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Schriftdarstellung – Warum macOS 10.14 „anders“ aussieht

28.06.2018 | 14:32 Uhr | Stephan Wiesend

Beim ersten Blick auf macOS Mojave fallen viele kleine Unterschiede auf. Einer davon ist eine Veränderung in der Schriftglättung

Nach Installation von macOS Mojave waren wir beim ersten Blick auf das neue System etwas irritiert: Irgendetwas sah anders aus – und damit meinen wir nicht den Dark Mode...

Der Grund für das andere Aussehen ist aber simpel: Apple hat bei macOS 10.14 Mojave die Schriftglättung verändert. Statt dem bis High Sierra für gute Textdarstellung sorgenden Subpixel Rendering kommt ein simpleres Antialiasing zum Einsatz. Der Text in Systemeinstellungen, Webseiten und so gut wie jedem Programm wie Word sieht dadurch unter Mojave etwas anders aus, weniger „glatt“. Entwickler hatten dies schon bei der ersten Testversion bemängelt, bisher hat Apple aber noch nicht offiziell darauf reagiert. Es gibt einige Hinweise, dass Apple das Subpixel Rendering auch zukünftig nicht reaktivieren wird.

Warum sieht das nicht jeder?

Der Verzicht auf Subpixel Rendering ist bei Macs mit Retina-Display kaum sichtbar. Bei Macbooks oder iMacs mit 4K und 5K-Bildschirm ist die Auflösung so hoch, dass Schrift auch ohne „Tricks“ hervorragend aussieht - das gilt auch unter iOS, wo Apple schon länger auf Subpixel-Rendering verzichtet. Gut sichtbar sollte die veränderte Schriftglättung bei einem externen Monitor mit HD-Auflösung oder Macbook Air sein. Die neue Schriftglättung ist außerdem nicht unbedingt schlechter und könnte einigen Nutzern sogar besser gefallen.

Die Unterschiede werden in einer hohen Zoomstufe sichbar.
Vergrößern Die Unterschiede werden in einer hohen Zoomstufe sichbar.

So funktioniert Subpixel Rendering

Mit quadratischen Pixeln kann man eigentlich nur begrenzt Kurven darstellen. Um nun zu vermeiden, dass Schrift „pixelig“ aussieht, wurden für die Bildschirmdarstellung von Schrift schon sehr bald verschiedene Methoden der Schriftglättung entwickelt. Besonders aufwendig ist das Subpixel-Rendering. Jeder Pixel eines TFTs besteht aus drei so genannten Subpixeln der Farben Rot, Grün und Blau. Durch das gezielte Ansteuern eines dieser Subpixel erzielt man weit bessere Auflösungen, Schrift wirkt dann fast wie gedruckt. Unter Windows nennt sich diese Technik Cleartype, Apple führte diese spezielle Schriftglättung mit Mac-OS X ein. Zuständig war auf dem Mac dafür die Grafikschnittstelle Quartz 2D. Der Vorteil von Subpixel Rendering ist außerdem nicht unumstritten. So gibt es Farbsäume, die man etwa beim Hineinzoomen in einen Screenshot sehen kann. Bei der neuen Schriftglättung setzt Apple auf ein reines „Graustufen“-Antialiasing.

Was ist der Grund?

Warum Apple Subpixel Rendering deaktiviert hat, ist bisher nicht völlig klar. John Siracusa fand einen  Hinweis in einem WWDC-Video (What´s New in Cocoa from macOS“ wo ab Minute 29 das Ende dieses „Color fringing Effects“ erwähnt wird. Der hier angeführt Grund: Durch die neue Glättung würde Schrift auf allen Display-Arten und bei allen Zoomstufen gut aussehen. Die neue Glättung soll anscheinend Probleme beim Skalieren von Bildschirmelemente lösen. Entwickler vermuten allerdings einen Zusammenhang mit neuen Grafiktechnologien, so erschweren neue Grafikschnittstellen die Berechnung der Subpixel. So gibt es hier offenbar Kompatibilitätsprobelme mit Core Animation, weshalb etwa Apple in iOS bereits auf Subpixel Rendering verzichtete.

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