazu beitragen.

2013: Neue Nomenklatur, neuer Preis, neuer Look, neuer Mac Pro

Schon mit dem Vorgänger OS X 10.8 Mountain Lion hatte Apple angekündigt, sein Mac-Betriebssystem ebenso wie das für iPhone und iPad eingesetzte iOS fortan im Jahresrhythmus zu aktualisieren. Die Sprünge zwischen den Versionen werden auf diese Art und Weise natürlich etwas kleiner, der von 10.8 auf 10.9 hat es aber in dreierlei Hinsicht in sich. Denn erstens verabschiedet sich Apple bei den Spitznamen des Systems von den Großkatzen – doch wäre ohnehin nur der Nebelparder übrig geblieben, nachdem der Puma ohnehin schon zweimal seine Aufwartung machte, zuletzt als Berglöwe. Ab nun sind kalifornische Sehenswürdigkeiten angesagt, OS X 10.9 heißt Mavericks, nach einem Surfstrand bei San Francisco und erinnert damit gewissermaßen an den originalen iMac und seine Farbe Bondi Blue – benannt nach einem Strand in Sydney. Der zweite Paradigmenwechsel betrifft den Preis: Ab sofort sind Betriebssystem-Updates für den Mac wie schon längst für iOS gratis, nachdem schon Snow Leopard, Lion und Mountain Lion eher nur noch symbolische Preise kosteten. Die dritte Neuerung: Das Design wird "flacher", das passiert in wesentlich auffälligerer Weise in iOS 7, schlägt aber auch auf den Mac durch. Dieser bekommt hingegen eine weitere App aus der iOS-Welt: Karten. Und diese sieht in Mavericks noch so aus wie früher, nämlich skeuomorphistisch. Dieses Wort haben wir und die meisten anderen überhaupt erst im Juni 2013 kennen gelernt. Es bezeichnet, dass digitale Entitäten analoge nachahmen, die Kalender-App etwa mit ihren simulierten Abrisskanten, das Adressbuch mit dem in Pixeln nachgestellten Ledereinbänden oder allein Icons wie das von Safari, das beinahe wie eine Fotografie eines Kompass aussieht. Im Jahr 2013 hat der Skeuomorphismus aber allmählich ausgedient, die Leute wissen, wie sie einen digitalen Kalender nutzen können und dass man Software zwar gewisser Weise anfassen kann, diese dafür aber nicht so aussehen muss wie Alltagsgegenstände, sondern auch mit abstrakten Flächen und Formen arbeiten kann.

2013: Mac Pro, als große Innovation gefeiert. War leider doch nur eine Sackgasse.
Vergrößern 2013: Mac Pro, als große Innovation gefeiert. War leider doch nur eine Sackgasse.

Apple hat diesen Trend nicht angestoßen, aber konsequent befeuert, iOS 7 hat optisch mit seinem unmittelbaren Vorgänger fast nichts mehr zu tun. Aber auch in Mavericks sind die Änderungen signifikant, vor allem in Apps wie dem Kalender und dem Adressbuch, das mittlerweile "Kontakte" heißt. Funktionale Änderungen erfährt das System aber auch, vor allem sein zentrales Programm Finder. Dieser versteht sich ab OS X 10.9 auf Tabs, mehrere Fenster lassen sich also in einem anordnen. Nur phonetisch ähnlich: Tags. Diese lösen die Etiketten ab und bieten zwar nicht mehr Farben als diese, dafür aber völlige Freiheit bei den Metadaten, die man nun beliebig an Dateien und Ordner hängen kann.

Ein Jahr zuvor hatte Apple mit iOS 6 seine eigene Karten-Anwendung vorgestellt und Google Maps als Standardlösung verbannt. Den Rückstand auf die erfahrene Konkurrenz konnte Apple aber nicht so schnell wett machen, im Prinzip rennt Cupertino auch noch sechs Jahre später Mountain View hinterher. Fehlerhaft war aber nicht nur die App, sondern vor allem Apples Krisenmanagement, weswegen der seinerzeitige Software-Chef Scott Forstall gehen musste – angeblich wie der 2011 verstorbene Steve Jobs ein großer Anhänger des Skeuomorphismus. Das "flache" Design von iOS 7 und Mavericks hat nun erstmals für Software der Design-Chef Jony Ive verantwortet – Kritiker sagen "verbrochen". Sie bemängeln vorwiegend, dass Schaltflächen aber oft nicht mehr als solche zu erkennen sind und die Schriften zu schlank geworden sind. Funktional ändert sich auch ein wenig, die Mitteilungszentrale bekommt die Ansicht "Heute", die App "Mein iPhone suchen" lässt verlorene oder gestohlene iPhones schneller wieder finden.

