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Siri-Lautsprecher: Was er können muss

01.06.2017 | 13:20 Uhr |

Apple will das Feld der smarten Assistenten im Wohnzimmer nicht Amazon und Google überlassen. Angeblich ist ein Siri-Sprecher geplant. Das soll die Maschine können, damit sie sich am Markt durchsetzt.

Update vom 1. Juni:  Apple plant anscheinend tatsächlich, am kommenden Montag auf der WWDC einen Siri-Lautsprecher vorzustellen und ihn im Verlaufe des Jahres in den Handel zu bringen. Laut Bloomberg habe bei Inventec in Taiwan die Produktion des Gerätes begonnen, das mit Amazons Echo und Googles Home konkurrieren soll. Zahlreiche Apple-Mitarbeiter hätten in den vergangenen Monaten die Geräte in ihren Wohnungen und Häusern getestet.

Gegen die Konkurrenz will sich Apple mit einem virtuellen Surround-Sound positionieren, auch solle Apple Music nahtlos in das System integriert sein. Mit dem Lautsprecher ließen sich auch Home-Geräte einfacher steuern. Obwohl Apples Marketingchef Phil Schiller erst kürzlich die Wichtigkeit von Bildschirmen für KI-Geräte betonte, werde die erste Fassung des Apple-Lautsprechers ohne einen solchen auskommen müssen.

Anders als im Falle der neuen Macbooks und iPads , die am Montag ebenso Gegenstand der Präsentation sein sollen, hat Apple noch keinerlei Zulassungen für ein derartiges Gerät beantragt, zumindest ist noch nichts dergleichen durchgesickert. Das muss nicht weiter verwundern, wenn Apple die Markteinführung erst für einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr vorgesehen hat. Die zur WWDC gereisten Entwickler sind aber das richtige Publikum für eine Vorabpräsentation des Siri-Speakers: Denn dieser kann sein Potential erst dann ausschöpfen, wenn Programmierer intelligente und nützliche Lösung dafür finden. Dazu hätten sie ab der WWDC-Keynote einige Monate Zeit.

Stand vom 16. Mai: Nach Ansicht des Analysten Ming-Chi Kuo und des bekannten Leakers Sonny Dickson wird Apple auf der WWDC Anfang Juni einen Siri-Lautsprecher vorstellen, der mit Amazons Echo in Konkurrenz tritt. Den Klang erzeugen sieben Tweeter und ein Subwoofer, Apples AI-Lösung wird aber kaum vor Ende des Jahres in den Handel kommen und deutlich teurer sein als der Echo – Cupertino kann nun mal stets höhere Preise verlangen.

Der Speaker wird auf dem ersten Blick dem aktuellen Mac Pro ähneln und Sound über 360 Grad abstrahlen – man sollte ihn also in der Mitte des Raumes platzieren. Eine weitere Variante von iOS soll den Lautsprecher treiben. Mig-Chi Kuo hält die Wahrscheinlichkeit für den Siri Speaker aber nur für knapp über 50 Prozent, demnach ist es sehr gut möglich, dass Apple ein derartiges Gerät gar nicht bringen wird. Für wesentlich wahrscheinlicher hält Kuo indes ein neues iPad Pro 2 mit einem randlosen 10,5-Zoll-Display , Renovierungen der iPad-Reihe scheinen für Apple auch vordringlicher zu sein als eine neue Gerätekategorie.

Andererseits würde man auf der WWDC eben genau die Leute ansprechen, die für den Verkaufserfolg eines Lautsprechers für das Smart Home wichtig wären: Entwickler. Denn unabhängig von seinen Spezifikationen  und seinem Look würde ein Siri Speaker nur dann Käufer finden, wenn er auch einen echten Nutzen brächte. Unsere Macworld-Kollegin Susie Ochs und wir haben uns Gedanken darüber gemacht, was wir von einem derartigen Speaker erwarten.

