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So retten Sie die Daten der 32-Bit-Apps vor iOS-11-Update

08.09.2017 | 13:28 Uhr | Stephan Wiesend

Unter iOS 11 können alte Apps mit 32-Bit-Architektur nicht mehr starten – wie sichert man aber seine alten Daten und Lieblings-Apps?

Aus Sicht von Apple ist es schon lange überfällig: Ab Version iOS 11 können nur noch iOS App mit 64-Bit-Architektur verwendet werden, 32-Bit-Apps starten nicht mehr und von der App verwaltete Daten sind nicht mehr verfügbar. Vor dem Umstieg auf iOS sollte man deshalb besser prüfen, ob nicht auch alte Lieblings-Apps davon betroffen sind. Grundsätzlich hat man zwei Alternativen: Man kann versuchen seine Apps zu retten oder zumindest die verwalteten Daten.

Apps retten

Welche Apps sind betroffen?

Beim Start einer App wird man unter iOS 10 bereits darauf hingewiesen, dass die App unter zukünftigen Systemen wohl nicht mehr laufen wird. Man kann dies aber auch anders prüfen: Alle unter iOS 11 nicht mehr lauffähigen Apps werden unter iOS 10 unter Einstellungen Allgemein/Info/Apps aufgelistet. Das betrifft aber nur die Apps auf dem Gerät, einmal gekaufte aber nicht installierte Apps sieht man hier nicht.

Einkäufe auflisten

In der neuen Store-App von iOS 11 ist es gar nicht so einfach, seinen Account zu finden. Um seine Einkäufe aufzurufen, muss man das kleine Account-Symbol klicken, das ganz oben rechts eingeblendet wird. Hier findet man den Eintrag „Käufe“ und erhält eine Liste aller jemals gekauften Apps angezeigt. Eine Suchfunktion gibt es leider nicht, nur eine scrollbare Liste aller jemals gekauften Apps – wahlweise auch eine Liste derjenigen Käufe, die sich nicht auf dem iOS-Gerät befinden.

Ein Antippen eines App-Eintrags sollte eigentlich zur App-Store-Seite führen, bei älteren Apps fehlt diese allerdings oft und man sieht nur eine weiße Seite. Ein Zeichen, das eine App nicht mehr unter iOS 11 läuft, ist bei der aktuellen iPad-Betaversion das Download-Symbol. Bei 32-Bit-Apps ist es nicht hinterlegt und kann nicht angetippt werden. Auf dem iPhone erhält man erst beim Anklicken den Vermerk, dass der Entwickler die App aktualisieren muss. Man kann die App aber weiterhin auf einem iOS-Gerät mit iOS 10 laden und installieren, auch hier muss man seinen Account aufrufen und kann dann die damals erworbene Software herunterladen.

Auf dem iPhone erhält man beim Versuch ein 32-Bit-App zu installieren eine Meldung.
Vergrößern Auf dem iPhone erhält man beim Versuch ein 32-Bit-App zu installieren eine Meldung.

Backup alter iOS-Apps

Alte App-Versionen werden im iCloud-Backup nicht mit gesichert, um Platz zu sparen. Auch bei der Wiederherstellung eines iOS-Gerätes lädt das System Apps neu aus dem App Store, was bei 32-Bit-Apps natürlich nicht erfolgt.

Befindet sich die alte iOS-App noch auf iPhone oder iPad, kann man sie aber per iTunes auf einen Mac oder PC übertragen. Dazu ist allerdings die komplette Synchronisierung des Gerätes notwendig. Alle Apps befinden sich dann als sogenannte IPA-Dateien im iTunes-Ordner "Mobile Applications". Sie können damit allerdings nur wenig anfangen, da die direkte Übertragung auf ein anderes Gerät nicht möglich ist. Zumindest wenn Sie beschließen, auf iOS 11 zu verzichten, können Sie dann ihre alten Apps wieder auf das Gerät übertragen. Will man beispielsweise seine Bento- oder Grafiksoftware zumindest auf einem alten iPad weiter nutzen, muss man die App über dieses iPad neu laden. Bei manchen alten Spielen sollte man sich aber besser fragen, ob man diese nicht ganz einfach löschen soll – auch wenn man damals Geld dafür bezahlt hat.

Alternativen zu iTunes

Besseren Zugriff auf iOS-Daten versprechen Spezialtools wie iFunbox. Hat man die App auf dem Mac oder PC installiert, kann man auf ein per USB-Kabel angeschlossenes iPhone zugreifen. Durch Apples Schutzmechanismen hat man aber kaum mehr Optionen als per iTunes. Seit iOS 8.3 ist nämlich nur noch der Zugriff auf freigegebene Daten möglich, die auch in iTunes per Dateifreigabe zugänglich sind. Zumindest kann man bei vielen installieren Apps aber gezielt einzelne App-Dateien auf den Desktop laden. Wie bereits erwähnt, kann man mit diesen Dateien aber nur selten etwas anfangen. Hilfreich sind Apps wie iFunbox oder iMazing eher, wenn man vor dem Update einer wichtigen App ein Backup der alten Version sichern will – was eine sehr gute Idee sein kann.