Der Juni 2013 bringt zudem neue Hardware. Dezente Verbesserungen bei Apples Brot-und-Butter-Rechner, dem Macbook Air, das es in zwei Größen gibt. Und vor allem einen Knaller, von dem Apple auf der WWDC erstmal nur Bilder zeigen kann: Ein neuer Mac Pro im Zylinder-Design soll den Innovationsstau in Sachen Mac aufheben. Bis die Wundermaschine fertig ist, vergeht dann aber noch ein halbes Jahr – und schon sehr bald wird der Mac Pro von der Entwicklung überholt. Im Jahr 2019 soll ein neuer, modularer Mac Pro kommen. Vielleicht ja sogar zur WWDC.

2012: Ungewöhnlicher Auftakt

Die erste WWDC nach dem Tod von Steve Jobs eröffnet Siri – die einen Tag vor dem Ableben des Apple-Gründers im Oktober 2011 ihre Premiere gefeiert hatte. Beziehungsweise ließ Apple die Stimme von Siri einige Sätze zum Auftakt der Keynote sprechen, einige Witze über die versammelten Entwickler inklusive. In iOS 6 hatte Apple Siri noch ein wenig ausgeweitet, seither kennt sie mehr Sportergebnisse, kann lokale Kinotipps geben und sich an Facebook und Twitter anbinden – wie das gesamte System Schnittstellen zu den sozialen Medien bekommt. Neu in iOS 6 ist auch die eigene Karten-App Apples, die zum Start nichts weiter als ein Fiasko ist, wie der Hersteller später in einer Entschuldigung einräumt. Schräge Routenvorschläge, unbekannte Orte, seltsame 3D-Darstellungen sind nur ein Teil. Doch war Apple gezwungen, die engen Verbindungen zu Google zu lockern, nachdem sich der Konzern aus Mountain View mit Android zur ärgsten Konkurrenz Apples aufgeschwungen hatte. So fliegt auch die Youtube-App vom iPhone, Videos möge man sich doch bitteschön im Browser ansehen – immerhin zieht die native Anwendung wenig später in den App Store ein, wo dann auch Google Maps zu finden sind – vorinstalliert sind die beiden Apps nur nicht mehr. Eine weitere wichtige Funktion in iOS 6: Bitte nicht stören. Seither ist Schluss mit nächtlichen Anrufen oder Nachrichten.

2012: Ein neues Macbook Pro mit Retina-Display, aber ohne Laufwerk
Vergrößern 2012: Ein neues Macbook Pro mit Retina-Display, aber ohne Laufwerk

In Sachen Mac-Betriebssystem gibt es auf der WWDC 2012 nur wenig Neues zu verkünden: Mountain Lion hatte Apple bereits überraschend im Februar angekündigt, nun steht mit dem Juli ein Auslieferungstermin fest. Dafür haben Tim Cook und Konsorten neue Hardware mitgebracht: Das Macbook Pro mit Retina-Dispaly leitet eine neue Hardware-Ära ein, denn es kommt nicht nur mit dem ersten derart hoch aufgelösten Bildschirm für den Mac, sondern auch ohne optisches Laufwerk. Immerhin legt Apple noch ein herkömmliches 13-Zoll-Modell auf, das es noch eine ganze Weile zu kaufen geben würde, ein 17-Zoll-Macbook gibt es seither nicht mehr. Dem 15er-Pro-Modell folgt im Herbst noch eine 13-Zoll-Variante, dann  würde Apple auch iMacs ohne Laufwerk aber auch noch ohne Retina-Display herausbringen. Nebenbei bringt Apple noch eine neue Airport Express, die nun auch Musik übertragen kann und weiteres Zubehör. Früher war auf WWDC-Keynotes einfach mehr Hardware.

