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Setzt Apple falsche Prioritäten? Ehemaliger Apple-Entwickler beklagt sich

14.02.2018 | 13:39 Uhr |

Nach Meinung eines ehemaligen Apple-Entwicklers ist das rigide Projektmanagement Cupertinos Ursache vieler Probleme.

Berichte ehemaliger Apple-Angehöriger sind immer mit etwas Vorsicht zu betrachten, sind diese doch oft veraltet und nicht immer sehr objektiv. Interessant ist aber, dass der Reddit-Nutzer Jarjoura in einem Reddit-Kommentar ein völlig anderes Apple-Bild skizziert, als man sonst kennt. So lobt etwa der Autor Adam Lashinsky in seinem Buch „Inside Apple“ die modernen Projektmanagement-Methoden Apples: Agiles Projektmanagement mit flachen Hierarchien und kleinen Teams wäre die Stärke des Mac-Herstellers.

Als Waterfall Development, eigentlich ein veraltetes Konzept aus den 50ern, bezeichnet es dagegen der ehemalige iOS-Entwickler. Der Beitrag stammt aus einer längeren Diskussion zu Apples Ankündigung, sich vorerst auf die Verbesserung der Softwarequalität zu konzentrieren.

Alles kontrollierende Projektmanager (EPM) hätten laut Jarjoura in seiner Zeit die Kontrolle über die Softwareentwicklung übernommen und jeder Aufgabe eine Priorität zugeordnet: Von P0 für einen Notfall bis P4 als weniger wichtig: Jede Aufgabe musste in dem hauseigenen Aufgabenverwaltungssystem Radar enthalten sein und wurde mit einer Prioritätsstufe versehen.

In der Praxis wäre es dann nur noch um das Lösen von Fehlern mit der Priorität P1 gegangen, die man auch von Kollegen übernehmen musste. Man befand sich in einem permanenten Krisenmodus und kaum jemand habe sich getraut, Urlaub zu nehmen, um das Team nicht zu belasten. Für die Entwickler gab es folglich keine Zeit mehr für kleinere Fehler und neue Projekte. Das wäre auch der Grund für Fehler bei der Veröffentlichung neuer Systeme: Die zuständigen Entwickler selbst hätten keine Macht mehr, ein Produkt als fertig zu erklären. Um die Zielvorgaben zu erfüllen, würden eben die Manager P1-Fehler zu P2-Fehlern erklären, die in der 1-Version gelöst werden. Hauptproblem sei die zu große Macht der Projektmanager. Die letzten „Leaks“ über geplante Verbesserungen der Softwarequalität sieht er deshalb auch nur als „PR spin for a buggy iOS 11“.

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Unsere Meinung: Die Vorwürfe sind interessant, allerdings bestätigen Sie indirekt auch die von Apple genannten Probleme. Offensichtlich gelang es den Entwicklern in letzter Zeit nicht mehr, in der vorgegebenen Zeit alle Fehler zu lösen. Ob daran aber die gescholtenen Projektmanager schuld sind, bleibt nach unserer Meinung unentschieden. Im Unterschied zu anderen Herstellern ist bei Apple schließlich die jährlich erscheinende neue iPhone-Generation ein fester Termin, dem sich die Softwareentwickler einfach unterordnen müssen und der die Manager stark unter Zeitdruck setzt.

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