Tools wie iFunbox bieten kaum mehr Optionen als iTunes.
Vergrößern Tools wie iFunbox bieten kaum mehr Optionen als iTunes.

Daten retten

Dokumenten-Ordner aufrufen

Der Export von Daten erfolgt bei jeder App anders. Will man nur ein paar gespeicherte Textdateien sichern, etwa in einer viel genutzten Notizen-App, ist dies meist problemlos möglich – zumindest vor dem Upgrade auf iOS 11. Eigentlich hat jede einigermaßen vernünftig programmierte App auch eine Exportfunktion. Spezialfunktionen wie Formatierungen können aber verloren gehen. Als ein echtes Problem haben sich dagegen Grafik-Apps erwiesen, die Projekte in einem eigenen proprietären Format speichern. Ein Export ist bei diesen Apps meist nur als nicht mehr editierbare Bitmap-Grafik möglich, kaum eine der frühen Anwendungen unterstützte skalierbare Vektorgrafiken. Bei großen Mengen an Projekten ist außerdem der Export meist zeitaufwendig. Ärgerlich: Hat man sich entschieden, die App auf einem alten iOS-Gerät zu archivieren, ist nicht immer die Übertragung der Dateien gesichert. Nicht alle alten Apps unterstützen die Datenübertragung per Webdienst, etwa über Dropbox.

Alternativ kann man über iTunes oft auf die sogenannte Dateifreigabe zugreifen. Dazu klickt man in iTunes auf das Gerätesymbol neben dem Ausklappmenü und klickt in der linken Leiste auf „Apps“. Scrollt man im Hauptfenster etwas nach unten, findet man die so genannte „Dateifreigabe“, die für den Datenaustausch zwischen Mac und iOS-Gräte vorgesehen ist. Die meisten Office-Apps ermöglichten darüber den Zugriff auf Dokumente oder verwaltete PDFs.

Über die Dateifreigabe hat man Zugriff auf die freigegebenen Daten einer App.
Vergrößern Über die Dateifreigabe hat man Zugriff auf die freigegebenen Daten einer App.

Tipp für Profis : Speichert die App ihre Daten in dieser IPA-Datei, etwa wie alte Versionen von Good Reader, kann man diese IPA-Datei auch auf dem Mac öffnen. Dazu ersetzt man einfach den Dateinamen durch „zip“ und kann die komprimierte Datei entpacken. Sie sollten dann einen Ordner mit allen Programmdaten vor sich haben, inklusive verwalteter Dateien. Die Programmdatei öffnen Sie mit einem Rechtsklick auf das Programmsymbol. Wählen Sie dazu im Kontextmenü die Option „Paketinhalt zeigen“.

Zumindest Textdokumente lassen sich meist irgendwie retten. Oft basieren die intern verwendeten Dateiformate außerdem auf XML-Dateien. Diese kann man per Kontextmenü meist entpacken oder mit Tools wie BBedit auslesen.

Hat man aber hunderte Dokumente in einer alten Datenbank-App angelegt, die keinerlei Export-Formate unterstützt, ist guter Rat teuer. Zumindest für bekanntere Apps gibt es Lösungen, etwa für die recht beliebte Datenbankanwendung Bento. Vom Hersteller Filemaker gibt es Vorlagen für die Umwandlung in eine Filemaker-Datenbank, was aber eine Vollversion von Filemaker voraussetzt. Auch für Passwortverwalter gibt es oft Konvertierungs-Tools – meist von der Konkurrenz. Bei technischen Zeichnungen ist aber guter Rat teuer. Auch bei Apps für das Erstellen technischer Zeichnungen ist das noch editierbare Eigenformat oft nur mit der App kompatibel und nur der Export in ein nicht mehr editierbares Zielformat möglich.

Fazit: Anscheinend trifft die Einstellung der alten 32-Bit-Apps vor allem Spiele-Sammler und Zeichner: Alte Spiele laufen nur noch auf alten iOS-Geräten, Grafikanwendungen wie Zeichen-Apps machen dagegen durch mangelnde Export-Optionen auf sich aufmerksam. Allerdings sind wir uns da nicht ganz sicher, ob wir hier Apple oder die App-Programmierer dafür verantwortlich machen sollen. Und auch der Käufer einer App sollte sich vor dem Kauf eigentlich fragen, ob eine Software ohne  Export-Funktionen wirklich eine gute Idee ist.

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