2011: Der letzte Auftritt

Seit Jahren war Steve Jobs krank, hatte viele Apple-Keynotes, die er so sehr  geprägt hatte, verpasst oder war auf ihnen nur kurz aufgetreten, für eine momentane Rückkehr aus dem Krankenstand. Die Keynote zur Eröffnung der WWDC war, abgesehen von der Vorstellung der Pläne für den Apple Park gegenüber dem Stadtrat von Cupertino ein paar Tage später, sein letzter öffentlicher und daher Gegenstand vieler Nachrufe, die im Oktober 2011 erschienen.

Dabei war die Show anders als in vielen Jahren zuvor relativ vorhersehbar, es fehlten nur die Details. Seit Oktober 2010 wusste man, dass es ein neues Mac-Betriebssystem namens OS X 10.7 Lion geben würde, das etliche beliebte und bewährte Funktionen von iOS "Back to the Mac" bringen würde. Das war etwa das Launch-Pad mit in Kacheln angeordneten App-Icons, wie man es von den Home-Screens der mobilen Geräte schon kannte. Oder Apps wie Notizen und Erinnerungen, die es zuvor nur für iOS gegeben hatte. Für seine eigenen Apps führt Apple mit Lion die Versionierung und das automatische Speichern ein, alles in allem sehr nützlich. Davon abgesehen bekommt Lion eine neue Funktion, die den Datenaustausch zunächst zwischen Macs erleichtert: Air Drop ermöglicht den einfachen Transfer über Wi-Fi, ohne dass man die beteiligten Rechner konfigurieren müsste.

2011: Steve Jobs' letzte WWDC bringt iOS 5, OS X 10.7 Lion und iCloud.
Vergrößern 2011: Steve Jobs' letzte WWDC bringt iOS 5, OS X 10.7 Lion und iCloud.

iOS 5 bringt vor allem eine revolutionäre Neuerung: Seit 2011 lassen sich iPhone und iPad auch unabhängig von Mac oder PC einrichten und mit Updates für System und Apps versorgen. Der Weg ist seither frei, dass iOS-Geräte die einzigen Computer in einem Haushalt sein können. In iOS 5 hat nun auch das Notification Center (Benachrichtigungszentrale) Premiere, zuvor konnten Apps zwar auch Meldungen  auf den (Sperr-)Bildschirm schicken, diese verschwanden aber sofort ins Nirvana. Ab iOS 5 hatte Apple auch den Zeitschriftenkiosk bereit gestellt, im Prinzip nur ein spezieller Ordner für die Apps von Publishern.

iCloud löst 2011 Mobile Me ab, Apples ersten eher erfolglosen Versuch, per Cloud über Plattformen hinweg Geräte zu vernetzen. Im Gegensatz zu den Vorgängern ist iCloud kostenlos, wenn auch nur mit 5 GB Speicherplatz, was schon 2011 nicht gerade großzügig bemessen war. iCloud bedeutet auch die Abkehr von der bisherigen Strategie, den Mac als "digital hub" zu definieren, über den sich allerlei Geräte steuern und verbinden lassen. Aber da iPhone und iPad unabhängig werden, müssen eben wieder Server den Laden zusammenhalten.

