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Setapp – der bessere Mac App Store?

12.07.2017 | 14:58 Uhr |

Der Mac App Store wird wohl nie einen solchen Erfolg erreichen wie der App Store für iOS. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Der Mac App Store steckt in der Krise, meinen immer wieder diverse Blogger, auch wir hatten uns darüber Gedanken gemacht . Etwas überrascht hatten wir jedoch das Erscheinen eines kleinen Wettbewerbers registriert, der sich noch dazu schickt, besseren Service für die Nutzer anzubieten.

Es geht nämlich um SetApp – ein nächstes Projekt des ukrainischen Entwicklers MacPaw, der bei den Mac-Anwendern durch seine Software wie Clean My Mac oder Gemini bekannt ist. Die Veröffentlichung hat uns insofern stutzig gemacht, als dass der Entwickler sich in ein Marktsegment wagt, wo auch Apple seine Umsätze erzielt. Aus Erfahrung wissen wir, dass der iPhone-Hersteller so etwas nicht sonderlich mag und mit ganzer Wucht dagegen vorgehen könnte. Doch weit gefehlt, denn der MacPaw-CEO Oleksandr Kosovan beruhigt: Als SetApp noch ein Projekt in der Planungsphase war, hat man bereits mit den Ingenieuren von Apple Developer Relations gesprochen. Diese haben gemeint, was gut für die Nutzer sei, würde auch gut für Apple sein. So hat Cupertino quasi ein grünes Licht für Setapp gegeben.

Und wirklich, der alternative Store für Mac Apps löst einige Probleme, die Apple bis jetzt nicht lösen kann oder will: Für End-Anwender wäre dies die Abo-Anmeldung an einer einzelnen Stelle, nicht in jeder einzelnen App, die man nutzt. Denn die Zeichen der Zeit stehen klar: Immer mehr App-Entwickler steigen auf Abo-Modelle um, zuletzt 1Password, schon lang davor Adobe und Microsoft. Und ein Abo-Modell bedeutet, man muss sich in der App irgendwie noch registrieren, statt wie zuvor sie einfach zu laden und zu installieren. Wenn man Abos durch den Store von Apple bezieht, macht dies die Sache nicht unbedingt einfacher: Zwar läuft die Bezahlung über die eine Stelle, die Verwaltung von App-Abos ist im iTunes Store noch ziemlich unübersichtlich und dazu versteckt. Apropos Bezahlung, SetApp verspricht mit seinem Abo-Preis von zehn US-Dollar pro Monat (knapp neun Euro) eine vernünftige Lösung, der Nutzer muss jedoch selber entscheiden, ob die einzelnen Apps aus dem Angebot es für ihn wert sind.

Ausgewählte Software und nicht beliebig

Doch das Angebot im SetApp-Store mag für manche recht mager erscheinen – 81 Apps statt der üblichen Millionen Titel auf diversen anderen Plattformen. Doch dieser scheinbare Mangel ist keiner, sondern eine gewollte Auswahl. Laut Kosovan will SetApp auf Klasse statt Masse setzen: Die Betreiber schauen sich die drei besten Apps aus den jeweiligen Kategorien im Mac App Store an und versuchen dann, die Betreiber von diesen Apps für die eigene Lösung zu gewinnen. Ob das Konzept aufgeht, muss man noch abwarten, der Abgleich der Kategorien im Mac App Store und bei SetApp ist nicht immer möglich, weil sie sich in manchen Fällen doch unterscheiden, Textwrangler ist zum Beispiel (noch) nicht dabei (Developer-Tools), aber Ulysses – ein guter Text-Editor – taucht in der Kategorie "Blogging and Writing" auf.

SetApp bzw. MacPaw versucht nun, gute Entwickler mit der Lösung zu überzeugen. Denn auch für diese hat der alternative Store seine Vorteile: Zum einen zahlt der Betreiber einen festen Betrag für die mitgebrachte Nutzerschaft, die sich für das Abo entschieden hat. Zum anderen bekommen die Entwickler ebenfalls eine Entlohnung, wenn die App von den Nutzern tatsächlich in der Verwendung war. Ähnlich wie Apple beim App Store behält MacPaw 30 Prozent der gezahlten Abo-Gebühren, der Rest wird unter den Entwicklern der Apps aufgeteilt, deren Programme während des Monats verwendet waren. Von den einbehaltenen 30 Prozent der Abo-Kosten gehen zehn Prozentpunkte für die Entwicklung, Vermarktung und Instandhaltung der Store, die restlichen zwanzig Prozentpunkte werden an die Entwickler abgegeben, die ihre eigenen Nutzerschaften in den Store eingebracht haben. Ob das Konzept so aufgeht, bleibt abzuwarten. Nach Kosovans Aussagen will Setapp in die Bereiche für kleine und mittlere Unternehmen expandieren, die ersten Anfragen gäbe es bereits. Was uns persönlich an der Auswahl fehlt, sind gute Bildbearbeitungs-Apps. Schließlich ist auf dem iPad und iPhone Adobe nicht mehr der unangefochtene Platzhirsch, kleinere Entwickler-Studios fachen den  Wettbewerb kräftig an. Auch unter den Top-Apps im Mac App Store tauchen beispielsweise Affinity Photo und Affinity Designer in den ersten Reihen auf, bei SetApp fehlen solche Apps gänzlich. Seit dem 12. Juli gibt es das Angebot auch auf Deutsch, zudem auch auf Französisch und Portugiesisch.

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