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Sennheiser Ambeo Smart Headset – für immersive Soundkulissen

24.04.2018 | 14:17 Uhr | Peter Müller

Der Lightning-Kopfhörer bringt nicht nur eine konfigurierbare Fernbedienung mit, sondern auch 3D-Mikrophone für immersive Sounderlebnisse.

Die Kopfhörer und Lautsprecher von Sennheiser sind wegen ihres sehr linearen Frequenzgangs in Studios beliebt und bei Musikhörern, die es leid sind, vor allem wuchtige Bässe und klirrende Höhen auf die Ohren zu bekommen. So mussten wir uns beim Ambeo Smart Headset erst einmal wieder ein bisschen einhören, nach all den Klangproben von Homepod und Co. Sicher, im Bass fehlt eine Wucht, die andere Kopfhörerhersteller – auch Apple mit den Airpods – selbst bei In-Ear-Hörern hinbekommen, aber das haben wir weder erwartet noch gewünscht. Immerhin liefert Sennheiser einen Equalizer mit der App Apogee Smart Headset mit aus, lediglich aber mit drei Bändern und wenigen Voreinstellungen. Wer etwas mehr Bass will – bitte sehr. Dank des sehr neutralen Klangs des Ambeo Smart Headset kann man auch wunderbar die unterschiedlichen Presets des iOS-eigenen Equalizers differenzieren (Einstellungen > Musik > EQ).

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Nicht für Telefonie optimiert …

Als Headset für iPhone-Telefonate ist das Sennheiser Ambeo bestens gerüstet. Mit dem mittleren Knopf auf der Fernbedienung nimmt man eingehende Gespräche an, ein längerer Druck darauf startet Siri, über die man nun selbst Telefonate veranlassen kann. Unsere Gesprächspartnerin klagt jedoch über einen etwas blechernen Klang, direkt in das iPhone sprechend würden wir besser, da menschlicher, klingen.

Bedienelemente in der App erklärt
Vergrößern Bedienelemente in der App erklärt

Das hat einen technischen Grund. Denn die Mikrofone des Headsets sind nicht wie bei anderen Produkten in der Fernbedienung oder einem vor den Mund herunterklappbaren Arm eingebaut, sondern in den Ohrhörern. Was Sennheiser damit aber im Gegensatz zu andersartigen Produkten erreicht: Auf diese Art und Weise kann man ein 3D-Klangbild seiner Umgebung aufnehmen, in Sprachmemos oder anderen Apps. Das ist vergleichbar mit den leider selten gewordenen Aufnahmen von Kunstkopfmikrofonen, die wie der Name schon sagt, an einem künstlichen Kopf dort angebracht sind, wo die Ohren sind. Derartige Aufnahmen klingen auf passenden Stereokopfhörern genau so, wie man die Musik oder die Geräuschkulisse selbst am Ort der Aufnahme gehört hätte. Stellt man den Kunstkopf etwa beim Recording unmittelbar vor die Blechbläser, wird man jede Menge Trompetentöne hören, aber weniger Streicher – und bei anderem Setting eben umgekehrt. Der Stereomix erfolgt hierbei also allein durch das Aufstellen des Mikrofons.

… aber für immersive Soundkulissen

Gedacht hat das der Hersteller vor allem für Aufnahmen eines Ambientes – Räume, Straßen, Natur. Das ist vor allem für die Videoproduktion interessant: Der Zuseher und -hörer bekommt so einen besseren Eindruck vom Umgebungsklang. Wir haben uns es nicht nehmen lassen, das auch mit unserer akustischen Gitarre ausprobiert, mit Garageband. Die Idee war nur so halb durchdacht, denn die 3D-Auflösung der Mikrofone ist wirklich gut. So wandert der Klang im Panorama der Aufnahme kräftig von rechts nach links und wieder zurück – je nachdem wir den Kopf beim Spielen gehalten haben. Vor einer Verstärkerwand stehend klingt das dann natürlich anders, wenn der Schall von einem Meter vor uns kommt und nicht vom vor der Brust gehaltenen Instrument.

Die Einstellungen des Kopfhörers
Vergrößern Die Einstellungen des Kopfhörers

Sinnvoller nutzen können wir aber die 3D-Aufnahme wunderbar mit den Sprachnotizen von iOS. Wollen ( und dürfen, es ist wichtig, vorher zu fragen, Anm. d. Red. ) wir etwa ein Meeting mitschneiden, wissen wir beim späteren Anhören nicht nur, wer was sagte, sondern wo der Sprecher oder die Sprecherin relativ uns saßen oder standen.

Ausstattung und Komfort

Noch ein Wort zum Tragekomfort: Die Bügel, die oberhalb der Ohrmuscheln angebracht sind und den Hörer im Gehörgang halten, sind ein wenig gewöhnungsbedürftig, doch kommen sie den Brillenbügeln erstaunlich wenig ins Gehege. Auf- und abziehen der Bügel dauert jedoch etwas länger als bei anderen Lösungen, doch sitzen die Lauscher und die darin integrierten Mikrofone dann auch perfekt.

Die App-Ausstattung ist ein klein wenig enttäuschend, das fängt beim grafischen Dreiband-EQ an. Den smarten Schieberegler können wir zwar mit allerlei Funktionen belegen und mit ihm etwas wahlweise das Mikro ausschalten, die Kamera des iPhone oder die Sprachmemos starten, aber zum Beispiel nicht unsere bevorzugte Recording-App Garageband. Am sinnvollsten ist jedoch, schalten wir mit ihm das "Transparent Hearing" ein, lassen also die Außengeräusche verstärkt auf unser Ohr, während die aktuell abgespielte Musik wieder in den Hintergrund tritt. "Toggle Interact" heißt diese Option in der bisher nur auf englisch verfügbaren App. Ebenso können wir über eine Taste an der Fernbedienung die aktive Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling, ANC) aktivieren, die bringt aber allenfalls in brummenden Umgebungen etwas mehr Ruhe ein.

Kostenlose Version des Meta Recorders: Nur sehr eingeschränkt nutzbar
Vergrößern Kostenlose Version des Meta Recorders: Nur sehr eingeschränkt nutzbar

Starten lässt sich über den Schieberegler auch der Meta Recorder von Apogee, mit dem wir die Raumakustik aufnehmen wollen. Die  Gratis-Fassung der App beschränkt unsere Aufnahmen aber auf 60 Sekunden, das Input-Level lässt sich zudem nicht regeln. Der In-App-Kauf für die Vollversion kostet immerhin 5,99 Euro.

Fazit

Als Kopfhörer zum Musikhören trotz hoher Wiedergabequalität nicht für jeden Geschmack geeignet, und als Headset für das Büro wegen seiner Bauweise und der Einschränkung auf das iPhone (Lightning) nur bedingt, zeigt das Ambeo Smart Headset seine Qualitäten und sein Alleinstellungsmerkmal als 3D-Mikrofon. Schade nur, dass die App dafür - Apogee Meta Recorder – noch einmal extra kostet. Das fällt bei einem Preis von rund 300 Euro zwar kaum ins Gewicht , ist dennoch ein wenig ärgerlich. Sonst aber ist das Ambeo Smart Headset jede Empfehlung wert.

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