2010: Neuer Rhythmus und Name für iOS

Das Jahr 2010 markiert einen Rhythmuswechsel in Apples Hard- und Software-Abläufen. Zum letzten Mal zeigt Apple im März bereits eine erste Vorabversion seines iPhone-Betriebssystems und auf der WWDC an sich nur noch Vertiefungen. Dafür gab es im Juni die Vorstellung neuer Hardware, das war im Jahr 2010 das iPhone 4 – das iPad war erst wenige Wochen zuvor in den Handel geraten. Das iPhone 4 brachte erstmals einen neuen Formfaktor und neue Materialien: Glas auch auf der Rückseite. iOS 4, wie das System nun hieß, das im März bereits als iPhone-OS 4 zur Vorstellung kam, bringt als wesentliche Neuerung Multitasking. Zumindest eine eingeschränkte Form des Parallelbetriebs von Apps, nur bestimmte konnten im Hintergrund weiterlaufen, etwa Musik- oder Navi-Anwendungen. Erstmals lassen sich Apps auch in Ordner gruppieren, sehr sinnvoll bei dem immer größer gewordenen Angebot. Apps sollen sich auch finanzieren lassen, wenn nicht durch Kauf, dann durch Werbung. Dass diese nerven kann, ist Apple bewusst, mit dem System iAds will der Anbieter daher eine Möglichkeit für kreative, hochwertige und nicht störende Werbung schaffen. Aber das funktioniert auf Dauer nicht, iAds ist längst eingestellt, " Search Ad " ist als Nachfolger vorgesehen.  Dafür immer noch im Lieferumfang des iPhone und das seit iPhone 4 /iOS 4: iMovie for iPhone.

2010: Zum bisher letzten Mal ein neues iPhone auf der WWDC. Das weiße Modell rechts ließ noch neun Monate auf sich warten.
Vergrößern 2010: Zum bisher letzten Mal ein neues iPhone auf der WWDC. Das weiße Modell rechts ließ noch neun Monate auf sich warten.

Das iPhone 4 hatte übrigens wenige Wochen zuvor für Schlagzeilen gesorgt, ein Apple-Ingenieur hatte es bei einem Feldtest außerhalb des Apple Campus in einem bayerischem Biergarten verloren, der Blog "Gizmodo" war an den Prototypen gekommen und hatte die Story groß ausgeschlachtet. Das war ein Fehler: "Gizmodo" bekam Hausverbot und hat heute längst nicht mehr die Relevanz als Informationsquelle über Apple als im Jahr 2010.

2009: Der Stellvertreter

In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2009 musste sich Steve Jobs von einer letztlich lebensverlängernden, aber doch vergeblichen Lebertransplantation erholen. Ihn vertrat, wie schon auf der Macworld Expo im Januar, der Marketing-Chef Phil Schiller. Dieser brachte zur Entwicklerkonferenz zwei neue Macbook Pro mit, in 13 und 15 Zoll und dem seit Oktober 2008 bekannten Konzept des Unibody-Gehäuses mit fest verlötetem Akku. Auf jenem Special Event hatte Apple sich übrigens Fragen nach dem Gesundheitszustand von Steve Jobs verbeten.

2009: Craig Federighi bei der Arbeit: Neuerungen in Mac-OS X Snow Leopard
Vergrößern 2009: Craig Federighi bei der Arbeit: Neuerungen in Mac-OS X Snow Leopard

Das neue iPhone des Juni 2009 hieß iPhone 3GS, ein 3G auf "Speed". Über Jahre hinaus war damit die Nomenklatur der wechselnden Generationensprünge festgezurrt, mit einer neuen Nummer gab es eine neues Äußeres, die S-Varianten verbesserten vor allem die inneren Werte. iPhone-OS 3 war fertig, schon im März hatte Apple erste Blicke gewährt, erstmals war damit etwa Copy-and-Paste möglich. Noch nicht fertig war Mac-OS X 10.6 Snow Leopard, das Apple ein Jahr zuvor schon vorgestellt hatte, der damalige Entwicklungschef Bertrand Serlet kündigte die Veröffentlichung für den September an.

2008: Der Nachfolger

Was in Sachen Software für das iPhone zur WWDC passieren würde, war seit März des Jahres klar. Apple hatte sich dazu entschlossen, das iPhone mit iPhone-OS 2.0 Entwicklern zu öffnen, die ihre Apps über den in iTunes integrierten neu geschaffenen App Store verteilen konnten. Ein neues iPhone stand zudem auf dem Plan, ein Jahr nach dem Original brachte das iPhone 3G zwei bis dahin schmerzlich vermisste Hardware-Komponenten: Ein GPS-Modul und einen UMTS-Chip.