1. Der Sound

Bei einem Apple-Speaker müsste der Sound im Vordergrund stehen – dank Apples Tochter Beats sollte dafür aber ausreichend Expertise in Cupertino vorhanden sein. Mit gewisser Verzweiflung geben wir Susie recht – die Stereoanlage scheint sich allmählich in Nischen zurück zu ziehen, in denen es noch Vinyl-Platten gibt, aber ein hochwertiger Klangzylinder, der sich via Airplay ansteuern lässt, scheint uns attraktiver als eine plärrende und dumpfe Bluetooth-Box. Will sagen: Auch wenn Apples Siri-Speaker wie die vergleichbaren Geräte keinen Stereoklang wiedergibt, ist eine Soundlösung in Zylinderform, die in 360 Grad abstrahlt, für die Wohnzimmer, Küchen und Esszimmer der Generation digital derzeit die beste Lösung. Sound-Afficionados werden sich mit ihrem Plattenspieler, ihren Stereoboxen und den Vinyl-Schätzen in ihr Musikzimmer zurück ziehen müssen. Aber dort dürfen auch keine falsch platzierten Möbel oder zu stark reflektierende Wände stören. Dort, wo das Leben tobt, ist eine Boombox mehr als akzeptabel. Natürlich sollte der Siri-Speaker nicht nur via Bluetooth empfangsbereit sein und wenn wir mehrere zu einem Multiraumsystem à la Sonos zusammen spannen könnten, wäre das auch kein Schaden. Zumindest sollten dann zwei Siri-Speaker Stereo beherrschen.

2. Mit Bildschirm

Wesentlich für den Erfolg eines Siri Speakers wäre aber auch ein Display, aber keine Sorge, dies hat Apples Marketingchef Phil Schiller bereits als essentiell eingestuft, selbst Amazon verpasst seinen Echoes nun Bildschirme. Schiller wurde dabei grundsätzlich und meinte, Siri funktioniere zwar recht gut auch allein mit ihrer Sprachausgabe, aber weit besser, wenn sie zur Unterstützung ein Bild ausgeben könnte. Als Beispiel nannte Schiller Spiele - dafür hätte Apple aber bereits das Apple TV mit seiner Siri-Fernbedienung im Angebot - oder die Navigation im Auto - dafür wäre ein Home-Lautsprecher aber nicht geeignet. Aber vielleicht würde ein solcher Screen auf dem Siri Speaker ja auch anhand eines Satellitenbildes das Wetter besser begreiflich machen oder zeigen, was die Außenkamera da zeigt, wer denn vor der Tür steht. Das ginge mit Sprachausgabe allein mehr schlecht als recht. Eines scheint gewiss: Ein Siri Speaker kommt nicht ohne einen Bildschirm. Der muss ja nicht besonders groß sein, dafür hätte man ja das TV-Gerät. Warum man für solche Zwecke nicht auch iPhone oder iPad verwenden könnte? Könnte man ja, aber das iPhone steckt mal wieder in der Jackentasche im Flur und das iPad liegt unter irgend einem Stapel, bis man da ran kommt, könnte man auch gleich selbst vor die Tür schauen. Der Siri-Speaker stünde hingegen an einer zentralen Stelle des Raumes und wäre immer an.

3. Auf den Schirm!

Der Traum vom Videotelefon ist fast so alt wie der digitale Wandel. Schon in den Siebzigern und Achtzigern träumten Technikfreunde davon, sich künftig beim Ferngespräch auch sehen zu können. Durchgesetzt hat sich das Bildschirmtelefonat aus vielerlei Gründen nicht. Die Leute haben Hemmungen, dass ihr Gesprächspartner in ein ungekämmtes Gesicht und eine unaufgeräumte Wohnung blickt, die Bildqualität hinkt meist den Erwartungen auch unabhängig vom Motiv hinterher. Dennoch zeigt der Erfolg von Skype, dass das Thema Videotelefonie mittlerweile eines von heute ist und keine Zukunftsmusik mehr. Also: Der Siri-Speaker muss unbedingt auch Terminal für Videochats sein. Auch das können iPhone und iPad schon ganz gut, ist aber meist eine recht unruhige Angelegenheit. Dem Siri-Speaker kann man hingegen auch gerne mal aus dem Bild gehen, zeigt er halt nur die unordentliche Wohnung. Die Mikrophone des Gerätes sollten so sensibel sein, dass man auch mal um die Ecke in die Küche gehen kann. Wichtig ist aber: Die Kamera darf nicht immer angeschaltet sein, damit würden wir uns massive Sicherheitsrisiken in das Haus holen. Für die Skeptiker könnte Apple das Objektiv ja mit einer Verschlusskappe ausstatten, dann sieht Siri uns nur dann an, wenn wir das auch wirklich wollen.