Der Mac würde aber nun auch wieder zu seinem Recht kommen, ein Jahr nach dem Überraschungserfolg des iPhones. Wegen diesem hatte Apple die Veröffentlichung von Mac-OS X 10.5 Leopard in den Oktober 2007 verschieben müssen, ein dreiviertel Jahr später legte das Unternehmen seine Strategie zum Nachfolgesystem dar. Snow Leopard würde keine (oder nur kaum) neue Features bringen, stattdessen wolle man sich darauf konzentrieren, die Codebasis aufzuräumen und zu optimieren. Mehr als ein weiteres Jahr sollten diese Arbeiten andauern.

2008: Mobile Me war ein Flop und wurde drei Jahre später von iCloud abgelöst
Vergrößern 2008: Mobile Me war ein Flop und wurde drei Jahre später von iCloud abgelöst

Als höchst fehlerhaft erwies sich aber das zur WWDC 2008 präsentierte Mobile Me. Apple hatte vor allem Server-Probleme, Kunden sahen sich ständigen Ausfällen der Synchronisation ausgesetzt. "Das war nicht unsere Sternstunde", sollte Steve Jobs drei Jahre später zu dem Flop sagen. Apple hatte bis dahin in Sachen Cloud aber deutlich hinzugelernt.

2007: Schwere Geburt

Der Vortrag zur Eröffnung der WWDC 2007 ähnelte der zur dem des Vorjahrs deutlich, wieder ging es um Mac-OS X 10.5 Leopard, bei dessen Entwicklung es wegen des iPhones zu schweren Verzögerungen gekommen war. Immerhin waren nochmals ein paar neue Funktionen und Looks zu sehen, mehr nicht. Zu den präsentierten Neuerungen zählten Quicklook, seither genügt ein Klick auf die Leertaste, um Inhalte eines markierten Dokuments zu sehen – sofern der Dateityp kompatibel zur Apple-Technologie ist. In Sachen iPhone hält sich Apple noch sehr zurück, das erste Gerät sollte auch erst gut zwei Wochen nach Ende der WWDC herauskommen.

2007: Mission accomplished – alle Macs laufen mit Intel-Chips
Vergrößern 2007: Mission accomplished – alle Macs laufen mit Intel-Chips

Wenigstens zeigt Scott Forstall, wie sich Apple das mit Anwendungen für das iPhone vorstellt, Web 2.0 und AJAX lauten die Stichworte. Entwickler können also nur spezielle Webanwendungen schreiben, die dann auf dem iPhone fast wie Programme aussehen sollen. Wir zitieren aus unserem Ticker zur Keynote: "Man nehme einfach nur Webstandards und schon sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt... Aber der Applaus der jetzt zu iPhone-Entwicklern gewordenen Programmierer ist hier nicht besonders enthusiastisch." Alles in allem war die WWDC 2007 kein Knüller.

2006: Der Leopard ist los

Ein Jahr nach dem Intel-Schock bekommen Entwickler wieder mehr Mac zu sehen – dass Mac-OS X 10.5 auf Intel und PPC-Macs laufen sollte, spielte kaum eine Rolle. Leopard war das bisher größte Update für Mac-OS X und ist auch bis heute das mit den meisten neuen Features. Das wichtigste: Time Machine, jenes in das System integrierte Backupsystem, das kaum noch Ausreden beim Datenverlust zulässt. Das war es aber noch lange nicht: iChat lernt Videokonferenzen kennen, Mail bringt deutlich mehr Funktionen und wird beinahe zu einem Outlook-Konkurrenten, virtuelle Desktops namens Spaces schaffen vor allem auf Mobilrechnern mehr Platz zum Arbeiten, Spotlight findet Inhalte auch im lokalen Netz, Dashcode lässt eigene Widgets für Dashboard erstellen und vieles mehr.

2006: Voice over, eine der zahlreichen Neuerungen von Leopard.
Vergrößern 2006: Voice over, eine der zahlreichen Neuerungen von Leopard.

Aber auch Hardware steht auf dem Programm, etwas mehr als ein Jahr nach Ankündigung des Intel-Umstiegs ist dieser mit dem neuen Mac Pro und dem Xserve mit Intel-Chips abgeschlossen. Vielleicht war das der Grund, warum Apple die WWDC im Jahr 2006 ausnahmsweise erst im August abhielt: So wurde die letzte Lücke im Hardwareangebot auf den Punkt genau geschlossen.

2005: Totenstille

"Ja, die Gerüchte sind wahr. Wir steigen auf die Intel-Plattform um": Mit diesen Worten schockte Steve Jobs am 6. Juni 2005 die versammelte Entwicklergemeinde, minutenlang war aus dem Auditorium kein Wort zu hören. Einige werden verzweifelt nachgerechnet haben, was es bedeutet, dass Apple ein Jahr später Intel-Macs haben würde. Also am 6. Juni 2006, 666, die Zahl des Tiers! Nur nebenbei: Der Autor der Offenbarung hatte damit vermutlich Kaiser Nero gemeint, keinen Teufel und keinen Bill Gates. Andere Programmierer waren still in sich versunken und überlegten, wie sie innerhalb eines Jahres ihre Software neu für die X86er-Prozessoren schreiben könnten.

2005: A change is gonna come
Vergrößern 2005: A change is gonna come

Einen Großteil des Problems nahm Apple ihnen aber mit der Entwicklungsumgebung Xcode ab, die selbstverständllich für Intel kompilierte.  Ein anderes Probelm erledigte Rosetta, jene "Übersetzungsschicht", die PPC-Software auch auf Intel-Macs laufen ließ und die die Zeit des Übergangs unkompliziert werden ließ. Überhaupt lief vieles reibungsloser als gedacht, der erste Intel-Mac kam sogar schon ein gutes halbes Jahr nach dieser verstörenden Keynote heraus. Von wegen 666.

2004: Umgestiegen

Kaum zu glauben, dass erst ein Jahr vor dem Wechsel zu Intel Apple den Umstieg auf Mac-OS X für abgeschlossen erklärt hatte. Aber dieser war im Vergleich zu denen von Apple II auf Mac und von 80k auf PPC wesentlich komplexer und langwieriger. Das vierte große Update, Mac-OS X 10.4 Tiger zeigt erstmals gezeigt, es dreht sich aber auch viel um Software und deren Hersteller, die sich für die neue Plattform verpflichtet hatten und von Core-Technologien des Systems profitierten wie etwa Core Audio. Der Tiger selbst führt etwa die Meta-Daten-Suche Spotlight ein und den neuen Video-Codec H.264. Neu ist auch das Scripting-Programm Automator.

2004: Mac-OS X ist endgültig angekommen.
Vergrößern 2004: Mac-OS X ist endgültig angekommen.

2003: Umgezogen

Die WWDC steigt erstmals im Juni statt im Mai und Apple wechselt auch den Ort: Von San Jose nach San Francisco. Grund für die fünfwöchige Verschiebung war Mac-OS 10.3 Panther, das Apple den Teilnehmern in einer Vorabversion in die Hand drückt und das eben noch etwas länger gebraucht hat. Schon damals hatte Apple den Kern des Systems, Darwin, für die Intel-Plattform gepflegt. Im Sommer zuvor hatte Steve Jobs derartige Gerüchte nur kommentiert mit: "Intel ist eine Alternative. Und wir lieben Alternativen." Ein potentieller Wechsel des Chip-Lieferanten und damit der CPU-Architektur erschien nach der WWDC 2005 aber unwahrscheinlich, zeigten die Power Mac G5 doch eindrucksvoll in eine Zukunft, die sich letztendlich als ganz anders herausstellen sollte.

2003: Der Power Mac G5 wird seine Abwärme durch das raffinierte Gehäusedesign noch halbwegs los.
Vergrößern 2003: Der Power Mac G5 wird seine Abwärme durch das raffinierte Gehäusedesign noch halbwegs los.

Doch was IBM mit den Towergehäusen noch gelang, sollte mit Notebooks unmöglich werden: Den Umgang mit der immensen Abwärme in den Griff zu bekommen. Die Power Mac G5 waren in ihrem Inneren sehr aufgeräumt, die Spitzenmodelle setzten gar eine Flüssigkeitskühlung – ein als Sackgasse erwiesen sich die PPC-Chips der fünften Generation dann doch.

0 Kommentare zu diesem Artikel

Macwelt Marktplatz

2349491