4. Bitte mit Sicherheit

Die Mikrophone müssen hingegen immer auf Empfang sein. Damit ähnelte das Gerät uns Menschen, die wir die Augen schließen können, aber eigentlich immer lauschen, was vor sich geht. Klar, müssten wir erst zum Gerät hingehen und seine Ohren aufsperren, damit wir ihm sagen könnten, es solle doch bitte das Licht im Flur ausschalten, könnten wir auch gleich dort den Schalter betätigen. Aber als potentielle Kunden müssen wir sicher sein, dass das, was Siri hört, unter uns bleibt. Respektive wirklich nur dann, wenn wir "Hey Siri!" rufen, die Maschine sich zur Analyse des Gesagten mit dem Internet verbindet und auch nur zu diesem Zweck. Das ist letztens Vertrauenssache, Apples Versicherungen, die Privatsphäre und die Daten der Kunden zu schützen, sind aber hoch vertrauenswürdig. Apple will uns das Leben mit dem Siri Speaker erleichtern, das kann man glauben, während man Amazon durchaus unterstellen darf, mit dem Echo einen neuen Vertriebskanal zu schaffen. Kurz: Stellen wir uns einen Siri-Speaker ins Haus, hat uns Apple schon etwas verkauft, nämlich eine Hardware und eine Anbindung an seine Services, Amazon will uns noch etwas verkaufen, über sein Warenhaus. Und Google? Ach, Google...

Zu der abstrakten, aber wichtigen Sorge um unsere Daten kommt noch eine konkrete um die Integrität unserer Wohnung hinzu. Was, wenn ein Einbrecher von der Terrasse aus durch das geschlossene Fenster aus rufen kann: "Hey Siri! Mach' mal die Tür auf!". Hören sollte das Siri dank hoffentlich empfindlicher Ohren sehr wohl, sie müsste aber auch verstehen, wenn ein Unbefugter den Befehl gibt, ihm nicht zu gehorchen.

5. Eines für alle

Für dieses Problem gibt es eine Lösung, die auch noch gleich ein anderes adressiert: Stimmenerkennung. Der Siri Speaker dürfte nur auf die Stimmen der authentifizierten Bewohner reagieren und sie idealerweise auch noch unterscheiden. Am iPhone erkennt Siri den legitimen Sprecher schon recht gut, nicht jeder darf über "Hey Siri!" Kontakt mit der virtuellen Dame aufnehmen. Wenn nun aber ein Siri Speaker in einem Mehrpersonenhaushalt seinen Dienst verrichtet, dann sollte er auch wissen, wer da gerade mit einem spricht. Sonst würden ja Befehle wie "Zeig' mir meine Fotos vom letzten Wochenende" oder "Spiele meine Workout-Playliste" reichlich absurd klingen.

6. Echte Gespräche

Schon jetzt ist es beeindruckend, wie gut Siri (und auch ihre Konkurrenten) echte Sprache erkennt, wir müssen nicht ein paar Dutzend oder wenige hundert Befehle memorieren und sie exakt so aussprechen, wie es die KI verlangt. Aber das hat heute noch Grenzen. Fragt man etwa Siri und Alexa "Wer ist Jeff Bezos?" bekommt man von beiden die Antwort, aber nur Alexa versteht, was mit der Nachfrage gemeint ist "Wie viel verdient er im Jahr?" Siri versteht das als eine neue Anfrage und sucht im Zweifelsfall im Internet danach. Unschön. Von einem Mitbewohner, wenn er auch nur virtuell ist, erwartet man doch längere und tiefer gehende Konversationen. Aber hier betreten wir ein weites Feld der Forschung an Künstlicher Intelligenz (KI), Maschinen lernen erst langsam, sich an etwas erinnern zu können. Apple investiert aber gewaltig in dieses Forschungsgebiet, nicht auszuschließen, dass der Siri Speaker uns mit seinen Fortschritten verblüffen wird. Dann müsste Siri auch so schlau sein, auf den Aufruf "Gute Nacht, Siri" nicht irgend einen Witz auszugeben, sondern den Fernseher auszuschalten, das Licht zu löschen und die Haustür zu schließen.

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